Warum schreiben Autoren eigentlich?

Hallo zusammen!

Ich habe mich in diesem Jahr und an dieser Stelle ja schon eine Menge gefragt, beziehungsweise mich einer ganzen Menge Fragen „laut denkend“ angenähert. Zum Abschluss des Jahres habe ich aber noch ein Thema anzubieten, über das ich dieses Jahr eine Menge nachgesonnen habe.
Autoren schreiben. Soweit, so klar.
Aber warum?

Neulich fragte mich ein sehr geschätzter Onkel von mir, ob sich das eigentlich für mich lohne, das mit den Büchern. Ich bin in einen mittlerweile trainierten Reflex verfallen, wurde mir nachher klar, und habe vor allem wirtschaftlich reagiert. In den meisten Fällen ist diese Frage auch so gemeint – ob sie es zu dem Zeitpunkt war, weiß ich allerdings gar nicht. Denn auch wenn ich insgesamt schon an den Büchern verdiene, so ist das Geld in dem Falle nur bedingt mein Motivator.
Es ist nett, aber es ist kein Grund.

Aber was ist denn dann der Grund?
Ist es ganz lapidar das, was man „l’art pour l’art“ nennt, also Kunst um der Kunst willen? Schwierig, das pauschal zu beantworten. Ich denke nicht, dass Kunst als Selbstzweck – Kunst machen um Kunst zu machen – etwas ist, was ich persönlich für erstrebenswert halte. Aber fast.
Was ich erstrebenswert finde, und damit kommen wir der Wahrheit vielleicht etwas näher: Ich möchte Erschaffen, um etwas für jemanden zu erschaffen. Als Dienst an einem Publikum.

Publikum ist gut! Und – wenigstens was mich betrifft – Publikum ist etwas, was ab einer Person beginnt.
Als in Aachen gerade der Weihnachtsmarkt losging, kam ich an einer Bude vorbei, die offenbar von einem Märchenerzähler okkupiert wurde. Es war saumäßig kalt und rundum fies vom Wetter her, aber ein Kind saß davor, tief in seinem Anorak vergraben. Und der Erzähler erzählte.
Nicht einfach so, sondern richtig mit Hingabe und Eifer, als hätte er eine ganze Arena gefüllt. Das hat mir extrem gut gefallen, das ist, was ich auch immer wieder gerne sage: Publikum ist nicht quantifizierbar und wenn man auch nur einen Hörer hat, so reicht das doch, um dafür dankbar sein zu können!
Lustiger Nebengedanke, der zwar nicht 100% haltbar, aber irgendwie doch schön ist – Publikum bezeichnet eine Zuhörerschaft unbestimmter Menge, aber steht grammatikalisch im Singular. Eigentlich sehr passend.

Einer der besten Dozenten, die ich je hatte, sagte vorletzte Woche zu uns: „Literarische Texte zielen emphatisch auf den Eingang in die Ewigkeit und die Haltbarmachung über die Zeit hinweg.“
Ist das auch eine tragbare These? Schauen wir mal…
Man kann den Satz gewissermaßen als Ausweitung der Publikumsidee verstehen. Ich möchte rezipiert werden, denn es ist ja mein Interesse, Inhalte und Stimmungen an ein Publikum zu kommunizieren. Es ist sicherlich auch nachvollziehbar, das potentielle Publikum durch die Erhöhung des Zeitraums auf „ewig“ massiv zu erweitern. Oder?
Es entspricht auch einer der gängigsten Thesen aus der Management- und Motivationsecke, der zufolge einer der unterbewussten Wünsche des Menschen zu formulieren wäre als: „Wir wollen vermisst werden.“
Ist das eine veritable Idee? Wir produzieren kreativen Content mit der Hoffnung, dass es den Menschen einen Bonus bringt in ihrem Leben, den sie, wenn sie um ihn wüssten aber ihn nicht hätten, vermissen würden?
Es klingt teilweise intuitiv, aber es überzeugt mich nicht ganz. auch irgendwie aus einem Bauchgefühl heraus. Schwierig.

