Haben Sie schon mal … über Punktdichte nachgedacht?

Hallo zusammen!

Eigentlich ist es ja eine coole Sache: Heute kann jeder alles (be-)drucken lassen, was er gerne hätte. Eine individuelle Tasse? Ein T-Shirt? Poster, Banner, Auto-Klebefolien? Das eigene Buch? Alles kein Ding, alles machbar. Das führt aber natürlich auch dazu, dass – wie bei so vielem – bald zu viele denken, sie seien voll die Experten, und so wiederum wird dann eine Menge Halbwissen kolportiert, was irgendwann zu viele Leute gehört haben, um noch umgestört widersprechen zu können. Das jedoch hilft dann auch keinem weiter, der vielleicht versucht, sein Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen und ohnehin viel zu viele offenere Fragen klären muss.
Und insofern möchte ich heute mal nicht über etwas immanent Buchspezifisches sprechen, sondern über etwas, was einem im Druck-Bereich allgemein immer wieder begegnet: Die dpi-Zahl. (Achtung, es wird ein wenig technisch.)

DPI – das kommt mal wieder aus dem Englischen und steht für dots per inch, also Punkte pro Zoll. Das Konzept ist erfrischend analog: Der Wert beziffert, wie viele Punkte ein Drucker, vorausgesetzt er druckt die Datei in ihrer genuinen Größe, pro Zoll hinterlässt. Streng genommen kann man noch zwischen DPI und PPI – pixels per inch – unterscheiden, aber für heute soll es uns mal nicht aufs Detail ankommen.
Wichtig zum Verständnis ist: Hat eine Datei eine Auflösung von 300 dpi und ist 300×300 Pixel groß, so wird sie im Ausdruck entsprechend 1×1″ groß werden. Somit wird auch klar, dass dieser Wert in den meisten Fällen letztlich vor allem eine Rolle spielt, wenn ein digitales, grafisches Objekt – das ja in einer Anzahl Pixel x Pixel vorliegt –, analog produziert wird. Wenn also – das hatte ich die Tage – ein Kunde darauf besteht, dass eine für den Onlinebereich gedachte Grafik eine Auflösung von sagen wir 640×480 Pixeln bei 96 dpi haben solle, dann ist Letzteres erst mal Humbug, denn die Größe im Screen-Design bzw. in der Bildschirmdarstellung wird bereits maßgeblich durch den Pixelwert bestimmt. Die (eigentlich nicht relevante, aber faktisch natürlich dargestellte) ppi-Zahl ist in Folge dann noch von der Größe des Monitors und der eingestellten Auflösung abhängig; also jenseits der Kontrollmöglichkeiten des Gestalters. Klar soweit?

Okay. So weit, so gut. Diese Zahl da oben, 300 dpi, hat mittlerweile sicher auch fast jeder schon mal gehört, etwa weil heimische Tintenstrahldrucker gerne mal 300 dpi haben oder schlicht, weil ziemlich viel, was man so kaufen kann, in 300 dpi gedruckt wurde. Aber damit – um den Bogen zum Halbwissen zu schlagen – sind wir an dem Punkt, an dem Unfug kolportiert wird.
Immer wieder heißt es und teils liest man, dass eine druckfähige Datei 300 dpi haben müsse. Aber darin sind so viele Annahmen verborgen und Unterstellungen gemacht, dass Fehlerquellen zuhauf entstehen.

