Die Dinge einfach mal nicht kacke finden. Ein Plädoyer.

Hallo zusammen!

Ich hätte da heute mal ein Anliegen. Es ist etwas was mir schon geraume Zeit unter den Nägeln brennt, aber wo ich zugleich schon seit einer Weile auf den richtigen Stein des Anstoßes warte.
Nun, bis mir gestern aufging, dass diese Steine des Anstoßes mittlerweile so allwaltend geworden sind, dass sie mir gar nicht mehr bewusst ins Auge gefallen sind.
Und dabei habe ich doch ein mir recht wichtiges Anliegen: Können wir, als Gesellschaft, mal wieder aufhören, kollektiv alles erst mal kacke zu finden?

Also klar, die Lage der Welt ist in vielen Teilen nicht gerade rosig, logisch, aber wie ja eigentlich immer hier im Blog geht es mir zunächst einmal vor allem um die popkulturelle Ebene.
Und von der aus gesehen muss ich sagen: Ich bin müde.

Ich bin nicht müde von beständigen Remakes, oder davon, dass Videospiele früher besser waren, oder dass diese oder jene Serie nicht mehr so gut ist, wie sie war, oder von den vielen Superhelden, oder, oder, oder.
Ich bin müde von dem scheinbar allgemein vorherrschenden Konsens, dass im Grunde alles, was kommt, erst einmal kritisiert und aus möglichst negativem Blickwinkel betrachtet gehört.
Woran das liegt, frage ich mich schon seit langem. Ich glaube, viel hat damit zu tun, dass das Netz uns ja am Ende des Tages alle zu Medienkritikern gemacht hat. Wir sind alle Rezensenten, so wie am Stammtisch schon immer alle Fußballtrainer waren, wenn ein großes Turnier oder Spiel anstand. Alle haben eine Meinung, was okay ist; alle haben nun einen weitreichenden Kanal, sie mitzuteilen; das ist auch okay.
Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich dort Werte verschoben haben. Irgendwie scheint es sich als Idee festgefressen zu haben, dass eine echte Kritik nur dann gelungen sein kann, wenn sie möglichst hart, und bissig, und bitter daherkommt. Vergleicht mal, wie viele Youtuber es gibt, deren Kernkonzept darauf beruht, dass sie ihr Medium lieben, und das in Relation zu der Menge derer, deren Format darauf beruht, dass sie wütend sind, oder zornig, oder enttäuscht.

Eine gepfefferte Kritik bietet vermutlich mehr Unterhaltungspotenzial als Lob, aber das macht sie nicht besser. Und wenn ich dann in einer Online-Kritik lese, „Warcraft: the Beginning“ sei der schlechteste Film, den der Rezensent je gesehen habe, dann möchte ich jenem Rezensenten nur raten, sich mal für zehn Euro in den DVD-Grabbelkisten vor Ort umzuschauen und es sollte nicht schwer sein, etwas Schlimmeres zu finden. „Birdemic“ wäre ein guter Punkt, um anzufangen, vermute ich.

Aber es geht ja weiter. Eine „gute“ Kritik ist also negative Kritik. Das führt uns zu dem ätzenden Punkt, dass Autoren positiver Rezensionen immer wieder den gleichen Vorwürfen ausgesetzt sind: Entweder haben sie keine eigene Meinung, oder sie seien gekauft, heißt es dann.
Man muss nicht alles gut finden; das wäre genauso fehlgeleitet. Aber ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir kollektiv mal wieder versuchen, aktiv nach den guten Seiten eines Produktes zu schauen, anstatt nach den Schlechten.
Wir leben in einer Zeit, die rein popkulturell so beschenkt ist wie selten eine davor – und wir, als Gesellschaft, danken es den Machern zwar durchaus mit Geld, aber auch mit Häme, mit Ablehnung, Kritik und „Hating“.
Da stehen wir dann an dem Punkt, an dem der Regisseur des kommenden Ghostbusters schon fast verzweifelt ratlos wirkt in manchen Tweets, und an den Punkt, an dem ehemals Community-nahe Macher wie Joss Whedon sich von den sozialen Medien abwenden, weil es das nicht wert ist.
Und das ist schade.
Sehr, sehr schade.

Als Macher habe ich es gut. Mein Einzugsgebiet ist zugegebenermaßen klein, aber das Feedback was kommt, egal ob nun hier, zu meinen Büchern oder etwa zum DORPCast, ist eigentlich immer sehr respektvoll und positiv.
Aber gerade auf Facebook merke ich dennoch immer mehr, dass Negativität die neue Norm zu sein scheint. Das zehrt und zieht auch dann an mir, und führte letztlich dazu, dass ich im vergangenen Jahr begonnen habe, meine Einflüsse sehr bewusst zu kuratieren.
Kritik ist gut, kritische Meinungen sind erwünscht. Aber Formate, Kontakte und Einflüsse, die unter primär negativer Ausrichtung zu stehen scheinen, wandern zunehmend bei mir auf die Halde.

Ich will es nicht überstrapazieren, aber einmal mehr: Darum mag ich Easy Allies. Eine Seite, zu deren Mottos und Phrasen neben der gegenseitigen Bekundung von Love and Respect (von den Macher ans Publikum und umgekehrt) auch schlicht „Hype!“ zählt.
Doch scheint es mir, als wäre auch das etwas, was gerade hierzulande problematisch ist.
Wir sind fort davon, „Hype“ als die Versprechung von etwas Großem zu verstehen und viel mehr an dem Punkt, dass es die Versprechung von etwas Großem ist, was bestimmt nicht eingelöst wird und uns darum enttäuscht.

