Warum ich keine Smartphones mag (ein Vorwand)

Hallo zusammen!

Lasst uns doch mal kurz über Smartphones reden. Das brennt mir schon länger auf der Zunge, aber irgendwie hatte ich nie die rechte Zeit, das Thema hier mal anzuschneiden. Denn meine Einstellung dazu ist glaube ich in gleichem Maße unzeitgemäß und direkt: Ich kann die Dinger nicht leiden.

Eigentlicher Stein des Anstoßes waren dabei nicht mal die Smartphones selber, sondern vielmehr ein Video, das die Damen und Herren von Google vor einer Weile gewissermaßen als Prä-Prototypen-Simulation von etwas gepostet haben, das sie wohl glaube ich gerne hätten.
Ich werfe das mal ein, für den Fall, dass es wem durchgegangen ist.

Irgendwie ist es ja cool, so auf den ersten Blick. Es ist die Technik, die ich als Kind in SciFi immer cool fand, ach, die ich in Abwandlung als Kontaktlinsen im letzten „Mission Impossible“ auch heute noch cool finde. Wirklich, als Element in fiktionalen Texten stehe ich ja voll auf sowas. Es ist ein Schritt hin zu dem Punkt, an dem wir alleine im Raum stehen und wie etwa bei „Babylon 5“ etwas fragen können, wie beispielsweise: „Computer, wer hat ‚Der silberne Sinn’ geschrieben?“, und das System antwortet wahrheitsgemäß „Ralf Isau“.
Sogar ohne die relativ obskuren Ladezeiten, die das System in der Serie noch hat. Und das Projekt ist offenbar derzeit bereits weiter fortgeschritten, als ich das noch vor einigen Tagen gedacht habe.

Nur gibt es einen interessanten Unterschied zwischen der Serie und der Realität. Wenn in der Serie derartige Fragen an das System gerichtet werden, sind es eigentlich immer Sachen, die auch ganz klar über das Alltagswissen eines normalen Menschen hinausgehen; mehr noch, gerade Figuren wie Captain Sheridan besitzen sogar sehr umfassendes Wissen über Geschichte und Kultur, so dass häufiger sie, als das System zum Zwecke der Exposition genutzt werden.
Das, so scheint mir, ist in der Realität anders. Immer häufiger beobachte ich, weniger noch in meinem engsten Umfeld, das großteilig meine Meinung da zu teilen scheint, aber halt im Umgang mit anderen, dass der Drang immer größer wird, alles über das Smartphone nachzuschauen. Es ist diese Ich-muss-es-ja-nicht-mehr-wissen-es-gibt-Wikipedia-Mentalität, die mir immer wieder sauer aufstößt; alleine schon, weil es einen signifikanten Unterschied zwischen aktiven, ergo reflektiertem, eigenen Wissen und einem unerfassbaren Wust von recherchierbaren Fakten gibt. Oder, wie ich es die Tage irgendwo las und nun irgendwie nicht mehr als Quelle aufzufinden wusste: Manche Wege muss man zu Fuß erledigen; da macht es sich bezahlt, wenn man das Laufen gelernt hat, bevor man das erste Mal auf ein Fahrrad gestiegen ist.
Aber während das ja für sich genommen nur teilweise die Schuld der Smartphones ist, so geht mein Groll ja weiter.

