Das war 2015, Teil 4: Der Medienkonsum

Hallo zusammen!

Weiter geht der Jahresrückblick und wir schauen diesmal nicht auf mein Tun und Treiben, sondern vielmehr auf das, was ich 2015 so alles konsumiert habe. Wichtig ist in dieser Formulierung ein Detail: Es geht um meine Rezeption 2015, nicht um Erscheinungsdaten. Kann also gut sein, dass hier wie dort Dinge Erwähnung finden, die schon deutlich älter sind; einziges Kriterium ist, dass es für mich neu war.
Klar soweit?
Dann auf!

Spielfilme, Kino

Ich war 2015 vier Male im Kino – und alle waren gut! Das geht ja direkt knifflig los …
Aber wer mich kennt, der ahnt es: Star Wars Episode VII: The Force Awakens. Ich schrieb hier ja schon mehrfach zu meiner Liebe zum Krieg der Sterne und davon, wie die Filme mich zum Filmliebhaber gemacht, genauso wie die Bücher mich schlussendlich auf dem Weg zum Literaturstudiums-Absolventen gebracht haben. Und über den Film haben so viele Leute schon so viel Lob zu Recht ausgeschüttet, da kann ich nur noch einstimmen.
Dennoch, James Bond: Spectre hat mir gut gefallen (anders als ja scheinbar den meisten Leuten) und teilt sich den dritten Platz mit Crimson Peak, während Mad Max: Fury Road ein Meisterwerk für sich ist und einzig davon zurückgehalten wurde, dass Star Wars eben noch stärker Eindruck hinterließ.

Spielfilme, Heimkino

Mein Jahr im Heimkino war derweil etwas durchwachsener. Viel gesehen, das meiste davon okay, aber nicht bahnbrechend (oder zuvor bekannt und darum hier in der Übersicht raus). Somit geht mein Lieblingsfilm 2015 – etwas obskur vielleicht – an Der große Crash, im Original Margin Call. Ein Film der sprechenden Köpfe in aalglatten Büroräumen, aber toll inszeniert, sehr gut geschrieben und vor allem großartig besetzt.
Wem das zu dröge, zu wenig actiongeladen oder zu kapitalistisch ist, der wird vielleicht mit meinen Plätzen 2 und 3 glücklicher, denn sowohl der choreographisch atemberaubende Actionfilm The Raid als auch der Superheldenfilme und das Agentengenre so meisterhaft vermählende Captain America: The Winter Soldier (oder bei uns, völlig pappnasig: The Return of the First Avenger) haben klar mehr Wumms auf der Leinwand. Der große Crash hatte dagegen mehr Wumms im Kopf.

Animation, Spielfilme und Serien

Wie genau das passiert ist, weiß ich nicht zu sagen, aber ich habe im vorigen Jahr genau einen (als Ziffer: 1) Animationsfilm gesehen, wenn ich nicht gerade einen vergesse. Merida, oder im Original Brave, ist nett gemacht und hat eine sympathische Heldin, hat mich aber nicht so wirklich überzeugt. Ich hätte gerne den Film gehabt, den der ursprüngliche Trailer zu bewerben schien, bekam aber etwas ganz anderes.
Sehenswert, ja, aber keine Eiskönigin für mich. Aber aus Mangel an Konkurrenz dennoch der Gewinner.
An animierten Serien habe ich endlich, nach vielen Jahren, Samurai Champloo mal bis zum Ende sehen können. Auch hier mangels anderer Titel ohnehin Platz 1, aber die Mär aus einem feudalen Japan, jedoch angereichert mit zahlreichen Anleihen an Chic und Kultur des Hiphop erzählt, ist auch einfach großartig. Und über ihre 24 Folgen – das übersieht man in der Absurdität des Ganzen gerne mal – ganz wundervoll erzählt. Gerade drei der vier Mehrteiler, „Sein Leben verträumen“ Teil 1 und 2, „Ballade der Verlorenen“ Vers 1 und 2 sowie „Der ewige Wandel von Leben und Tod“ Teil 1 bis 3, sind wunderschön und haben mich jedes Mal, in Auszügen vor Jahren und in Gänze dieses Jahr, inspirieren können.

Serien

Neun Serien haben mich, teils mehrere Staffeln lang, durch das Jahr begleitet. Und waren die Filme eher durchwachsen mit einzelnen Highlights, sieht das hier anders aus und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich glaube es läuft am Ende auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Daredevil (toll erzählt, wunderschöner Look, ein paar brillante Kamera-Sachen), Sense8 (mehr beeindruckende Kamera-Sachen, kreativer Schnitt und einfach fesselnd) sowie Bloodline (thematisch voll mein Ding, faszinierende Figuren und non-linear erzählt) hinaus.
Aber ach, Orphan Black ist auch toll (Alter, die Tanzszene am Ende von Staffel 2!), Scream war ziemlich mein Ding … und ich könnte noch weitermachen.
2015 war ein großartiges Serien-Jahr und viel wartet da noch auf mich.

