Ein nicht ganz kurzer Hinweis zur CW20

Hallo zusammen!

Vor mir liegt gerade die zwanzigste Ausgabe der Cthuloiden Welten, dem Quasi-Hausmagazin Pegasus’ zum Cthulhu-Rollenspiel. Wie schon in den vorigen Ausgaben ist auch diesmal ein Artikel von mir enthalten, der allerdings nicht mehr Teil meiner Regel-Überarbeitungsreihe ist. Auch wenn das im Vorwort anders steht, was schon ärgerlich genug ist. Aber darum geht es nicht.

Meine Ausgabe des Magazins wird zu meinem Wohnsitz in der Eifel geschickt, weshalb ich das Magazin etwas später bekam als Freunde von mir hier direkt in Aachen. Umso irritierter war ich, als mich einer davon die Tage anschrieb und meinte, er habe sich etwas darüber gewundert, dass ich in dem Artikel durchgängig von mir in der dritten Person spräche. Das wunderte mich dann allerdings auch.

Ein Quervergleich führt dann auch zu einer spannenden Entdeckung. So lauten die ersten Zeilen in meiner Textfassung folgendermaßen:

Willkommen zu einem neuen Themenfeld hier innerhalb der Rubrik „Spielend leiten, Spieler leiten“. In dieser wie auch in der kommenden Ausgabe möchte ich ein paar Variationen der klassischen Cthulhu-Spielsituation vorstellen und durchdenken, sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis am Spieltisch.

In dem Heft aber steht:

In diesem Artikel möchte der Autor ein paar Varianten der klassischen Cthulhu-Spielsituationen vorstellen und durchdenken, sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis am Spieltisch.

Verschiedene Dinge fallen auf. Zum einen fehlt der Verweis auf einen möglichen Folgeartikel (das ist abgesprochen gewesen, aber mal ein Thema für später). Der erste Satz alleine war zudem dazu geneigt, zu signalisieren, dass es nicht mehr zu der Regel-Reihe gehört, was hier steht – fehlt im Heft aber ganz. Auch das ist erst mal kein Beinbruch.
Aber dass aus dem „ich“ ein „der Autor“ geworden ist, das fuchst mich. Gewaltig.

Das setzt sich den ganzen Artikel hindurch fort.

Ein paar Heilmittel dagegen möchte ich hier präsentieren.

wird zu

Ein paar Heilmittel dagegen möchte der Autor hier präsentieren.

und so weiter, und so fort.

Als würde das nicht schon schräg genug klingen, wird es auch noch Inkonsequent dadurch, dass zwar sämtliche „ich“-Formulierungen geändert, aber „wir“-Formulierungen (in diesem Falle also: ich, der Autor, zusammen mit dir, dem Leser) belassen worden sind.

Ich kann nicht für andere Autoren sprechen, aber ich schreibe Artikel für Print-Medien wie die CW sehr, sehr bewusst. Da stehen selten Worte, die ich nicht da haben wollte. Im expliziten Falle der CW-Artikel habe ich mich gelegentlich sogar gezielt an der Art orientiert, wie John Austin in „How to do things with words“ seine Argumentationen aufbaut. Das hat ein Konzept. Und dieses Konzept wird durchaus erlegt, wenn ein Text, der in einem aus persönlicher Erfahrung heraus argumentierten Kontext steht, so unelegant und inkonsequent aus eben jenem gerissen wird.
Dazu kommt, dass sich der Text nicht mehr wie ein Artikel liest, sondern wie ein Artikel über einen Artikel. Sekundärliteratur schreibt man so: „In seiner Studie argumentiert XY, Sachverhalt XZ sei…“
Aber der Text ist nicht sekundär, er ist primär, wenn eben auch ein Sachtext.

Man vergleiche dazu die folgenden beiden Sätze:

Aber ich denke, dass es jeweils die Mischung sein wird, die aus den Versatzstücken mehr macht als die Summe ihrer Teile.