Warum sind wir also Geschichtenerzähler? (Und ja, ich denke, das gilt für Sachbuch-Autoren gleichermaßen). Suchen wir nach der richtigen Perspektive durch einen Blick in einen Zerrspiegel.
Bis zur Feindseligkeit kritische Stimmen haben ja so ein paar klassische Killerphrasen, wenn es um ambitionierte Schreiber geht, die ihren Wert noch nicht durch den empirisch fragwürdigen Beweis aufzeigen konnten, etwa in der Spiegel-Bestseller-Liste aufgetaucht zu sein. Einen davon – „Kann man doch eh kein richtiges Geld mit verdienen“ – habe ich ja quasi eingangs schon angesprochen. Geld ist sekundär für mich, wenn es um das Schreiben geht.
Diese kommerzialisierte Sicht ist eine neumodische Form einer Literaturverachtung, die schon vor Jahrhunderten in Varianten existierte: Fiktionales, Literales, daraus kann ja auch gar nichts Vernünftiges werden…
Jetzt mögen Leute sagen, dass ein Widerspruch an dieser Stelle nur von Ignoranz gegenüber der marktwirtschaftlichen Realität zeuge. Ich, aus der Richtung Selbstverlag/on demand schielen, würde da aber einfach sagen: Nee, tut es nicht. Dafür sind die Kosten anno 2010 einfach zu gering…

Killerphrase 2 wäre wohl: „Ah, willst wohl der nächste Goethe werden, was?“
Nein. Der Eingang in den Literaturkanon und die Erklärung zu einem „Klassiker“ der Literatur ist vermutlich so weit von dem entfernt, was ich will, wie nur möglich. Es gibt dazu eine Redensart: „Jemanden als Klassiker zu bezeichnen, das heißt, ihn zu beerdigen.“
Es ist ein Prädikat, das dazu dient, ein Werk zu immunisieren. Immunisieren gegen Kritik und gegen Fragestellungen der Zeitgeschichte gleichermaßen. Vielleicht ist ein Klassiker per Definition zeitlos, aber er verliert auch zugleich an Aktualität. Für immer.

Ich denke, ich komme schlicht zu dem Geschichtenerzähler von zuvor zurück. Ich schreibe, ich erzähle für andere. Ich tue das in Geschichten, Gedichten, Sachtexten, wissenschaftlichen Arbeiten und bei Vorträgen. Der Stil ändert sich, das Ziel nicht.
Ich möchte im Idealfall dem Publikum zwei Dinge geben: Wissen, oder sagen wir neue Ideen, über die sie nachdenken können, die ihnen vielleicht neue Perspektiven schenken. Und Freude. Wenn ich einen Vortrag halte und am Ende kommt jemand zu mir und sagt, er habe daraus nichts mitnehmen können, dann würde es mich traurig stimmen. Aber käme er und sagte, er habe es zwar interessant, aber nicht unterhaltsam gefunden, dann ebenso.
Ich will damit nicht reich werden, ich will kein Klassiker werden, ich will in keinen Kanon. Aber ich möchte gerne rezipiert werden – und es liegt mir daran, dass jene, die das tun, dies dann als einen Gewinn empfinden.
Es ist insofern auch immer eine persönliche Sache. Ich möchte letztlich etwas von mir geben, damit andere sich daran erfreuen. Klingt fast arrogant, wenn man es so sagt…

Ich habe jetzt viel angeschnitten, ohne es zu diskutieren. Literaturverachtung, Fiktionalität, die kommerzielle Seite des Schreibens, die Bedeutung des literarischen Kanons und die bestenfalls sehr asymmetrischen Beziehungen zwischen einem Bestseller-Status und wirklicher Qualität wären durchaus solche Themen, die 2011 mal eigene Postings verdient hätten.

Was ich gerade getan habe, ist eigentlich vor allem eine Reflexion darauf, warum ich schreibe und die implizite Fragestellung, ob – und nicht: Behauptung, dass – man das so auf andere Schreibende vielleicht übertragen kann.

Die Frage, warum ich ganz persönlich schreibe, habe ich übrigens schon einmal an anderer Stelle sehr ausführlich erörtert. Damals für ein Web-Magazin, das HELDEN hätte heißen sollen, sich als recht klägliche Todgeburt erwies und dessen Macher mittlerweile nicht mal mehr auf Nachrichten zu reagieren scheinen.
Ich denke, ich werde den Text Anfang 2011 hier im Blog bringen. Er ist auf jeden Fall wesentlich konkreter, weniger assoziativ und laut gedacht.

