Vom Buch Hylträa

Hallo zusammen!

Für die Rollenspieler da draußen ist es vermutlich weniger verwunderlich, aber für den Rest wahrscheinlich schon – wie kommt man auf die Idee, eine fiktive, heilige Schrift zusammenzustellen? Und wie sieht so was nachher eigentlich aus?

Wie kommt man darauf?

Das Buch Hylträa (Frontcover)

Nun, im Grunde ist es ganz einfach. Die meisten Fantasy-Settings haben ja in irgendeiner Form eine eigene Religion und damit verbunden heilige Schriften, Überlieferungen, Prophezeiungen und Legenden, auf die man dann immer mal wieder verweisen kann. Beispiel „Star Wars“: Klar kann das Jedi-Konzil lange darüber streiten, ob Anakin der ist, von dem in der Prophezeiung gesagt wird, dass er das Gleichgewicht der Macht herstellen wird – der Zuschauer kennt diese Prophezeiung ja nicht.
Oder auch in meinem persönlich größten Lacher der Prequels, wenn Palpatine den jungen Anakin so ganz charmant fragt, ob er ihm jemand die tragische Geschichte von Darth Plagueis dem Weisen erzählt habe – Plagueis, an Name der nach schierer Güte klingt, nicht? – und dann sinister plaudern darf – der Zuschauer hatte vorher keine Chance, diese Geschichte zu kennen. Und das ist ja auch gut so.
Aber diese Vermittlung ist bei Filmen rein einseitig, im Rollenspiel nicht. Wenn jetzt in unserem LARP-Setting zwei Leute beieinander sitzen, die beide derselben fiktiven Religion folgen. Dann fragt vielleicht der eine, was der andere eigentlich von der Geschichte des Wandersmannes an der Weggabelung halte. Dann ist es ja schon cool, wenn es diese Geschichte gibt, der andere sie kennen und eine Meinung dazu haben kann, oder? Oder aber, sollte er sie nicht kennen, man gemeinsam nachlesen kann.
Kurzum: Es befördert das Spiel miteinander. Und darum geht es uns letztlich immer.

Wie wir es umgesetzt haben

Wir hatten den Vorteil, dass bereits über die Jahre viele Texte mehr oder weniger aus der Not heraus entstanden waren. Die wurden gesichtet, teils erweitert, teils umgearbeitet und somit in eine Form gebracht, die auch ruhig dann gedruckt eine Weile überdauern können würde, ohne dass wir uns irgendwann darüber ärgern.
Wir haben uns aber auch zusammengesetzt und geschaut, was noch komplett fehlt und viele Texte von Grund auf geschrieben, um dringende Lücken zu füllen. Das führte zu ein paar eher surrealen Momenten der Sorte „Was hat die Bibel denn, was uns noch fehlt?“, aber vor allem war es ein angenehmer, kreativer Schöpfungsprozess.

Linolschnitte als Illustrationen

Gleichzeitig wollten wir aber auch, dass das Buch optisch etwas Besonderes wird. Jede Seite von Hand zu lettern wäre natürlich ein Traum, ist aber zeitlich nicht drin. Wohl aber kann ich sagen, dass in dem Satz vom Buch Hylträa deutlich mehr Handarbeit steckt als etwa im Trötensammler. Hier war ja auch weitaus mehr Spiel damit möglich.
Wir wollten aber auch keinen blanken Text auf die Welt loslassen. Die Lösung fand sich, inspiriert von sakralen Holzschnitten, in der Form von Linoleum. Im vergangenen, hier schon mehrfach erwähnten Urlaub haben Lina und ich nicht wenige Stunden mit den Schnitzmessern bewaffnet über unseren Linolplatten gehockt – die riechen im prallen Sonnenschein übrigens sehr würzig – und uns über zumindest die zentralsten Zeichen unseres fiktiven Glaubens hergemacht.
Die finalen Drucke stehen noch aus, aber man kann jetzt schon absehen, dass das nachher wohl einen ziemlich ansprechenden Eindruck machen dürfte.
Und keinesfalls nach Einheitsware ausschauen wird.

Der Einband

Heute berechnen wir uns einen Einband

Zuletzt stand die Frage der Einbandgestaltung an. Wie schon bei den anderen Bänden der condrianischen Bibliothek oder auch bei der Enzyklopaedia Engonia wird das Buch de facto zwei Einbände haben; ein vollfarbiges Foto als Schutzumschlag und eine schwarzweiße, ebenfalls mit Linoleumplatten gestaltete Innenseite als festen Einband.
Wir haben uns hier allerdings auch bei dem Foto-Einband für eine sehr schlichte Gestaltung entschieden. Das erschien uns dem Thema angemessener als die detailgespickten Wusel-Fotos von Trötensammler und Bilder aus Condra. Mit dem nächsten Buch der Reihe kehren die aber auch wieder, versprochen.
Das Ergebnis der Vorderseite kann man ja schon ganz zu Beginn des Artikels erspähen. Wie komplex solche Einbände an sich aber sein können, zeigt auch der nebenstehende Zettel, der gewissermaßen meine Bastel-Notiz für Umschlag und Einband war.
Alles in allem ist es ein ziemlich cooles Projekt, das ohne den tapferen Einsatz vieler Helfer so nicht möglich wäre. Ob der Wunschtraum, das Buch vor Weihnachten lieferbar zu haben, haltbar ist, muss ich derzeit eher mit einem Fragezeichen versehen, aber Das Buch Hylträa kommt. Und es wird echt schön.
Und spielfördernd.
Denn nur darum geht es.

Viele Grüße,
Thomas

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