Wir sind Bond. James Bond.

Hallo zusammen!

Heute noch mal ein möglicherweise unerwartetes Thema: Sprechen wir einmal über James Bond.
Mit „Skyfall“ stürzt sich der berühmteste Agent vom MI-6 noch diese Woche in ein neues Abenteuer. Es ist seine 23. Filmmission, wenn man die David-Niven-Parodie zu „Casino Royal“ von 1967 und das non-kanonische „Feuerball“-Remake „Sag Niemals Nie“ von 1983 nicht mitzählt.

Das macht Bond ja alleine schon interessant. Zwar leben wir in einer Zeit, in das klassische Film-Format der Trilogie durch schier endlose Reihen abgelöst wurde, eine Erscheinung, die ich früher eigentlich nur aus dem B-Film-Bereich kannte. Doch auch in einer Zeit in der gerade der sechste Fast&Furious-Teil gedreht wird, sieben Episoden „Saw“ und dank Aufteilung des letzten Buches gleich acht Harry-Potter-Filme hinter uns liegen, muss Bond da nicht um seine Spitzenreiterschaft fürchten. Selbst „Star Trek“ bringt es auf derzeit elf, kommendes Jahr dann zwölf Filme, gerade mal um die Hälfte dessen, was der britische Spion auf dem Buckel hat.
Durchaus eindrucksvoll.

Auch ist es spannend, weil keine andere mir bekannte Filmreihe durch so viele unterschiedliche Interpretationen gegangen ist. Mit Connery, Moore, Lazenby, Dalton, Brosnan und nun Craig blicken wir mittlerweile auf den sechsten James Bond, was auch für sich beachtlich ist. Sicherlich, mit Keaton, Kilmer, Clooney und Bale haben mittlerweile auch schon vier Darsteller Batman das Gesicht geliehen, fünf, wenn man Adam West mitzählen mag, doch ist das Gefühl einer geschlossenen Serie dort bei weitem nicht so gegeben. Die Bond-Filme zählen bis heute durch, sogar obschon mit „Casino Royal“ quasi ebenfalls ein Reboot angeleiert wurde, das seinerzeit ja sogar stilistisch bisweilen mit „Batman Begins“ verglichen wurde. Aber wo „Skyfall“ noch immer James Bonds 23. Abenteuer ist, kenne ich niemanden, der „The Dark Knight Rises“ als Batman 7 bezeichnen würde (oder 8, wenn man „Batman hält die Welt in Atem“ zählen würde).

Das ist alles beachtlich und spannend, aber das ist alles nicht, was mich wirklich fasziniert. Auch die starke Verankerung von Bond als Teil des westlichen, kulturellen Gedächtnisses ist zwar hochgradig interessant, bis hin zu dem Höhepunkt,dass Craig als Bond gemeinsam mit der echten Königin von England offiziell Teil der Eröffnung der Olympiade 2012 in London sein durfte, aber auch das meine ich nicht.
Vielmehr finde ich es unfassbar faszinierend, wie diese Reihe letztlich eine Konstante ist, nicht nur in sich als Medienevent, sondern auch in unserem Lebensalltag.

Als ich ein Kind war, waren es meine Eltern, die James-Bond-Filme im Fernsehen geschaut haben. Ich durfte die natürlich nie ganz gucken, aber bei manchen hatte ich Glück und durfte so lange bleiben, bis Bond seine Gadgets von Q bekommen hat. Dann musste ich ins Bett, aber war dennoch zufrieden, denn Kinder lieben Gadgets.
Manchmal war während der Sommerferien ein Onkel bei uns im Haus zu Besuch, während meine Eltern ihrerseits bei ihm Urlaub machten. Wohnungstausch sozusagen. Und als ich dann Jugendlicher war und auch mal später heimkam, war der, anders als meine Eltern, zu solchen Stunden noch wach. Bis heute erinnere ich mich daran, wie ich mit besagtem Onkel dann ab und zu nachts noch vor dem Fernseher saß und wir gemeinsam einen Bond schauten. Auch in dem Alter, und auch über diese Generation hinweg, konnte der britische Spion eine Brücke spannen.
Vor einigen Jahren, so in der letzten Phase, als ich noch vor allem in der Eifel wohnte, habe ich mich sehr oft abends mit Hildes Kameramann Ralf getroffen und wir haben zusammen Filme geschaut. Da kam es immer mal vor, dass wir auch nicht recht wussten, was wir wohl gucken könnten – und wenn wir keine Alternative sahen, dann hatten wir immer einen, nein, den Plan B: „Gucken wir’n Bond?“ Und nicht nur, dass wir durch den Spaß an den Filmen, auch beim x-ten Anschauen, verbunden waren (und sind), wenn wir dann im Anschluss noch die hervorragenden Making-Ofs der damaligen DVDs schauten, wuchsen wir auch in unserem Interesse am Filmemachen heran.
Viele der großen Filmreihen, die mich als Kind geprägt haben, sind eher geformt aus der Zeit, aus der sie stammen. Ich habe keine Ahnung, ob „Star Wars“ oder „Indiana Jones“ noch in sein mag, wenn ich mal Kinder haben sollte in dem Alter, in dem sich der Kreis schließen würde; aber ich bin fast gewillt meine Hand dafür ins Feuer zu legen, dass James Bond dann noch immer da ist, und auch diese Generation Kinder gerne wach bleiben wird, bis der Agend seine Gadgets von Q bekommen hat.