Eines aber liegt mir noch am Herzen – ihr, die ihr dies hier lest und dabei auch schreibt:
Warum schreibt ihr?
Fragt es euch einfach mal und wenn ihr mögt, denkt doch einfach mal laut für mich.
Mich würde es freuen!

Mit einer Prise Dekameron, nur ohne Pest und Schweinskram, werde ich mich nun mit einigen Freunden für den Rest dieses Jahres in die Berge zurückziehen, sozusagen. Was sich hier etwa an Kommentaren sammelt werde ich lesen und beantworten – aber erst nächstes Jahr.

Wir lesen uns demnach vermutlich auch im neuen Jahr wieder! Mein Rückblick auf 2010 wird wohl erst Anfang 2011 kommen, aber dafür war das Jahr auch einfach zu ereignisreich in alle Richtungen, um diesen Text anders als mit Ruhe schreiben zu können.

Viele Grüße und schon einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr,
Thomas

8 Gedanken zu “Warum schreiben Autoren eigentlich?

  1. Was ist mit „In jedem Menschen steckt eine Geschichte?“ und „Ich schreibe für mich?“ Ist man selbst schon die Person, für die man etwas schafft, um sich Autor zu nennen? Und wie verhält es sich dann mit dem Anspruch etwas bleibendes zu schaffen? Kafka wollte ja, wie andere Autoren auch, dass sein Werk nach seinem Tod vernichtet wird. Wenn man sich selbst den Ewigkeitsanspruch abstreitet, wird das eigene Schaffen dann nur durch andere zum Werk? Können Texte für einen selbst keine Kunst sein?

    • Gute und spannende Einwände. Wie ich ja schon schrieb, sind das obige vor allem Reflexionen meiner eigenen Herangehensweise und eine unterstellte Übertragbarkeit auf andere. Nicht zwingend auf alle.

      Das Problem mit Kafka ist natürlich, dass alles, was man in dessen Richtung mutmaßen kann, stets spekulativ bleiben muss, da wir es einfach nicht besser wissen. Aber während er mit der Bitte um die Zerstörung seiner Werke ein Extrem darstellt, sind natürlich auch Autoren, deren Texte teils Posthum veröffentlicht worden sind, zumindest eine Instanz, die – wenn das obige Modell stimmt – ganz klar nach einer Erklärung verlangt.

      Allerdings muss man auch einräumen, dass einige deiner Fragen im Grunde auf andere Aspekte Bezug nehmen als ich. Wie gesagt, meine Fragestellung ist „Warum schreiben Autoren?“ – und ich denke, das ist nicht zwingend mit der Frage verbunden, warum Autoren später nicht wünschen, dass ihre Texte veröffentlicht werden.
      Vielleicht genügen sie im Nachhinein ihren eigenen Ansprüchen nicht oder sie fürchten, unvollendete Texte von sich der Öffentlichkeit preisgegeben zu sehen. Aber das beantwortet nicht die Frage, warum sie die Texte in erster Instanz überhaupt niedergeschrieben haben.

      Im Falle Kafkas ist die Sachlage natürlich noch mal komplexer, da er unter anderem in einem seiner beiden Briefe an Max Brod anlässlich seines Nachlasses schreibt:
      „Wenn ich sage, dass jene 5 [zuvor genannten; Anm. v. mir] Bücher und die Erzählung gelten, so meine ich damit nicht, dass ich den Wunsch habe, sie mögen neu gedruckt und künftigen Zeiten überliefert werden, im Gegenteil, sollten sie ganz verloren gehn, entspricht dieses meinem eigentlichen Wunsch. Nur hindere ich, da sie schon einmal da sind, niemanden daran, sie zu erhalten, wenn er dazu Lust hat.“ (zitiert nach: Max Brod/Franz Kafka, Eine Freundschaft. Briefwechsel, hrsg. von Malcolm Pasley, Frankfurt am Main 1989 (S.Fischer), S. 421-422.)
      Aber auch hier gilt: Es wäre interessant zu wissen, warum er die Texte ursprünglich niedergeschrieben hat.