Dabei sind ja die Vorzüge, um das vorwegzunehmen, sogar recht offenkundig. Nicht nur die Möglichkeit der Faktenrecherche, sondern beispielsweise auch das Heraussuchen von Busfahrplänen und Zug-Ankunfts-Zeiten, der Transport von Daten oder die allgemeine Erreichbarkeit auf allen Kanälen sind auf den ersten Blick natürlich bombastische Fortschritte. Und in Teilen stimme ich dem auch zu.
Doch gerade die Nummer mit der Erreichbarkeit nimmt langsam Züge an, die weit über das hinausgehen, was ich noch nachvollziehbar finde.
Vor einer Weile war ich mal einen ganzen Tag weg, ohne das groß in alle Kanäle gerufen zu haben – und ein Bekannter hat sich Sorgen gemacht, weil ich den ganzen Tag über nicht im ICQ erreichbar war. Was daran liegt, dass ich ICQ nur von daheim aus nutze – und entsprechend halt nicht da war. Er jedenfalls hat sich Sorgen gemacht.
Es ist schon vorgekommen, dass ich mich rechtfertigen sollte, weil ich das Handy mal ausgeschaltet habe. Oder dass ich in der Uni auf pures Unverständnis stieß, dass ich eine bestimmte Mail nicht gelesen hatte, obschon ich es doch eigentlich für ein recht schlüssiges Argument hielt, dass ich zum Zeitpunkt, an dem die eintraf, bereits das Haus verlassen hatte …
Beschaut man sich das Google-Video, so ist darin gleich eine Reihe von Elementen zu sehen, die mich wahnsinnig machen würden. Etwa die Fähigkeit der Telefone, Bekannte in der näheren Umgebung zu erkennen und auszuweisen. Das ist sicher mal ganz cool und in bestimmten Situationen auch praktisch, aber dennoch etwas, was ich auch oft genug einfach nicht wollen würde. Ich meine, es ist ja ganz nett, wenn man sich in der Stadt trifft – aber man muss das ja nicht forcieren. Klar würde man das vermutlich auch deaktivieren können, aber das endet dann vermutlich ähnlich wie die Nummer mit der Erreichbarkeit: Klar kann ich mein Handy ausmachen; die Welt geht nur zunehmend davon aus, dass ich niemals auf diese Idee käme.
Davon, dass es zwar total romantisch ist, wie er am Ende seiner Holden da ein Ständchen im Sonnenuntergang liefert, es aber vermutlich viel, viel romantischer wäre, wenn er es nicht streamen würde, sondern sie verflixt noch mal da bei ihm wäre, fange ich gar nicht an. Zumindest heute nicht. Ich komme darauf zurück.

Nun weiß ich auch, dass ich die Welt nicht zurückdrehen kann. 2012 ist nicht 2002 oder 1992, wird es auch nie sein. Und auch will ich diesen Beitrag nicht verstanden wissen als einen Fall von „Der musste sich mal ordentlich Luft machen“, auch wenn ich freimütig sehe, wie man ihn als solchen lesen könnte.
Es ist auch gar nicht dieser Nachschlag-Wahn, oder die Annahme ubiquitärer Kommunikation, die mich so aufregt. Es ist eigentlich vielmehr die Unreflektiertheit, mit der das geschieht.
Mein phantastischer Dozent für Film- & Fernsehanalyse kokettierte manchmal damit, dass die Geschichte des Films 1897 begänne, aber er immer noch auf das Einsetzen der Medienkompetenz warte. Halte ich für nachvollziehbar, diese These. Nur schneiden die Smartphone-genannten Mini-Computer ja viel mehr, viel stärker in die Art und Weise ein, wie wir unsere Leben führen, als es je zuvor ein Gerät getan hat. Natürlich hat das Fernsehen, hat der Computer und hat das Internet vieles verändert. Aber die neuen Geräte machen all das gerade genannte, zuzüglich Video, Radio, Spielen und vielem mehr, gewissermaßen zu einem Gegenstand „to go“. Und damit halt allgegenwärtig.

Neulich kam ich nachts von einer Bekannten heim und begegnete am Hauptbahnhof einer Gruppe von sechs offenbar zusammengehöriger Frauen. Sie fielen mir deshalb auf, weil jede individuell von einem Smartphone angestrahlt wurde. Sie redeten nicht miteinander, sondern benutzten quasi im Gehen gemeinschaftlich offenbar ihr Handy. Das ist mir als der rückgewandte, gehstockschwingende „Früher war alles besser“-Rufer, der ich scheinbar bin, als völlig abstrus aufgefallen.