Aber der Autor meint, dass es jeweils die Mischung sein wird, die aus den Versatzstücken mehr macht als die Summe ihrer Teile.

Der Unterschied ist frappierend, oder?

Ich bin mir unschlüssig, an welchem Punkt in der Herstellung des Heftes die Änderungen vorgenommen worden sind, aber abgesprochen mit mir war es nicht. Und manch einer mag das nun auch alles für kleinlich halten, aber es widerstrebt hier einer absoluten Maxime, die für mich im Umgang mit Texten immer besteht – denn ein respektvoller Umgang mit den geschriebenen Worten eines Autors bezeugt gleichzeitig eine Wertschätzung ihm gegenüber.
Ich erhalte für die Texte in der CW keine Bezahlung, insofern ist Wertschätzung letztlich die Währung, die dafür Sorge trägt, dass solche Arbeit getan wird. Ich habe in der Vergangenheit schon das eine oder andere bei der CW eher stirnrunzelnd zur Kenntnis genommen (Platzierung der Artikel, Platzierung von Werbung inmitten eines (kurzen) Artikels, Distanzierungs-Disclaimer, obskure Illustrationen ohne Bezug etc.) … aber das hier ist noch mal anders, denn hier wurde ich auch schon explizit von Dritten auf genau die veränderten Passagen angesprochen.
Und darum war es mir letztich ein Anliegen zu sagen: Ich kann nichts dafür.

Es schlägt auch, mal wieder, irgendwie den Bogen hin zum Selbstverlag. Einerseits bieten Verlagsorgane halt immer den Vorteil von Verbreitung und der Übernahme sämtlicher Produktionsschritte, andererseits liefert man sich halt auch stets der Gnade einer redaktionellen Betreuung aus.
Zu Wohl oder Wehe halt.
Und hier gilt halt auch: Wer die Texte von Autoren nicht wie ein Werk behandelt, sondern wie Mittel zum Zweck (der Füllung des Magazins), der muss halt auch damit leben, wenn er irgendwann keine Werke, sondern nur noch Füllmittel bekommen sollte.

Viele Grüße,
Thomas

4 Gedanken zu “Ein nicht ganz kurzer Hinweis zur CW20

  1. Öhmm…wie wär’s damit, nicht mehr für so ein Magazin zu schreiben? Über die vorangegangenen „Vorfälle“ kann ich jetzt so nichts sagen, aber dieses Beispiel wäre für mich der Schlusspunkt meiner Zusammenarbeit. Wer darauf baut ehrenamtlich eine Zeitschrift herauszubringen, sollte seine Autoren zumindest darauf hinweisen, dass man ihre Texte verhunzen möchte (die Formulierungen, die hier gewählt wurden, gehen mal gar nicht, da rollen sich mir als Literaturwissenschaftler die Fußnägel auf^^). Für mich wäre das die letzte Mühe gewesen, die ich in so ein Projekt investiert hätte. Sollen sie sich doch nen anderen Dummen suchen, der ihnen die Seiten vollmacht.;)

    • Ja, es ist ja durchaus so, dass ich das, worüber ich da schrieb, auch kommunizieren wollte, insofern war da auch immer eine Spur Eigeninteresse dran. Und wie ich im Artikel oben schon schrieb – Verlagsorgane sind halt immer gute Wege, Material auch sicher an Leser zu strahlen.

      Es fällt zudem auch in den Bereich einer zweiten Erkenntnis hinein, nämlich das letztlich in der deutschen Rollenspiel-Szene nirgends wirklich ein professioneller Umgang mit so etwas vorherrscht. Nirgends. Die CW liegt aber, trotz allem, sogar noch am dortigen, oberen Ende des Spektrums, das muss man ganz klar sagen.
      Da kann ich von anderen Verlagen aus eigener und miterlebter Erfahrung so manche, schlimmere Geschichte auspacken, wenn es sein muss ;)

      Aber ja, wie auch eingangs geschrieben, es ist eh mein letzter CW-Artikel. Allerdings nicht deswegen…

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Uff, das ist harter Tobak und wundert mich doch sehr.