Wer sich fröhlich auf etwas freut, scheint es, der ist nicht länger ein Fan; „so einer“ ist naiv in den Augen der Masse. Ein Fanboy. So wie ich ja auch schon als „Jubelperser“ bezeichnet wurde. Und das gibt es dann gewürzt mit einer Form von Anspruchsdenken „wahrer Fans“, die ihr Verständnis einer Reihe, Marke oder dergleichen auch nur als ultimative Wahrheit sehen und Abweichungen davon, natürlich, mit Hass und Ablehnung strafen.

Wegen all dem habe ich eine Bitte an euch.
Einen Vorschlag. Ein Plädoyer. Sucht es euch aus, wie ihr es nennen wollt.

Wenn auch ihr das Gefühl habt, dass alles doof ist, dass früher alles besser war, dass Filme keinen Spaß mehr machen, Spiele langweilig geworden sind und das Essen nur noch nach Asche schmeckt – nehmt das nicht hin.
„Dinge mögen“ ist ebenso eine intuitive Haltung wie eine bewusste Handlung. Wenn ihr ins Kino geht, freut euch drauf. Wenn ihr den Film seht, schaltet den Kritiker im Kopf mal ein paar Gänge runter, sucht nach Dingen, die euch gefallen und nicht nach Dingen, die euch nicht gefallen.
Sucht keine Filmfehler, sucht coole Zitate.
Sucht keine blöde Plotentwicklung im neuen Band eurer Lieblings-Buchreihe, sucht nach dem Kram, der euch überraschen kann.
Und, vor allem, wichtiger als alles davor, schafft euch eine Umgebung, die dies wertschätzen kann. Konsumiert Onlinemedien, folgt Leuten auf sozialen Kanälen, diskutiert mit Freunden, die eure Freude und euren Spaß am jeweiligen Hobby teilen.

In diesem Sinne ist Medienkonsum einer Beziehung ähnlicher, als man meinen sollte. Wer hingeht, mit verschränkten Armen Platz nimmt und murrend meint, das Medium könne ja nun mal beweisen, dass es ihn doch irgendwie unterhalten kann, der wird vermutlich wenig Freude haben.
Wer hingeht, und den Spaß daran mit offenen Armen bereit ist zu empfangen, selbst wenn es Schwächen daran zu entdecken gibt, der wird ihn auch finden.

Und dann teilt diese Freude.
Erzählt euren Freunden, wie cool und großartig dieses oder jenes Medium ist.
Sucht nach dem Zauber, den Filme, Bücher, Videospiele und meinethalben Musik ausüben; und wenn ihr ihn findet, lasst euch verzaubern.
Seid gehyped.
Und, bitte, versucht einfach mal, die Dinge nicht einfach direkt wieder kacke zu finden.

Zuletzt, falls ihr mir recht gebt und auch blogt, oder sozialmedial postet, oder podcasted, ein Videoformat auf Youtube habt oder einmal in der Woche im Kurpark als singende Currywurst auftretet – dann tragt es in die Welt.
Versteht es wenn ihr wollt als Blogstöckchen. Ein Stöckchen ohne Fragen und weitestgehend ohne Aufgaben, bis auf eine: Teilt eure Liebe zur medialen Unterhaltung eurer Wahl mit der Welt.
Teilt eure Leidenschaft.
Steckt sie alle an mit eurem Eifer.

Viele Grüße,
Thomas

36 Gedanken zu “Die Dinge einfach mal nicht kacke finden. Ein Plädoyer.

  1. Jawoll. Da kann ich echt nur zustimmen. Natürlich bringts auch nix, alles kritiklos zu bejubeln und ich kann mich auch über schlechte Elemente an Dingen, die ich eigentlich total mag, seeehr gut aufregen. Aber diese vorauseilende Kritik und oft auch explizit hämische Verurteilung, gerne schon nach dem ersten Trailer oder Screenshot, nervt mich auch richtig. Klar gibt es gerade viele Remakes und Adaptionen und das finde ich auch nicht immer gut, aber es gibt grad so ein großes Angebot, auch an kleineren und weniger mainstreamigen Dingen wie vermutlich noch nie. (Aber man kann dann alternativ halt auch immer wieder in jeden Marvelfilm ins Kino rennen und sich hinterher aufregen, dass man damit ja noch nie was anfangen konnte. Der Sinn dahinter? Ich weiß es nicht.)

    • Kann mich dem nur anschliessen. Natürlich muss man nicht alles super finden aber gerade diese Mentalität nach den ersten Screenshot (bei Filmen und Videospielen) oder Trailer das ganze direkt in Grund und Boden zu kritisieren ist irgendwie eine Einstellung die ich nicht nachvollziehen kann.
      Einfach erst mal abwarten bis es wirklich was zu sehen gibt oder besser noch nach dem Film selber.

      Aber ja es gab ja auch schon früher durchaus bissige Kritiken, das ist sicherlich nichts neues. Nur eben die Frequenz und Massenhaftigkeit mir der das heute zelebriert wird hat wohl zugenommen. Und zudem negieren die Remakes und Reboots ja die alten Filme auch nicht.

