Schreibmusik, Kreativmusik

Hallo zusammen!

Das Thema brennt mir schon seit Monaten unter den Nägeln, aber heute ist der Tag, an dem ich die Zeit dazu finde: Musik beim Schreiben, Musik beim Kreativsein.

Ich bin ein Mensch, der gerne Musik um sich hat. Wenn ich in meiner Wohnung irgendwas mache, kann man darauf wetten, dass entweder mein iTunes sich durch Musikberge shuffled, oder aber das Küchenradio auf WDR2 gestellt ist. Ich mag Musik, mag sie sehr, sehr gerne.
Allerdings habe ich schon recht früh festgestellt, dass nicht jede Musik, die ich mag, gleichermaßen gut geeignet ist, um dazu zu schreiben. Und nach einer Weile war mir auch relativ klar, woran es haken mag.

Ich fange aber mal weiter vorne an. Man kann über Geschmack nicht streiten und über Musik reden, ist wie zu Architektur tanzen. Letzteres ist übriges, entgegen aller anderen Theorien, von Steve Martin. Ich gebe hier jedenfalls zwei Euro in das Phrasenschwein, aber beide Volksweißheiten sind einfach ungeheuer wahr. Ich hab noch ein drittes Zitat, aber dazu komme ich in einigen Absätzen.
Das gesagt habend, kann ich festhalten, dass mein Musikgeschmack selbst mit „breit gefächert“ schon fast nicht mehr getroffen ist. Ich erfülle das Rollenspieler-Klischee und höre gerne Metallica, Subway to Sally oder Nightwish. Ich mag aber auch amerikanische Rock-Musik der 70er Jahre, höre ab und zu gerne Klassik, ich mag den ganz „Musik des Mittelalter“-Kram von historisch bis hysterisch, habe sehr ausgeprägte „Kettcar“-Phasen und finde zudem immer mal wieder was im Bereich Popmusik, das mich anspricht. Und ich mag Soundtracks, was gleich noch wichtig wird.
Worauf ich aber zunächst hinaus möchte: Es gibt im Grunde nichts abseits des deutschen Schlagers, das bei mir nicht per se eine Chance hätte. Das ist immer eine Stimmungsfrage und die Tage, an denen ich „Goethes Erben“ höre sind andere als die, an denen ich mich durch „Modern Dance“-geprägten Musikfundus unserer Sportwärtin höre.

Das sage ich nicht zuletzt, weil es etwas erklärt, was ich meine, wenn ich oben vom „Shuffle“ meiner Playlist spreche und, weil es verdeutlicht, was ich vermutlich beim Schreiben schon so alles gehört habe. Manches davon ging erheblich besser als anderes. Nur warum?
In meinem persönlichen Fall ist die grundlegende Erkenntnis, dass ich nicht vernünftig schreiben kann, wenn ich etwas dabei höre, was eingehende Texte hat. Worte in einer Sprache, die ich spreche, wirken auf meine Gedanken wie Magnete auf Metall – sie üben eine massive Anziehung aus. Und während ich mich dann konzentriere und versuche, wohlfeine Sätze zu konstruieren, kriecht beständig, anhaltend, der Liedtext in mein Denken.
Es ist umso erstaunlicher, dass ich mit anderen Formen der Ablenkung, Instant Messanging-Software etwa, gar kein Problem habe. Aber Liedtexte sind da die Pest.

Somit schaute ich dann, was man an instrumentaler Musik finden kann, im Idealfall einer, die sich nicht aufdrängt. Und damit war mein Ziel vorprogrammiert: Der Kreis schließt sich und wir erreichen wieder die zuvor genannten Soundtracks.
Da ist nicht jeder gleich gut für irgendetwas geeignet, oftmals hängt es auch noch mal mit der Stimmung der Musik zusammen. Schleier aus Schnee etwa profitiert massiv von dem Erscheinen des Soundtracks zu „The Social Network“ von Trent Reznor und Atticus Ross, obwohl Film und Buch eigentlich so gar nichts miteinander zu tun haben. Rezensionen oder Blog-Einträge hingegen schreibe ich oft und gerne zu dem hier schon mal am Rande erwähnten Soundtrack zum Anime „Hellsing“; also der ersten Inkarnation mit der absonderlichen Psycho-Jazz-Musik.
Sowohl große Teile von Verfluchte Eifel wie auch Die Bestie von Widdau sind zu dem Soundtrack zu „The Village“ entstanden, den James Newton Howard mit Hilary Hahn zusammen eingespielt hat, wohingegen ich mich bei Ein dreischneidiges Schwert noch nirgendwo eingependelt habe.
Aber ich denke, das System wird erkennbar.

Ich habe dabei in der Überschrift extra noch „Kreativmusik“ als zweiten Faktor angegeben, denn das ist – wie bei allem in diesem Beitrag, rein subjektiv gesprochen – vielleicht das beste Indiz dafür, dass es wirklich an der Textproduktion selber liegt, dass ich instrumentale Musik beim Schreiben bevorzuge, denn bei anderen kreativen Tätigkeiten ist das nicht so. Bildbearbeitung, (digitale RAW-)Foto-Entwicklung, Ölmalerei, Basteln fürs LARP oder für einen Filmdreh, all das geht auch super mit Texten. Wobei auch da bisweilen die Stimmung der Musik Einfluss nimmt auf das, was ich tue. Aber in einem kontrollierbaren Rahmen.

