Ein (halbwegs) kurzer Kommentar zum Thema „Filmtitel“

Hallo zusammen!

Vorweg gewarnt: Die nachfolgenden Zeilen sind von einem gewissen Nörgeln geprägt. Morgen gibt es dann auch noch mal etwas weniger gegen Windmühlen gerichtetes.

Wir waren gestern Abend mit der ganzen Meute in „X-Men: First Class“. Ein Film, das nur vorweg, falls es jemanden interessiert, der mir extrem gut gefallen hat. Aber darum soll es mir weniger gehen, mehr um etwas, was ich gestern dort mal wieder habe erleben müssen – die große Kunst der deutschen Filmtitel.

Es hat ja Tradition, dass Filme in Deutschland mit übersetzten Titeln bedacht werden. Das haben wir schon „letztes Jahrhundert“ gemacht, manchmal exakt („Die drei Tages des Condor“), manchmal im Geiste („Krieg der Sterne“) und manchmal eher thematisch („Thomas Crowne ist nicht zu fassen“), aber gemacht wurde das schon immer.
Jüngst frage ich mich allerdings häufiger, wer eigentlich der Elch ist, der die Titel letztlich abnickt. Ich meine jetzt gar nicht mal so Schoten, dass „Crade 2 the Grave“ hierzulande „Born 2 Die“ hieß, nee, das ist ein Thema für sich.

Nein, aber nehmen wir beispielsweise „Season of the Witch“ – der hieß in Deutschland „Der letzte Tempelritter“. Nanu? Das verschiebt man eben den kompletten Fokus. Aber gut.
Aber wo wir schon bei Filmen mit Nicolas Cage sind: Wenn „The Wizard’s Apprentice“ in Deutschland „Duell der Magier“ heißt, dann tut mir das gleich doppelt weh. Einerseits, weil es so willkürlich wirkt, und andererseits, weil der englische Titel doch letztlich wieder Bezug nimmt auf Goethes (!) „Zauberlehrling“! Ihr wisst schon, „Hat der alte Hexenmeister“ und so weiter. Und diese Kette von Zauberlehrling zu „Wizard’s Apprentice“ zu „Duell der Magier“, das ist ja schon jenseits vom Google-Übersetzer.

Aber all das ist es nicht, was mir gestern aufgefallen ist. Es geht mir auch nicht darum, dass besagter Film, in dem wir waren, hierzulande „X-Men: Erste Entscheidung“ heißt … das ist nicht toll, aber damit kann ich leben. Zumal man sich ja nicht mal die Mühe gemacht hat, den deutschen Titel im Film selber jemals zu zeigen.

Nein, aber mein Stein des Anstoßes stand als Pappaufsteller direkt neben dem Saal: „Planet der Affen: Prevolution“.
Was? Hä?
Der Film heißt im englischen Sprachraum auch nicht toll, nämlich „Rise of the Planet of the Apes“. Das ist sperrig, lang, und das Poster kündet davon, dass sich auf der Logo-Designer etwas schwer getan hat mit einem sieben Worte langen Titel.
Aber das sind echte Worte. Prevolution ist keines. Gut, ich habe mit etwas suchen eine Webseite aufgetan, die „Prevolution“ als den Zustand vor der Evolution benennt.
Aber selbst wenn es das Wort abseits des Dudens echt gibt – sind wir ehrlich schon so verzweifelt? Ist da echt keinem was besseres zu eingefallen?

Ich finde es schade. Ich mag es, wenn deutsche Titel sich halten und bedaure etwa auch, dass mittlerweile „Star Wars“ den Terminus „Krieg der Sterne“ fast ausgerottet hat. Aber wenn die obigen Titel Zeugnisse der nächsten Generation deutscher Filmtitel sind, so habe ich den Zustand der Prevolution wohl noch nicht erreicht.

Viele Grüße,
Thomas

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