Einige Gedanke über Notizbücher

Hallo zusammen!

Ich bin mir unsicher, wo es angefangen hat für mich. Ich habe so das Gralstagebuch von Indys Vater in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ im Verdacht. Aber viele folgten ihm darauf: Wunderschöne Notizbücher.
Da gibt es vom Kontext her negative, aber natürlich wunderschön inszenierte Vertreter wie die Notizbücher des Mörders aus „Sieben“, aber – ganz aktuell – auch einige echt interessante Varianten in HBOs Fernsehserie „True Detective“ … und Tausende andere mehr. Aber ganz egal, woher man sich medial nähern wollen würde – ich persönlich liebe Notizbücher!
Das hat denke ich mehrere Gründe. Ich schrieb schon einmal hier, dass ich Artefakte mag. Artefakt im Sinne eines von Menschenhand geschaffenen Gegenstandes – und genau das sind Notizbücher ja auch. Sie sind Zeitzeugen. Sicherlich, man kann seine Notizen heute digital machen, teils sogar von Hand geschrieben, wenn das Gerät in der Lage ist, das direkt als Buchstaben zu übernehmen; aber dennoch finde ich, verliert es etwas. Da ich aber vermute, dass das nicht jeden packt und dieser Artikel auch eher persönliche Reflexionen bietet, nachfolgend ein Bild zur Probe – falls es euch da schon verliert, einfach nicht dem „Weiterlesen“-Link folgen.

Treue Begleiter an jedem einzelnen Tag seit vielen, vielen Jahren …

Treue Begleiter an jedem einzelnen Tag seit vielen, vielen Jahren …

Dies sind meine Notizbücher Nr. 1 bis 4. Es sind nicht die ersten Bücher, die ich jemals hatte – das reicht tatsächlich, wenn auch bei weitem weniger edel eingeschlagen – bis zur Gymnasialzeit zurück; aber es sind die ersten Notizbücher, die ich ganz bewusst angelegt habe. Die früheste datierte Notiz in Band 1 ist vom 23. Mai 2005 – also auch definitiv schon lange genug her. Und ja, für die, die so etwas interessiert, alle vier sind originale Moleskine-Bände.
(Randnotiz – 2011 war Moleskine hier schon mal Thema, als ich über die Aussprache des Namens schrieb.)

… was man ihnen denke ich auch durchaus ansehen kann.

… was man ihnen denke ich auch durchaus ansehen kann.

Ich mag jetzt nicht über den Sinn und Unsinn wirklich teurer Notizbücher diskutieren. Fakt ist, die sind alle mit mir durch manches Abenteuer gegangen; sind nass geworden, waren in Holland am Strand, wandern auf Winter-Urlauben im Schwarzwald mit mir durch den Tiefschnee … kurzum, wenn ich eine Tasche dabei habe, dann ist ein Notizbuch im Gepäck. Und anders als bei billigen Notizbüchern, die ich auch immer mal hatte – etwa für meine Mitschriften vor Ort, als ich für die AZ schrieb – leben die hier noch alle. Und dann zeigt sich auch schnell, was ich mit Artefakten meine.
Die Büchlein zeigen alle individuelle Spuren des Gebrauchs. Der abgewetzte Buchschnitt, die lädierten Buchrücken, im Falle von Nr. 2 auch eine etwas beschädigte Bindung, all dies macht die Bücher zu einem individuellen Gegenstand.
Die Linearität eines Buches – man fängt halt vorne an und hört hinten auf – macht sie zudem zu einer Art Chronik, weil man auch nach vielen Jahren noch sehen kann, in welcher Reihenfolge Ideen kamen, wann und in welchem Kontext.
Wobei das natürlich auch hinderlich sein kann, wenn man etwas Bestimmtes sucht. Was uns zum größten Umbruch meines Notizbuchschreibens führt …

Notizbuch Nr. 5 ist noch ganz jung und sieht entsprechend frisch aus.

Notizbuch Nr. 5 ist noch ganz jung und sieht entsprechend frisch aus.