Ich habe im vergangenen Jahr aus diversen Gründen recht viel darüber nachgedacht, was für mich eigentlich zu einem qualitativ guten Leben dazugehört, und was nicht. Ich habe das, ohne es bewusst getan haben zu wollen, hier schon mal gestreift, als ich über den für mich sehr starken, aber nicht allgemein bekannten oder gültigen Begriff der ‚Familie des 21. Jahrhunderts’ geschrieben habe. Ich denke, ich werde das in Zukunft häufiger tun; wie gesagt, nicht weil ich grundsätzlich glaube, etwas verändern zu können oder gar zu müssen, aber weil ich denke, dass Reflexion über dieses Themenfeld essenziell wichtig ist; nicht „obwohl“ wir in einer sehr dynamischen und von Umbrüchen durchzogenen Zeit leben, sondern „weil“ wir es tun. Und nicht „obschon“ das letztlich damit ja auch über Ecken verknüpfte Thema, wie zeitgemäß Kunst- und Kulturschaffendes anno 2012 überhaupt ist, davon gestreift wird, sondern „eben drum“.
Auf der einen Seite hört man ja überall, auch hier, dass Kunst und Kultur gerade im Zeitalter des Internets, der digitalen Medien (da sind sie indirekt auch wieder, die mobilen Geräte) und der bedarfsbedingten Einzelproduktion zu neuer Blüte gereichen könnte, aber auf der anderen Seite kriegt man auch immer wieder die Frage um die Ohren, „wozu das denn alles Gut sein solle“ mit den Büchern und so. Und alle diskutieren sie über Urheberrechte und Publikationsmodelle … aber gerade auch die Lebensumstände, die ein kreatives Schaffen und einen erfüllten Umgang damit letztlich erst bedingen können, werden doch nur selten thematisiert.
Nun, dann mach ich das eben.

Viele Grüße,
Thomas

4 Gedanken zu “Warum ich keine Smartphones mag (ein Vorwand)

  1. Da stimme ich mal voll und ganz zu. Wozu braucht man diese DInger überhaupt? Und das sagt eine, die kaum älter ist als jene welche, die sich so ein Smartphone normalerweise holen.
    Ich verstehe die Dinger nicht. Nicht, dass es mir unheimlich wäre oder ich auf Technik keine Lust hätte (ganz im Gegenteil, ich arbeite sogar tagtäglich damit), aber ich brauche keinen ständigen Zugang zum Internet oder ständige Erreichbarkeit. Okay, ich habe ein Handy. Aber dieses ist auch schon „alt“ (Laut Aussage anderer).
    Ich schreibe eine SMS am Tag, wenn’s hoch kommt. Und davor und danach ist es auch aus. Wenn ich dann in der Berufsschule zusammen mit meinen Klassenkamaradinnen und -kameraden am Tisch sitze und mein Pausenbrot esse, werde ich manchmal schon komisch angeschaut, wenn ich nicht alle paar Sekunden mein Handy kontrolliere oder meine Mails abrufe (was ich ja nichtmal kann), so wie sie.
    Ich musste mir auch schon diverse Kommentare anhören, warum ich denn so ein „altes“ Ding mit mir rumschleppe. Und warum ich denn keine Apps brauche. Sind doch so toll.
    Ähm..nö. Kein Interesse. :)
    Ich mag es tatsächlich noch, normal zu reden und mir mein Wissen aus der Schullektüre zusammen zu suchen.
    Dafür brauche ich keine „App“.
    Obwohl ich die Idee mit den Kontaktlinsen ja schon irgendwie interessant finde…
    Alles Liebe und sehr schöner Text!
    Lepi

    • Hallo Lepi,
      danke für das umfangreiche Feedback – und ja, durchaus schön, dass ich mit meiner Wahrnehmung nicht ganz alleine bin.
      Du scheinst in deiner Haltung dann sogar noch strikter zu sein als ich. Mein Handy ist zwar verglichen mit dem ollen 3210, mit dem ich mal angefangen habe, schrecklich modern, kann theoretisch sogar ins Internet, aber hat halt 12 Tasten zzgl. des Bedienelementes und ein normales Display, dessen einzige Reaktion auf Finger-Drücken Fettflecke sind ;)
      Nebenbei, das hab ich auch, schon vor ca. zwei Jahren mal an der Uni gesehen: Da reichte eine Studentin der anderen ihr Handy, woraufhin diese relativ hilflos und verzweifelt auf dem Display herumdrückte. Als die Besitzerin das Elend leid war, nahm sie ihr das Handy wieder hab, schon den Slider auf und zeigte auf die Tasten. Lustig war’s, aber auch bedrückend, irgendwie.

      Aber ja, ich reagiere auf SMS, schreibe auch sicher mal mehr als eine pro Tag. Bin auch gefürchtet ob meiner Unfähigkeit, kurze SMS zu schreiben – extrem kurz konnte ich noch nie; die Seite hier ist ja auch durchaus Zeugnis dessen. Aber während ich mein Handy vor zwei Jahren noch immer in der Hosentasche hatte und dransprang, wenn es klingelte, liegt es jetzt halt oft im Wohnzimmer, und wenn ich dann gerade mal auf dem Balkon bin oder in der Küche und es nicht höre, na ja, dann ruf ich halt später zurück.

