Bonusmaterial?

Hallo zusammen!

Heute wollte wich mal ein Thema ansprechen, das vielleicht auf den ersten Blick etwas willkürlich wirkt, das mich aber die letzten zwei Wochen ziemlich beschäftigt hat: Bonusmaterial bei Filmen.
Aber ich habe ein Ziel, einen Grund das zu schreiben. Doch für all jene, die nicht wollen, mache ich mal erst nach dem Link „weiter“.

Für die meisten Leute dürfte Bonusmaterial etwas sein, was vor allem mit DVDs Einzug gehalten hat. Das ist so nicht ganz korrekt – so hat etwa meine VHS-Kaufkassette der Langfassung von „Independence Day“ damals schon zusätzliches Material nach dem Film geboten – aber nah genug an der Wahrheit. Denn zumindest im Sinne weitflächiger Verbreitung fing das Kapitel der Zusatzinhalte wirklich erst an, als Filme auf Datenträger wanderten.
Anfangs auch durchaus eher holprig. Wenn ich so an meine ersten DVDs denke oder Perlen in meinem Schrank beschaue, die dann etwa als „Feature“ so etwas wie „Animierte Menüs“ oder „Film startet automatisch“ auf der Hülle ausweisen … nun, das sind nicht die Beispiele, die ich meine.
Aber die Making-Ofs zu den „Herr-der-Ringe“-Filmen, das Zusatzmaterial der „Indiana Jones“-Box, die phantastische Ausstattung der Sammler-Edition von „Königreich der Himmel“ oder brillante Specials zum Krieg der Sterne wie „Ein Imperium der Träume“ zu klassischen Trilogie oder „Innerhalb einer Minute“ zu „Die Rache der Sith“ – ihr merkt, ich komme da schnell ins Schwärmen. Und da hab ich mit Perlen wie der „Alien Quadrilogy“, den alten „Bond“-Auflagen oder der „Blade Runer“-Box noch gar nicht angefangen. Nicht umsonst ist das Making Of zu unserem „Xoro“ alleine doppelt so lange wie der Hauptfilm gewesen.

Und dann kam die Blu-Ray daher. Ich lass die HD-DVD mal außen vor; die Blu-Ray kam daher und versprach noch viel epischere Möglichkeiten. Tolle neue Features wie ein Bild-im-Bild-Audiokommentar (Ironie des Begriffes zur Kenntnis genommen), interaktivere Handhabung der ganzen Materialien und vieles mehr.
Aber je mehr man sich damit befasst, scheint die BD nicht der Beginn des goldenen Zeitalters zu sein, sondern eben jenes offenbar schon hinter uns zu liegen.

Das erste Mal jüngst auf das Thema gestoßen bin ich, als Stu Maschwitz in seinem Blog ProLost einen Artikel unter dem Titel Stripped-Down Blu-rays Selling Blu-ray Are Making Me Hate Blu-ray veröffentlich hat. Darin schreibt darüber, dass er es unverständlich findet, dass die Miet-BDs in Amerika teilweise ohne Bonusmaterial daherkommen – das ist exklusiv für Käufer. Den Einwand kann ich verstehen, ich gehe ja auch etwa davon aus, dass ein Mietwagen die Funktionen erfüllt wie sein kaufbares Pendant. Gutes Artikel, streift aber nur das Thema.
Denn richtig hellhörig wurde ich über zwei große Veröffentlichungen jüngsten Datums. Da wäre zunächst einmal „Star Wars“. Alle sechs Teile sind nun in einer großen Box erschienen und kommen mit massenhaft Bonusmaterial daher. Da finden sich neue Deleted Scenes, diverse alte Making-Ofs und einige neue Featuretten. Nur was mich staunen lässt: Gleich zwei der oben genannten Highlights der jeweiligen DVDs – „Ein Imperium der Träume“ und „Innerhalb einer Minute“ – liegen nicht bei. Nanu?
Und dann ist da die neue Box mit den drei Langfassungen vom „Herrn der Ringe“. Referenz-BDs für die Filme, aber das Bonusmaterial liegt nur als DVD bei. Sicher, insgesamt kriegt man mit 15 Scheiben echt viel zu gucken, aber warum wurde hier beim Bonusmaterial konsequent das alte Material wiederverwertet?