Notizbuch Nr. 5 bricht derzeit mit der bisherigen Reihe. Das oben abgebildete Schätzchen ist kein Moleskine, sondern ein Leuchtturm1917. Der Leuchtturm-Verlag war früher vor allem ein Hersteller für Münz- und anderweitige Alben sowie Archievierungs- und Klemm-Utensilien, drängt aber nun seit einigen Jahren vermehrt auf den Notizbuch-Markt. Es wird beweisen müssen, dass es in den anderen Qualitäten mit meinen Moleskines mithalten kann, also Beständigkeit und Robustheit vor allem, aber es hat eine eigene Tugend: Es hat Seitenzahlen!

Spätestens jetzt bemerkt man aber auch noch etwas, was ich unglaublich reizvoll finde: Es gibt eine ganze Kultur rund um die Hersteller von Notizbüchern. Sicher, wer nur die günstigen 2-Euro-Exemplare im normalen Handel kauft und damit zufrieden ist, dem kann das egal sein, aber wer Spaß an so etwas hat, kann hier in unendliche Tiefen vordringen.
Leuchtturm1917 mit ihren fast 100 Jahren Vergangenheit sind ein Beispiel, aber Moleskine sind nicht weniger spannend. Zwar produziert der Mailänder Hersteller die Bücher erst seit 1997, steht jedoch in einer langen Tradition, zu der auch Pablo Picasso und Earnest Hemingway ihren Anteil geleistet haben. Beginnt man dann, sich weiter umzusehen, stößt man auf so viele weitere – die oftmals schon dekadent wirkenden, clever gestalteten Bücher von Paperblanks etwa, oder die liebevollen Exemplare von Bindewerk – jedes hat seine Geschichte.
Reizvoll!
Und es gibt sogar, wie zu allem, Fach-Blogs zu dem Thema, etwa dieses hier.

Eine kleine Auswahl weiterer Notizbücher bei mir

Eine kleine Auswahl weiterer Notizbücher bei mir

Und so kommt es dann auch, dass meine Wohnung an allen möglichen Ecken Platz bietet für Notizbücher aller Art. Das obige Foto zeigt drei davon – das schwarze Buch in A4 (ein völlig namenloses Exemplar) ist jenes, in dem ich all meine eigenen Print-Bücher konzipiere und strukturiere. Das Packpapierfarbene mit Fadenheftung ist ein Moleskine und bietet meinen Notizen zu den jeweiligen Folgen des DORPCast ein Heim. Und das rote Hardcover (von der Nanu-Nana-Hausmarke) ist die Fundgrube für alles, was mit der erst einmal nur theoretischen Option eines „Xoro 2“ zu tun hat.
Und dann gibt es Weitere. Ein Paperblanks, in dem ich seit sehr vielen Jahren Buchzitate sammle, ein ExLibris-Buchjournal von Leuchtturm1917, das meine Lektüren für mich nachvollziehbar hält oder etwa ein Conceptum, in dem ich Fotos sammle von LARP-Dingen, die ich gebastelt und gebaut habe. Und diverse mehr.

Wie gesagt, auf den ersten Blick sind digitale Alternativen scheinbar durchaus effektiver. Aber diese Notizbücher haben Bestand. Sie sind nicht nur ein fortschreitendes Zeugnis vom Verfall meiner Handschrift, sie sind wie gesagt Erinnerungen. Sie werden auch in zehn Jahren noch im Schrank stehen, werden eine Referenz sein. Als ich letztes Jahr die Xoro-Jubiläums-Videos geschnitten habe, musste ich über mehrere Rechner gehen, weil die Archiv-Platten, auf denen der Barbarenfilm liegt, teils über Anschlüsse gehen, die mein heutiger Rechner schon gar nicht mehr hat. Zumal mechanische Probleme, schwankende Dateiformate und die Abhängigkeit von Strom nur weitere Gründe sind; doch wer mich kennt, der ahnt, dass dieser Pragmatismus sogar eher sekundär ist.
Selbst wenn all das keine Rolle mehr spielen würde – es ist die Haptik. Und die, die ist durch nichts zu ersetzen für mich. Ich denke, man kann es mittlerweile als gegeben hinnehmen – ich bin und bleibe in manchen Punkten ein analoger Mensch.

