Vier Jahreszeiten: Herbst

Hallo zusammen!

Heute möchte ich einfach mal ein paar Zeilen zu der Jahreszeit schreiben, die glaube ich im Endeffekt mein Liebling bleibt: Der Herbst.
Ich liebe Schnee, ich mag vor allem die Luft, wenn es Frühling wird und beginne sogar, mit zunehmendem Abklingen der Sonnenallergie, die mich über viele Jahre begleitet hat, den Sommer lieben zu lernen, aber der Herbst, das ist meine Jahreszeit.

Wenn die Sonne ab dem Spätsommer flacher auf das Land fällt, in ihrem Licht die braun und rot gefärbten Blätter golden an den Bäumen leuchten, wenn es draußen kühl wird, aber noch nicht wirklich kalt ist, dann blüht irgendetwas in mir auf. Zwar sind wir noch ein kleines Stück vom offiziellen Herbstanfang am 23. September entfernt, aber es hat angefangen, ganz eindeutig.
Ich habe ja das Glück, jetzt umrahmt von ein paar von Aachens schönsten Straßen und Alleen hier zu wohnen und als ich da in den letzten Tagen so entlang spazierte, kam zum ersten Mal dieses Jahr wieder dieses „Herbstgefühl“ auf.

Ich weiß auch gar nicht so genau, woran das eigentlich liegt. Vielleicht sind es schöne Kindheitserinnerungen? Erinnerungen an die Tage, in denen ich im ausklingenden Sommer doch noch draußen war, vielleicht nur helfen beim Kehren der Straße oder aber, wenn wir wieder Feuerholz geschlagen hatten, mit dabei, wenn die letzten Scheite eingelagert wurden. Ich mag es, draußen zu arbeiten, aber von der Temperatur her mehr als nur ein T-Shirt tragen zu müssen. Weiß der Geier warum.
Ich mag den erdigen Geruch, der von der ganzen Natur in dieser Jahreszeit ausgeht und den man, war man lange genug draußen, meist auch mit sich hinein trägt. Ich werde niemandem widersprechen, der sagt, dass es Menschen gibt, für die Sommermode gemacht wurde, aber ich für meinen Teil liebe es auch, mich in eine warme Jacke zu wickeln und dann an der Luft zu sein. Das ist auch durchaus ein Teil dessen, warum ich so gerne für die AZ in Aachen unterwegs bin – ich brauche die Arbeit an der frischen Luft, glaube ich, ab und an. Ob ich nur für ein Büro allein gemacht bin, würde ich stark bezweifeln.
Außerdem: Wer kann sich schon dem Wohlgefühl entziehen, nach einem Marsch durch kaltes Herbstwetter mit einem Kaffee oder, in diesem Falle, einem heißen Kakao es sich daheim gemütlich zu machen.

Doch auch Herbststürme, wenn auch je nach Region ernst zu nehmen, sind beeindruckende und spannende Ereignisse. Die richtige Kleidung voraus gesetzt habe ich auch nichts dagegen, mich durch einen klassischen Herbstschauer zu bewegen.

Diese Liebe zur herbstlichen Jahreszeit schlägt sich auch popkulturell bei mir sicherlich nieder. Ein Videospiel, das mich massiv geprägt hat was Krimi, Verschwörungstheorien und auch eine obskure Zuneigung zur Stadt Paris betrifft, „Baphomets Fluch“, hat mich schon vor 14 Jahren mit seinem ersten Satz in seinen Bann gezogen gehabt: „Paris im Herbst – die letzten Monate des Jahres und das Ende des Jahrtausends“. Da hatte es mich schon.
Oder auch bei den Büchern – vermutlich hätte mich der „Drachenlanze“-Zyklus von Margaret Weis und Tracy Hickman seinerzeit nicht so leicht um den Finger wickeln können, wenn nicht die ersten beiden Bücher – im Deutschen „Drachenzwielicht“ und „Drachenjäger“ geheißen – aus sehr gutem Grund im Original „Dragons of Autumn Twilight“ betitelt wären.
Der Herbst ist zweifelsohne die Zeit der Schauerromantik, der Grusel- und Schreckensliteratur. Horror, Splatter, Slasher – all das geht auch hervorragend im Sommer. Aber der kriechende, langsame und bedrohliche Schrecken, den man bei Poe, Lovecraft, bisweilen bei E.T.A. Hoffmann oder in den ausgewählten, guten King-Texten finden kann, der zündet nirgends besser als dann, wenn draußen karge Äste sich inmitten des Nebels leicht im Winde neigen.
So spielen die Geschichten von Verfluchte Eifel zwar eher im Sommer oder Spätsommer, aber ich denke, gerade jetzt ist eine gute Zeit, sich das Büchlein „mit an den Kamin zu nehmen“, sozusagen.

Der Herbst ist verschrien als melancholische, schwermütige, von Trauer erfüllte Jahreszeit. Das mag alles stimmen und ein trister Herbsttag kann arg auf dem Gemüt lasten, das ist gar keine Frage. Aber nicht nur, dass ich einen Herbstspaziergang in Sachen Romantik gegen wenig anderes würde tauschen wollen, es steckt auch so viel mehr in diesem dunkleren Herbstmotiv.
Sicherlich ist der Herbst eine Zeit, in der etwas endet. Daher passt das zuvor genannte „Baphomets Fluch“ so gut mit seinen Fin de siècle-Motiven so gut dahin. Aber daher kommen auch etwa in George R.R. Martins viel gelobter Fantasy-Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ viele atmosphärische Elemente, denn was sagt „Winter is Coming“ und das Ende des Sommers denn anderes als „Hebst“? Auch wenn Martins Jahreszeiten eh etwas anders funktionieren…

Vielleicht ist es auch einfach die Tatsache, dass der Herbst mich so gut inspirieren kann. Wenn ich im Sommer spazieren gehe, dann kann ich vortrefflich die Seele baumeln lassen, wie man sagt. Kann abschalten.
In Frühling und Winter, aber vor allem im Herbst aber rasen meine Gedanken mit jedem Schritt und in jedem Winkel scheint eine Geschichte nur darauf zu lauern, gefunden und erzählt zu werden. Wenn ich, wie weiter oben geschrieben, derzeit hier durch das Frankenberger Viertel spaziere, dann weckt das die Lust, sich daheim entweder mit dem zuvor erwähnten Heißgetränk auf die Couch oder aber derzeit sogar noch auf den Balkon zu verziehen und ein gutes Buch zu lesen.
Oder aber, mit selbigem Getränk, zum Rechner zu gehen und ein gutes Buch zu schreiben.

Und ich denke, genau das setzte ich jetzt weiter fort.

Viele Grüße,
Thomas

PS: Ich denke, weitere Jahreszeiten werden hier folgen.

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