Presseschau: Neulich im Börsenblatt

Hallo zusammen!

Im „Börsenblatt“, Ausgabe 31 2011, findet man auf Seite 15 einen interessanten, kleinen Artikel zum Thema „Selfpublishing“. Geschrieben hat den Text „Die andere Welt“ Eliane Wurzer, die ihrerseits bei Droemer Knaur arbeitet, im Bereich Projektmanagement E-Book. Vielen lieben Dank übrigens an Kathi, die mich auf den Text aufmerksam gemacht hat.
Nun will ich hier den Teufel tun und den Artikelinhalt wiedergeben; muss ich aber auch gar nicht, es gibt den Text nämlich auch online zu lesen. Es gibt allerdings vier Dinge, die mir beim Lesen in den Sinn kamen und die ich hier ganz gerne teilen möchte.

1. Selfpublishing wird bemerkt
Wenn man bei Droemer Knaur Anlass hat, über das Thema zu schreiben, ist das zweifelsfrei ein gutes Zeichen. Denn es signalisiert, dass man eben jene „andere Welt“ ernst nimmt. Für Selbstverleger kann man das auch einfach als Zeichen sehen, dass man wohl was richtig macht.

2. neobooks
Der Artikel verweist natürlich auch auf „neobooks“. Da wir das Thema hier noch nie hatten: neobooks ist eine Community, in der junge Autoren Manuskripte einstellen und mit den anderen Usern diskutieren können. Manuskripte können hochgewertet werden und so auf ihre Art und Weise auch den Weg zum Lektorat des Verlages finden. Welchen Verlages? Droemer Knaur natürlich.
Der Artikel weist nicht explizit daraufhin und nennt die Plattform als ein Mittel, das eigene Buch so stark zu verbessern, dass man es vielleicht „selbst vertreiben möchte“. Effektiv aber ist es auch ein Statement, dass auch dieser Artikel nicht ohne eine Agenda, nicht aus reiner Informationslust geschrieben wurde.
Zumal der Generalverdacht, neobooks eher als eine Art günstiges, ausgelagertes Crowdsourcing-Lektoratsbüro zu bewerten, auch noch nicht so recht ausgeräumt ist.

3. Scouting im Selbstverlagsbereich
Vermehrt, so das Fazit des Artikels, sollten Verlage auch im Bereich des „Selfpublishing“ nach neuen Talenten Ausschau halten. Das wiederum kann ich auch nur positiv sehen – der Klang einer Stimme kann nur dann etwas verändern, wenn er gehört wird. Und offenbar wird sie gehört.

4. Der Mythos der Auswahlfunktion
Der Artikel nennt einmal mehr die „Auswahlfunktion des Verlages“ als einen Pluspunkt für Leser und Autor. Auswahlfunktion, kurz gesagt, heißt schlicht, dass der Verlag als Vorfilter fungiert und verhindert, dass der größte Schrott überhaupt eine Chance bekommen könnte, den Leser zu belästigen.
Ich kann das Argument insofern nachvollziehen, als dass man als Leser natürlich gerne die Gewissheit hätte, jedes Buch kaufen zu können, da von einer gewissen Basisqualität auszugehen sei. Und natürlich bietet diesen „Schutz“ im Bereich Selfpublishing ja erst einmal niemand.
Nur, ganz ehrlich, so gehe doch bitte mal jemand in seinen örtlichen Buchladen, schaue sich bei den Neuerscheinungen um und sage mir, wo denn da diese Auswahlfunktion tatsächlich noch dem Wohl des Lesers gilt? Sicher, ausgewählt wird, aber eher aus marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus. Vampire, sag ich nur.
Und der Autor? „Wo der Debütautor sich freut, dass sein Werk aus vielen anderen ausgewählt wurde“ heißt es im Text – und das ist dann doch blanker Hohn. Natürlich ist das toll für die, die es geschafft haben, die halt die Nadel im Heuhaufen sind. Aber was ist mit dem Rest?
Vor allem aber ist es doch blanker Hohn im Kontext der Textstelle, denn gerade dort ist die Rede von einer Autorin, die sich erst im Selbstverlag einen Namen gemacht hat, um dann bei einem Verlag unterzukommen. Auswahlfunktion, hmm?

