Presseschau: Vom Trüffelschwein, dem Lektor

Hallo zusammen!

In der Ausgabe 2  2011 des Magazins „forschung“, dem Magazin der deutschen Forschungsgemeinschaft, hat Walter Hömberg einen Artikel über das Berufsfeld des Lektors geschrieben. Der klangvolle Titel: „Trüffelschwein und Textarbeiter“. An dieser Stelle auch einen lieben Dank an Lina, die mich auf den Artikel aufmerksam gemacht hat.

Der Artikel ist dabei durchaus gut geworden. Ich würde nicht so weit gehen und ihn aktiv empfehlen, dafür bietet er mir eigentlich zu wenig wirkliche Erkenntnisse, aber er gibt einen guten Überblick über den Berufszweig des Lektors und erfüllt somit seine Aufgabe. Wer möchte, kann das Heft online hier einsehen und wird ab S. 18 fündig.

Indirekt gießt er Wasser auf die Mühlen derer, die zum Selbstverlag raten, vor allem, wenn man die Zahlen, die genannt werden, einmal in Verbindung stellt. So bringt es laut einer aktuellen Erhebung ein Lektor durchschnittlich auf 21 bearbeitete Manuskripte pro Jahr, während bei Verlagen durchschnittlich 24 Manuskripte pro Monat unangefordert eingehen. Wenn in dem gestern hier erwähnten Artikel das Bild von der Nadel im Heuhaufen bemüht wird, hat das also durchaus Hand und Fuß.

Aber all das ist eigentlich gar nicht der Grund, warum ich das hier schreibe. Der Anlass ist ein Zitat:

Was wir unaufgefordert kriegen, das ist meistens der Dilettantismus, der rührend ist[.]

Zitiert wird dort Tobias Heyl, angestellt beim Hanser Verlag.

Oh Gott hat mich die Aussage geärgert. Zugegeben, er könnte aus dem Kontext gerissen sein, das will ich nicht ausschließen. Aber gehen wir mal von dem aus, was wir haben. Ein Dilettant, beginnen wir mal damit, kann zweierlei sein. Entweder jemand, der sich aus Liebhaberei mit etwas befasst, nicht aus beruflichen Gründen. Oder aber umgangssprachlich gesehen ein Stümper oder Pfuscher. Es ist natürlich immer eine Auslegungssache, aber in dem Kontext, mit dem Wort „rührend“ noch dabei, glaube ich erahnen zu können, in welche von beiden Richtungen Heyl hier tendiert hat.
Es ist diese herablassende Art, die mich schon immer geärgert hat, wenn mir Leute von Verlagserfahrungen berichtet haben. Nun arbeite ich ja freiberuflich auch für verschiedene Verlage, aber es ist mir immer wichtig, immer ein zentrales Anliegen, dass man den Autoren, mit denen man dort interagiert, mit Respekt begegnet.
Nicht nur im direkten Austausch, sondern auch dann, wenn man über sie spricht. Niemand schreibt „mal einfach so“ ein Buch. Da steckt Mühe, da steckt Herzblut drin. Und ich frage mich, wie viele Leute, denen der Hanser Verlag mal eine Absage erteilt hat, dies nun lesen und sich alles andere als erbaut fühlen.

Ich habe bisher nie mit dem Verlag zu tun gehabt. Aber ich weiß, dass solche Aussagen mich auch nicht darin bekräftigen, das ändern zu wollen.
Der Artikel ist gut und lesenswert, dieser Kommentar, sofern sinnwahrend zitiert, allerdings unter aller Kanone.

Viele Grüße,
Thomas

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