Der Wert der Obsession

Hallo zusammen!

Ich bin da gestern im Internet über ein Video gestolpert, das ich direkt faszinierend fand. Es dreht sich um Videospiele, aber auch wenn das nicht euer Interessenfeld sein sollte, folgt meinem Gedankengang mal kurz. Denn das, worauf ich hinaus will, ist viel genereller – kreative Obsessionen.
Im Rahmen der so genannten „Bonus Round“, was eine wöchentlich erscheinende Diskussionsrunde mit Brancheninsidern rund um das Thema Videospiele – man denke „Das literarische Quartett“ mit wechselnder Besetzung – auf GameTrailers.com ist, hat auf der diesjährigen PAX eine spannende Sonderveranstaltung stattgefunden. Mit dem üblichen Moderator Geoff Keighley sitzen dort im Panel Ken Levine, der Schöpfer von „Bioshock“ und „Bioshock Infinite“, Todd Howards, der Mann hinter den „Elder Scrolls“, und David Jaffe, der Mann hinter „God of War“.
Für die, die jetzt nicht so in der Materie drinstecken: Das sind ziemliche Schwergewichter.

Hier geht es zu dem leider nicht einzubettenden Video.

Warum nun ist mir das dieses Posting hier wert? Einerseits wegen der ersten fünf bis zehn Minuten, wo jeder der drei darüber spricht, was ihn als Kind inspiriert hat, woher er seine kreativen Energien zieht und warum zum Geier sie das alles überhaupt machen. Das ist denke ich für jeden sehenswert, der sich generell mit kreativer Arbeit befasst und wirft für sich genommen ein paar interessante Gedanken auf, steift auch unter anderem das Thema, dass gerade der Bereich Nerd-Kultur immer stärker wird, es aber deshalb nicht unbedingt einfacher wird, darin aufzugehen. Ein Thema, das ich hier in anderem Kontext auch schon mal gestreift hatte.

Das andere aber, und das ist nicht weniger wichtig, ist die Hingabe, die Leidenschaft mit der die Leute dort reden. David Jaffe lasse ich mal etwas außen vor, aber Levin und Howards scheinen mir ganz klar Leute zu sein, die zumindest zu einem Teil für das Leben, was sie dort tun.

Nebenbei – in dem Video wird recht viel darüber gesprochen, inwiefern Videospieldesigner etwas von Filmen lernen können oder nicht. Wichtiges Thema. Aber Grund genug, mal die Frage unkommentiert in den Raum zu werfen, inwiefern nicht auch die anderen kreativen Bereiche, die schreibenden oder visuellen Künste etwa, nicht auch von Videospielen lernen können.

Nun, jedenfalls schickte ich dieses Video jedenfalls an meinen Kumpel Gérard; ihr wisst schon, der, der auch etwa für Hilde das Make-Up betreut. Der ist auch so ein ungebremst Kreativer, aber hat natürlich noch mal einen anderen Annäherungswinkel an das Thema. Wo ich schreibe oder zumindest anderweitig „erzähle“, formt, baut, modelliert und schminkt er halt mehr. Was bedeutet, das er auch andere, aber vergleichbare Vorträge verschlingt und so verwies er mich, zum wiederholten Male, auf einen Vortrag von Adam Savage. Savage kennt der eine oder andere vielleicht durch Mythbusters.
Es handelt sich sogar um eine der von mir so geschätzten TED Talks und es geht um das Thema, das ich auch über diesen Artikel hier gesetzt habe: Obsession.

Ebenfalls gestern telefonierte ich auch mit Ben Sonntag. Wir sprachen unter anderem über seine von mir lektorierte Übersetzung von Tim Currans Der Leichenkönig und darüber, wie viel Herzblut letztlich in diesen Text geflossen ist. Wie wir teilweise beide schwere, eindrucksvolle Lexika gewälzt haben, um auch noch die letzte Unwägbarkeit und Unsicherheit aus dem Text zu jagen.
Das war definitiv mehr als das Nötigste, das wir hätten tun müssen. Aber erfüllt von dem Ehrgeiz, dem englischen Buch gerecht zu werden, dem Ehrgeiz, Bestmögliches abzuliefern.
Oder man nehme Hilde und die Glocken der Amazonen. Elf Drehtage, ungezählte Stunden Postproduktion, viele hundert Kilometer Fahrtstrecken, unbezahlter Einsatz von geschätzt etwa 30 Leuten … und wofür? Um am Ende einen Film zu haben.
Wobei, nein. Um einen Film zu machen.

Ich predige ja gerne, dass man, wenn man tut, was man liebt, Großes erreichen kann. Und darum sind solche Menschen glaube ich auch so wichtig. Menschen die lieben, was sie tun, Menschen die tun, was sie sind.

Aber gerade das sagt insbesondere das obige Video ohnehin schöner aus, als ich es jemals könnte. Doch schaut es bis zum Ende – der letzte Satz ist es, der mich dazu gebracht hat, dieses ganze Posting hier zu schreiben.

Viele Grüße,
Thomas

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