      Bei deinen anderen Fragen sollte man zwei unterschiedliche Aspekte unterscheiden – die Frage, ob ein Text gewissermaßen aktiv durch sein Publikum zu einem Werk wird ist spannend, aber natürlich ebenfalls sekundär hinsichtlich der Frage, warum Leute schreiben.
      Die Frage, wann etwas Kunst ist, ist vermutlich nicht zu diskutieren ohne dass man vorher jeweils eine Definition des Begriffes Kunst aufgestellt hat. Da ist mir schon so viel unterschiedliches Zeug untergekommen, dass vermutlich alles Kunst ist, nach irgendeiner jeweils passenden Definition zumindest.

      Wohl aber spannend ist die Frage, ob man selber sein Publikum sein kann.
      Der Gedanke widerstrebt mir rein intuitiv etwas, aber warum nicht? Wenn jemand etwas schreibt mit der festen Zielsetzung, es später selber noch einmal lesen zu können – das wäre schon denkbar. Und in einigen Fällen, etwa Tagebüchern oder Listen guter Vorsätze, die man nach x Jahren ob ihrer Umgesetztheit zu überprüfen gedenkt, sogar naheliegender, als es auf den ersten Blick scheint.
      Wenn auch in dieser Form vermutlich nicht die Regel…

      Viele Grüße,
      Thomas

      PS: Wohl aber hast du die Frage nicht beantwortet, die der Text stellt ;)
      Warum schreibst du?

  2. Ich schreib zwar selbst nicht, aber ich glaub das Autoren ihre Bücher schreiben um anderen Menschen Einblicke in ihre Denkweise zu verschaffen.

    • Hallo Sophie!

      Ich denke, da bist du auch auf einer sehr guten Spur!
      Jeder Autor folgt ja einer bestimmten Eingebung, wenn er schreibt, sogar bei einer Auftragsarbeit. Er schildert Dinge aus seiner Sicht; so wie ich auch versuche, wenn ich Fotos mache, zu zeigen, warum Dinge aus meiner Perspektive einen künstlerischen Wert oder Schönheit haben.

      Danke für den Beitrag :)

      Viele Grüße,
      Thomas

  3. Hallo Thomas,

    offengestanden bin ich während der Suche auf diese eine Frage „Wieso schreibe ich?“ auf deinen Blog gestoßen…Ich erhoffte mir eine mögliche Antwort zu finden und stehe nun wieder vor eben dieser Frage.
    Ich kann auch jetzt keine klare Antwort darauf geben. Vielleicht gibt es auch gar nich die „eine“ Antwort, sondern viele kleine Antworten.

    Ich schreibe gerne über meine eigenen Gedanken und Gefühle, aber warum? Was verspreche ich mir davon? Sehe ich sie danach klarer? Kann ich sie dadurch besser greifen? Oder erhoffe ich mir nur, dass sie vielleicht irgendwann ein anderer liest und genau das selbe empfindet?
    Ähnliches könnte ich dich fragen, wieso schreibst du einen Blog, in dem du uns deine Gedanken mitteilst?

    Wenn ich beginne eine Geschichte zu schreiben, ist das – wie soll ich sagen – wie eine Art „kleine Therapie“… Es befreit den Kopf.
    Es ist ein unglaubliches Gefühl eine Welt zu erschaffen. Menschen auferstehen zu lassen, Berge zu versetzen, über das Leben einer Person zu entscheiden. Selbst wenn es diese Person in Wahrheit gar nicht gibt, trotzdem ist es ein unsagbar starkes Gefühl. Vielleicht kennst du es, wenn du einen Film oder eine Serie schaust, oder eben auch, wenn du ein gutes Buch liest: Du bekommst das Gefühl, als wären diese Figuren real, als wären sie tatsächlich irgendwo auf deiner Welt zuhause und als wärst du bei ihnen gewesen, hättest sie beobachtet, ihren Worten gelauscht und als wärst du ein Stück ihres Lebens mit ihnen gegangen. Und wenn du weißt, dass du ein solches Gefühl,eine solch reale Person beim Leser hervorrufst, ist das ja beinahe schon Grund genug zu schreiben. Du hast die Macht genau so eine Person zu erschaffen, die dein Leser schon immer einmal kennenlernen wollte. Und für die Zeit, in der dein Leser deine Geschichte liest, gibst du ihm das Gefühl genau so einem Menschen zu begegnen und ihn vielleicht auch zu kennen.
    Ist das nicht wunderbar? Ein kleines bisschen „Gott“ spielen?