      • Völlig richtig. Ich habe mich *so* gefreut, als wir vorige Woche im Kino den Trailer zum neuen Ghostbusters hatten und Leute im Kino gelacht haben.
        Ich hoffe so sehr, dass der Film gut wird, dass Leute daran Spaß haben, alleine „um es all den Hatern zu zeigen“ ;)

        Und wie du sagst: Es wird ja nichts negiert.
        Man muss sich ja nicht mal entscheiden; man kann ja durchaus auch Burtons Batman *und* Nolans Batman Begins gut finden, ohne dass die Welt implodiert ;)

        Viele Grüße,
        Thomas

    • Ja, das mutwillige Sich-Selbst-Aussetzen von Dingen, die einem nachweislich keinen Spaß bereiten, verstehe ich auch nicht. Ich mag keine Fäkal-Humor-Komödien … also guck ich halt keine, und wenn mir etwa auf einem Filmabend mal eine begegnet, nehme ich auch nicht an, dass sie meinen Geschmack zu erfüllen hat.
      Ich mag hingegen Superhelden-Blockbuster. Da gehe ich halt schon davon aus, dass der Film mir gefallen wird und bin gerne gewillt, dem eine Chance zu geben.
      Es anders zu machen, das ergibt für mich keinen Sinn.

      (Und besonders schlimm finde ich jene, die etwa auf Facebook oder Twitter gezielt in Gespräche von Fans hüpfen, um ihnen dort zu sagen, wie Unrecht sie haben …)

      Danke auf jeden Fall für deinen Kommentar :)

      Viele Grüße,
      Thomas

  2. Für mich ist das nicht wirklich neu. Auch früher wurde viele Dinge skeptisch beurteilt (gerade hier in deutschen Landen). Ich sehe das Problem eher, das Negativität heutzutage mehr aggregiert wird (z.B. in exklusiven Berichten über Shitstorms) und dadurch präsenter ist.

    • Ich denke, da hast du nicht Unrecht.
      Wobei ich vor allem glaube (und fürchte), dass es ein wenig etwas von einem Schneeball-Effekt hat – es wird zweifellos mehr aggregiert, aber dadurch nimmt es halt auch ganz objektiv zunehmend mehr Raum ein.
      Dadurch wiederum kommt es dann halt zu der von mir vermutete Verschiebung der Normalwerte.
      Halbwegs analog dazu kann man vielleicht Videospiel-Bewertungen sehen, wo je nach Outlet 70% schon schlecht, 80% okay (und für Fans oft: zu wenig) und über 90% eine annehmbare Wertung darstellt.

      Das kann’s ja irgendwie auch nicht sein …

      Viele Grüße,
      Thomas

  3. Thomas Michalski, du Sack!
    Ich grüble schon seit Monaten, wie und wo ich sowas mal schreiben könnte, und jetzt nimmst du mir die Worte so sehr aus der Tastatur, dass ich kaum noch etwas hinzufügen könnte.
    Mich nervt das auch schon lange, und “jeder“ weiß jetzt schon, wie mies (um nur zwei Beispiele rauszupicken) “Ghostbusters“ und “Star Wars – Rogue One“ sein werden.
    Niemand zwingt euch, das zu gucken, wenn ihr es mies finden wollt; ich warte trotzdem einfach, bis ich mir etwas angesehen habe, um es dann toll oder mies zu finden und das möglicherweise irgendwie irgendwo öffentlich zu machen, wenn auch hoffentlich etwas reflektierter als “Der schlechteste Was-auch-immer aller Zeiten“; so stumpf möchte ich nicht sein.
    Aber bis es soweit ist, solange freue ich mich einfach darauf.
    Das macht das Leben leichter.

    • Volle Zustimmung!
      (Außer zu der Klassifikation als Sack ;))

      Ich mag ja auch nicht alles. Ich kann lange und ungebremst darüber vortragen, warum ich X-Men 3 nicht mag, obwohl ich die Reihe an sich und das Genre insgesamt total gerne mag. Und umgekehrt, wenn ich meinen jährlichen Star-Wars-Film-Marathon im Sommer mache, gucke ich auch Episode 1; muss keiner mit mir gucken, aber ich finde neben all den Schwächen auch an dem genug, um Jarjar zu ertragen ;)

      Gerade Ghostbusters zu erwähnen war in meinem Artikel auch kein Zufall; den Hass gegenüber dem Film verstehe ich nämlich nicht. Klar, ich vermute er wird kein Klassiker werden, aber zumindest in den Trailern sehe ich genug, was mich denke ich unterhalten wird.
      Zumal, wie Markus weiter oben richtig kommentiert, der neue Film den alten doch auch nicht „überspielt“ …