Geht man dem nach, findet man noch so ein paar Beispiele. Da wären die oben genannten James-Bond-Filme, deren alte Auflage zwar ein weniger poliertes Bild bei den Hauptfilmen aufwies, deren hervorragenden Making-Of-Videos allerdings zur Neuauflage hin verschwunden sind. Von der desolaten Ausstattung der neuen Filme mal zu schweigen.
Oder man nehme den „Fluch der Karibik“: „Die Geschichte der Truhe des Todes“ ist ein phantastisches Making-Of beim zweiten Teil gewesen, gut eine Stunde lang und sehr spannend, während „Fremde Gezeiten“ im Grunde gar kein relevantes Material bietet.
Nun ist das nicht überall so – „The Social Network“ etwa ist ja noch relativ frisch und dennoch toll ausgestattet – aber insgesamt gab es da gleich eine Reihe von Veröffentlichungen, die mich einfach enttäuscht haben. Aber was mag der Grund sein?

Es sind mehrere. Im Falle der Netflix-Geschichte geht es von den Herstellern aus, die sichern wollen, dass der Leih-Markt ihnen nicht das Wasser abgräbt. Halte ich für Unfug, aber nun gut. Im Falle vom Herrn der Ringe liegt es teils dran, dass das Material gar nicht in HD vorliegt und daher die DVD zumindest keine schlechtere Alternative ist. Auch wenn der Werbeslogan „Auf 15 Discs“ dadurch relativiert wird.

Aber ein anderes Argument, auf das man immer wieder stößt, ist viel bitterer: Es ist das Publikumsinteresse, es sind die Käufer, die angeblich mit ihren Geldbörsen gewählt haben. Ob die Empirie dahinter wirklich zutrifft oder ob nicht auch einfach zu viele „Special Editions“ mit zu geringem Mehrwert und daher wenigen Käufern die Statistik sehr verfälschen, das ist die eine Frage.
Die andere Frage ist aber, was das über den Käufer als solchen aussagen mag.
Denn hier, hier kommen wir an den Punkt, an dem man auch einen Bogen zum Themenfeld Buch schlagen kann und muss. Denn ähnlich wie DVDs und dann BDs, so werben auch einige eBooks neuerdings mit „Bonusmaterial“. Passende Musik zur Lektüre als implementierter Download, Hyperlinks zu weiterführenden Informationen, teils sogar eingebettete Videos. Aber was, wenn Leute das wirklich auch einfach nicht wollen?
Ich würde bei den Bonusmaterialien bei Filmen sofort widersprechen und für jede gut ausgestattete Bonus-Disc in die Bresche springen, aber bei Büchern gehöre ich meinerseits mit zu den Skeptikern. Ich will das Buch, ich will den Text des Autors und ich will ihn ohne zusätzlichen Unfug haben. Wenn ich beim Lesen Musik hören will, dann mach ich mir welche an. Und wenn ich lese, hab ich gar kein Interesse daran, irgendwelchen Quer-Links zu folgen und so aus dem eigentlichen Fluss der Lektüre gerissen zu werden. Ich finde es zwar nett, wenn es noch ein Nachwort oder ein Interview mit dem Autor oder so im Buch gibt, aber es ist kein „selling point“ für mich, ich nehm’s nur mit.
Sicherlich gibt es Leute, die jetzt wiederum mir widersprechen werden – aber es stellt sich die Frage, ob die Leute nicht gewissermaßen mein Äquivalent sind, der ich Bonusmaterial bei Filmen gegen ähnliche Argumente verteidigen würde?

