Sag mal, hörst du eigentlich Radio?

Hallo zusammen!

Es ist jetzt auch schon fast ein Jahr her, aber es beschäftigt mich noch immer: Ein Dozent an der Uni fragte uns, ob wir eigentlich noch Radio hören würden. Wir, so als Generation, wenn auch recht weit gefasst, da in dem Saal vom Bachelor bis zum Magister alles vertreten war.

Ich persönlich hab mich recht zügig gemeldet und dort ganz klar eine Lanze für das Radio gebrochen – mit der gleichen Argumentation, wie ich sie auch hier nun bringen will:
Radio ist für mich, das mag anachronistisch sein oder eben halt gerade auch nicht, noch immer meine primäre Nachrichtenquelle. Sicherlich, es kommenden unzählige Meldungen über das Internet rein, über Facebook, über RSS-Feeds. Ach, alleine der Wired-Feed schafft ja locker-lässig mal 60 Meldungen an richtig guten Tagen. Auch jetzt, wo ich das hier schreibe, blinkt wieder eine rote 33 über dem Reader.
Aber wenn das sozusagen mein Tor zu detaillierten Berichten quer aus aller Welt ist, so stellt das Radio für mich immer wieder den Überblick dar. Halbstündige Fünfminutenblöcke sind einfach günstiger, als endlose Wellen reiner Nachrichten. Es ist gut, dass es die gibt, aber das Radio ist einer meiner Vorfilter, neben persönlichen Interessen, Intuition und Hinweisen aus dem Freundeskreis.

Auch finde ich nach wie vor, gibt es einige Formate, die im Radio einfach besser aufgehoben sind als im Fernsehen; alleine schon, weil die Sendezeiten vom Umfang her ganz anders ausfallen können. Sicherlich ist es nett, einem Autoren 15 oder 20 Minuten lang in einer Talk-Show zuhören zu können – Tiefe wird das aber nicht erreichen. Radio-Interviews von lässigen zwei Stunden Umfang gibt es aber zuhauf und ich muss sagen, da nehme ich auch einfach mehr daraus mit.

Das führt ein wenig zu der Frage, wann ich Radio höre. Ich tue es nie bei der Textarbeit, was aber vor allem daran liegt, dass ich mich nur schwer auf Texte fokussieren kann, wenn ich andere Worte im Raum habe, sei es nun ein Bericht oder auch nur ein Liedtext in einer der Sprachen, die ich gut genug kann, damit es ablenkt … und das ist eine recht hohe Abdeckung an dem, was gespielt wird.
Ich höre Radio oft bei handwerklichen Tätigkeiten, ob ich nun was baue, zusammenbaue, bastle oder pflanze, vor allem aber höre ich Radio bei zwei Aktivitäten: Beim Autofahren (klassisch) und beim Kochen.
Kochen ist ja ohnehin, wie schon immer mal wieder erwähnt, eines meiner Ventile, wenn das Bildschirm-Flimmern Überhand nimmt. Und da ich normalerweise länger als eine halbe Stunde in der Küche stehe, kriege ich auch garantiert einen der zuvor genannten Nachrichtenblöcke mit; jedenfalls bei meinem Haussender WDR2. Koche ich abends, kann ich zudem oft inhaltlich interessante Sendungen abpassen, etwa besagte Talk-Runden.
Einzig, ebenfalls ganz das intellektuelle Klischee, Tage mit massiver Sportübertragung sind dann halt nicht so meines.

Ich denke an alltäglichen Konsummedien teilen sich Radio und Internet klar den Spitzenplatz. Sicher, Internet ist zudem mein absolutes Kommunikationsmedium Nr. 1 und Filme wie Serie auf Blu-Ray und DVD sowie Videospiele sind Fluchtpunkte nach Feierabend, aber etwa nebenher den Fernseher laufen hab ich im Grunde nie. Da schlägt zu sehr der Filmfreak durch – hat es ein Bild, will ich das auch sehen.

Im Grunde am verwunderlichsten ist für mich aber eigentlich nach wie vor, dass diese Frage überhaupt aufkam. Radio ist für mich ein derart ubiquitäres Medium, dass ich es als völlig selbstverständlich als einen der zentralen Bestandteile des alltäglichen Lebens empfinde.
Alleine darum finde ich die Idee erschreckend, dass es dahingehend an Relevanz verlieren könnte.

Ich denke aber, darum wollte ich auch all die Zeit diesen Beitrag hier schreiben.
Denn vermutlich denken viele andere, wie ich, gar nicht über das Medium Radio nach. Gerade weil es so allgegenwärtig ist. Und das hat es nun auch nicht verdient.

Viele Grüße,
Thomas

3 Gedanken zu “Sag mal, hörst du eigentlich Radio?

  1. Du sprichst mir da aus der Seele. Allerdings hätte ich jetzt zumindest einen kleinen Einschub über WDR5 vermutet ;) … in meinen Augen ein großartiger Sender für längere Autofahrten.

    Nebenbei, ich kenne viele Menschen die bei den üblichen Stadtwanderungen öfter mal Radio statt MP3s über ihr Handy hören.

    • Da hast du völlig Recht, WDR5 ist auch immer mal ein Einschalten wert!

      Das mit den Radio-Stadtwanderungen finde ich spannend! Ich hab das auch immer mal drüber nachgedacht, ist ja nicht so, als wenn mein Handy das nicht auch könnte und als wenn es nicht an sich eine logische Analogie zu den Autofahren bilden würde. Aber irgendwie gehöre ich zu den Menschen, die gerne hören, was um sie herum passiert, wenn sie durch die Stadt gehen. Ich finde das immer ganz spannend.
      Bei echten Wanderungen, also nicht Stadt-, sowieso; wenn ich schon Natur kriege, dann will ich da auch was von haben :)

      Aber schön, dass es noch mehr Radiohörer da draußen gibt :)

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Pingback: Schreibmusik anno 2012 « Thomas Michalskis Webseite

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