      Viele Grüße,
      Thomas

  4. Danke für diesen Post, spricht mir aus dem Herzen! Es ist immer total frustrierend, wenn andere das, was man für gut befindet, einem immer madig machen müssen mit endlosen Tiraden darüber, warum denn dieses oder jenes so nicht funktionieren kann, warum das unlogisch ist, unwissenschaftlich, warum das doof ist, unintelligent, weltabgewandt, nicht erwachsen, kindisch etc.
    Ich würde gern das Grundeinkommen ausprobieren. Abwinken und Kopfgeschüttel, wie soll das denn funktionieren…
    Ich liebe Harry Potter-Fanfiction, weil es dort sehr schöne und toll geschriebene Sachen zu finden gibt. Aber es gehört Mut dazu, das öffentlich kundzutun, habe dafür schon viele abfällige und ungläubige Blicke geerntet. (Mittlerweile macht es mir manchmal sogar Spaß, keine Erklärung hinterherzuschieben. Ich darf sagen, dass es mir gefällt, die meisten Leute haben nichts davon gelesen ;-))
    Dann sterbe ich für Science Fiction. Aber SF ist in den Augen vieler keine „hohe Literatur“. SF ist „kacke“, da haben sich die Leute, auch Freunde (das tut manchmal besonders weh) „noch nie für interessiert“ (*abfälliger, unverständiger Tonfall*). Und sie lassen sich auch von leuchtenden Augen partout nicht anstecken …
    Richtig wütend macht es mich manchmal, dass es keine ständigen, großen deutschen Film- und Serienprojekte in dem Bereich gibt, dafür tausende von Krimis. Das ist irgendwie schlecht ausbalanciert. Doch selbst Science Fiction-Fans winken müde ab, und sind jedem kleinen Fanprojekt negativ gegenüber eingestellt. Das kann ja eh nix geben. Ja, dann passiert eben auch nix. Der verknöcherte alte Mann von nebenan, der steif mit der Hand alles wegschlägt, was nicht in sein Weltbild passt. Was soll denn aus uns nur werden?!
    Man wird belächelt, wenn man sich begeistert outet, Streichhölzer werden ausgeblasen, ehe sie ein größeres Feuer anzünden können. Vielleicht ein deutsches Problem… was verkennt, dass ja auch etwas Gutes entstehen könnte, wenn man trotz aller Begeisterung veranwortungsvoll bleibt. Ich finde das traurig und frustrierend.
    Um so schöner ist es dann, wenn man Gleichgesinnte findet. Wenn man auf einer Convention etwas über kleine Projekte hört, wo die Leute total begeistert bei der Sache sind und sich wie Schneekönige freuen, wenn einem das gefällt, was sie tun. Die Begeisterung wäre vielleicht nicht so groß, wenn es mehr SF- und Fantasyprojekte statt Krimis gäbe. Befreiend der Moment, wenn man versteht, dass man nicht komisch ist, sondern andere einem nicht immer gut tun, weil sie beflügelnde, produktive Begeisterung hemmen. Magisch die Momente, wo man angesteckt wird, wo man in einem Kreis von Miesmachern einen trifft, der ebenfalls begeistert ist und das, manchmal fast schon beschämt, gesteht. Ein Ziehen im Bauch, als ob wir fliegen, im Gespräch dann das Gefühl, dass ganze Universen sich öffnen, und umschlossen alles von der Hoffnung, dass das Gute gewinnt. Genau daran möchte ich mich immer erinnern :-)

    • Moin!

      Da stehen so viele gute Sachen in deinem Post, und ich habe gar nicht die Zeit, auf alles einzugehen, daher nur kurz in Schlaglichtern:
      Das Madigmachen ist ja noch mal eine gesteigerte Form des allgemeinen Missmuts, aber ja, besonders nervig. Warum ich, wenn zwei (oder mehr) sich über etwas unterhalten, was sie lieben, hingehen sollte, um sie „zu bekehren“, verstehe ich nicht.
      Ich geh ja auch nicht in Bollywood-Foren und schreibe da unter jeden Thread, dass ich keine Bollywood-Filme mag. Da gewinnt doch wirklich niemand was dran …

      //Nachtrag:
      Was ich auch nur noch mal betonen mag ist der Gedanke mit den Gleichgesinnten – denn das ist ja auch mit das, wofür mein ganzer Appell spricht – es ist einfach viel cooler, sich mit Leuten zu umgeben, die auch Spaß haben an dem, was man tut.
      So doof es klingt, ich finde, man kann auch bei jeder Sache immer ein wenig voneinander lernen, „diesen Spaß“ zu haben. Sei es, weil der Kumpel was anderes entdeckt hat, was man selbst gar nicht realisiert hat, oder einfach, weil man sich gegenseitig darin bestärken kann, dass dies oder jenes definitiv toll war.

      Viele Grüße,
      Thomas

    • Es freut mich sehr, dass er gefallen hat!
      (Und nebenbei – es freut mich sehr, dass du dich hierher verirrt hast – ich mag ja durchaus sehr, was du so tust. Wo wir schon beim Loben von Dingen sind, die man mag :))

      Viele Grüße,
      Thomas

  5. Toller Beitrag. Seit ich selbst als Übersetzer und Lektor arbeite, bin ich auch viel gelassener geworden, was die Wahrnehmung der Werke anderer betrifft, vor allem deswegen, weil ich sehe, wie viel Arbeitsaufwand dahinter steckt, ein gutes Produkt abzuliefern, und weil es selbst bei noch so großem Einsatz unmöglich, etwas Perfektes abzuliefern. Und auch „perfekt“ liegt ja am Ende wieder im Auge des Betrachters. (Als Jugendlicher habe ich mich z. B. über Schreibfehler in den Büchern, die ich gelesen habe, noch innerlich gewaltig aufgeregt, inzwischen nehme ich sie zwar noch zur Kenntnis, störe mich daran aber nicht mehr. Ausgenommen sind natürlich die Sachen, an denen ich selbst arbeite, wo mich jeder Fehler, der es ins fertige Produkt schafft, maßlos ärgert, weil ich weiß, dass ich ihn hätte verhindern können.)

    Ich weiß nicht, ob es vielleicht mit daran liegt, dass Film, Buch und Musik durch das Internet im letzten Jahrzehnt so viel offener und zugänglicher geworden sind. Während man früher nur das fertige Produkt gesehen hat, kann man nun hinter die Kulissen vieler Projekte blicken, was vielleicht viele dazu verleitet, sich zum Kritiker zu erheben und nach jedem Haar in der Suppe zu suchen. Was nicht heißen soll, dass Kritik was Schlechtes ist. Wenn sie konstruktiv und in freundlichem Ton ist, ist sie toll und sehr willkommen, aber die Tendenz ist ja eher, dass alles immer auf die möglichst negativste Weise interpretiert wird, mit den möglichst böswilligsten Absichten der Macher dahinter.