Bücher, Sachbuch

Das wohl beste Sachbuch für mich dieses Jahr war Die Romantherapie von Ella Berthoud und Susan Elderkin. Eine faszinierende Lektüre, sowohl über therapeutischen Verwendung von Literatur, als auch als Leseliste für kommende Wochen und Monate genutzt. Sehr spannend. Nun mag man einwerfen, dass ich das Buch doch schon letztes Jahr auf Platz 1 hatte; und ja, das stimmt. Da ich es halt exakt auf dem Jahreswechsel gelesen hatte, schneidet es einmal quer durch.
Toll und definitiv neu war jedoch auch The Art of Asking von Amanda Palmer, über … ganz vieles, das Leben, das Dasein als Künstler und einfach über Menschlichkeit. Eine sehr bereichernde Fibel, ohne Frage.
Eine herausragende Nummer 3 hatte das Jahr dagegen nicht.

Bücher, Belletristik

Mein Ziel ist es ja jedes Jahr, 50 Bücher zu lesen. Das ist die Marke, und dieses Jahr habe ich sie nur knapp verpasst – 45 sind es am Ende gewesen. Das ist aber durchaus in Ordnung als Schnitt, denke ich. Doch was waren die Highlights? Schwer …
Unterm Strich ist wohl Unten am Fluss, im Original Watership Down, mein Gewinner. Richard Adams‘ Geschichte über den Exodus einiger Kaninchen ist spannend, ein Page-Turner, rührend und wird dabei von einer Welt getragen, die unglaublich detailliert ausgearbeitet, zugleich aber nie aufdringlich ist. Zu Recht als Meisterwerk eingestuft.
Dann ist da The Peripheral von William Gibson, bisher nicht auf Deutsch erschienen. Ein komplexes und philosophisches Stück SciFi-Literatur, das einen aufmerksamen Leser mit einer fordernden Handlung und einen Sprachliebhaber mit Gibsons unnachahmlichen Stil belohnt.
Und dann ist das Thomas Finns Aquarius, das einige relativ offensichtliche Schwächen besitzt, was Erzählung und Stil angeht, aber mit Erfindungskraft und tollen Beschreibungen dennoch nachhaltig in meinen Vorstellungen verankert blieb.
Und viele mehr, aber eine Auswahl heißt halt so, weil man auswählen muss.

Musik

Diese Rubrik hier fällt mir schwer, beginnend bei der Frage, was wohl noch mal wann genau war. Den meisten Eindruck haben aber glaube ich Jennifer Rostock mit ihrem Kurzwerk Kaleidoskop sowie dem letzten Album Schlaflos hinterlassen. Das ist ganz spaßig: In irgendeinem Urlaub empfahl mir mein Kumpel Achim die Band, weil er glaubte, die sei etwas für mich. Probehören ließ mich aber unüberzeugt. Dann hab ich aber 2015 noch ein, zwei andere Stichproben mehr durch Zufall wahrgenommen und dann hatten sie mich plötzlich; aber total! Der hier war im Endeffekt der Eisbrecher für mich.
Ach, und weil das mit den Videos doch nett ist: Dicht hinter der Band folgen Olli SchulzFeelings aus der Asche (extrem cool, das Teil, etwa der Song hier mit tollem Video) (… oder war das noch 2014? Egal, lief dieses Jahr hier dauernd …) sowie Saltatio Mortis, die ich ja sowieso schätze und die so verlässlich abliefern wie wenige andere, aber deren diesjähriges Zirkus Zeitgeist ein totales Hammer-Album darstellt (teils tiefgängig wie hier, oft auch einfach krachend punkig).

Podcasts

Hm, kommen wir mal langsam zum Ende. An der Podcast-Front gab es immens viel, aber auch nicht so den einen Ausreißer. Serial war in seiner ersten Staffel spannend, ja, ganz allgemein ungeheuer hörenswert und soll daher hier die Krone tragen (die zweite Staffel kenne ich noch nicht), wohingegen viele andere wie GT Time, Still Untitled – The Adam Savage Project und Stay Forever konstant gute, aber eben auch nie herausstechende Unterhaltung boten.
Fast eine Nennung ehrenhalber verdient aber sicher Hello Internet, mein Podcast des Jahres 2014, der mich noch immer anhaltend fasziniert und vieles auch für die eigene Podcast-Arbeit inspiriert.

