Eine Frage der Schönheit

Hallo zusammen!

Ich beschrieb die Situation ja bereits einmal:

Der Anlass dieses Artikels: Ausblick über den Titisee

Während unseres Urlaubs hatte ich mich abends mit einer Freundin auf einen kleinen spontanen und kartenlosen Spaziergang in den Schwarzwald begeben. Wir gingen mehr oder weniger nach Bauchgefühl über die Pfade und erwiesen trotzdem ein ziemliches Händchen für Timing, als sich just zum Sonnenuntergang der Waldweg hin zu einem Tal öffnete und wir einen traumhaften Blick auf den Titisee werfen konnten, während die Sonne hinter den Hügeln verschwand.
Es war einer dieser magischen Momente, die halt nur Natur kann.

Als wir dann aber noch so da standen, kamen wir auf eine durchaus interessante Fragestellung: Warum war das schön? Dass es das war, stand für uns beide außer Frage. Aber warum?
Ist das ein anerzogenes Empfinden? Etwas, was in unserem Gencode verankert ist? Oder sind es gar die Romantiker Schuld und das literarische Erbe, das uns westliche Menschen ja doch sehr geprägt hat?

Nun hab ich ja Philosophie studiert – und doch musste ich der Frage die Antwort schuldig bleiben. Dabei ist es nicht so, als wenn ich nicht durchaus auch die Philosophie der Ästhetik zwischen gehabt hätte. Nur kommen wir damit zu einem Grundproblem.
Die Philosophie der Ästhetik wert sich mit Händen und Füßen dagegen, als „Philosophie des Schönen“ herabgesetzt zu werden und verweist, durchaus mit Recht, auf die Herkunft des Wortes. Ästhetik heißt nicht etwa schön, sondern kommt vom griechischen Aísthesis, was Wahrnehmung bedeutet. Es geht also um sinnliche Erfahrungen. Und der versierte Philo-Dozent wird damit auch direkt den Hinweis nachschieben, dass sinnliche Erfahrungen nicht zwangsläufig toll sind und es auch durchaus eine negative Ästhetik gibt.

Das ist ja auch alles schön und gut, ist auch toll wenn man auf der nächsten Party mal wieder den Bildungsbürger (andere sagen: Klugscheißer) markieren will … es gibt nur keine Antwort auf diese relativ elementare Frage.
Weiterhin lernt man dann, dass Schönheit ein ästhetisches Werturteil sei, das man halt bezüglich einer Sache fällen könne oder eben nicht. Toll. Aber nach welchen Kriterien – und noch viel wichtiger, warum nach welchen Kriterien?

Es findet sich immer jemand, der bereit ist zu erklären, dass wir als Menschen Symmetrie schön finden. Und dann wiederum findet sich einer, der erklärt, dass vollkommene Symmetrie nie schön sei und gerade in der Unvollkommenheit die wahre Schönheit läge. Aber das sagt mir wenig zu der Frage, warum wir eine untergehende Sonne auf dem Spaziergang schön fanden.

Auch neurologisch kann man da eine Menge zu sagen. Die Untersuchung verschiedener Hirnareale, der Ausstoß (oder das Verabreichen) von Hormonen und Enzymen, all das ist natürlich untrennbar mit den biochemischen Prozessen verankert, die dafür sorgen, dass in uns das Gefühl einer Schönheitsempfindung entsteht.
Nur wieso?

Es ist ja, wie meine Begleiterin hinwies, teilweise sogar völlig irrational und an der genetischen Anlage vorbei. Viele Leute, die ich kenne, mich eingeschlossen, finden einige oder alle diese Sachen toll: Blitze, Stürme, Wirbelstürme, starker Wellengang, Feuer, fließendes Magma, wilde Tiere.
Das ist völlig irrsinnig und eigentlich müssten alle unsere Instinkte klingeln und „Hau ab!“ rufen. Keine Chance. Stehend und staunend nehmen wir unser Ende gaffend entgegen.

Ich fürchte, ich muss wie bei allen relevanten philosophischen Fragen meinerseits die Antwort auch schuldig bleiben. Aber das musste mal raus, ich wollte es mal ansprechen. Vielleicht hat ja auch jemand eine gute Antwort für mich – sei es durch eigene Überlegungen, Erfahrungen, oder auch durch eine Quelle, die er empfehlen kann.
Es ist jedenfalls eine Frage, die letztlich natürlich auch als Autor eine hohe Relevanz hat. Natürlich kann ich als Autor schreiben, dass dies und das halt schön ist. Aber das ist immer ein wenig eine forcierte Handlung. Vielleicht beschreibt man etwas mit großer Liebe zum Detail und lässt den Protagonisten dann schlussfolgern, dass das schön sei; der Leser aber sitzt da in völligem Unverständnis und denkt sich „Das soll schön sein?!“
Dann kann er zwar versuchen, dies dem Autor zu glauben, aber es ist eine Diskrepanz gegeben, die schwer wieder zu überbrücken sein wird. Findet der Leser dagegen etwas schön, braucht er eigentlich nicht mal mehr den Erzähler, der ihn darauf hinweist. Dann hat er den Gedanken ja schon selber bekommen.

Ein schwieriges Thema, über das ich sicher noch weiterhin nachdenken werde. Und eines, bei dem ich, wie gesagt, sehr für weiterführende Hinweise zur Ergreifung der Wahrheit zu haben bin.

Viele Grüße,
Thomas

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