Das war 2013, Teil 4: Mediales

Hallo zusammen!

Meine medialen Highlights 2013 – wie immer sortiert nach Mediengruppen. Und wie immer gilt: Hier geht es ganz arrogant um meine Medienerfahrungen, weniger um das faktische Jahr des Erscheinens. Es ist eher das Best-Of einer Reihe von Medientipps, gewachsen aus dem vergangenen Jahr, als irgendetwas anderes – und es ist natürlich völlig subjektiv. Aber ich denke, an sich ist das ja selbsterklärend.
Ach ja, Regel Nr. 2: Keine Wiederholungen; was ich schon in vorigen Jahren gesehen habe, hat keine Teilnahmeberechtigung mehr. Und Nr. 3: Keine Produktionen, an denen ich direkt beteiligt war.
(Sollte übrigens irgendwer irgendwann bei der Lektüre Kaufwut verspüren – Links zu fast allem setze ich mal an das Ende des Artikels; da stört’s den Lesefluss nicht.)

Spielfilme, Kino

Mein bester Kinofilm 2013 ist einfach, wenngleich aus erschütterndem Anlass: Ich war genau ein einziges Mal im Kino. Gezeigt wurde „Der Hobbit – Smaugs Einöde“. Aber selbst wenn ich mehr Filme im Kino gesehen hätte, zumindest gemessen an dem, was ich schon im Heimkino habe nachholen können, wäre Jacksons Film dennoch vorne.
Bisher haben beide Filme um das große Abenteuer des kleinen Bilbo denke ich massiv Fangruppen wie allgemeine Zuschauer maßgeblich polarisiert, aber meinen Geschmack treffen die Filme letztlich beide. Natürlich haben sie Schwächen, vermutlich manche sogar auf eine Weise, die man gravierend nennen könnte – aber für mich funktionieren sie dennoch als Tor in eine andere Welt, als eine phantastische Reise, auf die sie einen mitnehmen.
Als ich aufwuchs, was Fantasy gerade ein relativ totes Feld im bewegten Bild und damals hätte man sich verzehrt, etwas wie den Hobbit geboten zu kriegen. Und ich sehe einfach nicht ein, warum das mittlerweile anders sein sollte.

Spielfilme, Heimkino

Das Heimkino war 2013 für mich ein eher krudes Jahr. Ich hab ’ne Menge gesehen und es war auch wirklich eine Menge gutes Zeug dabei, aber so richtig, richtig herausstechend war eigentlich nichts. Der Film, nach dessen Ende ich gedacht habe, dass es genau das war, was ich habe sehen müssen, blieb irgendwie aus.
„Der Mandant“ hat mir sehr gut gefallen, ohne dass ich genau sagen könnte, warum eigentlich. Im Original „The Lincoln Lawyer“ inszeniert Brad Furman Matthew McConaughey in einem Thriller um einen Anwalt der kleinen Leute, der selbst droht, in einem Verbrechen zu versinken. Nicht total mein Genre, aber ein richtig guter Film.
Ebenso „Zero Dark Thirty“. Kathryn Bigelows Thriller über die Suche nach und Erschießung von Osama bin Laden sah von der Bildsprache her interessant aus, konnte mich aber wider Erwarten auch als Film überzeugen. Wie ich mehrfach sagte – wenn man einen Film zu dem Thema dreht, um danach im Grunde von allen Seiten vorgeworfen bekommen, mit „den anderen“ zu sympathisieren, dann hat man wohl auf jeden Fall einen Nerv getroffen.
Und zuletzt kann man noch ein wenig größere Titel ergänzen. „Skyfall“ hat mir extrem gut gefallen und ist meines Erachtens einer der besten drei Bonds der letzten 20 Jahre und „Django Unchained“ stellt in meinen Augen sowohl für Tarantino als auch für Waltz einen weiteren Meilenstein dar.

Bücher, Sachbuch

Anders als 2012 hab ich 2013 tatsächlich ein paar Sachbücher gelesen. Der erste Platz gebührt dabei vermutlich Neil Gaimans „Make Good Art“. Vielleicht mehr ein Kunstprojekt als ein richtiges Sachbuch, ist Chip Kidds Inszenierung von Gaimans gleichnamiger Rede unglaublich inspirierend und, ja, einfach schön geraten. Wer gerne kreativ arbeitet und an verspielteren Büchern seine Freude hat, der liegt hier auf jeden Fall richtig.
Knapp dahinter finden sich dann „Leaving Mundania“, Lizzie Starks journalistische Reise in die Welt des LARPs, im Zuge derer sie viel über Live-Rollenspiel, aber eigentlich noch mehr über sich enthüllt, sowie „We are all weird“, ein Traktat von Seth Godin darüber, dass Andersdenkenden im Gegensatz zu den Konformisten von einst die Zukunft gehört, das nett ist, aber nicht an „Poke the Box“ heranreichen kann.

