Theorien der Dramaturgie, Teil 1 von 3: Das Drei-Akte-Modell

Hallo zusammen!

Da tatsächlich Nachfrage besteht, hiermit wie versprochen der erste von wohl drei Einträgen darüber, wie man Geschichten traditionell gliedern kann. Die Modelle kommen dabei aus der Film- wie auch der Literaturwissenschaft gleichermaßen sind sind irgendwas zwischen 30 und mehrere tausend (!) Jahre alt.

Die Idee, eine Geschichte in drei Akte zu gliedern kommt aus der Filmwissenschaft, um direkt mal damit anzufangen, aber ist dennoch kompatibel mit grundsätzlich allen narrativen Medien Das Aushängeschild – für jene, die im Anschluss mehr wissen wollen – für das Modell ist Syd Field, der in Amerika lange Jahre Drehbuchautoren ausgebildet hat. Er selber hat nahezu nichts veröffentlicht, aber zumindest David Goyer dürfte unter seinen Schülern auffällig sein, hat er doch mit ein paar düsteren Epen wie „Batman Begins“, „The Dark Knight“ oder auch „The Crow“ und „Dark City“ ein paar echt gute Materialien abgeliefert. Allerdings auch die „Blade“-Trilogie, aber ich will nicht abschweifen … und das würde ich, wenn ich zu denen mehr sagen müsste.

Nun denn, es geht um Field, bzw. die mit ihm verbundene Idee – denn faktisch geht die Dreiteilung eines Stückes bereits bis in die Antike zurück und wird dort unter anderem von Aristoteles gefordert. Ich beziehe mich hier aber vor allem auf Field, denn es ist erheblich zugänglicher und braucht nicht den bei antiken Texten zwingend notwendigen, historischen Kontext.
Field unterteilt eine Geschichte in drei Teile, die allerdings von ihrer Größe her unterschiedlich sind. Das erste Viertel der Geschichte, Akt 1 also, nennt er Exposition oder Einführung. Es wird das Setting etabliert, es werden Figuren, Handlungsmomente und Motivationen vorgestellt und halt generell der Kurs der Geschichte festgelegt. Inmitten dieses Aktes passiert etwas, was die Handlung in Gang bringt.
Mit Ende dieses Teils beginnt Akt 2, den er „Konfrontation“ nennt. Der zweite Akt ist umfangreicher als der erste und nimmt etwa die Hälfte der Geschichte alleine für sich ein. Darin beginnt die Hauptfigur, sich den zentralen Problemen der Geschichte zu stellen und versucht diese zu bewältigen, was ihm allerdings verwehrt wird. In der Mitte des zweiten Aktes liegt, gemäß Field, der zentrale Wendepunkt, der ähnlich einer Linse das Gewirr von zuvor bündelt und letztlich dazu führt, dass alle Figuren gezielter agieren können. Fronten werden klar, Linien in den Sand gezogen und der Kurs auf das Finale ist gesetzt.
Das letzte Viertel geht demnach an Akt 3, der „Auflösung“ getauft sei. Das Finale spielt sich ab, die Ereignisse haben sich zugespitzt und letztlich kommt es zur Eskalation der Handlung. Es donnert, raucht und kracht – vielleicht wörtlich, vielleicht sprichwörtlich – und es kommt zu einem Ausklang, wie auch immer der aussehen mag.

Neben dem zentralen Wendepunkt, den ich schon erwähnte, gibt es zwei weitere, wichtige Punkte, die relevant sind: jene zwischen den Akten. In der deutschen Literatur werden sie oft Wendepunkte genannt, was aber nicht heißt, dass man sie mit dem zentralen Wendepunkt verwechseln darf. Im englischen Original ist letzterer schlicht midpoint getauft, wohingegen die Wendepunkte als plot points bezeichnet sind.
Die beiden Wendepunkte liegen zwischen den Akten und, nun, beschreiben jeweils ein Ereignis, was der Geschichte eine neue Richtung gibt. Das muss nicht so 180° erfolgen wie es „Wendepunkt“ nahe legt, aber es tritt eine entsprechende Veränderung ein.

Kurz gefasst sieht das dann so aus:

Akt 1: Exposition (darin: auslösendes Ereignis) – 25%
1. Wendepunkt
Akt 2: Konfrontation (darin: zentraler Wendepunkt) – 50%
2. Wendepunkt
Akt 3: Auflösung (darin: der Höhepunkt)

Ich sage es direkt heraus: Ich bin kein großer Fan von Fields Modell – und das aus zwei Gründen. Kein Grund ist für mich, was viele dem Modell vorwerfen, nämlich dass es Geschichten nach Schema F geradezu forciert. Während das richtig ist, muss ein dramaturgisches Modell ja kein Allheilmittel sein und Filme wie Bücher, die grob in dieses Raster passen und viele Fans fanden, gibt es wie Sand am Meer.
Was mich mehr daran stört, ist das hohe Maß an Unschärfe, das dieser groben Aufschlüsselung zugrunde liegt. Blake Snyder hat für Drehbücher einen 15-Punkte-Plan erstellt, der wesentlich präziser und auch nicht weniger zutreffend ist, aber auf den komme ich beim übernächsten Mal zu sprechen.
Mein Thema für das nächste Mal ist allerdings ebenfalls mit Field verwandt, nur ebenfalls erheblich älter: Das Fünf-Akte-Modell.

Viele Grüße,
Thomas

Ein Gedanke zu “Theorien der Dramaturgie, Teil 1 von 3: Das Drei-Akte-Modell

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