    Allerdings glaube ich auch, dass die Wahrnehmung insgesamt etwas täuscht, zumindest in den meisten Fällen. Denn am Ende sind es für gewöhnlich die schärfsten Kritiker, die am lautesten schreien oder als am lautesten wahrgenommen werden, während viele andere Stimme (sowohl positiv, neutral als auch negativ) im Gewüte der Schreihälse untergeht. Und dann kommt der Schneeballeffekt hinzu. Der Erste nennt nüchtern und sachlich etwas, das ihm an einer Sache nicht gefällt. Der Zweite greift das auf und wird in seinem Ton und seiner Argumentation etwas schärfer. Dann kommt der Dritte und setzt noch einen drauf, und so weiter, bis jedes zweite Wort ein vulgäres Schimpfwort ist. Und je größer, bekannter und öffentlicher das Projekt ist (z. B. eben Ghostbusters), desto größer ist dann logischerweise die Lawine, die hinten ankommt. Und am Ende spielt Aufmerksamkeit – von der Welt wahrgenommen zu werden – bei vielen sicher auch noch eine Rolle. Niemand würde sich die Mühe machen, als Zuschauer einen Nischen-Film, den kaum mehr als 10.000 Leute sehen, öffentlich zu zerreißen. Wenn ich schon schreie, dann will ich auch gehört werden.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn einem etwas nicht gefällt und man das sachlich äußerst, ist das alles kein Problem. Und am besten ist ohnehin die Selbsterkenntnis, dass das Leben sehr viel fröhlicher und stressfreier ist, wenn man sich wegen etwas „Nebensächlichem“ wie Unterhaltungsmedien nicht zu Tode ärgert. Der Markt ist dieser Tage so groß und übersättigt, dass man ganz leicht drei neue interessante Künstler findet, wenn einem ein anderer Künstler, den man eigentlich seit Jahren mochte, plötzlich nicht mehr gefällt.

    • Moin!

      Ja, die Nähe zu den Machern hat sich verändert, das stimmt. Ich glaube aber eigentlich nicht, dass das zwangsläufig ins Negative kippen muss/kippen müsste. Ob Gaiman bei den Autoren, Lindsey Stirling oder Tessa Violet bei den Musiker(innen) oder etwa The Rock bei den Schauspielern – das sind Leute, denen ich relativ ausgiebig folge und bei denen ich glaube, dass meine Auseinandersetzung auf dieser Meta-Ebene den Spaß im Umgang nur erhöht hat.

      Die Fehler in eigenen Werken – es gibt ja durchaus diverse, bei denen wir zusammen im Impressum stehen – ärgern immer Dreifach, na klar. Müssen wir gar nicht drüber reden, bzw. wäre mal ein Blogartikel für sich alleine.
      Aber ja, mein Verhältnis zu Fehlern ist auch weitgehend sehr entspannt. Zu 100% versuchen, sie zu verhindern, aber im Zweifel gelassen nehmen, wenn man irgendwo einen findet.

      Ich denke du hast Recht, was die schweigende Mehrheit betrifft. Ich fürchte aber, dass das den Schaden mittelfristig nicht mildern wird; fast im Gegenteil. Denn der Diskurs ist zu einem gewissen Maße jetzt schon toxisch; in jedem Schritt, in dem die „feindselige Kritik“ weiter dominiert, läufst du Gefahr, dass gemäßigte Stimmen beginnen zu schweigen.
      Das schaukelt sich dann aber immer weiter hoch, bis wir irgendwann alle schreien. Und das will ich eigentlich nicht ;)

      Zuletzt: Irgendwann twitterte ich mal die Worte: „Spaß macht Spaß“.
      Klingt wie die erste Regel des Tautologie-Clubs, aber ist halt auch einfach wahr.

      Viele Grüße,
      Thomas

      • Ja, die teils größere Nähe zu den Machern und die daraus resultierende engere Einbindung in den Entstehungsprozess vieler Projekte ist ein Pendel, das in zwei Richtungen schlagen kann und in vielen Fällen für alle Beteiligten auch ein tolles und beflügelndes Erlebnis ist. Das stimmt.

    • Über Fehler in Texten rege ich mich manchmal schon auf, wenn es ein gewisses Maß übersteigt, weil es mir zeigt, dass es kein vernünftiges Korrektorat gegeben hat, also dass auch wohl niemand bereit war, Zeit, Festanstellungen und Geld dahinein zu investieren (ich spreche jetzt eher nicht von Hobbyprojekten, da schreibe ich auch nicht immer korrekt, obwohl ich mich bemühe, alles auszumerzen). Klar kann auch ein proffessionelles Korrektorat Fehler machen, aber meinem persönlichen Empfinden nach haben Fehler in Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, Online-Artikeln in den letzten Jahrzehnten merklich zugenommen. Mir vermittelt das, dass Masse und Schnelligkeit vor Klasse gehen, und dass sich überall (auch in anderen Bereichen) eine gewisse Larifari-Haltung breitmacht, die ich manchmal schon etwas perplex betrachte. Ich verliere da oft das Vertrauen in den Inhalt, denn wenn im Formalen schon so viel falsch läuft, wie sieht es dann mit Recherchen aus …

      • Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich stimme dir ein einem wichtigen Punkt völlig zu: Fehler sind *Fehler* und sollten nicht vorkommen. Ich habe da ja auch eine ganze Kurve hingelegt und nicht von Ungefähr neulich noch einen alten Artikel von mir verlinkt, in dem ich mich über einen Buchrücken-Tippfehler echauffiere und – für mich und aus heutiger Sicht – dabei recht arrogant Position bezogen habe.
        Aber ja, Fehler sind *immer* ärgerlich.

