Der Irrsinn preisgebundener eBooks

Hallo zusammen!

Gestern Abend erreichte mich ein Link auf einer Webseite namens Buchpreisbindung, die online unter www.preisbindungsgesetz.de zu finden ist. Dort ist nun auch ein Artikel erschienen, den man an dieser Stelle hier finden kann und in dem ganz gezielt einige Fragen zum Thema der Buchpreisbindung im Bezug auf elektronische Bücher beantwortet werden. Der Artikel ist in jedem Fall empfehlenswert und beantwortet ein paar Fragen auf den Punkt, die man mittlerweile im Netz mit unterschiedlichsten Antworten bedacht entdecken kann.
Wer hier nicht regelmäßig mitliest, für den sei kurz gesagt dass ich voll auf echte Bücher, mit Papier und so, stehe und zwar nicht ausschließen will oder würde, dass da irgendwo die Zukunft liegen mag, das aber für mich wenn keine rosige Zukunft ist.

Dennoch erkenne ich Bockmist, glaube ich, wenn ich ihn sehe und die deutsche Politik im Bezug auf die Preisbindung bei elektronischen Büchern ist meines Erachtens genau das.
Wohlgemerkt – diese Kritik richtet sich nicht gegen die verlinkte Webseite oder aber gegen den Artikel oder seinen Verfasser, sondern vielmehr gegen die derzeitige Buchmarkt-Situation und Buchpreisbindungs-Politik in Deutschland allgemein.
Der Artikel bringt nur auf den Punkt, was ich halt einfach schlimm finde…

Bezug nehmend auf den obigen Artikel will ich jedoch drei Gründe nennen, warum ich das so sehe. Denn da gäbe es an sich sogar noch viel, viel mehr.
Aber da war doch was mit der Würze der Kürze…

1. Ausnahmen sind Schwamm

Ausgenommen von der Preisbindung sind laut obiger Übersicht, Zitat aus obigem Artikel:

„E-Books mit Multimedia-Applikationen (mit audio- bzw. audiovisuellen Funktionen, sofern sie die für die Textnutzung von Bedeutung sind).“

Nun ist mir auch klar, dass das kein Gesetzestext ist. Aber die Frage an den Gesetzgeber bleibt. Ab wann ist denn eine audiovisuelle Funktion für die Textbenutzung von Bedeutung? Reicht es, wenn mein Buch passende Hintergrundmusik abspielt, während ich es lese? Oder braucht es interaktive Inhalte, wie die schrecklichen „interaktiven Lexika“ aus den späten 90ern das oft gemacht haben, wo ich dann kurze, gehaltlose Videos zu dem Artikel gucken konnte, der so auch im Buch stand?
Wo ist die Grenze? Wer legt fest, wo ein Grenzfall im Zweifelsfall steht?
Und wieso ist das überhaupt Rechtens, wenn doch das Preisbindungsgesetz alle Medien betrifft, die – Zitat – „Bücher ‚reproduzieren oder substituieren’“?

2. Keine abweichenden Preise

Ich kann, gerade im Rahmen der Preisbindung verstehen, dass man verschiedenen Anbietern keine unterschiedlichen Preise gestatten möchte. Es ging ja immer darum, Preisdumping zu vermeiden und genau dazu kann das hier theoretisch auch dienen, damit hier nicht der Kampf zwischen Apple und Amazon in Form einer Preisschlacht auf dem Rücken der Autoren ausgetragen wird.
Allerdings erledigt man mit diesem System auch jede Chance, die amerikanische Methode attraktiver Preiskoppelungen zu fahren. Etwa: Wer eine Hardcopy erwirbt, kriegt das eBooks kostenlos dazu. Finde ich persönlich ungeheuer attraktiv, weil es alle Vorteile vereint. Gerade bei Büchern mit Anwendungsbezug, Sachbücher etwa, finde ich die Idee super. Meine wissenschaftliche Fachliteratur daheim als gebundenes Buch zum angenehmen Arbeiten und doch auf Reisen oder in der Uni nur einen Fingerzeig entfernt, und das, ohne gleich den fast doppelten Preis zu latzen?
Phantastisch, reiht mich als Käufer ein.
Aber nicht in Deutschland.

3. Die Preislage

„Viele Verlage orientieren sich am Taschenbuchpreis oder machen einen Abschlag von ca. 20% auf den Preis des gebundenen Buches.“

Darüber ist schon viel gesprochen worden, sieht in der Praxis wirklich so aus, aber mal ehrlich, wer denkt sich diese Zahlen denn aus? Mal ganz im Ernst: Wenn es fair wäre, ein eBook gegenüber dem gebundenen Buch um 20% günstiger anzubieten, heißt das dann, dass ein gebundenes Buch auch nur 20% seines Preises durch die Produktionskosten, Lagerung und Vertrieb deckt? Also all die Bereiche, die beim eBook so ja nicht mehr nötig sind?
Wohl kaum. Da bleibt eine ganze Menge mehr Geld letztlich übrig und in der Regel dürfte davon beim Autor wenig ankommen.

Aber okay, das ist vielleicht etwas konfus so, schauen wir uns das mal noch aus der anderen Richtung an. „Der Weltensammler“ von Ilija Trojanow kostet im Hardcover 24,90 Euro. Zieht man davon 20%, also 4,98 Euro ab, bleiben 19,92 Euro übrig. Erscheint euch das wie ein attraktiver und, vor allem, fairer Preis für ein eBook? Mir nicht.
Aber die obige Empfehlung sagt ja: Wahlweise 20% Abschlag auf den Preis des gebundenen Buches oder aber orientiert am Taschenbuch.
Das Taschenbuch kostet 9,90 Euro. Das ist 39,76% des Hardcover-Preises und vor allem mehr als zehn Euro Differenz zu dem 20%-Abschlag.
Was ist denn das für eine Maßgabe? Und an welchem Markt orientiert sich das denn?
Nein, ganz im Ernst, ich erkenne da kein System oder, wenn überhaupt, nur eine systematische Verweigerungshaltung gegenüber den neuen Medien in so einem Verhalten seitens der Verlage.

Abschließen möchte ich ganz unseriös mit einem Zitat, direkt aus Star Wars. Yoda sagt das in „Das Imperium schlägt zurück“:
„Darum,“ sagt er da, „darum versagst du.“

Viele Grüße,
Thomas

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