Jeder hat seine persönlichen Vorlieben bezüglich der genauen Ausprägung von 007. Ich persönlich mag ja Dalton und Craig, mochte als Kind mehr noch als heute den alberneren Moore, erkenne zweifelsohne die absolute Zeitlosigkeit Connerys an, finde „Goldeneye“ als einzigen Film Brosnans wirklich sehenswert und habe meinen Lebtag lang noch keinen getroffen, der Lazenby für den besten Bond hält. Aber auch das ist eine Stärke der Reihe, wie ich finde. Mittlerweile, nachdem man bislang 22 Filme gesehen hat, dürfte für jeden etwas dabei gewesen sein. Und die Spannung, wie sich der neue Film zwischen den Geschmäckern einsortieren wird, ist irgendwie ja auch Teil des ganzen Spaßes.

Ich jedenfalls freue mich auf „Skyfall“ auf eine ganz eigene Art und Weise. Und fand einfach, dass all das hier mal gesagt gehörte.

Viele Grüße,
Thomas

2 Gedanken zu “Wir sind Bond. James Bond.

  1. Ja, das ist definitiv faszinierend. Wobei ich gestehen muss, dass es für mich bei James Bond auch keine Nummern gibt. Jedenfalls hätte ich definitiv nicht gewusst, der wievielte Bond das ist.

    Was ihn vermutlich aber beispielsweise von einem Indiana Jones abhebt: Die Filme haben sich noch nie zu sehr auf den Schauspieler festgefahren. Indiana Jones lebte einfach von Harrison Ford. Ob da ein Reboot mit einem Shia LaBeouf möglich wäre? Ich bezweifle es. Ob ein anderer Schauspieler den Indiana Jones machen könnte? Ja, ich denke schon – wenn ich schon allein an einen Nathan Fillion denke.

    Aber: Da muss das Publikum dann auch bereit für die Veränderung sein und ich glaube, das ist das heutige Publikum nicht mehr. Ich denke, zu der Zeit, als Bond für sich etabliert hat, dass es nicht nur „einen“ Bond gibt, sondern ganz viele unterschiedliche, hat man das noch eher hingenommen.

    Wenn heutzutage ein Nathan Fillion plötzlich die Rolle von Harrison Ford übernehmen würde, dann würde der zwar viel Nerd-Credit bekommen, aber ich fürchte, er würde nie und nimmer akzeptiert werden, obwohl ich mir absolut sicher bin, dass er einen eigenen, tollen Indiana Jones machen könnte – durchaus im Unterschied-Kontrast von Connery und Moore.

    Bei sowas frage ich mich dann immer, ob das heutige Publikum nicht „zu“ kritisch geworden ist und zu eingefahren ist. Dabei sträubt es sich in mir, „zu kritisch“ zu schreiben, weil ich an sich Kritik ja gut finde. Aber ich finde es traurig, dass es diese Möglichkeiten teilweise nicht mehr zu geben scheint. Jedenfalls befürchte ich, dass das ein Vorteil von Bond ist: Er hat zu einer Zeit, als man das noch akzeptieren konnte, für sich etabliert, dass er weiterleben darf, obwohl der Schauspieler wechselt.

    Das vergönnen viele ja sogar Star Trek, wenn ich mir den Abrams-Star-Trek anschaue, den ich auch absolut gelungen finde und mit einer der besten ST-Umsetzungen seit langem. Das ist gerade durch die Parallel-Welten-Sache so Star Trek, wie kaum was Anderes und die Schauspieler sind so gut getroffen… trotzdem gibt es da dann Nerd-Rage und es wird nicht einfach akzeptiert.

    Das mal als ein paar unsortierte Gedanken von mir, weil mich dein Beitrag zum Grübeln gebracht hat, woran das genau liegt und wieso es heute nicht mehr möglich ist.