Musik. Eine tolle Sache, die ich nicht oft genug loben kann. Die Protagonisten – Achtung, Nerd-Kultur voraus – der Serie „Angel“ reisen einmal in eine Dimension, in der es keine Musik gibt. Mir wäre das ein Alptraum!
Musik kann Dinge ausdrücken, bei denen Worte an ihre Grenzen stoßen. Sicherlich kommt die Lyrik dem manchmal nahe, aber es ist halt doch noch mal etwas ganz eigenes. Aber das ist für den Schreibenden – oder jedenfalls für mich – auch eine Sicherheit. Denn das, was Worte nicht ausdrücken können, das kann ich auch nicht unbewusst schreiben, das schleicht sich nicht in meine Formulierungen. Liedtexte können das, Melodien nicht.
Ein sehr beliebtes Zitat zum Thema „Tanzen“ drückt gewissermaßen genau den Umkehrschluss aus. Und weil ich es zudem schön, und sehr wahr, finde, will ich es einfach mal zitieren. Ich vermute, ihr lest es nicht zum letzten Mal hier.
Um es mit Isadora Duncan zu sagen:

Wenn ich es erzählen könnte, dann müsste ich es nicht tanzen!

Wie ist es bei euch?
Was hört ihr bim Schreiben?
Teilt ihr meine Erfahrungen, oder haltet ihr es anders mit der Musik?
Ich wäre neugierig!

Viele Grüße,
Thomas

5 Gedanken zu “Schreibmusik, Kreativmusik

  1. Tja, ähnlich würde ich sagen. Habe mir für verschieden Projekte (seien es nun beim zeichnen, basteln oder schreiben) verschieden thematische Listen in meinem Player angelegt (sei es nun Pulp, Atomic Tales, Western, Barbarian Music, Space Opera oder noch viele mehr). Je nachdem woran ich arbeite oder wonach mir gerade ist. Eigentlich habe ich, wenn es sich abietet, immer Musik nebenher laufen.

    • Nach gestern Nacht weiß ich zu sagen:
      „Ein dreischneidiges Schwert“ ist zum „Shadow of Colossus“-OST entstanden ;)
      Ich arbeite lustigerweise nur sehr selten mit Listen. Ich habe eine Liste, basierend auf der Musik von Saltatios Techniktraining; wenn mir also der Sinn nach flotterer, tanzbarer und teilweise auch für mich eher atypischer Musik steht, ist das immer der Klick, den ich brauche. Ansonsten arbeite ich eher albumweise…

      Aber ansonsten scheinen wir da wirklich sehr ähnlich zu operieren… :)

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Ich persönlich fand (nicht wirklich überraschend;) den HdR Score für Fantasy Zwecke ganz gut, aber prinzipiell läuft eigentlich immer meine komplette Score Liste im Hintergrund, wenn ich was schreiben will. Songs mit Texten finde ich auch ablenkend, wenn ich lernen oder schreiben will – entweder weil ich über die Texte nachdenken muss, oder weil ich mitsingen möchte und das nicht gleichzeitig geht.;)

    Der Secretary Score ist übrigens auch sehr gut!

    VLG Ela

    • Mir ist der HdR-Score teilweise fast schon zu ikonisch. Irgendwie lustig, da ich nach „Die Gefährten“ damals noch aus dem Kino kam und meine einzige Kritik an dem Film eigentlich das Fehlen eines ikonischen Musikthemas war … was einfach ein massives Verkennen der Lage war, retrospektiv betrachtet, denn „The Bridge of Khazad-Dûm“ frisst sich ja schon geradewegs ins Hirn. Quasi synaptische Musik ;)

      Aber ja, die Bandbreite meiner Score-Sammlung ist auch riesig. Ich liebe zum Beispiel auf den OST zu „K-Pax“ (wie den Film an sich), gerade wenn es etwas vergeistigert sein darf. Umgekehrt habe ich bei bombastischen und gerade bei aggressiven Handlungen sehr gute Erfahrungen mit den OSTs zu Van Helsing oder auch Black Hawk Down gemacht. Der erste Conan-Soundtrack geht immer, der zweite dafür mal gar nicht.
      Ich glaube, so ironisch das ist, ein guter Schreib-Score ist für mich einerseits losgelöst vom Filmmaterial gut zu hören (daher meine Hemmungen beim HdR), andererseits aber halt auch nicht zu aufdringlich. Und (mit Ausnahmen) auch eher modern – ich kann zwar Hans Zimmer auch überdrüssigen werden (ebenso wie seinen Klonen, Klaus Badelt ist so einer), aber andererseits geht John Williams irgendwie auch gar nicht mehr. Star Wars, Indy, Jurassic Park – einerseits zeitlose Soundtracks, aber irgendwie auch … trotzdem einfach retro. Das passt nicht immer ;)

      Viele Grüße,
      Thomas

  3. Pingback: Schreibmusik anno 2012 « Thomas Michalskis Webseite

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