      Gestern Abend chattete ich noch mit einem Kumpel über das Thema. Er meinte, es wäre doch zum Beispiel toll, wenn man unterwegs wäre und mal Downtime hätte, dass man schon mal den Spam aus dem E-Mail-Postfach löschen könne. Das hat mich letztlich im Umkehrschluss auf einen Punkt gebracht, den ich im Artikel so noch gar nicht voll berücksichtigt bzw. den ich nicht völlig explizit erwähnt hatte – ich mag Downtime. Die ist wichtig.
      Und ich glaube gerade dann, wenn ich mich eh nicht mit was anderem beschäftigen kann, eben weil ich etwa unterwegs bin, bin ich auch oft am kreativsten. Darum bin ich gestern auch spazieren gegangen, als ich mit einem Design-Auftrag nicht weiterkam. Als ich heimkehrte, hab ich mich wieder an den Mac gesetzt und ’ne Stunde drauf hatte ich ’ne Muster-JPG an meinen Auftraggeber geschickt.

      Aber nun denn, es muss ja jeder wissen, wie er es machen will und es kann jeder so machen, wie es ihn beliebt.
      Solange er nur dabei nicht meint, dass ich es ihm gleichtun solle …

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Hallo Thomas,

    nachdem ich mich heute ausgehend von deinem Prometheus-Posting durch teile deines Blogs gelesen habe bin ich bei diesem Post hängen geblieben und zwar weil ich hier quasi die Gegenthese vertrete:

    Ich habe mir im Juli 2011 ein Smartphone gekauft und nicht nur ist es das beste Mobiltelefon, das ich je hatte es ist allgemein ein sehr guter Kauf gewesen, den ich keine Sekunde bereue.

    Dabei verstehe ich die Punkte, die dich stören sehr gut und teile sie auch. Ich finde es sehr schade, was die Smartphones der guten alten Stammtischdiskussion angetan haben, wenn plötzlich alle Fakten nachgeschlagen werden können. Irgendwie fehlt da dann etwas. Auch verstehe ich, dass es dir nicht gefällt, wenn Leute erwarten, dass du „always on“ bist oder Dinge nicht erfährst, weil du nicht alle 5 Minuten deine Emails pollst. Aber all das kulminiert doch meiner Meinung nach in der Aussage deines ehemaligen Dozenten von der fehlenden Medienkompetenz. Ich könnte ein ähnliches Lied auf Facebook singen, wenn ich nicht zu Geburtstagen eingeladen werde, weil ich keinen Facebook-Account habe. Email, Anrufen, Chatten ist da scheinbar sowas von gestern …

    Aber ich möchte gar nicht auf dieser grundsätzlichen Ebene weiter schreiben, sondern einfach mal erläutern, was das Smartphone mir gebracht hat: Es macht mein Leben leichter, es macht Spaß und letzten Endes gibt es mir sogar mehr Freiheit.

    Dabei muss vielleicht gesagt werden, dass ich einen sehr bewussten Umgang mit meinem Gerät pflege. So war das erste, was ich gemacht habe dem Telefon jedweden selbstständigen Kontakt mit dem Internet zu verbieten. Ich bekomme keine Emails, Xing- oder G+-Updates, wenn mein Handy es für wichtig hält, sondern wenn ich sie bewusst abhole. Mein Smartphone treibt mich also schon einmal nicht vor sich her. Ich kann meine Mails lesen, aber ich bekomme sie nicht aufgezwängt. Ich bin nicht „always on“, aber ich kann online sein wann immer ich es möchte. Das habe ich insbesondere auch in meiner Zeit als reisender Consultant begrüßt. Viele meiner Arbeitskollegen haben vom Arbeitgeber ein Smartphone erwartet, weil es so hipp ist. Sie haben es auch bekommen … damit ist dann natürlich die Erwartung verknüpft, dass man es auch nutzt. Mein Smartphone war mein privates Telefon. Ich konnte es natürlich in einen Hotspot verwandeln und im Zug arbeiten … aber nur, wenn ich das wollte. Ich habe mir durch das Smartphone also viele KANNs gekauft, aber keine MUSSts.

