Warum eigentlich Linoldruck?

Hallo zusammen!

Wie zumindest jene, die hier regelmäßiger mitlesen, ja wissen, bekommt das Buch Hylträa als Illustrationen eine Reihe Linolschnitte verpasst. So rund um das Thema herum wurde ich dann aber auch immer mal wieder gefragt, warum eigentlich. Und ich dachte, das thematisiere ich heute mal einfach.

Das Buch Hylträa ist ja das erste Buch im Rahmen der Condrianischen Bibliothek, das sozusagen ein eigenes Design bekommt. Der erste Trötensammler reproduziert ja nur den Satz der Einzelausgaben und Bilder aus Condra besteht alleine aus Fotos; für die jeweiligen zweiten Teile wird zudem wieder das gleiche gelten.
Hier aber liegt die Sache anders, hier existieren Teile der Texte zwar schon seit Jahren, aber ein richtiges Design gab es nie. Auch die Symbole, die nun als Linolschnitte vorliegen, sind schon viele Jahre alt und existieren in diversen Formaten von Coral Draw bis EPS, aber sehen demnach auch in ihren Inkarnationen immer sehr technisch aus.

Besser als jeder Sehtest: Das Punktmaß im Einsatz

Als wir uns also Gedanken um die Gestaltung der ‚Einheitsausgabe’ machten, gingen wir verschiedenste Vorlagen durch. Wir wollten, dass es wie ein „heiliges Buch“ wirkt, aber wir wollten keine reine Pseudo-Bibel. Darum orientiert sich zwar die Schrifttype so ein bisschen an alten Gotteslob-Ausgaben, aber der Schriftgrad und Stil des Satzes sind viel näher an einem LARP-geeigneten Gebrauchsbuch als es etwa meine persönliche Luther-Bibel von 1961 mit ihrer 6pt-Fraktur-Schrift es je sein könnte.
(Kein Witz. Ich habs’s gemessen!)

Aber für mich persönlich gibt es eine Art der Illustration, die ich schon immer fest mit derartigen alten religiösen und/oder okkulten Folianten verbunden habe – Holzschnitte.
Ich bin mir tatsächlich unsicher, wo das angefangen hat. Ob Dürer Schuld ist, auf dessen apokalyptischen Reiter ich in den 90ern erstmals stieß, als ich gerade meine manische „Millennium“-Phase (also die zu der TV-Serie) durchlief, oder ob vielleicht „Die neun Pforten“ das Zünglein an der Waage war, für das wie auch für dessen Buchvorlage der Künstler Francisco Sole diese wunderbaren Holzschnitte angefertigt hatte, ich weiß es nicht zu sagen. Aber wie dem auch sei – Holzschnitte waren etwas, was mich sofort reizte.

Nun gibt es abertausend Tutorien im Netz, wie man digital den Look von Holzschnitten nachempfindet … nur, ehrlich, überzeugt haben die mich alle nicht. Da gilt das gleiche wie bei Filtern, die Federzeichnungen oder Ölbilder emulieren sollen – die Ergebnisse sind gut, aber sie sind einfach nicht – im wörtlichen Sinne – das Wahre.
Holzschnitte wiederum sind aber eine relativ wuchtige Angelegenheit. Zumal eine, die weder ich noch einer in meinem Freundeskreis bislang mal versucht hatte. Und auf der Suche nach Alternativen kam dann mir sowie meiner Mitwirkenden Lina schnell ein Gedanke – Linol.

Linolschnitzen im Urlaub

Linolschnitt ist wiederum etwas, womit viele Leute glaube ich während ihrer Schulzeit mal gequält worden sind, mit dem man aber durchaus auch coolere Sachen erzeugen kann als nur die obligatorischen Fische und Blätter, die man im Kunstunterricht meist zu drucken scheint.
Wie hier auch schon einmal geschrieben, nahmen wir uns die Linolplatten sowie das Schnitzwerkzeug mit in den Urlaub und machten uns dort, in der herbstlichen Abendsonne bei einem dezenten Glas Weiswein ans Werk.

Die Linolplatten recht frisch nach dem ersten Probedruck

Wir sind in dem Urlaub dann nur fast fertig geworden, weshalb sich an der Front dann, zurück im Alltag, lange nichts mehr tat. Bis vor wenigen Wochen, als wir einfach mal beschlossen haben, auf die Zielgerade zu gehen.
Und ich muss sagen, die Mühen haben sich in meinen Augen gelohnt. Gerade wenn man die originalen Drucke und nicht die Scans vor sich hat, ist es ein Genuss. Für das Auge, denn die Druckfarbe schimmert einfach anders als das matte Papier, aber auch für den Tastsinn, denn sie hat zudem eine Struktur auf dem Papier hinterlassen, die kein Photoshop der Welt emulieren könnte.
Doch auch in der digitalen Reproduktion im Buch wird sich der Aufwand denke ich auszahlen. Der Druck ist nicht eben, die Schnitte sind nicht alle sauber – so, wie wir es auch haben wollten. Es verleiht den Drucken eine gewisse Willkür, einen Zufallsfaktor, der es auch direkt natürlicher wirken lässt, als es den Eindruck machen würde, hätte ich die Vektorgrafiken einfach diverse Male durch Photoshop gejagt.

Das Zeichen der Grunatha

Ich freue mich sehr auf das Buch Hylträa. Ich denke, es wird ein schönes Buch werden, in dem man sowohl einfach etwas schmökern – viele der Texte sind letztlich ja auch nur Kurzgeschichten –, als auch wunderbar im LARP lesen und dann damit spielen kann.

Jetzt müssen nur noch die letzten kleinen Textbearbeitungen erfolgen und das neue Foto für den Schutzumschlag aufgenommen werden. Apropos Schutzumschläge – die zum zweiten Trötensammler und zu Bilder aus Condra 2 gibt es dann morgen hier zu bestaunen.

Viele Grüße,
Thomas

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