Bücher, Belletristik

Einfach wie selten: „Eine wie Alaska“. John Greens Erstling wird zwar derzeit etwas von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ überschattet, seinem vierten Buch, das gerade auch auf dem Weg ins Kino ist, aber nein, mein Herz schlägt für „Alaska“. In mehrerlei Hinsicht.
Ein traumhaft schönes Buch, das in den Fingern eines weniger brillanten Autors schnell zu einer peinlichen Paukerklamotte hätte verkomme können, dass hier jedoch schön, glaubhaft, nachvollziehbar und unendlich rührend geraten ist. Mein bestes Buch für 2013 und, ganz ehrlich, auch eines der besten Bücher der letzten Jahre.
Die weiteren Plätze gehen an „The Ocean at the End of the Lane“, ein wundervolles modernes Märchen aus Gaimans Feder, sowie „Set this House in Order“ von Matt Ruff, einer der kreativsten Adaptionen einer gespaltenen Persönlichkeit, die ich bisher entdeckt habe und zugleich ein menschliches Buch voller glaubwürdiger Figuren. Wenn auch teils im gleichen Körper.

Musik

Irgendwie ist das die letzten Jahre immer gleich gelaufen: Die erste Hälfte des Jahres geht halt vorbei, dann frage ich mich ein Quartal lang, ob ich hier wohl was zu erzählen haben werde und dann finde ich doch immer wieder etwas, für das ich mich begeistern kann. Und wie so oft ist die Bandbreite eher groß.
Einerseits musikalisches Highlight sind „30 Seconds to Mars“, die Band von Schauspieler Jared Leto, die es jedoch hasst, genau darauf reduziert zu werden. Ein berechtigter Groll, denn sie sind so viel mehr. Selbst wenn man den vorgreifenden Ruhm fortlässt, bleibt eine durchaus talentierte Musikgruppe übrig. Und selbst wenn einem diese Musik nicht gefiele, bliebe ein anspruchsvolles Kunstprojekt mit komplexer, eigener Symbolik (und Symbolsprache) sowie einem gelebten Gruppengedanken, der zumindest mich durchaus faszinieren kann. Ihr Video zu „Hurricane“ hatte ich hier neulich ja auch schon als Medientipp; nicht von ungefähr.
Und als wildesten Kontrast: Mia Diekow. Irgendwie schien es dieses Jahr Grundregel zu sein, dass mir alle Kandidaten des deutschen ESC-Vorentscheides, die ich nach der ganzen Aktion dann noch im Radio zu hören bekam, irgendwie gefielen – im Gegensatz zum eigentlichen Sieger. Ich konnte Betty Dietrich ihren 70er-Grand-Prix-Charme abkaufen und der Sprachwissenschaftler in mir jubiliert ob LaBrassBanda, aber es war Diekow, die mich wirklich neugierig machte. Ihr Debütalbum „Die Logik liegt am Boden“ ist ein interessantes Potpourri aus Musikrichtungen, irgendwie Indie, irgendwie Pop, das mich einfach aufgrund seiner Andersartigkeit fesseln konnte. „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist sicher bei meinen Liedern des Jahres.
Und sonst? Markus Wiebusch plant ein Solo-Album und die Vorab-EP „Hinfort ! Feindliche Macht“ gefällt, ist aber eben nur eine EP, das neue Salatio-Mortis-Album ist wieder besser als das letzte, Nightwish mit neuer Sängerin … nein, die Highlights sind definitiv die oben genannten beiden. Richtig gute Schreibmusik, will sagen instrumental, hab ich im letzten Jahr übrigens tatsächlich eigentlich gar nicht für mich entdeckt.

Fernsehen

Puh … kaum was Neues zu vermelden. „Game of Thrones“ ist weiterhin echt gut?
Olli Dietrichs „Frühstücksfensehen“-Pilotfolge war nach ultra-schwachen ersten Minuten extrem gelungen?
Aber nee, keine großen Tipps. Sorry.

