Haben Sie schon mal über ISBN-Codes nachgedacht?

Hallo zusammen!

Wer Bücher hat, wer Bücher liest, erst recht wer sie verkauft oder katalogisiert, der kennt sie – die ISBN. Die Internationale Standard-Buchnummer, ein langer Code, der seit vielen Jahren hinten auf Büchern zu erkennen ist. Manchmal etwas salopp „Bestellnummer“ genannt, was aber natürlich ein bisschen irreführend ist, denn anders als andere Bestellnummern ist die ISBN verlagsneutral und übergreifend.

Aber obwohl auch in meinem Bekanntenkreis im Grunde die meisten Leute wissen dürften, was eine ISBN ist, war dieser Tage mal wieder eine Freundin von mir überrascht, als sie erfuhr, dass diese Zahlen tatsächlich nicht einfach nur Zufallsfolgen sind. Es stecken allerlei Informationen in so einer ISBN – Grund genug, sich das doch mal anzuschauen.

Der ISBN-Code meines „Verfluchte Eifel“

Nebenstehend seht ihr ein Foto vom Backcover meines Verfluchte Eifel. Wie man dort in dem grauen Bereich sieht, ist die dreizehnstellige ISBN (eine so genannte ISBN-13; ich komme sofort zu) an diversen Stellen von Bindestrichen untergliedert.
Das ist kein Zufall und auch kein reiner Dienst an der Lesbarkeit, sondern eine Segmentierung in Sinneinheiten.

978-3-839151099

Die 978 am Anfang, das ist ein Präfix; der ist noch relativ neu. Früher gab es die sog. ISBN-10, die hatte eben diese drei Stellen am Anfang nicht. Die Änderung hatte zwei Gründe – zum einen gingen in einigen Sprachräumen schlicht die verfügbaren Nummern zur Neige und zum anderen konnte die ISBN somit der EAN, der Europäischen Artikel-Nummer, angeglichen werden.
Somit sagt uns 978 an sich wenig, außer, dass wir auf eine ISBN schauen. Es gibt auch einige Ausnahmefälle etwa mit 979 am Anfang, aber lassen wir das mal außen vor.

Der nächste Schritt ist dann die 3. Dies ist die Gruppennummer; oft auch Ländernummer genannt. Die 3 steht dabei für Deutschland, 0 und 1 für den englischsprachigen und 2 für den französischsprachigen Raum. Es gibt einige Extremfälle in beide Richtungen, so hat Belgien zum Beispiel keine Gruppe, sondern orientiert sich nach den Sprachgebieten (2, 3 oder 90 und 94 für den holländischsprachigen Teil), wohingegen beispielsweise die Mongolei mit 99929 eine der wuchtigsten Ländernummern aufweist.

Nächster Halt ist, in diesem Falle vierstellig, die Verlagsnummer. In dem Falle kennzeichnet die Angabe 8391 Verfluchte Eifel als ein Buch, das bei Book on Demand erschienen ist. Interessant ist, dass die Verlagsnummer unterschiedlich lang sein kann, um beispielsweise die Ländernummer ausgleichen zu können und dennoch immer eine feste Zahl von 13 Ziffern zuzusichern.

Der ISBN-Code von Julia Osterbrinks „Living Fantasy“

Heyne zum Beispiel hat 453; in dem Falle aber nicht zugunsten der Gruppennummer, sondern zugunsten der nächsten Nummernfolge, der Titelnummer, auch Bandnummer genannt. Dies ist die Zuordnung eines individuellen Titels innerhalb des Verlagsprogramms; so ist es hier letztlich die 5109, die diese ISBN fest mit Verfluchte Eifel und keinem anderen Buch verankert.
Schaut man beispielsweise den nebenstehenden Code an, der zu Julia Osterbrinks Living Fantasy gehört, so sieht man direkt, dass im Grunde bis zur Verlagsnummer noch alles gleich ist, es dann aber eine andere Bandnummer hat.

Die ISBN von Tim Currans „Der Leichenkönig“

Die Strukturierung einer ISBN wird im Idealfall ein wenig an das Verlagsvolumen angepasst. Die Bandnummer eines Heyne-Buches umfasst etwa fünf Stellen, wohingegen etwa die bei einem kleineren Verlag auch mal nur zwei oder drei Ziffern umfassen kann.

Und abschließend: die ISBN von Joe Haldemans „Herr der Zeit“

Nebenstehend habe ich mal noch die Backcover von Tim Currans Der Leichenkönig und Joe Haldemans Herr der Zeit abgebildet, um das zu illustrieren; der Erstgenannte ist bei Atlantis, der andere wiederum bei Mantikore erschienen.

Bleibt eine Ziffer übrig: Die Prüfziffer, hier die 9. Diese errechnet sich relativ waghalsig aus den ganzen vorangegangenen Nummern und dient dazu, deren Richtigkeit zu überprüfen. Sowohl Zahlendreher als auch grobe Fehler können damit zwar nicht ausgeschlossen, aber doch zumindest recht effizient eingedämmt werden.
Die Prüfziffer einer ISBN-13 liegt dabei immer zwischen 0 und 9. Wer hingegen ein älteres Buch mit einer ISBN-10 in der Hand hat, dem ist vielleicht auch schon mal eine Zahlenfolge begegnet, die auf X endete. Dieses X symbolisiert als römische Ziffer die Prüfziffer 10.

So.
Das ist sie also, die ISBN.
Vielleicht nicht so griffig wie andere Themen, die ich unter dem „Haben sie schon …“-Motto hier mal angesprochen habe, aber dennoch sehr spannend, wie ich finde, und untrennbar mit dem Medium Buch in unserer Zeit verbunden!

Viele Grüße,
Thomas

Bibliographie der Bildquellen:
Curran, Tim: Der Leichenkönig. Stolberg: Atlantis 2011. Bei Amazon betrachten.
Haldeman, Joe: Herr der Zeit. Frankfurt am Main: Mantikore 2012. Bei Amazon betrachten.
Michalski, Thomas: Verfluchte Eifel. Norderstedt: Book on Demand 2010. Bei Amazon betrachten.
Osterbrink, Julia: Living Fantasy. An Ethnography of Roleplaying Games. Norderstedt: Book on Demand 2010. Bei Amazon betrachten.

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