Nun sag, wie hast du’s mit dem Kaffee?

Hallo zusammen!

Ich warne vorweg: Der nachfolgende Text ist mehr „laut nachgedacht“ als eine richtige These.

Wer mich kennt, oder wer schon länger hier mitliest, der weiß um meine Liebe zum Kaffee. Ich habe mich ja auch schon mehrfach relativ abwertend über Coffee2Go geäußert, aber so ein richtig guter, frisch gebrühter Kaffee ist und bleibt ein Geschenk der Götter. Mit wenig konnte ich mich in der brillanten TV-Serie „Twin Peaks“ mehr identifizieren, als dem Ausruf „Verdammt guter Kaffee!“ von Agent Cooper. Kaffee kann jeden Tag ein Highlight sein.

Mein neuer "Mitbewohner" an seinem Platz auf der Küchenanrichte

Und obschon das so ist, obschon ich glaube, dass echter, guter Kaffee nur durch zwei Dinge wirklich erreichbar ist – frisch gemahlene Bohnen und eine ordentliche Brühzeit, kein Hochdruck – steht nun seit etwas mehr als einer Woche in meiner Küche eine Senseo-Maschine. Hmm. Wie passt denn das zusammen?

Einer der besten „Kaffeeköche“ in meinem Freundeskreis ist mein Kumpel Tim. Tim arbeitet da vollkommen klassisch, mit Herd und Espressokanne (oder, wie der Fachmann sagt, Caffettiera). Der Kaffee dort zählt zu den besten, die ich kenne. Er liest hier vermutlich nicht mit, aber dieses Lob muss einfach mal sein.
Von ihm stammt aber auch ein unglaublich wahrer und weiser Satz im Bezug auf Kaffeepad-Maschinen, die ja nun ähnlich synonym „Senseo“ genannt zu werden scheinen wie Haartrockner „Fön“ und Taschentücher „Tempo“. Er sagte, im Bezug auf entsprechende Maschinen auf seine Arbeitsstelle: „Jeder dort liebt sie. Keiner mag sie, aber jeder liebt sie.“

Ich denke, das ist der gesuchte Funken Wahrheit. Es ist der Übergang von Kaffee, dem Genussmittel, hin zu Kaffee, dem Nutzmittel. Wobei das vermutlich auch zu hart ist, denn anders als das, was einige Automaten in der RWTH auf die Menschheit loslassen, ist der Pad-Kaffee mittlerweile eigentlich ja sogar recht gut trinkbar geworden.
Allerdings ist es halt schon spannend. 2008 hab ich glaube ich hier das erste Mal darüber geschrieben, dass ich es eigentlich grässlich finde, dass wir keine Zeit mehr haben, und wirklich mal Muße für eine Tasse Kaffee zu nehmen. Es gibt ja diverse Studien, die auch nahe legen, dass gerade für kreative Arbeit ein wenig Müßiggang in einem Café oder dergleichen sogar hochgradig produktivitätssteigernd sein kann. Und ich brauche diese Ruhe auch manchmal, diesen Abstand zur geistigen Arbeit, ob jetzt Zeitung oder Lektorat, Schreiben, Layout oder Fotos. Ich finde diese Ruhe beim Kochen, ich nehme mir diese Ruhe auch zumindest bei einer Mahlzeit pro Tag beim Essen. Aber den Vorgang des Kaffeekochens hat es dabei etwas zurückgedrängt.

Wobei dazu auch noch ein Faktor kommt, den ich auch ganz spannend finde, zu dem ich bisher aber keine Empirie habe finden können – Einzelhaushalte. Statistisch nehmen Einpersonenhaushalte ja zu in Deutschland (Europa, der westlichen Welt, wie auch immer) und damit verändert sich natürlich auch der Lebensmittelkonsum.
Zu zweit ist eine Kanne Kaffee durchaus ein zu bewältigendes Unterfangen. Alleine hingegen muss ich zumindest sagen, schaffe ich das nicht.
Das ist eigentlich auch der primäre Faktor, der mich zu diesem Experiment getrieben hatte.
Und das wiederum erzeugt doch in Kombination mal ein wirklich spannendes Schlaglicht: Ist der Aufstieg der Senseo-Maschinen also insofern gleichermaßen ein Zeugnis, ist die Maschine ihrerseits ein Sinnbild von gleichermaßen dem steigenden Zeitdruck und der sich auflösenden Familiensituation in unserer Gesellschaft?
Das würde ja gewissermaßen gleich zwei Feindbilder derer vereinen, die sich immer so ereifern über die Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft.

Na, das geht dann vielleicht doch ein bisschen weit. Ich jedenfalls bin bisher ganz zufrieden mit dem Feldversuch, nippe nun noch etwas an meinem Kaffee und mache mich dann mal wieder an die Arbeit.
Es gibt viel zu tun diese Woche.

Viele Grüße,
Thomas

5 Gedanken zu “Nun sag, wie hast du’s mit dem Kaffee?

    • Ach, nichts gegen Tee. Ich mag Tee sehr gerne in all seinen Formen, ob jetzt Frucht, Kräuter, Rooisbos, schwarz, grün oder weiß. Aber ich denke auch nicht, dass man das als konkurrierende Getränke sehen muss.
      Es gibt Zeit für Tee und es gibt Zeit für Kaffee.
      Ich trinke ja auch Säfte, obschon ich auch Limonade trinke ;)

      Viele Grüße,
      Thomas

  1. Bei uns an der Arbeit hat sich Entschleunigung breit gemacht. Ein Arbeitskollege hat beim Entrümpeln einer Garage so eine alte Gastronomie Hochdruck-Espressomaschine entdeckt. Für einen 10er ist dieser klobige Maschine in unsere Kaffeeküche gewandert. Und seitdem mahlt quasi ein jeder in unserer Abteilung seine Bohnen selbst (viele bringen mittlerweile ihre eigenen Bohnen mit). Dann wird das frisch gemahlene Pulver mit dem Tamper ins Sieb gedrückt und dann geht der Spaß los. Da wird experimentiert, die Milch wird aufgeschäumt, ein Hochgenuss!

    • Hu, Entschleunigung. Das ist tatsächlich eine der wenigen Sachen, von denen ich mit Fug und Recht sagen kann, derzeit wenig in meinem Leben zu haben ;)
      Wie im Text schon angedeutet ist Kochen immer so mein Akt der Entschleunigung pro Tag, manchmal, aber nicht immer, zudem auch ein ruhige(re)s Frühstück. Aber alles in allem ist auch einfach an allen Fronten zu viel zu tun um wirklich Zeit für zu viel Müßiggang übrig zu haben. Allerdings, das schrieb ich hier ja auch schon mal, wollte ich es eigentlich auch gar nicht anders haben ;)

      Davon abgesehen neide ich euch die Maschine schon durchaus :)
      Gute, alte Espresso-Maschinen sind schon ziemlich geil und machen einfach leckeren Kaffee :)

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Pingback: Thought to go « Dive into Shine

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