Kritik der reinen Pressevernunft

Hallo zusammen!

Heute möchte ich vor allem einmal auf einen Blog-Beitrag meines Kumpels Michael „Scorpio“ Mingers verweisen. Unter dem Titel „Die Krise der Kritik“ verweist er in seinem Blog legi intellexi condemnavi auf ein ziemliches Dilemma, das vermutlich jeder kennt, der selber auch journalistisch tätig ist, aber über das selten laut nachgedacht wird.
Und in der Tat beschreibt der Begriff Dilemma es nicht zu knapp.

Um die Kernthese zusammenzufassen: Zeitungen, aber auch große Webseiten etc., sind wirtschaftliche Institutionen. Sie müssen, letztlich, mit ihrer Arbeit Geld verdienen, nicht nur um fortbestehen zu können, sondern eben auch, um die Mitarbeiter zu bezahlen. Manchmal, je nach genauer Veröffentlichung mehr oder weniger häufig, kann das aber auch zu Konflikten und Problemen führen.
Angenommen man berichtet lokal über ein Vorhaben. Die Bürger sind dagegen, es gibt Gutachten dagegen und alles in allem klingt es nach einer miesen Angelegenheit. Das Vorhaben allerdings ist finanziert oder zumindest angelegt durch irgendeinen „großen Faktor“ in der Region. Jede Ecke hat so ihre Wirtschafts- und Netzwerk-Mächte, und genau denen liegt im fiktiven Beispiel an dem Vorhaben. Was schreibt man dann da?

Auf der einen Seite steht ein journalistischer Auftrag, den zumindest ich auch sehr ernst nehme, und den glaube ich auch viele meiner Kollegen sehr ernst nehmen: Ehrliche, neutrale Berichterstattung. Aber nicht nur, dass dies dem Presseorgan in direkter Konsequenz schaden würde, weil Unterstützung und vermutlich Werbegelder einbrechen in dem Moment, in dem man zu rigoros seinem Auffassung folgt und das betreibt, was in Filmen gerne als das Musterbeispiel investigativem Journalismus‘ dargestellt wird. Mittelfristig bringt es das Organ vielleicht sogar an den Punkt, an dem es, weil es zu exzessiv an Helfern eingebüßt hat, seine Arbeit ganz einstellen muss. Eben auch: aus wirtschaftlichen Gründen.
Das ist eben weder ein Plädoyer für die eine oder andere Lösung, sondern eben das, was ich schon sagte: Ein echtes Dilemma.

Scorps Blogeintrag deckt das Ganze aus einer ganzen Reihe spannender Winkel ab und ergänzt durch den Videospiel-Test-Bereich ein Teil des Berufsfeldes, zu dem ich aus erster Hand gar nichts hinzufügen kann.
Was mir am Herzen liegt, in Ergänzung zu formulieren, ist allerdings der Hinweis, dass das kein Problem ist, das einfach stillschweigend von allen Organen hingenommen wird. Jeder, der Artikel schreibt, weiß um diese Problematik und viele tun sicherlich, was in ihren Möglichkeiten liegt, um möglichst allen Seiten und Interessen gerecht zu werden. Abseits wirklich extremer Fälle, wie das bei Scoro eingehend geschilderte Beispiel aus der ‚großen Politik‘, gibt es immer wieder diese kleinen Entscheidungen, und ich denke, gerade dort ist auch noch mehr Mut zu finden als auf dem ganz weiten Parkett.

Egal wie es ist – ob man den Pressevertretern glaubt, dass sie tun, was sie können, ob man den Kritikpunkt und die Gegenargumente nachvollziehen kann oder nicht, egal wie, Scorps Eintrag ist auf jeden Fall eine interessierte Lektüre wert.

Viele Grüße,
Thomas

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