Die Allmacht der Natur

Hallo zusammen!

Wer meinen Fotos online schon eine Weile folgt, der mag bei den Schwarzwald-Aufnahmen schon gemerkt haben, dass ich so ein paar Plätze habe, die ich immer wieder gerne aufsuche. Einer davon ist der Hochfirstturm in der Nähe von Titisee-Neustadt, von dessen Lage aus man einen wundervollen Blick herab ins Tal hat, hin zu jenem See, dem die Stadt ihren Namen verdankt.
Wir haben diesen Flecken vor einigen Jahren beim Wandern mehr durch Zufall entdeckt, bereits recht geschafft, ziemlich mitgenommen von einer anstrengenden Schneewanderung, aber vielleicht gerade darum hat er uns sehr verzücken können.

Eines meiner Fotos von dort in diesem Jahr ist das hier:

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Schon das war hart erarbeitet. Es hatte in der Nacht zuvor viel geschneit, als wir uns aufmachten und natürlich, mit dem Selbsterhaltungstrieb eines Dodos, sagten wir uns zudem noch, dass die nicht geräumten Wege schon nicht so schlimm sein könnten.
img_0276Waren sie auch nicht … bis nach einer Strecke, die lang genug war, um eine Rückkehr albern zu machen, der Weg breiter wurde. So breit, dass der Neuschnee nicht in den Bäumen geblieben, sondern herabgefallen war. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir zuerst bis zu den Waden, am Ende aber sogar bis zu den Knien in der weißen Masse standen.
img_0278Es war ein schöner Tag, ein blauer Himmel strahlte über uns, aber dennoch war der weitere Weg zum Turm eine wirklich, wirklich harte und entbehrungsreiche kleine Route.

Einmal mehr aber: Umso verdienter erschien uns der Anblick, der sich uns dann am Ende bot. Das obige Foto zeigt es ja – es war das reinste Winter-Wunderland-Postkarten-Wetter.

Einige Tage später war ich noch mal da. Ein paar Meter tiefer im Hang, aber in derselben Schneise, mit dem gleichen Blick herab auf den Titisee. Eigentlich. Denn das Wetter hatte andere Pläne, wie dieses Foto zeigt.

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Der Schemen da in der Mitte, das ist irgendwo der See ;)

Dennoch ist es halt einfach einer meiner liebsten Flecken dort, also machte ich ein paar Minuten rast, machte ein paar Aufnahmen, nutze sogar das dort für mich eher seltene Handynetz, um mal wieder ein Lebenszeichen nach Hause abzusetzen.
Und während dieser paar Minuten passierte etwas. Meteorologen könnten das sicher besser erklären, aber der Literaturmensch, der dies hier schreibt, würde sagen: Das Wetter kippte.
Der Nebel, der bisher im Tal gehangen hatte, begann den Berg hinaufzukriechen. Und zwar nicht langsam, als kaum wahrnehmbaren Prozess, sondern die paar Minuten, die ich dort war, reichten, um es richtig zu sehen. Gleichzeitig fiel die Temperatur ab. War es vorher winterlich-kühl gewesen, wurde es schlagartig, mit spürbarem Sog, regelrecht kalt dort oben.

Da auch noch die Dämmerung nicht mehr fern war – sagte die Uhr, das Wetter ließ keine Deutung mehr zu –, machte ich mich dann etwas rapider als sonst auf den Heimweg.
Das sind mittlerweile alles vertraute Pfade dort, insofern war das jetzt nicht heikel, aber dieser Wetterumschwung war dennoch etwas, was Eindruck hinterlassen hat.

Klar, das ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas erlebe; erlebe, wie schnell das Wetter wild drehen kann. Wir hatten einen Hilde-Drehtag am Rande unseres Hochmoores hier. Ich blickte nach einem Take zum Himmel und sah hinter den entferntesten Bäumen einen feinen, kaum wahrnehmbaren, schwarzen Streifen. Okay, dachte ich, wir sollten langsam fertig werden.
Als ich einen Take später noch mal schaute, war der Steifen schon ein bis zwei Hand breit über die Bäume gekrochen und wir brachen sofort ab, sammelten das Equipment ein und schafften es dann wirklich nur noch, mit den ersten zornigen Böen und heranrauschenden Regentropfen die nächstgelegene Schutzhütte zu erreichen.

