Notizbücher, Maulwürfe, Briten und Italiener

Hallo zusammen!

Neulich stand ich mit einer Bekannten beim kochenden Chinesen um die Ecke, als sie mich eine spannende Frage stellte: „Du kennst doch diese schwarzen Notizbücher, oder?“ Gemeint waren jene der Marke Moleskine. Und was folgte war ein klassischer Fall von „Wenn der Recherche-Trieb mit einem durchgeht!“

Jau, die Bücher kenne ich, nutze ich selber sehr gerne und obschon sie unverschämt teuer sind, kommt mir nichts anderes mehr im Haus. Wer das erste Mal bei einem Pressetermin schwungvoll sein Notizbuch aufwirft, nur um danach erst mal peinlich berührt die einzelnen Seiten der explodierten Billig-Klebe-Bindung aufzusammeln, der denkt vermutlich genauso. Nun, sei es drum.

Ihr ging es um den Namen Moleskine. Oder genauer gesagt: Um die Aussprache. Sie tendierte dazu, die Teile wie das englische Wort „Moleskin“ auszusprechen, also gewissermaßen wie das Maulwurfsfell. Das ist auch gar nicht so albern, ist „Moleskin“ doch durchaus eine als Stoff und Verpackungsmaterial durchaus gebräuchlich gewesen und würde ja auch zu der rauen, schwarzen Struktur der Notizbücher passen.
Nur schreibt sich der Markenname ja mit „-e“ am Ende. Verflucht.

Vielleicht, so dachte ich mir, ist es aber ja auch nur ein Patent-Ding, weil das reine Nomen nicht als Markenname zu schützen war oder so? Analog etwa dazu, wie das Rollenspiel „Vampire: the Masquerade“ den Beititel erhalten haben soll, weil halt „Vampire“ alleine nicht geklappt habe? (Randnotiz: Es gibt ja durchaus Beispiele wie „Apple“, die das Gegenteil zu belegen scheinen, aber nun gut.)

Also schaute ich mal weiter. Die Firma, so stellte ich etwas überrascht fest bei einem Produkt, das nicht zuletzt mit Ernest Hemingway als einem Nutzer der ersten Stunde wirbt, hat ihre Sitz in Mailand. Italien also.
Geht man davon aus, dass also „Moleskine“ ein italienisches Wort ist, so wäre die Aussprache mehr oder weniger wie es sich schreibt, mit einer Betonung auf der zweiten Silbe und einem ausgedehnten Endlaut. Na ja.

Es wird komplizierter. Ihren Namen haben die Bücher, so heißt es, aufgrund eines Spitznamens, den Bruce Chatwin in seinem Buch „Traumpfade“ nutzt. Chatwin war Brite, was wieder für den Maulwurf sprechen würde, obschon mit -e geschrieben. Aber die Bücher in seinem Buch werden von einem fiktiven Notizbuchhersteller produziert – und der hat seinen Sitz in Tours. Nun ist es ja relativ bekannt, das Schriftbild und Lautbild im Französischen quasi nichts miteinander zu tun haben … aber in jedem Falle wird es dadurch nur noch vertrackter.

Letztlich war ich es leid und dachte mir, schaust du doch mal auf der Webseite vom Hersteller nach. Vielleicht gibt es ja ein Werbevideo oder so, wo sie den Namen sagen.
Aber was ich fand, war noch viel spannender: Dort gibt es extra einen Artikel zum Thema Aussprache!

Und was sie da schreiben ist schon relativ einmalig. Ich zitiere:

Many Moleskine users send us enquiries as to which is the correct way of pronouncing the word „Moleskine“. The answer is: there is no predetermined answer.
Moleskine® is a brand name with undefined national identity. And that’s the way we like it. As a literary name, it was used by British travel writer Bruce Chatwin in his book „The Songlines“, referred to the little black notebooks he usually bought from a stationery store in Paris.
Everyone should feel free to pronounce it as he/she prefers. Enjoy.

Und das, muss ich sagen, finde ich einen genialen Zug. Nicht, weil das ach-so-international daherkommt oder weil sie diesen Antwort-Service bieten – nee, sondern aus einem ganz anderen Grund: Wir reden darüber.
Ich habe mit besagter Bekannten darüber geredet. Die hat mich gefragt, weil sie bemerkt hat, dass bei ihr auf der Arbeit der Name anders ausgesprochen wird als sie es tun würde. Ich habe recherchiert, mehrere Leute im Zuge dessen gefragt und letztlich, weil ich es auch einfach interessant finde, hier nun in mein Blog gesetzt.
Und all diese Leute, genau wie alle anderen, denen es ähnlich geht, befassen sich ganz freiwillig mit der Marke Moleskine.
Was für bessere Werbung kann man sich denn wünschen?

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, gibt es auf der oben verlinkten Webseite sogar den Verweis auf ein Youtube-Video, wo 30 Sekunden lang Leute den Namen jeweils anders aussprechen.

Ich jedenfalls finde es cool. Das Produkt, denn endlich hab ich ein Notizbuch das mich auch durch Wind und Wetter, Aachener Regen wie Eifler Winter, Dreharbeiten, Foto-Shootings, Pressetermine, den Alltag wie den Urlaub begleitet und dennoch immer verlässlich im Leim bleibt.

Und die Sache mit dem Namen – eben weil wir darüber sprechen.

Viele Grüße,
Thomas

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