eBooks stehen grundsätzlich einem Dilemma gegenüber. Die Reader sind relativ teuer, erreichen dabei immer noch nicht den entspannenden Komfort echter, gedruckter Seiten und bringen eine ganze Reihe Nachteile mit sich. Digitale Bücher sind zudem nicht billig genug, um das kontern zu können.
Was einem also in den Sinn kommt und was gerade im digitalen Magazin-Markt schon geschieht ist eine Ver-multimedia-isierung des Materials. Allerdings oft mit einer Tollpatschigkeit, die mich oft an wirklich alte Editionen von „MS Encarta“ erinnert, falls das noch wer kennt.
Ich finde das Thema in mehrerlei Hinsicht interessant. Film-Narr der ich bin, hab ich nie darüber nachgedacht, dass es vielleicht gar nicht so viele Menschen sind, die Bonus-Materialien gucken. Was ein Irrtum sein könnte; wie gesagt, immer unter der Prämisse, dass die Empirie irgendwie hält.
Noch interessanter finde ich aber die besagte Übertragung und die Frage, ob es nicht doch lohnend sein könnte, oder sein wird, sich auf Kernfunktionen des Mediums zu berufen: den Film, den Buchinhalt, den Medieninhalt in möglichst optimaler Form zu präsentieren.

Wie so oft, wenn ich etwas unter „Gedankengänge“ poste, habe ich auch keine überlegene Antwort parat. Aber zumindest die Gedanken zu dem Thema wollte ich mit euch teilen.

Viele Grüße,

Thomas

4 Gedanken zu “Bonusmaterial?

  1. Für selbstverlegende Autoren halte ich das Feature „Bonus-Material“ tatsächlich für sehr sinnvoll… wenn es sich dabei denn vorrangig um Text, und nicht um Musik oder Bewegtbild handelt.

    Ich gehe davon aus, dass jedes Ebook früher oder später als „internetgestützte Sicherheitskopie“ auftaucht. Entsprechend würde ich zwei Versionen anbieten:

    1) Den freien Download einer PDF-Datei. Nur Geschichte, wenig Gestaltung. Vielleicht sogar in „Courier New“ gesetzt. ;-)

    2) Das Bezahl-Ebook mit einem „Making-Of“: Entwicklung der Geschichte, Gedankengänge und Motivation des Autors, alternative Handlungsstränge und Enden, Einbindung des Lesers.

    Natürlich ist 2) mit sehr viel mehr Aufwand verbunden, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es – wie beim Film – Menschen gibt, die tatsächlich bereit sind, einen (ideelen) Lese-Mehrwert auch monetär wertzuschätzen. Wenn der Preis stimmt.

    Ob dieses Konzept von Buchverlagen angewendet würde, wage ich zu bezweifeln. Ich behaupte mal, es wird nur bei den „Indies“ funktionieren, da die Verlage – wie beim Film – auch bei den Ebook-Addons sehr schnell eine kunden- und nutzerunfreundliche Politik fahren werden, um ihre Profite zu optimieren. Buchpreisbindung und Mehrwertsteuer erwähne ich mal nur am Rande.

    • Danke für den umfangreichen Kommentar!

      Die Frage, die sich mir stellt, ist halt nur, ob das Deluxe-eBook wirklich sinnvoll ist. Ich meine, klar, Kommentare des Autors sind möglich und vielleicht auch spannend, aber bei den anderen Sachen wird es schon schwerer. Ich bin mir halt unsicher, ob es bei Büchern beispielsweise wirklich sinnvoll „deleted scenes“ geben kann. Oder alternative Enden.
      Auch die Sache mit der Motivation des Autors ist so ein Thema … das mag phasenweise mal spannend sein, aber offen gestanden ist es mir oftmals auch einfach egal, warum Autoren schreiben, was sie schreiben. Mich interessiert vielmehr, was ihr Text in mir auslöst, und dafür brauche ich nur den Text und nicht mehr.

      Was mich aber wirklich neugierig macht, ist die Frage, wie du dir das mit der Einbindung des Lesers vorstellst. Hast du da konkrete Ideen, wahlweise selber oder andernorts gesehen?
      Das würde mich wirklich interessieren; auch da müsste man mich erst noch überzeugen, aber das ist eine Richtung, wo mir zumindest bisher keine guten Ideen gekommen sind.

