Einige Gedanken zum stillen Karfreitag

Hallo zusammen!

Vorweg: Entgegen der Lage, als ich diesen Text hier das erste Mal begonnen habe zu verfassen, ist das, was mein Thema sein soll, ja in den jüngsten Tagen in Deutschland sehr aktiv diskutiert worden. Das ist für sich genommen schon interessant, aber ich will es mir dennoch nicht nehmen lassen, meine eigenen Gedanken dazu zu teilen.

Heute ist Karfreitag – ein bedeutsamer Feiertag in der katholischen Kirche, an welchem dem Tode Jesu gedacht wird. Daher kommt auch der Name (weiß vermutlich auch kaum noch einer), denn Kar- kommt vom althochdeutschen kara, zu Neuhochdeutsch „Klage“. „Klagewoche“, für die Karwoche, gibt es ja sogar regional noch als Begriff.
Karfreitag ist aber nicht irgendein Feiertag, oh nein, denn im Gegensatz etwa zu dem ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag oder den Pfingsttagen, ist Karfreitag ein „stiller Feiertag“ – regional auch nur „stiller Tag“ genannt. Und das ist eine wichtige Unterscheidung.

Feiertage, das vorweg, mögen teilweise historisch, teilweise religiös motiviert sein, erfüllen aber auch sozialpsychologisch eine Funktion, denn sie unterbrechen den Arbeitsrhythmus und geben einem die Chance, wie man so schön sagt „die Seele baumeln zu lassen“ und zu neuen Kräften zu kommen. Ich möchte diese Funktion klar unterstützen und finde es sinnvoll, dass es solche Tage gibt – wenn ich auch zumindest darauf verweisen mag, dass es Länder mit deutlich weniger Feiertagen gibt als bei uns und die Leute da auch nicht alle am Rad drehen. Soll aber nicht mein Thema sein.
Ganz klar: Ich finde Feiertage gut – und sage das sogar in gewisser Weise als Außenstehender, denn Honorararbeit, von der ich lebe, fragt selten nach solchen Gegebenheiten. Eher fast schon im Gegenteil.

Tanzen: Eine Gefahr für die Besinnlichkeit? (Foto © 2010 by Thomas Michalski / Saltatio – Historisches Tanzen Aachen e.V.)

Wenn ich aber nun Feiertage gut finde, was stört mich dann am Karfreitag? Die Stille.
Die besagten Stillen Tage werden mit einer ganzen Reihe von Beschränkungen bedacht, von denen mich das offensichtlichste auch persönlich dieses Jahr tangiert: An solchen Tagen herrscht in Deutschland Tanzverbot.
Und als Schriftführer und teilweise Trainingsleiter eines Tanzvereines, der freitags abends trainiert, führt das automatisch zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema.

Das klassische Argument wäre nun zunächst, dass der Karfreitag ja der religiösen Besinnung diene. Das kann ich grundlegend nachvollziehen, aber eigentlich nicht recht teilen. Denn andere religiöse Feiertage wie die oben genannten, oder etwa Fronleichnam, haben keine derartigen Regelungen – jedenfalls hier in NRW. Ist nun also der Karfreitag besinnungsbedürfitger, weil der Heiland dort verstarb? Das klingt für mich zumindest fragwürdig.
Mal davon abgesehen, dass eine derartige Regelung über staatliche Gesetze den Anspruch unseres Landes, weltanschauliche Neutralität zu wahren und zu schützen, zumindest sehr weit ausdehnt.

Wann werden Tänze amoralisch? (Foto © 2010 by Thomas Michalski / Der Tanzball 2010)

Aber es gibt auch noch einen Winkel, aus dem man heraus das betrachten kann – den historischen Winkel. Tanzverbote haben eine lange Tradition in europäischen Breiten und gingen fast immer auf das Wirken der Kirche zurück. Es galt stets, die Moral und das Seelenheil der Schäfchen der Mutter Kirche zu behüten, zumindest nach außen hin. Tanz hat seit jeher einen anrüchigen Ruf gehabt und Tänze galten eigentlich immer als etwas, was „zu weit“ geht. Das ist insofern spannend, als dass das unabhängig von dem Grad der Tänze immer griff – ob nun der Mann in frühen Jahrhunderten der Frau vielleicht gerade einmal auf Armeslänge nahe kam, oder ob dann später tatsächlich Körper an Körper getanzt wurde – „zu weit“ ging es immer.
Aus dieser Tradition heraus stehen auch die heutigen Tanzverbote in gewisser Weise, und es muss sich da wohl jeder selber überlegen, ob er diese Auffassung teilen mag. Insbesondere wenn man sieht, dass es halt immer Tänze gab, die Anstoß erregt haben.

Es bleibt noch eine letzte Facette, die ganz besonders den Karfreitag betrifft und auf die mich Hadmar von Wieser aufmerksam gemacht hat: Die Wurzeln einiger Osterbräuche, vor allem der Eier und der Hasen, liegen einigen Theorien nach nicht im Tod des Heilands verankert.
Ostara ist dem Modell nach der Name einer der von den Germanen verehrten Göttin, die für Frühling und Fruchtbarkeit gefeiert wurde und deren Fest, Zitat Hadmar, „muss natürlich besonders erotisch und vital gefeiert werden.”
Die Idee von Ostara reicht zurück bis zu den Werken Jakob Grimms und darüber hinaus, wird von jüngeren Philologen allerdings zumindest in Zweifel gezogen. Ich kann und will das an dieser Stelle auch gar nicht klären, aber es war zu schön, um unerwähnt zu bleiben.

Zurück zum Ernst des Themas. Wie ich schon schrieb, befürworte ich gesetzliche Feiertage zum Schutz des Arbeitnehmers eindeutig; auf Kriegfuß bin ich mit dem auf mich willkürlich anmutenden Zustand des stillen Tages, denn letztlich ist dies keine Regelung mehr, die in meinen Augen einen Glauben behütet, sondern vielmehr forciert. Sprich: Ich persönlich bin Christ, aber auch den Nicht-Christen in meinem Bekanntenkreis wird gesetzlich der Tanz verboten.
Das stellt die Wertneutralität unseres Staates in ein überaus fragwürdiges Licht, wie ich finde. Hinzu kommt, dass ich die historischen Wurzeln der Tanzverbote Europas nicht gutheißen kann und sie ein denkbar schlechtes Fundament für die moderne Gegenwart darstellen; wobei man natürlich sagen muss, dass dies auch nicht das einzige Feld ist, bei dem die Kirche in Deutschland zu diesem Osterfest noch mal versucht, eine klare Linie in den Sand zu ziehen.
Weiterhin finde ich es inkonsequent, dass der Karfreitag eine Sonderbehandlung erfährt, wo es doch auch andere religiöse Feiertage in Deutschland gibt, die zeigen, dass es nicht zwingend der gesetzlich auferlegten Stille bedarf, um sich zu besinnen.

All das wollte ich einmal zusammenfassen. Wenn ihr auch eine Meinung zu diesem ohnehin kontrovers diskutierten Thema habt – ich wäre neugierig, sie zu erfahren!

Viele Grüße,
Thomas

Ein Gedanke zu “Einige Gedanken zum stillen Karfreitag

  1. Pingback: Warum der Karfreitag still bleiben sollte! | CDU Lingen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s