Haben Sie schon mal über Pseudonyme nachgedacht?

Hallo zusammen!

Im Grunde kennt es sicher jeder: Das Pseudonym. Sicherlich, das Konzept ist generell auch ebenso simpel wie einfach nachzuvollziehen – ein Autor schreibt nicht seinen eigenen Namen auf ein Buch, sondern eine Art Kunstnamen. Dabei ist das Pseudonym trennungsunscharf vom Künstlernamen zu differenzieren, den ein Autor mehr oder weniger für sein ganzes Leben, nicht aber nur für einzelne Projekte annimmt. Paul Celan etwa – der hieß mit bürgerlichem Namen eigentlich Paul Antschel.

Warum aber wählt ein Autor ein Pseudonym?
Stephen King, sicherlich einer der prominentesten Pseudonym-Nutzer unserer Zeit, hat eine ganze Reihe Bücher unter dem Namen „Richard Bachmann“ veröffentlicht. Gefragt, warum er das getan habe, erklärte er, es sei vor allem ein Experiment gewesen. Er habe sich gefragt, ob die Leute seine Bücher eigentlich noch gut fänden, weil sie eben gut seien, oder nur noch, weil er ihr Autor war. Da sich aber auch die Bachmann-Bücher großer Beliebtheit erfreuten, konnte er guten Gewissens seiner Zunft treu bleiben.

Einen anderen, irgendwie aber auch nachvollziehbaren Grund hatte beispielsweise Anne Rice. Die in den 90ern schwer angesagte Schöpferin von Büchern um den Vampir Lestat und andere Kreaturen der Nacht hatte sich auch in einer ganz besonderen Reihe der literarischen Figur der ‚Sleeping Beauty‘ angenommen. Ziemlich harte, schwere und umstritten erotische Kost, die in ihrer deutschen Fassung sogar rechtlich gar nicht mal mehr einfach zu erwerben ist. Die Bücher erschienen zunächst unter dem Namen „A.N. Roquelaure“. Das ist insofern ein nettes Augenzwinkern, als dass „A.N.“ recht nahe an „Anne“ ist und ein Roquelaure ein französischer Mantel. Durchaus ein nettes Spiel mit dem Namen.

Wiederum klar in das Gebiet der Marktwirtschaft fallen dann auch die ’satirischen‘ Pseudonyme, die in der Regel jedoch auch von eher weniger als mehr kreativem Humor künden. Das beginnt bei der Herr der Ringe-Parodie, die von einem Herrn Tollkühn geschrieben sein soll und endet bei einem gewissen Charles Roch, der mit „trockenzonen“ etwas vom großen Topf voll Gold abhaben möchte, den Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ nach wie vor darstellen.

Pseudonyme sind allgegenwärtig, reichen hin bis zu Lokalgrößen wie Jacques Berndorf, dem König der Eifel-Krimis. Aber eine Frage ist berechtigt: Was hat das Thema mit dem Medium Buch zu tun?
Gibt es, über den Spleen der Autoren hinaus, Gründe, dass ein Buch nicht explizit unter dem Namen des Verfassers erscheint?
Man ahnt es, sonst hätte ich nicht so viel geschrieben – ja, gibt es.

Nehmen wir zum Beispiel jene Buchreihen, die in Gönnerschaft erscheinen. Was ich meine? Beispielsweise diese Bücher, die von verschiedenen Autoren geschrieben werden, aber bei denen am größten auf jedem Cover „Wolfgang Hohlbein präsentiert“ steht. Warum tut es das?
Einerseits, keine Frage, geht es hier darum, Kunden zu locken. Der Name Hohlbein zieht und damit ist er eine gute Aussicht darauf, die eigenen Verkaufszahlen entsprechend verbessern zu können. Aber das ist nicht der einzige Grund. Gerade die großen Buchhandlungen sortieren ihre Auslagen in den Regalen nach dem Verfasser. Und was passiert, wenn das erste Buch einer Reihe von Reinhard Müller, das zweite Buch dagegen von Hildegunde Alfons geschrieben wird? Richtig, sie stehen quer im Laden verteilt. Die „präsentierten“ Bücher werden dagegen oftmals unter dem Namen des Gönners einsortiert, wodurch es er der Kunde bedeutend einfacher hat, die ganze Reihe zu überbrücken.

Will man den Vorteil in der Sortierung, aber eben keinen Gönner, so kann ebenfalls eine Abart des Pseudonyms ins Spiel kommen: Der fiktive Herausgeber des Gesamtwerks. Doch, ja, so etwas gibt es.
Das leider derzeit auf Eis liegende Fantasy-Epos „Gezeitenwelt“ wurde von Bernhard Hennen, Hadmar von Wieser, Karl-Heinz Witzko und Thomas Finn geschrieben – auch hier sieht man schnell, dass das so niemals im Laden beieinander stehen kann. Hier nun half ein Pseudonym aus der Klemme: Die Taschenbuchausgaben der Reihe erschienen unter dem Namen Magus Magellan. Das war dann je nach Band einer der vier zuvor Genannten, aber im Laden fanden sie alle beieinander beim Buchstaben ‚M‘ ihren Platz.
Man könnte allerdings vermuten, dass auch das so keine perfekte Lösung war, da weder die Fans von Hennen wie auch die von Wieser, Witzko oder Finn beim Buchstaben ‚M‘ nachgeschaut haben dürften.

Wo man auch immer die Ursachen vermutet: Nicht immer geht ein Pseudonym alleine auf Koketterie der Autoren selbst zurück, manchmal ist es auch eine Entscheidung mit direktem Bezug auf das Buch als solches.
Ich jedenfalls sehe derzeit noch keinen Bedarf, unter falschem Namen zu publizieren.

Viele Grüße,
Thomas

4 Gedanken zu “Haben Sie schon mal über Pseudonyme nachgedacht?

  1. Eine saubere Übersicht über das Thema.

    Ja, Magus Magellan war bei dem einzigartigen Projekt, zu viert einen Roman zu schreiben, unser Versuch, den verwirrten Buchhändlern einen Ansatz zu bieten. Und es hat – das hast du richtig analysier – nicht wirklich funktioniert. :-)

    • Hui – Prominenz in meinem Blog :)
      Es freut mich sehr, dass dir meine Übersicht über das Thema zusagt. Und ich bin weiterhin betrübt, dass die Gezeitenwelten nicht vollständig realisiert werden konnten; es war ein irre spannendes Projekt und gute Büchen waren es auch noch dazu…

      Viele Grüße,
      Thomas

    • Nun, ich denke, der obige Artikel macht eigentlich recht klar, dass es ganz unterschiedliche Typen von Pseudonym-Gebrauch gibt und, naja, man muss von Fall zu Fall schauen.
      Aber während man bei Magus Magellan noch diskutieren könnte, sind Bachmann und Roquelaure Pseudonyme, wie sie im Buche stehen.

      Was den verlinkten Artikel betrifft – Stephanie Meyer ist vermutlich ein „Projekt“ im Sinne der Medienwelt, wie im Grunde jeder Autor zu unterschiedlichem Grade eines ist, denn Selbstinszenierung gehört anno 2010 einfach zu seinem Handwerkszeug.
      Zu behaupten, es gäbe sie nicht, schießt hingegen über das Ziel hinaus. Warum?
      Alleine, weil ich glaube, dass es einfacher ist, jemanden wie sie (oder Potters Rowling) zu finden und zu pushen, als so jemanden selber zu erschaffen.

      Viele Grüße,
      Thomas

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