Warum schreibe ich euch das?
17-saig-feburar-2017-web-2245Nun, im Grunde steht im Herzen all dieser Zeilen ein innerer Konflikt, den ich seit Jahren ausfechte. Es wäre vermutlich gelogen zu sagen, ich hätte in meiner Zeit bei der Zeitung viel gelernt, aber eine der Sachen, die hängen blieb war ein Ratschlag gleich zu meinem zweiten Artikel. Der Rat des Redakteurs war, niemals über das Wetter zu schreiben. Und das ist im Tagesjournalismus wahr. Das Ereignis interessiert, und sofern das Wetter kein integraler Bestandteil des Ereignisses ist, dann hat es auch nichts in den paar Zeilen verloren.
Aber bei Literatur? Mein aktuell noch immer rechts in der Übersicht beworbenes Buch heißt Schleier aus Schnee; da ist die Witterung schon im Titel zu finden. Und in Das Dorfgeheimnis, einer der beiden Novellen aus Verfluchte Eifel, geht es auch sehr massiv um Wetter.
Verdorbene Asche wird das auch in sich tragen.

In der Regel ist es auch nicht das Wetter alleine. Nebel in Aachen ist cool – ich mag Nebel –, aber nichts, worüber ich bloggen würde. Nebel, der die steilen Hänge des Hochfirst‘ erklimmt, das ist was anderes. Wir haben der Natur viel abgetrotzt. Wir jetzt hier in Deutschland noch mal weniger als jene in Wüstengebieten oder dem ewigen Eis, aber auch ich sitze hier gerade am Abend eines echt fiesen, stürmischen Februartages und schreibe in der Wärme meiner Wohnung diese Zeilen.
Aber in dem Moment, in dem wir vor die Tür gehen, in dem Moment, wo wir aktiv draußen unsere Füße voreinander setzen, in diesem Augenblick betreten wir das Terrain der Natur. Und egal in welches Extrem sie geht, Hitze, Sturmflut, Orkan, Schnee, Gewitter, im Zweifelsfall sind wir nur ganz kleine, bescheidene Wesen im Angesicht einer unfassbaren Macht.

2014 zog eine „Superzelle“ über Aachen hinweg. Ein Unwetter der wirklich hohen Liga. Ich hatte das schon erahnt, als mir Nachtmittags das Wabenmuster der Wolken am Himmel aufgefallen war; das kannte ich sonst bisher eigentlich nur aus Tornadojäger-Dokumentationen. (Warum die mich reizen, dürfte an diesem Punkt im Artikel auch niemanden mehr wundern, oder?)

In der Nacht habe ich dann diese Aufnahmen gemacht:

Das Youtube-Video lässt nur gegen Ende mal ein bisschen die grün-glühende Farbe des Himmels erahnen, aber vermittelt dennoch einen ganz guten Eindruck, würde ich sagen.

Warum ich das hier schreibe, das habe ich noch immer nicht beantwortet, ich weiß.
Nun, zum einen wie immer, um einfach meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Dann, gar nicht weniger wichtig, um dazu einzuladen, sich ebenfalls einmal darüber Gedanken zu machen.
Um vielleicht die Augen einiger derer, die das hier lesen, noch ein wenig für neue Dinge zu öffnen – denn wenn ich mit anderen rede, gibt es immer auch viele, die überhaupt nicht wissen, was ich meine – oder verstehen, warum ich bei solchen Wettern draußen bin.
Und um zu erklären, weshalb ich zuversichtlich bin, dass dieses Thema – weniger das Wetter, mehr die Allmacht der Natur – auch in meinen zukünftigen Büchern sicher eine Rolle spielen wird.

Wer sich hingegen denkt, dass das jetzt genug Geschwurbel für ein Nicht-Thema gewesen sei, der kann sich dann auf den nächsten Beitrag freuen. Denn ein Blick auf den Kalender lässt mich vermute, beim nächsten Mal gibt’s hier schon wieder Zwischenstände.

Kinder, wir die Zeit vergeht.

Viele Grüße,
Thomas

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