20 Jahre Rollenspieler – Heute wird’s retrospektiv

Hallo zusammen!

Derzeit geistern mehrere Inspirationen durch das weite Netz, die mich letztlich zu diesem Post und, vor allem, zuvor bereits zu der Erkenntnis gebracht haben, die in der Überschrift schon angedeutet wird: Ich bin jetzt seit 20 Jahren Rollenspieler.
Ich war sieben, als ich in einem Urlaub in den Herbstferien von einem Freund mit DSA in Kontakt gebracht wurde. Die Herbstferien 1990 waren dem Internet zu Folge vom 8. bis 13. Oktober, womit sich der Anfang dieses für mich so bestimmenden Hobbys in meinem Leben nach all der Zeit erstaunlich präzise festmachen lässt.

Es geht aber noch etwas weiter. In der Rollenspiel-Blog-Welt wird derzeit unter anderem über Illustrationen diskutiert, die gewissermaßen die Essenz eines jeweiligen Spieles ausmachen, was mich eh ein wenig in alte Zeiten zurückgeworfen hat. Dass dann mein Kumpel Markus auch noch eine erste Illustration für ein kommendes DSA-Abenteuer für die DORP vorgestellt hat, die sich am Stil von Horus orientiert, einem Zeichner, der die frühen Jahre meiner Rollenspiel-Zeit durchaus maßgeblich beeinflusst hat, war dann letztlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Irgendwann, als ich so neun oder zehn war, hat mir mein Patenonkel „Die Kreaturen des schwarzen Auges“ besorgt. Das war damals eine große Sache, denn zur Erinnerung, das ist alles vor dem Internet, vor Amazon, in einer Zeit, als man seine Rollenspiel-Produkte im Spielwaren- oder Buchhandel kaufen musste. Zumindest wenn man, wie ich, aus der ebenso idyllischen wie abgeschiedenen Eifel kam. Aber er besorgte mir die Box und sie leistete mir lange Zeit treue Dienste.
Jahre später, ich mag 15 oder 16 gewesen sein, telefonierten wir – er wohnte schon immer etwas weiter weg – und ich erzählte von diesem, meinen Hobby: Rollenspiel. Er war ganz erstaunt, dass es noch immer dieses komische Hobby war, das ich als Neunjähriger interessant fand. Das Telefonat mag 11 oder 12 Jahre her sein, das Hobby reizt mich noch immer. Mehr noch, mittlerweile publiziere ich ja selber in dem Bereich.
Aber was hat sich eigentlich geändert in der Zeit?

Auf der einen Seite muss man klar sagen, dass sich der Bereich professionalisiert hat. Wer sich eine DSA-Grundbox von vor 20 Jahren nimmt (das wäre dann DSA2, genau genommen „Abenteuer Basis-Spiel: Die Helden des Schwarzen Auges“ von 1988) und mit dem aktuellen Basisbuch vergleicht, der wird das Spiel vermutlich auch erst auf den zweiten Blick wieder erkennen. Noch krasser ist’s bei D&D, dessen vierte Edition mit ihren vollfarbigen Hochglanzseiten meilenweit von dem entfernt ist, was die ersten Versionen von D&D und später dann AD&D an Produktionswerten boten.
Es gibt mittlerweile teils sogar recht anspruchsvolle Sekundärliteratur zum Hobby, es gibt Regeltheorien, verschiedene Denkschulen … alles in allem ist das Hobby Rollenspiel in den letzten zwanzig Jahren sehr gereift. Aber.

Aber was? Ich spiele auch heute noch in einer DSA-Runde mit. Es ist sogar meine regelmäßigste Runde, für die ich mittlerweile jeden Dienstag rund 60 Kilometer fahre.  Ich spiele das Spiel auch in seiner vierten Edition gerne, ich mag Aventurien als Setting bis heute sehr – aber gerade in den letzten Wochen ist mir noch einmal klar geworden, dass dennoch viel von dem, was das Spiel für mich ausmacht, aus eben dieser Anfangszeit entstammt.
Nebenstehend abgebildet sieht man das Cover der alten, ersten DSA-3-Box. Die gab es später leicht umgestaltet noch mal, aber so sah meine erste ganz eigene DSA-Box aus. Und wenn ich an DSA denke, dann daran.

Andere Spiele trifft das noch stärker. Ich spiele derzeit eine Earthdawn-Runde. Die macht sehr viel Spaß und auch hier gilt, dass auch handwerklich an den heutigen Editionen des Spieles nichts zu meckern ist.

Aber das, was Earthdawn für mich ausmacht, das, was mich das Setting und damit das Spiel sofort hat lieben lassen, waren die Emotionen, die das nebenstehend abgebildete Cover in mir auslöste. Es war ein einsames, trauriges, fast melancholisches, dabei aber auch phantastisches und mystisches Setting, was mir von diesem Bild versprochen wurde.
Earthdawn kann all das erfüllen, oder auch ganz anders sein. Alles gar nicht die Frage. Aber irgendwie ist es dieses Gefühl, zu dem ich zurückkehre, wenn ich etwas für Earthdawn plane, und weniger die mehr als 30 Publikationen, die ich seither gelesen habe.

