Der Bachelor: Ein Nachtrag zum Vortag

Morgen zusammen!

Gestern saß ich noch einmal in der Vorlesung, die mich grundlegend zu dem vorigen Posting („Bachelor of Learning by Rote“) inspiriert hatte – und ich möchte einfach kurz ergänzen, dass die Kritikpunkte am System wie auch an der hier geschilderten Systematik stehen bleiben, ich aber gestern etwas erlebte, was man im Universitätsbetrieb selten erlebt:
Volle 90 Minuten nahm man sich Zeit, um die Probleme, Kritikpunkte, Wünsche und Fragen aufgegriffen, über die ich hier im Blog geschrieben habe. Man schien, mit mehreren Dozenten vor Ort, nicht nur das an der RWTH ja mittlerweile verpflichtende und oftmals doch zur Farce mutierende System der Evaluation abspulen zu wollen, sondern es war eine der konstruktivsten Besprechungen des Themas zwischen Studierenden und Lehrenden, die ich je erlebt habe.

Gerade dieses Jahr ist es durch den krankheitsbedingten Ausfall einer Schlüsselperson ohnehin nicht leicht, das alles zu managen, hier im Institut. Da habe ich hohen Respekt vor dieser so offenen Akzeptanz und Diskussion der eigenen Schwächen sowie der Frage, wie man darauf eingehen könne.

Nur bleibt das Problem ursächlich bestehen. Natürlich sind Multiple Choice-Tests fast die einzig gangbare Methode, um eine Pflichtveranstaltung von 130 Studenten abzufrühstücken. 4×130 Interpretationen zu analysieren ist einfach nicht drin, insbesondere nicht in den Rahmenbedingungen des deutschen Bachelor of Arts. Aber darum ging es mir ja auch in den ursprünglichen Post.
Wir sind in Deutschland der fixen Idee verfallen, dass es uns gewaltig nach vorne bringen würde, wenn wir eine ausgiebige Lehre durch eine schnelle Lehre ersetzen würden. Abitur in 12 Jahren, dann drei Jahre Bachelor und ein, allermaximal zwei Jahre für den Master und dann ab auf den Arbeitsmarkt. Als stünde Vater Staat neben den Lernenden und jage sie durch das System wie der Kommandant eines Sondereinsatzkommandos in einem Actionsfilm seine Leute durch einen Hauseingang scheucht. „Hut! Hut! Hut!“

Noch nie war Wissen so einfach verfügbar und so zugänglich wie in unserer Zeit. Und noch nie zuvor wurde eine ganzheitliche Ausbildung derart als schwere Last behandelt wie heute.
Aber nach Veranstaltungen wie der gestrigen Besprechung habe ich die Hoffnung, dass wir die Kurve vielleicht ja doch noch kriegen können.

Viele Grüße,
Thomas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s