Bleibt vielleicht noch die Frage, ob ich bei all dem, was ich aufgezählt (und dem, was ich verschwiegen) habe, eigentlich zufrieden bin. Nun, fast. Es gibt eine Sache, die fehlt mir – analog zu dem Buchjournal, das ich führe, hätte ich gerne ein Filmjournal. Aber da ist mir nur die Variante von Moleskine bekannt und die sagt mir aus diverse Gründen nicht so zu. Weshalb ich darüber nachdenke, das in die eigene Hand zu nehmen.
Vielleicht einfach für mich, vielleicht aber sogar als etwas, was man kaufen können wird? Ich weiß es noch nicht. Aber ein Buch, in dem ich einfach je eine Seite pro Film für Notizen hätte – das fehlt mir noch. Ich denke, das ist eine Sache, der ich mich in den kommenden Tagen aber einfach mal annehmen werde.

Solltet ihr bis hierhin durchgehalten haben, zwei Fragen, für den Fall, dass ihr Lust auf Feedback habt – führt ihr auch Notizbücher? Und – für die Blogger, Facebooker und Twitter-Nutzer unter euch – habt ihr nicht Lust, Bilder davon zu teilen?
Ich fände das dufte!

Viele Grüße,
Thomas

Shopping gefällig? (Auswahl)

Moleskine – das klassische Notizbuch, Format A6, in schwarz
Moleskine – 3 Notizhefte mit Fadenheftung, Packpapierfarben
Leuchtturm1917 – der „Newcomer“, ähnliches Format, in braun
Leuchtturm1917 – das Ex Libris in Taupe

9 Gedanken zu “Einige Gedanke über Notizbücher

  1. Ich hab ein paar Notizbücher. Bei mir sind es simple A4 Schulhefte, weil die einfach am Ende der Schulzeit übrig waren. Ich habe bzw. hatte ein Notizheft in dem ich getrocknete Pflanzen und einige Notizen dazu gesammelt habe, aber die sind inzwischen zu einem IT tauglichen Herbarium für meinen HP Chara gebastelt worden. Ich habe auch noch eins in dem ich mal FanFiction geschrieben habe. Aber da traue ich mich gar nicht mehr rein zu sehen. Dann habe ich, das ist sogar noch aktuell, eins in dem meine ganzen Notizen zum Stammbaum meines HP Charas stehen. Ich hab sicher noch mehr, aber ich tendiere dazu sie ständig zu verlegen. Deswegen sind alle auch immer nur max. halb voll. Meine neuen Notizhefte sind auch von Moleskine.

    • Danke für den Kommentar – und sorry für die späte Reaktion :)

      Ich habe noch wirklich hässliche A5-Kladden mit Pappumschlag aus der Schulzeit, aber ja, die lasse ich auch zu ;)
      Was IT-Notizbücher angeht, klar, da gibt es dann noch mal eine eigene Liga, sozusagen. Gaerion hat ein handgeschöpftes Büchlein im Ledereinband, dessen Papier so grob ist, dass ganze Blütenblätter darin verarbeitet sind, und Vater Veron kritzelt auf Seiten, die in einen Holzumschlag eingeschlagen wurden, selbstredend mit Triskele vorne drauf.
      Vielleicht twittere ich nachher Fotos von den beiden, ich glaube noch ein Blogpost lohnt nicht :D
      Und Pen&Paper-IT habe ich einen Journalistenblock für meinen Private-Eye-Ermittler. Den … hatte ich noch da, halt eben aus „echten“ Journalisten-Tagen, und da kam der mir für die Runde gerade recht.

      Und vom Füllstand her … sind meine so generell eher „fast ganz voll“; wenn ich halt merke, dass ich so innerhalb der letzten ca. 8 Seiten liege und mir denke, na, nachher reicht das plötzlich nicht, wandere ich halt ein Buch weiter. Und in der Regel hab ich auch jeweils so zwei auf Reserve hier ;)

      Viele Grüße,
      Thomas

    • Danke für das Lob :)

      Ja, diverse unbeschriebene Exemplare hab ich auch bewusst ausgeklammert; mal sehen, vielleicht rückt ja auch beizeiten noch das eine oder andere nach, sodass ein zweiter Artikel lohnt. Vorerst aber ist, wie sagt man, alles gesagt =)

      Viele Grüße,
      Thomas

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