    Es ist doch erstaunlich. In einem kleinem Beitrag habe ich für mich gleich zwei Fragen gelöst: Wieso schreibe ich generell? Und was bringt es mir, meine eigenen Gedanken nieder zu schreiben? Auf die zweite Frage dürftest du nun die Antwort kennen ;-)

    Ich wünsche dir einen schönen Abend.
    Alles Liebe
    Ron

    • Hallo Ron,

      und entschuldige vorab, dass das mit der Antwort was gedauert hat; die letzten zwei Wochen waren maßlos stressig bei mir.
      Nun aber zu deinem Kommentar – zunächst vielen Dank!
      Die Frage, warum ich ein Blog habe, darin sogar recht regelmäßig und oftmals auch gar nicht mal kurz schreibe, ist fair. Und nicht einfach zu beantworten. Ich denke, so wie du es auch andeutest, sind es eine Reihe möglicher Antworten, die alle zu einem gewissen Grad Gültigkeit haben. Zu welchem Grad, nun, das hängt glaube ich teilweise sogar einfach nur von der Tagesform ab.

      Warum ich schreibe, hier im Blog, ist immer etwas abhängig davon, was für ein Beitrag es ist. Beiträge über meine eigenen Projekt sind, letztlich, natürlich auch Werbung. Aber nicht nur, weil ich persönlich zu den Menschen gehöre die gerne auch immer etwas ‚behind the scenes‘ mitbekommen und es mir daher gleichermaßen am Herzen liegt, anderen bei meinen Sachen dazu die Chance zu geben.
      Die verstreute Sachartikel, seien es die unter „Habe Sie schon mal über … nachgedacht?“ laufenden Texte zu Büchern so als Medium an sich oder etwa Besprechungen von Schreibratgebern etc., erwachsen aus meiner Freude daran, Wissen zu teilen. Ich mache das einfach gerne. Und wenn ich dann beispielsweise einen Artikel darüber schreibe, warum auf alten Taschenbüchern auf dem Buchrücken diese kleinen Punkte sind oder wie eine ISBN sich zusammensetzt und sich dann jemand meldet und meint, das habe ihm irgendwie geholfen oder ihn einfach nur interessiert, dann freue ich mich. Ich weiß nicht, ob du dich sonst hier etwas umgeschaut hast, aber falls ja, ist dir vielleicht schon begegnet, dass zu den wichtigsten Dingen gerade auch in unserer Zeit für mich das Wissen gehört. Das aktive, eigene Wissen, nicht nur das irgendwo anders abrufbare; das ist ein Standpunkt, den man nicht teilen muss, aber jeder der mit einem Quäntchen Wissen mehr hier fortgeht, als er vorher hatte, macht micht durchaus glücklich.

      Aber dann gibt es noch diese dritte, wirklich vertrackte Kategorie, die das Tag „Gedankengänge“ hat. Das sind … oftmals einfach Überlegungen, die ich mir eh gemacht habe, aber auch Überlegungen, die ic gerne teilen will. Vielleicht ebenfalls aus der Freude am Lehren, manchmal aber vielleicht auch, weil mir etwas missfällt und es mich wundert, dass da sonst niemand was dazu schreibt – ich hab mal einen langen Artikel über die furchtbaren Cover in der deutschen Phantastik anlässlich der aktuellen Pratchett-Neuauflage geschrieben, der fiele wohl so in die Kategorie. Es ist wohl alles in irgendeiner Form Produkt meiner Tendenz dazu, eh über alles zu reflektieren, was bei drei nicht auf den Bäumen ist ;)
      Und zuletzt vielleicht als vierte von dreien gibt es Dinge, die mir persönlich wichtig sind. Wirklich einfach persönliche Dinge (wobei ich offen sage, dass es da eine Schranke gibt und es ein, zwei Bereiche gibt, die nicht mehr nur persönlich, sondern privat sind und daher nicht hier landen), aber etwa auch Erfahrungen in meinen anderen, großen Hobbybereichen wie LARP oder Tanz, die landen auch hier. Da ist meine Überlegung … ja, mir fällt kein Oberbegriff ein, daher als Gedanengang beschrieben: Die Besucherzahlen legen nahe, dass eine Reihe von Leuten hier regelmäßig reinschaut; Freunde und Bekannte, aber offenbar auch andere Leute. Und ich denke mir, wenn die Leute regelmäßig herkommen, dann mutmaßlich ja, weil sie interessiert, was ich tue. Und dann will ich das auch einfach mit ihnen teilen.
      Falls das soweit nachvollziehbar ist.
      Und vielleicht deine möglicherweise sogar nur rhetorisch gemeinte Frage beantwortet.