        Nur zwei Gedanken, die – explizit – nicht als Gegenargumente zu verstehen sind, sondern einfach nur als Denkanregung:
        1. Monokausalität ist selten wahr.
        Du selbst nennst ja schon eine ganz Reihe Gründe, woran es haken kann, damit am Ende eben doch Fehler im finalen Produkt landen. Was ich selber als reiner Endkunde lange nicht realisiert habe, ist dabei aber, an wie vielen Stellen etwas schiefgehen kann. Frei nach Hanlons Rasiermesser würde ich daher nicht zwingend annehmen, dass dem Verlag oder den Beteiligten nichts an Qualität liegt, sondern eben erst mal nur, dass offenbar etwas schiefgegangen ist.
        Darum ärgern mich „Das Lektorat hat geschlampt“-Rezi-Aussagen immer etwas (wobei ich mich davon nicht mal freisprechen kann), weil … ja ach, es sind auch schon mal falsche Dateien ins Layout oder in den Druck gegeben worden, so als völlig triviales Beispiel eines völligen Patzers an anderer Stelle.
        Wie gesagt: Ich will da nichts marginalisieren oder abstreiten; Fehler sind Fehler und gehören daher vermieden.
        Aber wissend, wie viele mögliche Fallstricke es gibt und letztlich auch davon ausgehend, dass eben niemand fehlerfrei ist, nun ja, ist meine Toleranz dahingehend einfach gestiegen.
        (Wobei ich dir aus dem Bauch heraus zustimme, dass Bücher früher fehlerfreier waren. Woran es aber liegt, da möchte ich gar keine Vermutungen anstellen, dafür haben sich zu viele Aspekte verändert und Zeit sowie Festanstellungen sind nur zwei davon …)

        Und der andere Gedanke:
        Mir war immer wichtig, zwei Dinge zu differenzieren: Rechtschreibung und die Tätigkeit eines Autoren.
        Um mal brutal zu vereinfachen:
        Sachbuch-Autoren sollen Wissen vermitteln.
        Populärliterarische Sachbuch-Autoren sollen unterhaltsam Wissen vermitteln.
        Belletristik-Autoren sollen den Leser unterhalten.
        Und meinetwegen sollen Lyrik-Autoren den Leser berühren.
        Oder so.
        Jedenfalls: Keines dieser Skill-Sets hat irgendwas mit Rechtschreibung zu tun. Ich kenne umgekehrt auch Leute mit einem fast magischen Gespür für Rechtschreibfehler, aber ohne jeden Funken erzählerischen Antrieb.
        Mein Selbstverständnis als Lektor, als ich in dem Bereich noch aktiv war, war immer grob gesagt: „Du, Autor, erzähl eine schöne Geschichte mit spannender Handlung und packenden Charakteren. Und dann sehen wir zusammen zu, dass das sprachlich rund wird.“
        Hat auch mal besser und mal schlechter geklappt, aus diversen Faktoren heraus.
        Aber anzunehmen, dass jemand, der tippt wie ’ne Sau nicht sauber recherchiert, ist ein Trugschluss, der denke ich letztlich beiden „Fertigkeiten“ Unrecht tut.

        Nun denn, genug geantwortet, das ist ja schon fast ein Blogartikel geworden :)
        (Und das mit den Skill-Sets wird glaube ich eines Tages auch mal neu formuliert einer werden ^^)

        Viele Grüße,
        Thomas

      • Danke für die Anregungen… darüber könnte man viel diskutieren :-)

        Ich weiß, dass es super viele Fallstricke gibt, habe sie selbst oft genug erlebt. Wenn ein Schreibprogramm nicht mit dem anderen kompatibel ist, wenn in wichtigen Arbeiten plötzlich Sonderzeichen durch Platzhalter ersetzt worden sind, aber man den Druck nicht mehr aufhalten kann, wenn man übersehen hat, dass man Text ausgeschnitten und an falscher Stelle wieder eingesetzt hat, wenn man mal wieder wüst alte und neue Rechtschreibung durcheinanderwirft (und es grad auch echt nicht weiß), wenn man sich vertippt hat … Es gibt immer Gründe, warum Dinge nicht funktionieren, das ist richtig, aber ich finde schon, dass man einem Werk generell anmerkt, ob sich Leute Mühe gegeben haben, ob sie Zeit hatten, oder nicht.

        Leider reichen kurze Blogantworten nicht aus, um alles umfassend zu beleuchten, und dann greift man sich ein oder zwei Sachen raus und vereinfacht, was eventuell schräg und verallgemeinernd rüberkommt. Ich wollte hier wirklich niemandem vor den Kopf stoßen, und kann mir natürlich auch selbst vorwerfen, nicht mehr Zeit investiert zu haben, dem subjektiven Empfinden mehr Substanz verliehen zu haben. Aber man „hasst“ ja häufig das, was einem selbst inne ist ;-)

        Eine Freundin von mir hat bei einem Onlinemagazin gearbeitet. Sie erzählte, dass sie unter enormem Zeitdruck Artikel zu bestimmten wissenschaftlichen Themen schreiben musste, fertige Infotexte habe es schon gegeben, für eine richtige Recherche im Internet oder in Fachbüchern und -artikeln wäre kaum oder gar keine Zeit gewesen. In den Bereichen, in denen sie sich selbst gut auskannte, hat sie Fehler in den Grundlageninformationen gut umschiffen können, aber in den anderen Bereichen nicht. Sie hat das auf Dauer mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Diese persönliche Geschichte hatte ich neben anderen Beobachtungen hauptsächlich im Hinterkopf.