Youtube

Hier habe ich keinen klaren Gewinner, fürchte ich.
Film Riot, die in meinen Augen wohl beste Quelle zum DIY-Filme im Netz, und Game Sack, die oft alberne, manchmal etwas krude Webshow zu Retro-Videospielen und Konsolen, halten wohl gemeinschaftlich ihre hohe Platzierung aus dem Vorjahr bei.
Dahinter kommt dann direkt ein ganzer Wurf möglicher zweiter Plätze, bei denen ich echt nicht wählen müssen will. Tom Scott hat einen lehrreichen Kanal mit einer wunderbaren „Things you didn’t know“-Rubrik, Nerdwriter1 veröffentlicht wöchentlich geisteswissenschaftliche Kulturanalysen, die manche kulturwissenschaftliche Veröffentlichung beschämen durch ihre immense Qualität, Super Bunnyhop bietet kritische Betrachtungen zur Videospiel-Industrie mit einem etwas melancholisch-negativen, aber sehr fundierten Grundton, wohingegen LGR und Pushing Up Roses meinen weiteren Bedarf an unterhaltsamen Videospiel-Videos als Frühstücksfernseh-Ersatz bedienen.

Fernsehen

Apropos Fernsehen – ich konsumiere es nicht im Fernsehen, sondern über das Netz, aber all die Inhalte von Jan Böhmermann sind vielleicht einer der letzten Gründe, weshalb ich noch immer Glaube in und Hoffnung für das Medium habe.

Videospiele

Keine Sorge, wir sind fast durch.
2015 hat hier einen spannenden Wechsel verzeichnet – ich bin ja seit vielen Jahren Konsolenspieler, aber von den 15 Spielen, die ich im vorigen Jahr gespielt habe, waren gerade mal vier auf der X-Box 360, sechs unter OS X auf dem Mac und vier unter iOS. Oh, und eines auf dem Super Nintendo.
Highlight des Jahres war glaube ich Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall, dem wohl besten Teil der Reihe nach Teil 1, mit all dem Charme, aber auch all der Mystik und Intrige, die den Erstling bis heute zu meinem liebsten Spiel überhaupt machen. Ein absoluter Meilenstein für mich, gerade weil die Mischung aus Neuem und Fan-Service exzellent getroffen ist.
Kurios viel Spaß hatte ich zum Jahresende hin mit The Adventures of Bertram Fiddle: A Dreadly Business, einem humoristischen Point’n’Click-Adventure mit etwas verstörendem Comic-Charme und vielen Wortwitzen um eine Art Detektiv zur viktorianischen Zeit, dem drum hier ebenfalls Ehre angedeihen soll.
Und um nicht nur Adventures zu nennen: Catherine, die Mischung aus Rollenspiel, Puzzle-Abenteuer, Adventure, Erotik- und Psycho-Thriller ist ebenfalls völlig grandios und ebenso ein Muss in meinen Augen.

Rollenspiele

Es bleiben die Rollenspiele; zumindest meiner traditionellen Aufteilung folgend. Das wird aber natürlich nun als baldiger Ulisses-Festangestellter etwas kniffliger. Aber ihr müsst mir ja nicht glauben, wenn ich sage, dass DSA 5 schon arg das Spiel geworden ist, das ich mir gewünscht habe. Wahr ist es dennoch.
Die wirkliche Spielpraxis in unserer Runde lässt das Spiel Rang 1 belegen, aber eng gefolgt von der Mage: the Ascension 20th Anniversary Edition, einem riesig umfangreichen, geradezu allumfassenden Buch, was bisher klar die definitive Ausgabe meines vielleicht liebsten Rollenspiels überhaupt ist.
Und Cthulhu 7 ist ebenfalls schön, endlich auf dem Buchmarkt erhältlich zu wissen.

So.
Das war es soweit, denke ich.
Damit ist dann nun aber auch wirklich genug zurückgeblickt – morgen folgt nun abschließend für diese Reihe mein Versuch eines Ausblicks auf dieses gerade erst ein paar Tage junge Jahr 2016.

Viele Grüße,
Thomas

2 Gedanken zu “Das war 2015, Teil 4: Der Medienkonsum

  1. Kleine Anmerkung: Das Saltatio-Mortis-Album heißt „Zirkus Zeitgeist“. „Wo Sind Die Clowns“ ist nur der Name des Eröffnungsstücks. Nichtsdestotrotz wirklich eine gute Scheibe. :)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s