      Auf die Frage, warum ich allgemein schreibe, hat ja mein Artikel an sich schon geantwortet.
      Und es freut mich, wenn du letztlich nicht aus der Lektüre an sich, aber aus der Reflexion darüber für dich zu einer Antwort gefunden hast. Denn ich denke, es ist ein Aspekt all der Menschen, die kreativ arbeiten, ob sie nun malen, schreiben, bauen, tanzen oder singen, dem ins Angesicht zu schauen letztlich immer ein Gewinn sein wird.

      Viele Grüße,
      Thomas

  4. Hallo zusammen!
    Ich habe mich in letzter Zeit sehr sehr oft gefragt, warum ich überhaupt schreibe. Was ist der Sinn, was das Ziel…
    Um meine Frage zu beantworten habe ich ein bisschen im Internet recherchiert. Viele Autoren sagen: „Ehm… ich schreibe weil… keine Ahnung. Ich kann nichts anderes…“
    Ist das wirklich der Grund? Oder viel besser: Soll das der Grund sein?
    Ich denke, dass man schreiben sollte, wenn einem eine Geschichte, eine Idee nicht mehr aus dem Kopf gehen kann, wenn man etwas erzählen möchte…
    Viel wichtiger für mich ist die Frage, warum man sich überhaupt zum Schreiben verpflichtet fühlt.
    Meiner Meinung nach sollen Bücher nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch bilden. Sie sollen Bildung schaffen, die Sprache verbessern und die Kreativität fördern. Sie sollen lehren, eine Moral haben, weil wenn man zu den Ursprüngen der Buchentstehung zurückgeht, wird man merken, dass Bücher der Aufklärung, der Bildung dienten.
    Das sollten sie heute auch tun, nur heute haben wir das Privileg das Wissen in Unterhaltsame Geschichten zu verpacken!
    Damit ist die Frage aber noch nicht ganz beantwortet, oder?

    • Hallo Ki!

      Sorry für die späte Antwort!
      Dein Kommentar fiel genau in meinen Urlaub und von da aus hat es sich dann alles erst einmal verschoben – aber danke für deinen Kommentar :)

      Man muss da glaube spitzfindig zwischen denen unterscheiden, die schreiben, weil sie nichts anderes können und jenen, die nicht anders können; genau der Fall, den du beschreibst. Jene getriebenen Geister, die eine Geschichte in sich tragen und die diese rauslassen möchten und daher schreiben, vielleicht weil sie kein Live-Publikum haben, weil es ihnen nicht groß genug ist oder auch, weil das Schreiben schlicht für sie die Kunstform ist, in der sie / mit der sie sich auszudrücken verstehen.

      Ich bin mir unsicher, ob ich dem Punkt mit der Bildung so zustimmen mag.
      Ich denke ein Buch kann bilden, ist sogar ein sehr probates und nützliches Mittel dafür, aber ich denke man darf den Wert von reiner Unterhaltungsliteratur nicht außer Acht lassen. Hier ist zwar Auch letztlich die Katharsistheorie mit der inneren Reinigung durch Jammer und Schauder der Klassiker, aber ich glaube, dass in der Zuflucht, die ein Buch vor den Problemen des Alltags bieten kann, viel Wert liegt abseits von blankem Eskapismus.
      Du hast sicher Recht, dass viele Geschichten stets auch einen moralischen Kern besaßen und ich tippe gerne jedem zum Gruße an den Hut der es versteht, unterhaltsam und zugleich bereichernd zu schreiben. Aber ich sehe es halt auch anders: Wenn jemand vielleicht wirklich gerade eine ultra-harte Zeit in seinem Leben hat, oder in Bereichen seines Lebens, und ein aus objektiver Sicht vielleicht „gehaltloses“ oder triviales Buch holt ihn da ab und bietet ihm seelisches Obdach, ja, wer wäre ich denn, das in Frage zu ziehen.

      Man sollte sich selber darüber im klaren sein, warum man schreibt.
      Aber „um andere zu unterhalten“ sollte dabei immer eine probate Antwort sein dürfen, finde ich.

      Viele Grüße,
      Thomas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s