Es ist nie zu früh für Katy Perry

Hallo zusammen!

Vor einigen Wochen holte mich Anke mal wieder früh morgens ab, damit wir gemeinsam Aufnahmen für das kommende Ballett-Stück Turbulento machen können. Es war sonntags und früh noch dazu, sodass ich zugegebenermaßen etwas müde auf den Beifahrersitz fiel. Sie hingegen war das sprühende Leben und wippte im Takt der Musik, was mich aufs Radio blickend zu der Aussage verleitete, es sei für mich wohl noch zu früh für Katy Perry.
Ihre Erwiderung stellt den Titel dieses Beitrags: „Es ist nie zu früh für Katy Perry“.

Wohin will ich mit dieser Mär? Irgendwie war es dieser Satz, der mich zum Nachdenken brachte, aber letztlich dann doch etwas von seinem eigentlichen Kern weg ganz woanders hinführte. Kontext.
Während meiner späten Schulzeit war ich vermutlich ein archetypischer Nerd meiner Generation. Die Musik ging von Metal bis hin zu „Mittelalter-Rock“. Das Spektrum erweiterte sich mit den Jahren etwas, aber so alles in allem blieb ich da meiner Linie treu. Sogar in einem Maße, dass mein damaliger Mit-DORP-Betreiber Marcel und ich uns gegenseitig oft mit dem jeweiligen Geschmack aufzogen, denn Marcel war damals durchaus gut im Pop zuhause. Soweit, so gut.

Mit Anke kam der Kontakt zum Ballett-Atelier und allgemein eine viel intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Tanz in mein Leben. Und damit verbunden eine ganz andere Wahrnehmung von bestimmten Musikrichtungen. Takt, „Beat“, spielt eine ganz andere Rolle, wenn es gilt, sich zu der Musik zu bewegen. Ich bin ein großer Fan von „The End“ von den Doors, es aber tanzt sich eher mühsam darauf. Es gibt einen Platz für das eine, einen Platz für das andere.
Eigentlich selbstverständlich, oder?

Nur, dass es das, je länger man mal auf andere Medienbereiche schaut, eigentlich nicht ist. Ist Star Wars besser als Star Trek? Nein, es bedient nur einen anderen Geschmack.
Popkornkino ist genausowenig schlechter als „anspruchsvolle Dramen“ wie Rockmusik schlechter ist als Klassik. Gleiches gilt für die Belletristik: Klar kann ich jetzt etwas lesen, was meine ganze Sicht auf die Welt und mein Werteverständnis auf eine Probe stellt, das mich dazu bringt, meinen Glauben oder meine Gefühle ganz neu zu hinterfragen. Nur vielleicht will ich das auch einfach nicht; vielleicht will ich gerade lieber lesen, wie James Bond die gute Tatjana Romanowa aus der Türkei schmuggelt.
Vor allem aber sollte die erste Frage, wenn einem etwas nicht zusagt, was anderen gefällt, halt niemals lauten: „Was stimmt mit dem denn nicht, dass dem das gefällt?“
Vielmehr sollte man sich fragen, aus welcher Perspektive er wohl darauf blickt, dass es ihm solche Freude bereiten kann.

Es ist nie zu früh für Katy Perry, da hatte Anke Recht.
Vielleicht ist man selbst einfach nicht der Typ dafür.
Vielleicht aber, vielleicht hört man auch einfach noch mit dem falschen Ohr hin.
Vielleicht liegt da ein Schatz, den man nur noch nicht als solchen erkannt hat.
Auf eine Prüfung kann man es wohl immer ankommen lassen. Zu verlieren hat man ja nichts.
Zu gewinnen eine Menge.

Viele Grüße,
Thomas

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