Zunächst einmal, wir erinnern uns, ist der dpi-Wert eine Art Übertragungsschlüssel von virtuellen Pixeln zu physischen Maßen in Zoll oder Zentimeter. Angenommen jemand möchte ein Foto drucken im Format 4×6″. Hat der Auftrag eine Anforderung von 300 dpi, so müsste die Datei grundsätzlich ein Format von 1200×1800 Pixeln haben. Ist das der Fall, ist alles gut.
Angenommen aber, jetzt habe die Datei, die er drucken will, zwar die Abmaße von 4×6″, aber nur 72 dpi – seine Datei hat also nur 432×288 Pixel. Lädt er sie nun in das Druck-Interface, kommt vermutlich eine Fehlermeldung.
Das Problem: Viel zu oft kommt es vor, dass der Kunde seine Datei nun etwa in Photoshop lädt, dort die Auflösung bzw. die Punktdichte halt auf 300 dpi hochdrückt – eine sogenannte Punktdichte-Transformation –, es speichert und das Dokument abschickt. Das System meckert nicht mehr, die Datei hat ja 300 dpi – und dennoch sieht der Druck nachher aus wie schon mal gegessen. Denn es ist die eine Sache, solch ein Interface auszutricksen – es ist eine ganz andere, dann auch einen schönen Ausdruck zu haben. Die alte Bildbearbeiter-Weisheit greift also auch hier: Wo keine Daten sind, können keine Daten entstehen.
Insofern muss die Datei nicht 300 dpi haben, wie man hört; sie sollte in diesem Falle im richtigen Format und mit der richtigen Punktdichte angelegt werden – aber das ist eine Feinheit, die zu oft unter geht.
(Und nebenbei – wenn ihr einen Grafiker kennt, und sei er noch so gut, wenn ihr ihm eine 32×32 Pixel große Datei schickt mit der Frage, ob er die „mal schön machen“ könne, nein, dann kann er das nicht. Kein fiktiver Fall …)

Der ganz andere Irrtum ist aber, dass alles immer 300 dpi haben müsse, was gedruckt wird. Schon Plakate werden etwa oft mit 150 dpi gedruckt. Sicher, das ist weniger knackig als das Foto auf dem heimischen Kaminsims, aber das muss es auch gar nicht sein – in der Regel ist der Betrachtungsabstand bei einem Plakat ja viel höher. Das geht dann auch noch extremer – etwa bei Roll-Ups oder gar, ganz wild, bei diesen riesigen Plakaten, die z.B. an Modehäusern die Fassade herunterhängen. Diese in 300 dpi anzulegen wäre Wahnsinn. So hätte schon eine Grafik von 5×5 Metern Größe bei 300 dpi eine Kantenlänge von 59055 Pixeln und würde vermutlich an die 10 GB verschlingen, ohne dass auch nur ein Betrachter je nahe genug daran käme, um etwas davon zu haben.
Das krasseste mir bekannte Beispiel kommt von einem Kumpel, der in einer Druckerei arbeitet, in der Fernseh-Kulissen gedruckt wurden. Ihr wisst schon, so etwas wie die Skyline-Hintergründe hinter den Moderatoren von Late-Talk-Shows und dergleichen. Deren dpi-Zahl war einstellig.

Ein anderer im Druckwesen werkelnder Bekannter nannte all das zusammengefasst mal „die dpi-Lüge“, und ich denke, das trifft es. Weder muss alles immer 300 dpi haben, noch ist diese Zahl allein für sich genommen in irgendeiner Form ausschlaggebend.
Was aber kann man konstruktiv aus diesem Artikel mitnehmen?
Ich weiß, das war alles recht technisch und wahlweise total verwirrend (für Leser ohne Vorkenntnisse) oder völlig altbekannt und zudem teils entnervend vereinfacht (für Leser mit Erfahrung); ich denke aber, in der Mitte gibt es einen Bereich derer, für die es nützlich sein mag. Und für jene sei gesagt: Achtet auf Pixel und dpi. Führt euch vor Augen, was beide Werte bedeuten, was sie machen. Pixel sind ein absolutes Maß, aber der Maßstab ihrer Übertragung in sichtbare Objekte ist relativ. Ein Relation, die durch den dpi-Wert beziffert wird. Und wenn ihr beispielsweise das neue Cover für euren Roman, den Flyer für eure Lesung oder einfach nur den großen Fotodruck für die Hochzeit von Freunden anlegt, dann achtet darauf, dass beide Wertebereiche in der Quelldatei stimmen.
Dann klappt’s auch mit dem Drucken. Alles andere kann nur zu Enttäuschungen führen.

Und nachdem das alles so höchst technisch war, schaue ich mal, dass es das nächste Mal hier wieder etwas Schöngeistiges gibt!

Viele Grüße,
Thomas

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