Ich könnte weitere Beispiele anführen. „Magus: die Erleuchtung“ wird für mich immer eng an das geknüpft sein, was das Grundregelwerk der zweiten Edition, mit der ich zugestiegen bin, suggeriert hat und weniger mit dem, was spätere Bücher ausgeführt haben. Bei AD&D ist es sogar noch eigenartiger – da ist es vor allem die Haptik der alten Grundbücher, die mir im Gedächtnis geblieben ist…

Aber warum das? Wie kommt das?
Es sind nicht die Regeln, es ist nicht so sehr der generelle Aufbau der Spiele. Mit der sog. „Old School“-Welle kann ich eigentlich ebenso wenig anfangen wie mit den teils selbsternannt postmodernen Indie-Spielen. Aber was ist es?

Ich glaube, es ist ein wenig ein Schutzmechanismus. Ein Schutzmechanismus gegen eine Entwicklung, mit der man vermutlich immer konfrontiert ist, wenn man sich intensiv und/oder lange mit etwas beschäftigt. Es ist ein Schutzmechanismus gegen die Abgeklärtheit.
Irgendwann macht das Gefühl sich breit, dass man halt irgendwie doch alles schon gesehen hat. Im Spiel wie außerhalb. Man hat begriffen, wie die Mechanismen funktionieren. Man hat Wahrscheinlichkeiten kennen gelernt, weiß warum die Chancenverteilung bei zwei sechsseitigen Würfeln ganz anders ist als bei einem zwölfseitigen Würfel, all das hat man gesehen. Vielleicht ist man auch tief genug eingestiegen, dass man weiß, dass die Macher von Rollenspielen auch keine überlebensgroßen Ikonen sind, sondern – wie vermutlich alle Ikonen – eigentlich ganz normale Typen wie du und ich.
Und eigentlich sollte sich an diesem Punkt eine gewisse Sättigung einstellen. Doch dann springt der Schutzmechanismus rein.

Noch immer möchte ich auf diesem Felsplateau vor blutrotem Himmel stehen, mit dieser Burgruine im Hintergrund wie auf dem Cover von DSA3. Ich möchte durch die Nebelsümpfe ziehen und diese steinerne Figur sehen, wie eine Statue vom Sumpf verschlungen, doch mit schwarzem, verfilztem Haar.
Ich persönlich glaube, dass es nicht zuletzt das ist, was so viele zur Phantastik und auch zum Rollenspiel hinzieht, oder? Dieses Verlangen, fremde Welten zu bereisen. Diese Cover, aber allgemein diese Bücher haben mir mehr Abenteuer versprochen, als sie bisher einlösen konnten. Auch in zwanzig Jahren.
Ich bin ihnen darum aber nicht böse, ich bin ihnen dankbar.
Denn so kann ich weiter reisen.
Vielleicht ja sogar weitere zwanzig Jahre.

Viele Grüße,
Thomas

10 Gedanken zu “20 Jahre Rollenspieler – Heute wird’s retrospektiv

  1. Ach ja…ich liebe DSA! Battlebikinis, Gut-gegen-Böse, du bist der Held, da sind die Bösen, geh hin, mach platt…Das ist so schön unkompliziert!;) Das lernt man zu schätzen, wenn man länger Kult und Chtulu und sowas spielt!;D

    • Ich sehe das ganz genauso :)
      Nichts gegen ein ernstes und auch emotional oder intellektuell forderndes Szenario, sei es nun Kult, Cthulhu oder auch die WoD (die *kann* das nämlich auch, tut sie nur oft nicht ;)) … aber manchmal muss es auch einfach mal einfach sein ;)

      Meine laufende D&D-Runde ist ganz bewusst das, was ich „80er-Jahre Fantasy“ nennen möchte und DSA … ja, auch irgendwie manchmal ^^
      Ich habe auf mehreren Cons jetzt schon DSA-Oneshots angeboten, die komplett auf eine Gruppe Praios-Bannstrahler ausgelegt waren. Ich kann dir sagen, das maximiert das Schwarzweiß-Denken ungemein ;)

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Kinder wie die Zeit vergeht…tja, wobei mir gerade bewusst wird das sich das bei mir auch jähren dürfte. Kann es leider nicht so zeitlich genau festmachen wie du.

    • Wie sagte neulich eine Bekannte von mir zu einem Bekannten von mir: „Du bist jetzt auch zu alt um noch jung zu sterben.“
      Verrate dir privat mal wer zu wem ;)

      Warst du mit bei den Leuten, die über die Runden bei Rachs ins Hobby geraten sind?

      Viele Grüße,
      Thomas

      • Ja war auch dabei, aber wir hatten schon vorher ne DSA Runde mit Tom, Janine, Torsten, Jan und David…aber über die Runde bei Rachs bin ich zumindest an Matthias und später den Rest geraten. ;)

      • Alles klar, war mir da nicht mehr sicher ^^
        Ich bin ja erst später über ganz andere, viel größere Kurven dann letztlich über Olli an Matthias geraten und so an euch ^^

        Viele Grüße,
        Thomas

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