Manchmal kann mich das Internet doch begeistern

Hallo zusammen!

Vor einer Weile schrieb ich hier über einen Artikel zum Thema Lektorate, der unter dem Titel „Trüffelschwein und Textarbeiter“ veröffentlicht wurde. Darin zitiert wurde Tobias Heyl, Lektor beim Hanser-Verlag, mit einer Aussage, die ich damals ziemlich untragbar fand. Was ich genau schrieb, kann man unter obigem internen Link ja leicht nachlesen.

Und das Internet begeistert mich, weil nicht nur allgemein Besucher meines Blogs meine Ausführung lesen konnten, sondern eben gerade auch Tobias Heyl, der mir daraufhin eine Mail geschrieben hat. Eine gleichermaßen freundliche und wohl formulierte Mail, in der er nicht mal Unmut ob meines Artikels aussprach, sondern vielmehr bemüht war, den Kontext nachzutragen, dessen potentielles Fehlen ich ja bereits in meinem Text damals als theoretische Option hatte stehen lassen.

So weiß ich nun, anders als damals, das Heyl Lektor im Sachbuch-Bereich ist und dort gerade im Bereich philosophischer Fragen mit dem konfrontiert ist, worauf er in dem Zitat Bezug nahm und was er jetzt als Naivität bezeichnete. Gemeint, so erklärte er weiter, habe er damit vor allem das Verfassen derartiger Abhandlungen in Unkenntnis dessen, was andere in der Vergangenheit vielleicht schon zu diesem Thema geschrieben haben.
Dass der Artikel dieses Zitat allerdings vielmehr schlicht in den Kontext der nicht zu bewältigenden Mengen eingesendeter Manuskripte stellt, erscheint mir nun doch eher fragwürdig, genauso wie der nicht ausgewiesene Bezug auf das Feld der Sachbücher.

Heyls Zitat entstammt wohl einem mündlichen Austausch im Kontext eines Forschungsprojektes des Artikelverfassers. Auch das wird im Artikel nicht genannt.

Ich finde es toll, dass dieser Mail-Kontakt stattfinden konnte. Dass mein Artikel offenbar recht sicher von der richtigen Person gelesen wurde und dass, letztlich, daraus dann eine produktive, wohlwollende Erklärung erwachsen konnte. Was will man eigentlich mehr?

Man vergisst im Zeitalter von Facebook-Status-Updates und „Angry Birds“-Klonen vielleicht manchmal, was für eine ungeheure Kraft der Kollaboration und des Wissensaustausches im Internet ruht.
Schön, daran einmal wieder erinnert zu werden!

Viele Grüße,
Thomas

2 Gedanken zu “Manchmal kann mich das Internet doch begeistern

  1. Das ist wirklich schön zu lesen. Es gibt eben doch immer mal wieder positive Dinge, die das Internet einem bringt. Manchmal muss man wirklich auch einfach mal pausieren und darüber nachdenken, denn zwischen dem ganzen „Getöse“ fällt es einem kaum auf. Aber es gibt sie wirklich.

    Vergesse ich hin und wieder auch und habe ich auch in der letzten Zeit wieder. Daher hat mich dein Artikel genau zur richtigen Zeit wieder daran erinnert. Das Internet ist eben doch zum Massenphänomen geworden und das bedeutet eben auch: viel Mist. Aber eben doch auch Gutes, das man nur leider all zu häufig vergisst oder übersieht.

    Ich schimpfe beispielsweise ja auch immer gerne über das deutsche Fernsehen und deutsche Spielfilme und schwärme dann von amerikanischen Serien und Filmen. Meist wird mir dann in Diskussionen entgegen gehalten: „Ja, aber es gibt dort drüben aber eben auch so viel Mist! Da gibt es dann natürlich auch mehr Gutes, weil die Amis eben eine größere Vielfalt haben.“ Ja, das macht das Gute dann aber nicht unbedingt schlechter. Irgendwie habe ich es nur lieber, eine größere Vielfalt und dadurch auch viel Mist zu haben, aber eben auch diese tollen Dinge dazwischen.

    So, ich bin genug abgeschweift, sorry. Im Großen und Ganzen mag ich das Internet doch – auch wenn ich häufig genug darüber verzweifle. An sich ist es eine extrem tolle Sache, die wirklich wunderbare Dinge produzieren kann. Aber dann geht man wieder in irgendwelche Foren, auf Facebook oder schaut in Amazon-Rezensionen oder Kommentare zu Online-Zeitungsartikeln und würde am liebsten einfach den Stecker ziehen…

    Übrigens: Ich habe eben geschlagene zwei Minuten den Antwort-Button gesucht, weil Twitter- und Facebook-Button durch die Farben zu sehr aufgefallen sind und mein Auge doch von dem einfachen und eigentlich nicht zu übersehenden „Kommentar absenden“-Button abgelenkt haben. Womit wir wieder bei der merkwürdigen Wirkung von Facebook wären… ;)

    • Hallo Holger!

      Ich war die letzten Tage mit Freunden im Schwarzwald und kann daher erst jetzt antworten. „Kann“ ist dabei explizit und wörtlich, denn in unserer kleinen Zuflucht dort haben wir kein Internet und zumindest ich mit O2 auch keinen Handyempfang. Was ich absolut positiv finde. Ich habe auch gerade einen Artikel dazu geschrieben und will das inhaltlich nicht alles hier noch mal doppeln, aber da es einfach zum Thema gehört: Wenn du dich an einer Schlucht absetzen lässt und dann gemeinsam mit einer Freundin 20 km lang erst aus der Schlucht heraus und dann durch die Wälder hindurch „nach Hause“ wanderst, auf dem Weg auch noch Pilze sammelst und die dann abends für die ganze Truppe kochst – dann hast du Abends auch einfach keine Notwendigkeit mehr, Mails abzurufen. Jedenfalls geht mir das so.
      Das ist die eine, die zentrale (Wieder-mal-)Erkenntnis dieses Urlaubs. Ich mag das Internet und ich finde toll, was damit an kreativen Tun möglich ist. Wie ich immer wieder sage: Vieles in meinem Leben wäre ohne das Internet gar nicht möglich. Aber eine ganze Woche ziemlich aktiv irgendwo zu sein und es im Grunde auch nicht über Gebühr zu vermissen, rückt die Dinge auch immer mal wieder sehr angenehm im Perspektive.
      Interessanterweise nicht in eine Perspektive, in der man nicht mehr an den Rechner will. Aber in eine, in der man das alles mit einem neuerlichen Bewusstsein tut; im wörtlichen Sinne: sich bewusst seiend, was man da tut.

      Viele Grüße,
      Thomas

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