Von der ohrenbetäubenden Stille einer geschlossenen Schneedecke (Urlaubsgedanken)

Hallo zusammen!

Es war mal wieder soweit, ich war in Urlaub, habe allem mit Außenwirkung für ein paar Wochen den Rücken gekehrt und bin stattdessen mal wieder mit Freunden in unserem Exil im Schwarzwald gewesen. Fernab aller relevanten Datennetze.

Anders als voriges Jahr hat der Schnee uns ja weißgott gesegnet – und nach Hause verfolgt, ist doch auch mein Vorgarten hier unter diversen Zentimetern Schnee verborgen –, was ja exakt das ist, wonach wir auch immer streben.
Einige von uns vor allem für das schöne Panorama draußen vor dem Fenster, während sie zocken; für eine Freundin von mir und mich wie immer auch als Umgebung, um darin wandern zu gehen. Wobei es Schnee in diesen Mengen mit dem Wandern gar nicht so einfach macht.

Wenn der Schnee erst mal bis über die Waden reicht, wenn die Hose dort, sowie Wind an sie kommt, im Anschluss steif gefriert, dann wird das mit dem Vorankommen zunehmen kniffliger. Ich denke, man kann guten Gewissens sagen, dass unser Aktionsradius bei dem Wetter souverän halbiert war. Aber es war dennoch so schön.

 

Ich persönlich mag ja durchaus Wetter, dass sich ein wenig „wehrt“; Schnee, Kälte, schneidender Wind, das Gefühl, wenn Bart und – das war dieses Jahr neu – Augenbrauen langsam gefrieren, ich mag das sehr. Und während ein rationaler Teil von mir ja durchaus weiß, dass das auch Risiken birgt, dass in jedem Winter arme und auch schlicht unvorsichtige Menschen den Kältetod finden, ganz rein emotional liebe ich diese Momente. Es sind diese Momente, Achtung Phrase, in denen man sich dann noch mal wirklich lebendig fühlen kann.
Wie immer kann ich auch nur raten, solche Eindrücke zu kultivieren, wirklich bewusst in euch aufzunehmen, wenn ihr in irgendeiner Form kreativ arbeitet. Das ist Inspiration, das ist Futter, das ihr später in eigene Werke kanalisieren könnt. Und das ist auch der Grund, warum wir zwar schon alle im Deutsch LK gelernt haben, dass es schlechter Stil sei, übermäßig über das Wetter zu schreiben, aber ich dennoch immer wieder die Witterung in meinen Texten phasenweise in den Fokus rücke. Mein letzter Roman hieß ja nicht umsonst Schleier aus Schnee.

Aber ich hab da noch eine Erkenntnis (für mich) mitgebracht. Stille. Diese Momente, wenn wir dort standen, mitten im Wald oder auf freier Fläche, rundum umringt von einer frischen, unversehrten Schneedecke, einzig in der Schneise aufgebrochen, in der wir bis dort gewandert waren, dann war es still. So vollkommen still, dass man den fallenden Schnee rieseln hören konnte.
Das sind Momente, in denen man sich selbst denken hören kann. Ohne das konstante Dröhnen einer Stadt, ohne die Einflüsterungen traditioneller und neuer Medien, einfach mal den eigenen Gedanken nachgehen. Das ist einer der Gründe, warum ich hier in meiner alten neuen Heimat, der Eifel, gerne wandern gehe, aber dort, im Schwarzwald, kommt halt noch die Distanz zum Alltag hinzu.
Und es ist jedes Mal wieder völlig erschlagend, ohrenbetäubend, wie „laut“ die Stille plötzlich scheint.

Wie jedes Jahr nutze ich gerade diesen ersten Urlaub rund um die Winterzeit ja auch immer ein wenig, um meine Prioritäten, Lebensentscheidungen und Pläne zu hinterfragen.
Mit sehr vielem bin ich sehr zufrieden – der Rückkehr in die Eifel, dem Hausbesitz, der Arbeit, den privaten Projekten. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass es zumindest einen Bereich gibt, in den ich diese Stille zumindest vorerst mitnehmen werde. Insofern, ich sagte es ja schon, werde ich mich vorerst auf sozialen Medien etwas rarer machen.

Nun also 2019. Ich bin ja schon etwas zurück und die ungewohnt lange Zeit zwischen dem Urlaubsende und diesem Text hier zeigt schon, dass ich gewissermaßen nahtlos vom Urlaub in neuerlichen Stress getaumelt bin. Es ist gerade unfassbar viel zu tun, aber ich merke auch, dass ich ausreichend Schwung mitgebracht habe. Da geht noch was.

Noch einmal gedanklich zurück zum Schwarzwald – manchmal kann man von unserer Bleibe aus die Alpen sehen. Es ist ganz bizarr: Wenn man sie sieht, sind sie atemberaubende, monumentale Giganten am Horizont, unfassbar weit entfernt und dennoch ganz zweifellos entweder schlafende Riesen oder das irdische Pendant eines Eberor. Aber manchmal nur Stunden später hat der Dunst sie wieder geschluckt, und es fällt schwer zu glauben, dass sie jemals dort waren.
Die gesamte Zeit, die wir diesmal dort waren, haben sie sich vor uns verborgen. Ein, zweimal waren sie möglicherweise Schemen vor den fernen Wolken, Schatten vor den Schwaden des nahenden Abends, aber wirklich gesehen hat man sie nie.
Dann aber, nach dem all das gesackt war, was ich hier beschrieb, am Tag unserer Abreise, nachdem wir alle Erholung, und ich alle verfügbare Stille in mich aufgenommen hatte, an jenem Morgen waren sie nicht einfach nur zu sehen – sie erschlugen uns geradezu in ihrer Pracht.

Nicht länger umwölkt, sondern völlig klar.
Ich denke, ich werde das einfach mal als Omen mitnehmen.

Viele Grüße,
Thomas

4 Kommentare zu “Von der ohrenbetäubenden Stille einer geschlossenen Schneedecke (Urlaubsgedanken)

  1. Stille im verschneiten Wald kann so laut sein, dass es in den Ohren schmerzt.
    Eine wundervolle Beschreibung!

  2. Ich finde, dass es nichts schöneres gibt, als in einer frischen Schneefläche spuren zu machen. Da freue ich mich wie ein Kind und es ist mir sowas von egal, wenn mich andere dabei beobachten.

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