        Warum gibt es heute (subjektiv empfunden) mehr Fehler (von welcher Art auch immer)?
        Sind zu viele Menschen involviert? Oder zu wenige?
        Konsumieren wir mehr Geschriebenes als früher, dass wir dann natürlich auch mehr Fehler finden?
        Sind Prozesse heute komplizierter als früher? Warum?
        Wenn sie tatsächlich komplizierter sind, warum vereinfacht man sie dann nicht wieder?

        Mir schwirren da zig Fragen im Kopf rum. Um so mehr würde ich mich über weitere Blogartikel und Anregungen freuen, die ich lesen kann :-).

        Viele Grüße,
        Silke

  6. Hallo Thomas,
    Großartige Beobachtung, danke für die Zusammenfassung. Ich kriege genau das gleiche hier auch mit. Ich halte das aber für ein kulturelles Phänomen. In Deutschland gilt es als normal, dass Erwartungen erfüllt oder übertroffen werden. Das ist nichts besonderes. Wenn das passiert, freuen wir uns ein wenig und dann geht´s weiter. Wenn aber eine Erwartungshaltung, egal wie überzogen sie sein mag, nicht erfüllt wird, dann besteht Grund zur Lautäußerung. Wenn etwas den Erwatungen entspricht, dann sieht man das dafür ausgegebene Geld als gerechtfertigte Ausgabe an. Produzent kriegt Schotter, ich kriege mein Produkt (mit dem erwarteten Unterhaltungswert), Job done, kein weiterer Komunikationsbedarf. Wenn aber etwas nicht die Erwartungen erfüllt, egal in welchem Teilbereich oder unter welchem Gesichtspunkt/Blickwinkel, dann wird sofort laut und öffentlich lamentiert und kritisiert. Bei uns ist positives Feeback ungewöhnlich, weil tatsächlich auch in der Arbeitswelt eher unüblich. Wenn ein Soll erfüllt wird, kommt ein Haken dran und weiter, wenn das Soll nicht erfüllt wird, gibt es „Gesprächsbedarf“. Das ist unser normaler Umgang miteinander im Berufsleben. Das überträgt sich dann auf die Feedback-Kultur. Wenn etwas „passt“, ist das nicht den Aufwand eines Postings oder eines Lobes wert. Nur wenn etwas nicht passt, gibt es einen entsprechenden gefühlten Handlungsdruck.
    Das ist in anderen Kulturen tatsächlich anders. Da gibt es keine Hemmungen, sich hinter ein Produkt zu stellen, da gibt es keine Hemmungen, einfach mal nur zu loben oder etwas weiter zu empfehlen, wenn es einem gefallen hat. Inzwischen passiert es auch im deutschsprachigen Raum immer wieder, dass zufriedene Kunden ein Produkt vor Kritik in Schutz nehmen, das sind aber nur zaghafte Ansätze. vor allem auf FB ist das Ranting verbreitet. Da gilt aber auch: wer viel postet, hat irgendwann die gefühlte Meinungsführerschaft und die anderen wenden sich entnervt ab (und schweigen). Vergleicht mal die Film-Homepages von internationalen Filmen miteinander. Im englisch-sprachigen Forum gibt es viel mehr Zuspruch, als im deutschen. Wäre Facebook eine deutsche Erfindung, gäbe es nur einen „Dislike“-Button. Wir suchen halt aktiv das Haar in der Suppe, den kleinen Continuity-Error oder das, was uns halt eben nicht gefällt, während z.B. in Amiland etwas auch einfach mal gut sein darf.
    Auf der Produzentenseite sollte man sich da ein wenig Hornhaut auf der Seele zulegen und nicht jeden Rant zu ernst nehmen. Nein, in Amiland ist auch nicht alles besser, aber die Feedback-Kultur finde ich da schon viel zusprechender und ermutigender. Wie das in anderen Kulturkreisen ist, kann ich leider nicht beurteilen.
    Berechtigte Kritik kann auch hilfreich sein und das nächste Produkt besser machen, Geschmackssachen sollte man komplett ignorieren und beim Rest muss man schauen, ob da nicht schon voreingenommene Meinungen aka Vorurteile dabei sind (die ändert man nie), oder ob der Kritiker einen schlechten Tag hatte.

    • Moin!

      Ich stimme zu, mit zwei Einschränkungen:
      Ich glaube, ja, dass diese Fundamentalverurteilung auch etwas sehr aus unserer Kultur ist, das stimmt. Der Erfolg als Norm und das Scheitern als Anlass für den Pranger, ja, das kann man hier zu oft beobachten. Beispielsweise die amerikanische Art ist mir da auch sympathischer – auch durchaus ein mildes Verständnis von „If you don’t have to say anything nice, say nothng at all“* –, aber sie ist für „uns“ auch nicht immer ganz einfach.
      Ich merke das immer wieder im Umgang mit Amerikanern – ich finde Feedback da manchmal sehr schwierig. Dieser Konflikt, gelobt worden zu sein, aber unsicher zu sein, ob das höfliches „Nicht-Schimpfen“ oder genuine Freude war … na ja, man entwickelt ein Gefühl dafür, aber darum betone ich auch immer wieder gerne völlig wertfrei, dass man einfach nicht annehmen sollte, dass, nur weil unsere Kulturen recht nahe beieinander sind, dass das alles nahtlos kompatibel wäre ;)

      Und zum anderen: Auch z.B. der englische Kulturkreis hat seine unbelehrbaren Negativstimmen; etwa diese „Kultur“, auf Film-Webseiten gegenseitig die Franchises zu bashen (heute ja meist eher Marvel vs. DC als wie früher Star Wars vs. Star Trek), erlebe ich auf englischen Seiten manchmal noch schlimmer als bei uns.
      Was auch dort allerdings stimmt: Neben diesen krassen Stimmen gibt es dort auch gleichsam krasser verteidigte Positivstimmen. Vor allem im Vergleich zu hiesigen Diskussionen.

