Was ist ein erfülltes Leben

Hallo zusammen!

Vergangenen Montag hatte ich meine erste von satten vier Prüfungen, die sich über die vergangene Woche erstreckt haben. Anders als die Klausuren an den anderen Tagen war diese aber eine mündliche Prüfung und, anders als oft sonst, war das Thema ganz spannend, wenn auch sehr ambivalent: „Was ist für Sie ein erfülltes Leben?“
Da es sich um eine Rhetorikprüfung handelte, ging es nur um eine gute und sauber aufgebaute Argumentation in gutem Vortrag, doch da ich mich entschieden habe, durchaus meine eigenen Gedanken zu schildern und keine fiktive Meinung zu vertreten, dachte ich mir, kann ich den gleichen Inhalt ja auch einfach mal hier posten.
Einige Punkte bleiben etwas knapp umrissen und insgesamt könnte man dieser Theorie sicherlich noch manche Politur angedeihen lassen, aber wie gesagt, wenn ich den Inhalt schon da habe, kann ich ihn ja auch einfach mal tippen.

Damit der hier die Startseite aber nicht zu sehr anfüllt, lege ich es mal an den Ort jenseits des „weiter“-Links unterhalb meiner Signatur. Dann kann man es auch leichter ignorieren, wenn man will.

Viele Grüße,
Thomas

Was ist ein erfülltes Leben?

Die Fragestellung, was ein erfülltes Leben ausmacht – also auch die Frage, was einen im Leben glücklich macht – ist auch heute noch eine sehr zentrale. Natürlich muss man anerkennen, dass in früheren Zeiten die Fragestellung einen anderen Stellenwert besessen hat und die Ansprüche an ein erfülltes Leben sicherlich abweichen, wenn ein jeder Tag von einem grundlegenden Ringen ums Überleben geprägt ist. Das macht die Fragestellung zu einer Art Wohlstandsproblem, aber nichtsdestotrotz ist sie ein relevantes Thema.

Sucht man bei Amazon nach dem Suchbegriff Glück, so stößt man schnell auf Titel wie „Die zehn Geheimnisse des Glücks“, „Glück kommt selten allein“ und „Glück kann man lernen“. Insgesamt findet man bei Amazon 111.633 Titel unter dem Suchbegriff – es ist also wohl eine sichere Sache zu sagen, dass es ein Thema ist, das auch heute noch einen großen Klärungsbedarf besitzt.
Allerdings ist es auch ein Thema, dem man sich ausschließlich subjektiv nähern kann. Erfülltheit ist immer etwas, was an die Persönlichkeit eines Menschen gekoppelt ist und daher auch immer aus dieser heraus individuell erwachsen muss. Daher ist auch meine Argumentation strickt als subjektive Antwort auf die Frage zu verstehen.

Dennoch gibt es eine Reihe von Aspekten, die ich gerne von vorneherein ausklammern möchte. Geld beispielsweise. Der Volksmund weiß schon zu berichten, dass Geld alleine nicht glücklich macht. Doch auch darüber hinaus gibt es zahlreiche Beispiele aus dem Umfeld der Prominenz – Menschen, die im Grunde über alles verfügen können sollten, wonach es ihnen verlangt – die belegen, dass dort wohl kein Heil zu finden ist. Berichte über Alkoholprobleme, Drogenmissbrauch und Depressionen seien meine Zeugen.
Gleichermaßen möchte ich auch Ruhm als mögliche Antwort ausklammern, mit den gleichen Gründen.
Medikamente sind für mich keine Lösung. Sicherlich gibt es kleine Pillen, die einem das Gefühl geben, ein erfülltes Leben zu leben, aber das kann es ja wohl kaum sein. Ebenso will ich nicht weiter auf Spezial- und Expertentechniken wie „Simplify your life“ eingehen. Die mögen ihre Existenzberechtigung haben, aber ich denke, die Ebene, auf der ich mich dem Problem annähern möchte, ist wesentlich basaler und grundlegender.