Alles in allem ein erfreulicher Artikel der zeigt, dass eine gewisse Befreiung von alten Dogmen auf dem Markt tatsächlich begonnen hat. Leider aber auch ein Artikel, der zeigt, dass zwar das neue Instrument entdeckt worden ist, teilweise aber halt noch immer die alten Lieder darauf gespielt werden.
Dennoch, ein Schritt in die richtige Richtung!

Viele Grüße,
Thomas

2 Gedanken zu “Presseschau: Neulich im Börsenblatt

  1. Hallo,

    lesenswerte Analyse des Artikels. Besonders dem Punkt 4) zum Mythos der Auswahlfunktion kann ich voll zustimmen.

    Jetzt bin ich nicht gerade die Zielgruppe für den aktuellen Vampir-Hype, doch auch bei vielen anderen Genres reißt es mich viel zu oft aus dem Lesefluss, wenn ich über Schreibfehler, Ungereimtheiten oder schlicht lausige Formulierungen stolpere und mir denke: Hallo? Lektor im Urlaub?

    Das bestärkt mich in meinem aktuellen Roman-Projekt, es tatsächlich komplett im Eigenverlag zu versuchen. Und ich vermute, dass es einfach auch ein Stück weit Glück sein wird, ob und in welchem Umfang es ein Erfolg wird. Und komme mir keiner damit, dass ein Verlagsangebot so überhaupt nichts mit Glück zu tun hätte… ;-)

    Interessant beim Selfpublishing scheint mir auch, dass dieses Konzept (mit allen seinen Facetten und Chancen: Marketing, Finanzierung, Produktion, Vertrieb, Übersetzung) selbst bei vielen Autoren noch nicht auf dem Schirm aufgeschlagen zu sein scheint. Es herrscht oft noch die Denkweise vor: Ein Autor, ein Verlag. So macht man das eben!

    Dass der deutsche Leser ebenfalls noch stark in dieser Struktur verhaftet ist, tut wohl sein Übriges. Indies haben es in Deutschland eher schwer. Und nicht umsonst ist der Ebook-Markt in Deutschland schwellenländlich.

    Viele Grüße in die Nachbarschaft,
    Michael

    • Hallo Michael,

      danke für das positive Feedback – das freut doch direkt sehr :)

      Zum Thema „Lektor im Urlaub“ kommt hier die Tage auch noch ein schönes Anschauungsstück. Eingespeist ist es schon, bin nur gerade unsicher ob das übermorgen oder später online geht. Kommt jedenfalls…

      Was ich bei Vorträgen noch immer gerne sage ist folgendes:
      Natürlich ist es so, dass verlagsveröffentlichte Bücher, denen man Buchladen begegnet, immer den Eindruck erwecken, dass da viel PR betrieben worden ist und der Autor entsprechend umsorgt wird.
      Was man aber immer beachten sollte ist der Umkehrschluss: Die verlagsveröffentlichten Bücher, die weniger offensiv beworben wurden werden einem halt im Laden auch nie begegnen.
      Geben tut es die trotzdem.

      Das einzige, was ich aus Erfahrung, an mir selbst wie andernorts, allerdings immer Rate, ist ein Lektor. Das muss kein kommerzieller Auftragnehmer sein (wobei ich mich über Anfragen natürlich immer freue ;)), das kann auch jemand aus dem Umfeld, Freunde oder Familie sein.
      Aber man kann sich selber layouten, bewerben oder vertreiben. Aber man kann sich nicht selber Korrekturlesen. Jedenfalls nie zu 100%.

      Dem deutschen Markt würde ich da einfach Zeit geben. Es wird ja langsam, wie der oben zitierte Artikel zeigt. Mit Betonung auf langsam ;)

      Viele Grüße,
      tatsächlich ja direkt um die Ecke,
      Thomas

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