      Viele Grüße,
      Thomas

      • Hallo Thomas,

        nun ja, auch den Fans kann man eben nur bis kurz vor die Stirn schauen. Die Wege sind da bisweilen unergründlich. ;-)

        Zwei Beispiele, bei denen das „Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“, habe ich:

        Zum Einen Comicbuch-Autor Steve Lieber, der seinen Comic kopiert auf 4chan wiederfand. Statt mit den Ketten zu rasseln, hat er sich in die Diskussion eingeklinkt. (http://www.techdirt.com/blog/casestudies/articles/20101026/00183011584/interview-with-the-guy-who-embraced-the-pirates-of-4chan.shtml)

        Regisseur Jason Scott fand seinen Film „Get Lamp“ auf einer Tauschbörse, allerdings schlecht gerippt. Er beklagte sich nicht, sondern gab den Rippern Tipps, wie sie es besser machen könnten. Als Dank dafür riefen die Kopierer die „Gemeinde“ dazu auf, den Film zu kaufen. (https://torrentfreak.com/filmmaker-schools-pirates-on-correct-way-to-rip-his-dvd-101019/)

        In beiden Fällen erhöhten sich die Verkaufszahlen signifikant.

        Vielleicht muss ich ja gar nicht anonym meine Motivation als „Making-Of“ einbinden, sondern nur die Gelegenheit abpassen, mich dem Leser „persönlich“ zu nähern, seine Wünsche zu erfahren, seine Ideen in eine überarbeitete Version einzubinden.

        Wie gesagt: Einfach und ohne Aufwand geht anders. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Und es kann klappen, muss aber nicht… ;-)

        Viele Grüße
        Michael

      • Hallo Michael,

        ja, in dem Punkt, dass Autoren und Leserschaft grundsätzlich keine getrennten Fronten (mehr) sein sollten oder gar dürfen, da sind wir uns schnell einig. Ich frage mich da halt nur, ob das wirklich ein Teil des Mediums Buch ist, sondern nicht vielleicht eher in den etwas schwammigen Bereich ’social media marketing‘ fallen würde. Sei es nun, das Autoren bloggen, twittern oder anderweitig den Kontakt mit den Fans suchen – wichtig ist das zweifelsohne, aber für mich persönlich waren das sowie halt die Bücher selbst immer zwei grundsätzlich unterschiedliche Baustellen. Beide gleichermaßen wichtig, nur eben nicht direkt verbunden.
        Aber ich will so eine Art Kompromiss in der Mitte da gar nicht ausschließen.

        Es gilt dabei auch ganz sicher, dass das immer Arbeit erfordert. Manchmal lagern Verlage das ja gewissermaßen sogar direkt auf die Schultern der Autoren aus, etwa indem sie die anhalten, ihrerseits eine Webseite zu haben etc.
        Was ich sogar für sinnvoller halte als etwa beim Verlag gemeinschaftlich Blogs einzurichten; das macht Piper zum Teil beispielsweise.

        Der Kontakt zu den Lesern ist heute sehr wichtig. Gary Vaynerchuck, den ich nicht cum grano salis lesen würde aber der doch immer mal durchaus kluge Sachen sagt, nennt es ’small town rules‘. In einer Zeit, in der das Internet quasi jeden mit jedem verbunden hat, ist es wichtig, wohlwollend aufgenommen zu werden – analog dazu, wie es als lokaler Einzelhändler früher im Dorf wichtig war, gemocht zu sein, weil sonst die Mundpropaganda den Laden ganz schnell geschlossen hatte. Und so, wie ich beispielsweise das Buch eines Freundes auch lieber lesen würde als das eines Bekannten, den ich nicht leiden kann, gilt das halt auch in Übertragung für das Internet bzw. das Auftreten der Autoren im 21. Jahrhundert.

        Was deine Beispiele betrifft – im Gebiet der PC-Spiele hab ich da jüngst etwas ganz vergleichbares gelesen. Es tut sich also durchaus etwas :)

        Viele Grüße,
        Thomas

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