      Aber ja, berechtigte Kritik ist gut – geht aber auch höflich. Konstruktiv.
      Und ja, der Mut zu loben ist etwas, was nicht so allgegenwärtig oder alltäglich ist, wie ich es mir wünschen würde. Aber daran kann man ja versuchen zu arbeiten :)

      Viele Grüße,
      Thomas

      ————————-
      * Nicht meinend, dass man nur loben soll; aber wenn man ausschließlich Kritik ohne ein einziges positives Wort hat, sollte man unter Umständen seine Haltung noch mal überdenken, bevor man auf senden klickt, denke ich.

  7. Mir wurde auch schon mal gesagt, dass meine Film/Buch/Wasauchimmer Rezis „unlogisch“ seien, weil ich ja immer was zu meckern fände und dann trotzdem fast die volle Punktzahl vergebe…
    Ich glaube die Reflektion und das Differenzierte geht im Netz immer mehr verloren – vielleicht auf der Straße auch, aber im RL unterhalte ich mich meistens nur mit Menschen, die ich länger kenne und deswegen weiß ich das nicht so genau;-) – deswegen schlägt einem dieses Unverständnis entgegen irgendetwas nicht zu 100% gelungen zu finden und *trotzdem* für unterhaltsam zu halten.
    Vielleicht hat das auch mit Entitlement Denken zu tun? Meine Kritikpunkte sind oft aus der Kategorie „Hätte ich hier anders gemacht“ oder „Kommt *mir* an der Stelle nicht konsequent vor“ oder „Gefällt *mir* so nicht, ich hätte dasunddas lieber gesehen“ und manchmal ziehe ich dafür ein bißchen Punkte ab in meiner ganz und gar subjektiven Bewertung, weil es selten etwas gibt, was ich zu 1001% unfassbar super fand – und das heißt für mich üüüberhaupt nicht, dass an dem Medium irgendwas falsch, schlecht oder minderwertig ist und es mir keinen Spaß gemacht hat, weil ich nicht finde, dass jeder Medienmacher in meinen Kopf kuken muss, um Entscheidungen über sein Tun zu fällen.
    Aber „Fantum“ scheint das irgendwie zu erwarten – Hellseherische Fähigkeiten entwicklen, genau das tun, was *ich* will und wenn das nicht passiert, motz ich halt rum. Dreijährige sind auch so, glaube ich…
    Ok das war ein bißchen despektierlich, aber mich nervt sowas ungemein.;-)

    • Ich denke nicht, dass du die Phänomene 1:1 miteinander abgleichen kannst, aber verwandt sind sie ja allemal.
      Das geht sogar in zwei Richtungen: Man kann ein Medium meine ich sowohl trotz Schwächen „super“ finden, wenn diese wie du sagst vor allem subjektiv sind. Aber ich finde umgekehrt auch, dass man auch ein eher mittelmäßiges Produkt, das objektiv Schwächen hat / zu haben scheint, dann eben subjektiv super finden kann. So ein bisschen Richtung „guilty pleasure“, aber das ist mir schon fast zu abwertend. Aber ich denke, du weißt, was ich meine.

      Entitlement … oh, da könnte ich noch ganze Blogposts hinweg ranten, wenn das Thema ist. Ich finde es dabei vor allem schade, dass Leute so festgefahren sind und fremde Interpretationen gar nicht mehr akzeptieren, obschon rein literaturhistorisch betrachtet doch im Grunde all unsere Archetypen indirekte, oder gar direkte (Neu-)Interpretationen teils Jahrtausende alter Rollen sind.
      Wenn jetzt im Herbst „Suicide Squad“ ins Kino kommt, dann kann ich die dortige Interpretation des Jokers persönlich cool oder doof finden; aber sich darüber aufzuregen, dass sie anders ist als früher / die Vorlage, finde ich albern. Vor allem wenn man bedenkt, wie viele dieser „in Stein gemeißelten“ ikonischen Figuren ihrerseits erst radikal neuinterpretiert zu dem wurden, was sie heute sind, nur halt vor Lebzeiten des jeweils fanatischen Fans.

      Nun, zumindest eines bleibt uns: Wir können immer versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen und es besser vorzuleben.

      Viele Grüße,
      Thomas

  8. Sehr schön – „self fulfilling prophecy“ mal positiv anwenden.
    Was ist denn so cool daran, sich als ewiger Nörgler und „Ich habs ja gewusst, und was seid ihr andere alle naiv“-Denker auf diese Art zwar ständig selbst zu beweisen, dass man etwas (oder mehr?) wert ist, indem man sich dauernd Situationen schafft, welche die eigene pessimistische Überzeugung garantiert bestätigen werden – und dabei unglücklich, gelangweilt und zunehmend aggressiv-depressiv zu sein? Körperlich-geistig wirklich ungesund…

    Und das auch noch an die Mitmenschen zu verteilen… solche Leute und ihre Kommentare für sich auszufiltern, ist wie Mundschutz bei Grippe-Epidemie zu tragen: Sinnvoll ;)

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