Podcast

Mein Podcast des Jahres ist ganz sicher Stay Forever. Die beide ehemaligen Spielejournalisten Gunnar Lott und Christian Schmitt berichten von de großen Videospielen vergangener Generationen, teils als Fans, teils als Insider. Ganz großes Kino, muss ich sagen. Und sicherlich durchaus eines unserer Vorbilder, was den DORPCast angeht.
Weitere Nennungen wären das Nerdist Writers Panel, eine von Ben Blacker moderierte lockere Gesprächsreihe rund um das Schreiben vor allem fürs amerikanische Fernsehen, aus der aber im Grunde jeder, der mit Worten Geschichten erzählt, noch lernen kann, sowie Ken and Robin Talk About Stuff, der oftmals etwas konfuse, bisweilen aber durchaus inspirierende Plaudertalk der beiden Rollenspiel-Szene-Ikonen Robin D. Laws und Kenneth Hite.

Videospiele

Hier mag ich zweigeteilt antworten. Einerseits, bei den Blockbustern, geht mein hudelndes Lob klar an „Tomb Raider“. Toll inszenierter Neubeginn mit einer plötzlich allzu menschlichen Lara Croft, spannend, wunderschön anzuschauen und auch vom Gameplay her von der ersten bis zur letzten Minute gelungen. Die deutsche Synchro war ein wenig enervierend, schon alleine weil ich Nora Tschirner wirklich mag, hier aber eher deplatziert fand (wenngleich es zu einem wunderbaren Stück Anarcho-Interview-Kultur geführt hat). Dennoch, auch auf Deutsch, wenn es nicht anders geht, ein Titel, den man gespielt haben sollte.
Bei den kleineren Titeln ist es dann ein absolutes Unentschieden zwischen „Bastion“ und „Dust: An Eylsian Tale“. Zwei wunderschöne Action-Rollenspiel-Titel in handgezeichnetem 2D-Gewand, beide mit traurig-schönen Geschichten, tollem Soundtrack und faszinierenden Settings. Ich hab sie hintereinander gespielt, wüsste wirklich nicht, welchem ich dem Vorzug geben wollen würde und empfehle daher einfach dreist beide. Im Grunde für mich 2013 sogar noch einprägsamere Erfahrungen als das ohnehin schon großartige „Tomb Raider“.

Rollenspiele

Zuletzt sind, endlich, auch noch mal zwei Rollenspiel-Pen&Paper-Bücher zu nennen, die mich begeistern konnten. Einerseits Monte Cooks „Numenéra“, das mich von seinem melancholisch-dystopisch-hoffnungsvollen Setting sofort gepackt hatte und dann auch noch mit dem ersten Regelwerk seit Jahren daherkommt, dass ich sofort ausprobieren wollte. Was mehr an Lob könnte ich noch sagen?
Und auf der anderen Seite das „Liber Liturgium“ für DSA; es ist ein schönes, vor allem aber ein nützliches Buch für Spieler aventurischer Geweihter. Wer weiß, wovon ich rede, wird es verstehen, für den Rest ist es dann aber auch vermutlich egal.

Alles in allem war 2013 ein medial durchaus gutes, aber auch ein etwas seltsames Jahr. Das aber wiederum ergibt ja irgendwie Sinn, denn „seltsam“ beschreibt die vergangenen zwölf Monate, wie ich die Tage noch dargelegt hatte, ja ohnehin recht manierlich.

Doch genug zurück geblickt. Morgen richten wir die Augen in die Zukunft – und zwar weiter, als es bisher der Fall war.

Viele Grüße,
Thomas

Kauflinks

Django Unchained
Hobbit, Der – Smaugs Einöde

Mandant, Der
Skyfall
Zero Dark Thirty

Gaiman, Neil: Make Good Art
Gaiman, Neil: The Ocean at the End of the Lane
Godin, Seth: We are all weird
Green, John: Eine wie Alaska / Looking for Alaska
Ruff, Matt: Set this House in Order
Stark, Lizzie: Leaving Mundania

30 Seconds to Mars: 30 Seconds to Mars, A Beautiful Lie, This is War, Love Lust Faith + Dreams
Markus Wiebusch: Hinfort ! Feindliche Macht
Mia Diekow: Die Logik liegt am Boden

Tomb Raider
Bastion und Dust: An Elysian Tale sind als digitale Downloads erschienen.

Numenéra
Schwarze Auge, Das: Liber Liturgium.

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