    Mein Nutzerprofil hat sich im vergleich zum Handy gar nicht allzu sehr verändert, ich nehme das Smartphone zwar öfter in die Hand als mein altes Handy, aber das liegt nur an den vermehrten Anwendungsszenarien: Ich kann darauf vernünftig Einkauflisten anlegen, ich kann eben mit google maps wirklich sehen wo ich bin und wo ich hin will, Öffi sagt mir tatsächlich wo der nächste Bus abfährt. Das sind alles Sachen, die ich vorher halt auf Zetteln notiert hätte. Ein Smartphone ist für mich also Handy + Notizzettel. Außerdem noch ein mp3-Player. Und natürlich eine Spielkonsole. Ich nutze es für Preisvergleiche, um zu sehen ob der Monitor bei Saturn wirklich günstig ist. Auch nutze ich es für „Downtimes“, denn du hast zwar Recht, dass diese auch wichtig sind und wenn ich mir explizit eine gönne, dann brauche ich auch mein Smartphone nicht. Aber es gibt auch nicht gewollte, erzwungene, ärgerliche Downtimes, z.B. wenn die U-Bahn zu spät kommt. In der Zeit kann ich jetzt halt PES spielen, oder die sueddeutsche lesen. Einfach so. Sowas finde ich toll.

    Und übrigens: Ich lasse mein Smartphone auch oft liegen oder nehme es oft explizit nicht mit. Ich will es nicht dabei haben, wenn ich mit meiner Frau essen gehe. Genausowenig wie vorher mein Handy.

    So sehr ich also deine Kritikpunkte verstehe halte ich hier die Smartphones höchstens für einen Katalysator. Das „Fehlverhalten“ liegt in den Menschen. Die gleiche Gruppe Mädels wäre dir doch auch 2002 begegnet, da hätten die eben alle SMS gelesen und geschrieben. Die Smartphones haben das „nur“ abgelöst.

    Man muss mit seinem Smartphone nur bewusst umgehen. Wie mit allem anderen auch.

    Viele Grüße,

    Marcel

    • So, mit fast zwei Monaten verspätung habe, nein, finde, nee, nehme ich mir mal die Zeit, dir ordentlich darauf zu antworten :)

      Natürlich, direkt vorweg, hast du grundsätzlich auf jeden Fall Recht. Das Smartphone ist ein Katalysator, oder vielleicht eher ein „Ermöglicher“ dieses Verhaltens, weil es vorher halt nur mit immensem Aufwand oder echt abgefahrenen Geräten wie den mobilen ICQ-Geräten von ogo möglich war, auf diese Weise Dauererreichbar zu sein. Und in vielen Punkten ist das Smartphone natürlich auch erst einmal einfach eine Weiterentwicklung des Handys – mein Handy kann theoretisch auch eMails verschicken und schon das selige 3210 hatte ja nun Snake im Gepäck und hat, wenn ich mich da recht erinnere, ebenfalls schon Proteststürme, Sucht-Sorgenbekundungen von Eltern und Mahnungen zur Sicherheit im Straßenverkehr ausgelöst. Damals, im letzten Jahrhundert.
      Es ist ja mehr so, dass die Smartphones all das wesentlich besser machen als „normale“ Handys, nicht so sehr, dass sie das Rad radikal neu erfunden hätten.

      Auftritt „Mitmenschen“ – auch da kommt man zunächst an den Punkt, dass die Medienkompetenz auch 117 Jahre nach Beginn der Filmgeschichte noch immer nicht so wirklich massentauglich verbreitet ist. Wir waren die Tage im Kino und die „Analysen“ der Gruppe hinter mir ob der Funktionsweise von 3D-Brillen waren … spannend. Aber ich schweife ab.
      Ich hab mein Handy eigentlich immer dabei, aber hab mir ein Klingelton-Preset gebaut, was dem Gerät quasi erlaubt, Anrufe und SMS zu bemerken, aber es klingelt nicht, es vibriert nicht. Ich hab es halt gerne dabei, „falls mal was ist“ – da greift die bishweilen sorgenvolle Erziehung meiner Eltern, schätze ich –, aber habe es hat dennoch at will greifbar. Probleme treten, wie du richtig sagst, auf, wenn das allerdings wieder in ein größeres Sozialgefüge kommt – und ich glaube, hier nun kommen wir zu dem Dilemma.