Es gibt drei Aspekte, die ich hier besonders in den Vordergrund rücken möchte.
Der erste Aspekt ist die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung. Unsere heutige Lebensweise zwingt uns, im Beruf wie außerhalb, oftmals dazu, Aufgaben nachzugehen, bei denen Kreativität explizit nicht erwünscht ist – und Zeit zur Selbstentfaltung kann ein gutes Gegengewicht dazu darstellen, um selber in der Balance zu bleiben.
Man kann sich selber etwas ausleben und man kann etwas schaffen, selbstständig etwas kreieren, was auch ein Grundverlangen des Menschen zu sein scheint, dem aber heute immer schwerer nachzukommen ist. Man kann sich der Phantasie öffnen und sich etwas noch mal dem zuwenden, was gemeinhin gerne „Das Kind im Manne“ genannt wird.
Und ich denke, alle Menschen die ich kenne, von denen ich glaube, dass sie ein erfülltes Leben hatten, sind zugleich Menschen, die niemals den Kontakt zu ihrem inneren Kind verloren haben.

Der zweite Aspekt ist etwas schwerer zu benennen und verläuft irgendwo auf der Grenze zwischen dem Gefühl, gebraucht zu werden und dem, für seine eigenen Taten Anerkennung zu erhalten.
Vielleicht ist es die Dankbarkeit eines Fremden, dem man im Rahmen einer sozialen Maßnahme begegnet ist, vielleicht die eines Freundes, dem man etwas Gutes getan hat. Vielleicht ist es Lob für Dinge, die man bewegt hat, vielleicht ist es nur ein Lächeln auf dem Gesicht des eigenen Gegenübers.
Aber wir Menschen sind soziale Wesen und egal wie misanthropisch einer veranlagt sein mag, so glaube ich dennoch, dass das Gefühl, dass das eigene Tun einen positiven Einfluss auf das Leben anderer hatte und dies auch honoriert wird, stets ein unglaublicher Katalysator für die Erfülltheit des eigenen Lebens sein kann.

Der dritte und mir wichtigste Aspekt sind jedoch Freunde.
Das Leben macht es einem nicht immer Leicht. Aber in den Zeiten, in denen es einem nicht leicht gemacht wird, sind Freunde jene, die für einen da sind. In Zeiten aber, in denen Dinge funktionieren, sind Freunde jene, mit denen wir es teilen können. Aber man teilt sein Glück nicht nur akut mit ihnen, es reflektiert auch von ihnen und schöne Erlebnisse mit einer bestimmten Person werden für immer Gedanklich mit dieser Person verbunden sein.
Es ist uns wichtig, unsere Errungenschaften mit anderen Menschen zu teilen. Ob diese uns nun sympathisch sind, ob wir sie Freunde nennen oder ob es in der Partnerschaft geschieht – und Ausführungen über die in meinen Augen immens geringe Trennschärfe zwischen guter Freundschaft und Liebe würden ohnehin den Rahmen dieses Beitrags sprengen – ist dabei relativ egal, solange es dieses soziale Netz gibt, in dem wir liegen können.

Ich sage bewusst Freunde, nicht Familie. Aber warum?
Zunächst ist es ein subjektiver Erfahrungswert. Das moderne Leben führt oft dazu, dass wir weiter von unseren Familien entfernt leben als das in früheren Zeiten der Fall war und so Freunde auch schlicht örtlich viel näher sind als die Verwandtschaft.
Außerdem gibt es da eine Redensart, die in meinen Augen sehr wahr ist: „The family of the 21st century is made up of friends, and not relatives.“
Zu Deutsch also: „Die Familie des 21. Jahrhunderts besteht aus Freunden, nicht aus Verwandten.“
Ich persönlich habe noch immer eine starke und enge Bindung zu meiner Verwandtschaft, aber ich denke generell ist es ganz klar eine Tendenz, der ich mit der bewussten Rede von Freunden auch Rechnung zollen wollte. Zumal Verwandte sicherlich auch Freunde sein können.

Zusammenfassend gesagt gewinnt man in seinem Leben dann dazu, wenn man sich kreativ entfalten kann und den Kontakt zu dem einem innewohnenden Kind nicht verliert, wenn man das Gefühl hat, andere profitieren von dem und honorieren das, was man tut und vor allem dann, wenn man einen Freundeskreis hat, in dem man sozial geborgen ist und mit dem man zusammen sein Leben erleben und teilen kann.

Danke sehr für die Aufmerksamkeit.

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