Warum ich Schleier aus Schnee quasi neu erfand

Hallo zusammen!

Neulich, da stand ich auf und blickte auf einige verstreute Zettel auf meinem Schreibtisch, die ich Abends beim Verfassen eines Teilkapitels für Schleier aus Schnee noch geschrieben hatte. Etwas hakte im Erzählfluss. Ich hatte das schon kommen sehen und gehofft, dass sich das Problem auf dem Weg zum geschriebenen Kapitel noch lösen würde, aber das hatte es (natürlich) nicht getan.
Es hakte. Und wie ich es auch drehte und wendete, es ließ sich auch nicht lösen.

Also ging ich duschen. Unter der Dusche bin ich ohnehin immer erstaunlich gut darin, Dinge zu durchdenken – das Thema „Wo man am Besten über seine Bücher nachdenkt“ ist eh auch noch auf meiner Wunsch-To-Do-Liste für dieses Blog hier – und letztlich war es auch hier so.
Auch wenn mir die Botschaft vielleicht nicht auf Anhieb gefiel. Denn das Haken, es war nicht der Fehler, es war ein Symptom. Die Ursache war viel mehr eine einzige Setzung in der Grundkonzeption des Buches, die allerdings einen ziemlich beachtlichen Schneeball-Effekt produziert, der knapp hinter dem Beginn des zweiten Viertels des Buches mit voller Wucht aufprallte.
Nun war die Lösung relativ leicht: Diese eine Setzung ändern, Problem gelöst. Nur hat das auch wiederum seinerseits gewaltigen Effekt und wie eine Lawine (okay, gleich höre ich mit den Schneemetaphern auf) riss diese Änderung einen beachtlichen Teil der bisherigen Handlungskonzeption des Buches mit sich.
Das Resultat ist simpel: Ich werde da noch einiges Neuschreiben müssen.

Doch jetzt kommt wir zu dem, weshalb ich darüber nicht mal traurig bin: Das Buch wird auf diese Art und Weise bedeutend besser werden, als es bisher den Anschein hatte. Ich habe so etwas in Kleiner auch bei „Das Dorfgeheimnis“ in Verfluchte Eifel gehabt, wo ich nach zwei Dritteln der Kurzgeschichte beschloss, aus der Ich-Erzählung etwas in dritter Person zu machen und auch noch einen zweiten, zeitlich anders gelagerten Handlungsstrang parallel einzubauen. Aber gerade darum gefiel „Das Dorfgeheimnis“ nachher den Testlesern. Zwar habe ich damit meine beiden Lektorinnen ziemlich in den Wahnsinn getrieben (vor allem, da der Umbau von der ersten zur dritten Person nicht ganz reibungslos war), aber es hat sich gelohnt.
Ähnlich sehe ich es hier, allerdings in weitaus größerem Umfang.

Zwar gibt es diesmal keinen Perspektivwechsel, dafür aber einen neuen Hauptcharakter.
Und warum das ein Buch komplett umwerfen kann, ist vermutlich sogar offenkundig. Jetzt muss ich mich erst mal „mit diesem neuen Gesicht fertig anfreunden“ sozusagen, aber bereits jetzt fühlt sich das Buch viel runder und besser an als vorher.

Es ist aber auch eine der großen Botschaften, an die ich wirklich tief und fest glaube.
Wenn etwas anfängt, sich nicht mehr richtig anzufühlen, dann ist es dringend Zeit, etwas zu ändern.
Dazu gibt es auch eine ganze Menge toller Inspirationen im Netz. Zwei davon stelle ich die Tage hier auch einfach mal vor.
In wenigen Stunden freue ich mich aber erst mal auf den ersten Drehtag von Hilde

Viele Grüße,
Thomas

2 Gedanken zu “Warum ich Schleier aus Schnee quasi neu erfand

  1. Das ist ein Problem, dass selbst bekannte Autoren wie Michael A. Stackpole verfolgt. Er empfahl in seinem Podcast über das Schreiben, jedes Kapitel auszudrucken und abzuheften. Wenn man merkt, dass so ein Problem auftaucht, schreibt man an ab dem neusten Kapitel so weiter, wie man es will und schreibt auf das Kapiteldeckblatt der älteren Einheiten das, was man geändert haben möchte. Details kann man später immer noch klären. Wenn man allerdings ständig die ersten Kapitel überarbeitet, wird man seinen Roman nie fertigschreiben können.

    • Ich denke, da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich dokumentiere auch sehr viel nebenher, wenn ich schreibe. Ich habe eine große A4-Kladde und führe schon geradezu akribisch Buch, aber einige Dinge muss ich auch quasi schon geschrieben haben, um darauf aufbauen zu können.
      Und ja, Details kann man später klären, aber hier geht es ja tatsächlich um absolut basale Grundlagen. Im Grunde gibt es den Punkt, von dem aus ich ‚anders‘ weiter schreiben würde, gar nicht mehr unter den anderen Umständen.

      Aber ja, wer ewig den ersten Satz überarbeitet, hat dann am Ende einen echt, echt tollen, ersten Satz, aber auch nichts anderes…

      Viele Grüße,
      Thomas

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