      Denn anders als du, im Hobby-Bereich aber halt auch in Arbeit und Uni, habe ich diesen Respekt, der ja gewissermaßen aus dem Umkehrschluss erwächst, kein dienstliches Smartphone zu haben, nicht immer erfahren. Beispiele waren im Text; aus dem Arbeitsbereich hab ich durchaus auch weitere, die ich hier nicht nennen mag. Aber an dem Punkt, an dem gemeinsame Bekannte angerufen werden, um nach Kontaktwegen zu suchen, weil ich seit ein, zwei Stunden auf eine Mail nicht geantwortet habe, dann sind halt einfach Grenzen erreicht.
      Vielleicht ist das aber auch einfach etwas, was man sich mit Dickköpfigkeit erarbeiten muss. Lina hat sich diesen Status – „geht auch mal einfach nicht ans Telefon“ – mühevoll über Jahre erarbeitet, ich selber arbeite derzeit relativ strikt an einer „Mein Wochenende gehört mir“-Politik. Ist nicht immer machbar, aber denke ich ein erstrebenswertes Ziel.

      Mir ist es ja umgekehrt auch wichtig, letztlich – zu den gewünschten Zeiten – erreichbar zu sein. Sei es für Zuschriften über die Seite hier, oder noch viel mehr halt für Freunde, für Anliegen die aus diversen Hobbys von Tanzen bis LARP erwachsen etc. Ich will ja nur die Option, all das mal für eine Weile abschalten zu könne ;)
      Aber das ist halt ein Anachronismus, und ich füchte, es wird in den kommenden Jahren eher schwieriger als leichter werden, das Leuten zu erklären. Wer mich kennt, der weiß das auch, aber zumindest derzeit hab ich ja auch durchaus eine ewig-konstante Rate von Kontakten, die sich neu ergeben. Und im Endeffekt ging es in dem Blogartikel ja auch tatsächlich mehr darum als um das technische Gerät an sich – darum das geklammerte „ein Vorwand“ am Ende des Artikels.
      Ich befinde mich halt selber in einer recht schwer zu fassenden Grauzone zwischen verschiedenen Extremen. Obschon wir ja Pi mal Daumen in die Altersgruppe fallen würde ich mich weder als „digital native“ noch als Teil der „Generation 2.0“, um es mal in schlimme Schlagworte zu packen, beschreiben.
      Ich hab zwar ein Blog, aber das ist an sich ja auch schon total „letztes Jahrzehnt“, viel von dem neuen Kram entzieht sich mir. Ich bin zwar bei Facebook, gehe aber nicht so darin auf wie andere das scheinbar tun. Ich spiele zwar gerne Videospiele, eigentlich sogar recht ausgewogen zwischen der 360 und meinem SNES aufgespannt, verliere bei der modernen Konsole aber schnell jedes Interesse, wenn sie versucht, mich mit anderen Leuten zu verkabeln oder mir andere Social-Gimmicks um die Ohren pfeffert.
      Und auf dieser schwer fassbaren Grenzlinie kann ich letztlich doch eines Sache klar benennen: Den Einfluss, den Smartphones en gros in meinem Umfeld gehabt haben, würde ich groß Mehrheitlich unter die „stört mich“-Kategorie fassen. Man kann verantwortungsvoll damit umgehen, ja. Ich hab nur eigentlich keien große Hoffnung, dass das in der Masse geschehen wird, sondern vermute eher, dass wir dann eher irgendwann als die 1.0-Parias am Rand stehen werden. Wobei sich das natülrich zeigen muss, ich werde hier nicht den Propheten markieren.

      Ich hatte, extra für diesen Artikel, eine neue Kategorie hier bei den Tags im Blog eingerichtet – „Wie möchte ich leben“. Ich bin bisher nicht dazu gekommen, das weiter auszuführen, aber das ist schlussendlich das Thema, auf das es hinausläuft. Und explizit in diesem zeitlich Kontext, die Probleme dargestellt haben, die Auswegmöglichkeiten anerkennend, aber nicht auf sie setzend und ihren Nutzen für mich, so gegeben, selbst schlichtweg noch nicht in überzeugendem Maße erfahren habend, stehen Smartphones daher für mich derzeit echt nicht auf der Liste der Dinge, über deren Einzug in mein Lebensumfeld ich mich derzeit freue.

      So, viel Text, vermutlich etwas unpoliert, aber – endlich eine Antwort :)

      Und vielen Dank für den langen Kommentar!

      Viele Grüße,
      Thomas

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