    • Ja, Star Trek ist ein gutes Beispiel, wobei ich gerade fand das Chris Pine und Karl Urban brillant waren in ihrer Darstellung von etablierten, durchaus auch durch den Schauspieler ausgeformten Figuren, ohne dabei bloße Plagiate abgeliefert zu haben.
      Wo es mir noch irrsinniger vorgekommen ist war der „Conan“ letztes Jahr. Ja, gut, das Drehbuch wird sicher keine Preise gewinnen und der Cutter gehört geschlagen, aber insbesondere Jason Momoa als Conan fand ich eine brillante Besetzung, die sowohl meinem Bild gemäß der alten Howard-Texte wie auch den Comics, die ich sehr gerne und lange gelesen habe, viel, viel näher kam als die ’steirische Eiche‘. Und auch hier, ganz klar, ich halte den ersten der Conan-Filme für ein absolutes Meisterstück des phantastischen Kinos, aber wie gesagt, keinesfalls für den definitiven Conan. Und gerade in diesem Kontext, sowie unter der Betrachtung, was danach so kam („Conan der Zerstörer“ war fragwürdig, die Möller-Fernsehserie aber eine Katastrophe), hab ich schon die allgemeine Hassstimmung gegen den Film nicht verstanden (bzw. nachvollzogen, weil es halt nicht Arnie war, aber nicht verstanden, warum das ein Problem ist) … und den allgemeinen Jubel ob der Meldung dieser Tage, das Arnold noch mal den Conan geben wird, den hab ich auch nur so halb verstanden.

      Es ist aber auch knifflig. Manchmal können Darsteller es scheinbar ja aussitzen – so die allgemeine Internetstimmung ob der Neubesetzung von Prof. X und Magneto in „First Class“ war ja eher mau, bis sich zeigte, dass „die Neuen“ eigentlich verdammt gute Schauspieler sind. Und „Niemand wird je einen besseren Joker spielen als Nicholson!“ … ehm ja. Nun.

      Aber du hast schon Recht, das Publikum von heute ist (gefühlt zumindest) viel, viel schlimmer geworden als früher; allgemein, was diese Form von Kritik betrifft. Wir sprechen hier ja nicht von Kritik im Sinne einer wachen, bewussten Auseinandersetzung mit dem Material unter Einbezugnahme von Quellen und Möglichkeiten des Mediums, wie sprechen hier in meiner Wahrnehmung immer häufiger auch einfach von wildem „Umsichschlagen“.
      Keine Ahnung ob die Leute einfach unglücklich sind und Frustventile suchen, aber manchmal kommt es mir so vor. Da wird der 2011er-Film „The Thing“ zum Anlass genommen, mal wieder zu betonen, wie böse doch Remakes seien, ohne dabei zu realisieren, dass der Film trotzd es irreführenden Titels nicht mal eines ist, wohl aber der Carpenter-Streifen, den die Leute vermeindlich zu verteidigen meinen.
      Oder, ganz andere Baustelle, das aktuelle Cthulhu-Ägyptenbuch. Sicher, ich find’s auch doof, dass es das nur limitiert gibt und ich die 70,- Euro dafür halt einfach nicht auf der hohen Kante habe, aber das aktuelle Gedresche im Cthulhu-Forum ist mir einfach schleierhaft. Dann ist das Cover nicht gut; wird darauf hingewiesen, dass die Leute es auf dem Buch selber betrachten sollen, wegen Prägeeffekten etc., dann ist die Antwort „Aber trotzdem!“. Dann ist das ein Gutschein drin, der den Preis der PDF zum Buch de facto auf 10,- Euro reduziert – das ist dann aber Abzocke, weil man die PDF nicht gleich geschenkt kriegt. Dann weise ich darauf hin, dass das limitierte 1999er-Regelwerk preislich mit 130,- DM bei 20 Seiten weniger letztlich de facto genauso teuer war und damit quasi über 13 Jahre kein Preisanstieg bei den Luxusausgaben vorliegt, dann heißt es, ja damals war die Ausgabe aber auch noch luxuriöser!
      Früher war mehr Lametta.
      Und alles besser.

      Ich meine, um den Bogen zurück zu schlagen, bei Bond war ja auch nicht immer alles eitel Sonnenschein. Daltons Bonds waren ja schon immer eher umstritten und wie gesagt Lazenby mag ja irgendwie keiner so richtig; bis hin zu einer ganzen Bewegungen unter den Bond-Fans, die sich absolut sicher ist, dass „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ zweifelsohne der allerbeste Bond aller Zeiten gewesen wäre, hätte er nur Connery gehabt. *schulterzuck*
      Ich zum Beispiel fand Lazenby zwar gesichtslos, aber nicht so arg störend; der total wild gewordene Cutter hat mir hingegen auch den Film immer eher verlitten.

      Aber dennoch, das Gesamtbild bleibt dennoch; auch wenn jeder so seine Filme hat, die er mehr oder weniger mag – „Moonraker“ etwa ist ja auch so eine Perle, mit der man wundervoll polarisieren kann – so ist’s am Ende doch alles Bond ;)

      Übrigens, unreflektierter Gedanke zum Abschluss – Ich finde es erstaunlich, wie unfassbar treu sich die Figur des James Bond geblieben ist. Denn es gibt einen weiteren Unterschied etwa zu Indiana Jones – Jones hat den Vorteil des Vergangenheitssettings. Bond als Charakter steht anno 2012 ja nun doch in einem ganz, ganz anderen sozialen Kontext als zu Beginn seiner Karriere. Und sicher hat er sich auch verändert, aber … es ist dennoch schlicht noch immer Bond.
      Und das finde ich beeindruckend!

      Viele Grüße,
      Thomas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s