Zwei kurze Gedanken vor der Bettruhe

Hallo zusammen!

Zwei kurze Gedanken noch, bevor ich ins Bett falle. Ich fand es aber lohnend, die noch loszuwerden.

eBooks rücken vor

Amazon haben ihre Quartalszahlen veröffentlicht und melden, mittlerweile mehr eBooks für ihren Kindle abzusetzen als klassische, auf Papier gedruckte Taschenbücher. Ich mag bedruckte, tote Bäume nach wie vor lieber, aber gerade vom Standpunkt eines Veröffentlichenden lässt einen das natürlich aufhorchen.
Wörtlich heißt es in dem Bericht:

Amazon.com is now selling more Kindle books than paperback books. Since the beginning of the year, for every 100 paperback books Amazon has sold, the Company has sold 115 Kindle books. Additionally, during this same time period the Company has sold three times as many Kindle books as hardcover books. This is across Amazon.com’s entire U.S. book business and includes sales of books where there is no Kindle edition. Free Kindle books are excluded and if included would make the numbers even higher.
– zitiert nach: Quelle

Ich habe keine große Weisheit parat, was man nun aus dieser Information genau machen sollte – aber es ist ein weiterer Beleg dafür, dass eBooks auf dem konstanten Weg sind, ihre Nischen zu verlassen. Und vermutlich ähnlich der MP3s in der Musikindustrie dennoch viel zu lange unterschätzt zu werden.
In Deutschland sieht es natürlich alles noch etwas weniger umwälzend aus, als jenseits des großen Teiches.

Warum Buch x nicht immer Buch x ist

Ein klassisches Vorurteil gegen Bücher, die on demand gedruckt werden, ist der Vorwurf, man könne es ja nicht mehr als gesicherte Quelle angeben, da der Autor ja von Exemplar zu Exemplar theoretisch was am Text ändern könnte. Ist ja generell auch nicht falsch.
Jetzt habe ich heute Abend für die DORP meine Rezension von Bernhard Hennens „Die Könige der ersten Nacht“ verfasst und zu dem Zwecke auch mal die Online-Leseprobe der Neuauflage von 2010 neben mein Exemplar von 2003 gehalten. Eine Kostprobe? Hier jeweils der erste Absatz des Buches im Vergleich.

Alte Auflage
Das Schwert funkelte in der Frühlingssonne. Der Soldat warf ihm einen letzten Blick zu, und der alte Mann, der nur noch drei Tage leben würde, nickte. In blitzendem Bogen sauste die Klinge nieder. Blut spritzte über die hellen Platten der Terrasse. Die Hände des Alten verkrampften sich. Er atmete leise aus.
– zitiert nach: Hennen, Bernhard: Die Könige der ersten Nacht. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2003, S. 7.

Neue Auflage
Das Richtschwert funkelte in der Frühlingssonne. Alles hielt den Atem an. Sie warteten auf ihn. Eine flüchtige Handbewegung, ein Nicken, würde über Leben oder Tod entscheiden. Der alte König genoss diesen Augenblick. Sein eigenes Leben würde nicht mehr lange währen. Ein paar Tage vielleicht noch … Er konnte spüren, wie nah der Tod ihm war. Und keine Macht der Welt vermochte ihn abzuwenden.
– zitiert nach: Quelle

Ja, natürlich konnte man bei der Neuausgabe das Wort „überarbeitet“ erhaschen. Ich möchte aber in dem Kontext vor allem mal klar eines sagen: Man muss bei jedem Buch, in jeder Ausgabe, damit rechnen, dass es Abweichungen gibt. Der Einwand gegen oD-Bücher ist nicht per se falsch, aber er kann einen bei jedem Buch ereilen … und verliert dadurch auch wiederum an Schärfe.
Sicher, Bücher oD bieten da noch einige neue, tückischere Hürden. Doch das ist kein exklusives Dilemma. Ich finde ja durchaus auch, dass die neue Fassung deutlich griffiger und reifer klingt. Aber wenn ich mal auf einer Messe oder so mit jemandem über das Buch sprechen sollte, der anders als ich die Neuauflage von Hennens Buch gelesen hat … ich nehme an, auch das wird ein überaus verwirrendes Gespräch werden können.
Meine Rezension sollte übrigens im Laufe des Monats erscheinen.

Aber soviel von meiner Seite für heute, morgen geht der Wecker.
Euch allen eine gute Nacht!

Viele Grüße,
Thomas

2 Gedanken zu “Zwei kurze Gedanken vor der Bettruhe

  1. Das Problem bei BOD ist meiner Sicht nach, der hohen Preis für den Leser. s gibt zumindest ein BOD Buch, dass ich mir gerne kaufen würde, aber es kostet, wie immer, viel zu viel. Kindle könnte diese Lücke schließen, denn die Distributionskosten sind viel geringer und damit auch die Preise. Andererseits bin ich mir nichht sicher ob ich ebooks lesen wollen würde. Habe so ein Lesegerät mal im Laden angeschaut, aber ich bevorzuge dann doch das Papier, weil bei mir die Haptik beim begreifen des Inhalts noch eine Rolle zu spielen scheint. Die Generation nach mir wird dieses Problem wahrscheinlich nicht mehr haben, wenn sie von klein auf an die ebook Reader gewöhnt ist …

    • Ich bin mir da unsicher. Ich werde das irgendwann mal in lang und breit hier ausführen, aber um es auf den Punkt zu bringen – bei nahezu allen medientechnischen Umbrüchen der letzten Zeit (bei der Musik quasi LP>MC>CD>MP3, bei Filmen VHS>DVD>BD, etc.) war das Medium, mit dem der Empfänger interagiert, nicht direkt Gegenstand der Interaktion. Der Ton kommt vielleicht von der CD, aber er kommt aus den Boxen. Das Bild kommt von der DVD, aber ich sehe es auf dem Fernseher etc.
      Das ist bei Büchern einfach anders. Bei Büchern ist, viel mehr als bei Filmen oder Musik, oder auch bei Videospielen, das Buch selber Gegenstand der Interaktion. Bei der CD habe ich das Design des Covers, vielleicht ein Booklet, aber ich hab die CD nicht die ganze Zeit in der Hand. Das macht, letztlich, das digitale Buch zu einem relativ ausgeprägten Sonderfall, der wenigstens in diesem Punkt nicht mit den anderen Medien vergleichbar ist.
      Ich zweifle daher daran, dass wir in so absehbarer Zeit das Ende der gedruckten Worte erleben werden. Ich kann bis heute im Saturn Musik auf Vinyl erwerben – und das ist wie gesagt noch nicht mal ein Medium in derart direkter Interaktion.

      Ich glaube da generell eher, dass es eine Koexistenz werden wird.

      Was die BoD-Titel betrifft, so liegt es halt auch immer am Autor. Sicher, ein BoD-Titel wird preislich niemals mit einem günstigen Taschenbuch aus einem der großen Verlage mithalten können, keine Frage. Aber sie müssen auch nicht so teuer sein, wie sie oft sind.
      Das liegt in der Hand der einzelnen Autoren, denn die machen den Preis, solange er halt nur wirschaftlich ist. Du kannst ja mal bei BoD auf der Webseite was mit dem Preisrechner herumspielen und dir einen Eindruck verschaffen, was da so ein Buch kosten muss und kosten kann.
      Gerade dünnere Bücher sind durchaus vergleichsweise günstig herzustellen – und verkaufen sich dann auch. Ich kenne das ja aus der Praxis ;)

      Viele Grüße,
      Thomas

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