    Ich habe ja früher auch für die CW lektoriert und kann zumindest für die Zeit sprechen, in der ich das sehr regelmäßig und viel gemacht habe. Da haben wir dann auch immer Kontaktadressen der Autoren bekommen und zumindest, wenn ich größere Eingriffe gemacht habe, habe ich mich immer beim Autor gemeldet und nachgefragt.

    Klar, nicht bei jeder Umformulierung. Aber das ist ja wirklich eher Verschandelung als Lektorat. Eigentlich sollte ein Lektorat einen Text flüssiger machen und nicht einen zugänglichen Text wieder auf „Uni-Niveau“ anheben. Gerade das, was du da sagst, dass es sich eher wie Sekundärliteratur anhört, darf nämlich eigentlich nicht passieren. Frage mich echt, was da für ein Gedanke dahinter steckt.

    Stil ist sicherlich häufiger Ansichts- und Geschmackssache und bei manchen Formulierungen verzieht jemand das Gesicht, jemand anders findet es toll. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand an der Stelle wirklich zuversichtlich sagen kann: „Ja, die Änderung war stilistisch dringend nötig.“

    Wundert mich echt sehr. Besonders, da ich ja früher auch viel für die CW geschrieben habe und normalerweise auch dann von dem jeweiligen Lektor angeschrieben worden bin, wenn es grundlegendere Sachen waren.

    Ich kenne deine Artikel und deine Art zu schreiben ja und mich gruselt das echt, wie aus einem sicherlich extrem zugänglichen Text ein Universitäts-Text geworden sein muss. Ich habe die CW zu Hause auch noch rumliegen und muss ich mir echt mal unter dem Aspekt ansehen.

    • Ja, es ist ja letztlich auch mein neunter Artikel in der CW und bei denen davor hatte ich zwar immer Grund zum Knottern, aber nie, weil jemand letztlich an meinem Text dran war wie dieses Mal. An einer Stelle hab ich hier im Blog mal die Argumentation zu einer Regeländerung nachgereicht, die im Lektorat erlegt worden war, aber ansonsten waren das immer Äußerlichkeiten oder einfach Kleinkram.

      Es ist aber ja auch nicht mal so, als wenn ich nicht sogar eine gegengelesene Fassung bekommen hätte. Damals aber mit dem Hinweis, dass ich im Zweifel mehr Platz haben könnte, das ergäbe sich gerade. Demnach habe ich die lektorierte Fassung noch mal erweitert und wieder zurückgeschickt.
      Zu dem Zeitpunkt war noch alles, wie ich es geschrieben hatte.

      Ich finde es fast schon unfreiwillig komisch, wenn ich so darüber nachdenke – da orientiere ich mich an Austins „How to do things with words“ und erfahre letztlich das gleiche Schicksal wie er mit seiner deutschen Ausgabe, nämlich dass der Text, bei ihm in der Übersetzung und bei mir im Lektorat, auf Teufel-komm-raus versachlicht werden soll … sein Buch heißt auf Deutsch dann ja auch „Zur Theorie der Sprechakte“.
      Es ist ja nicht so, dass man mir auch hätte sagen können, dass da eine Anpassung gewünscht wäre, wenn dem so ist. Es aber einfach machen ist uncool…

      Aber im Grunde hat mein langer Artikel, neben der Bemühung um Sachlichkeit in der Darstellung durch Textbeispiele, ja vor allem zwei Zwecke:
      – zu sagen: Ich war’s nicht ;)
      – Anlass zu geben für meinen generellen Appell: Es sind die Autoren, die Texte produzieren und alle Lektoren, Layouter und Publizisten, die oft genug extrem feine Arbeit leisten, wären doch ohne die Schreibenden ganz arm dran. Ich finde, das hat einen gewissen Respekt verdient…

      Viele Grüße,
      Thomas

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