Die schönsten, buchbezogenen Erinnerungen

Hallo zusammen!

Neulich, solange kann das noch gar nicht her sein, da hat die Ela in ihrem Blog einen kurzen Text zu drei buchbezogenen Erinnerungen gepostet und das fand ich so nett, dass ich mir notiert hatte, das aufzugreifen.
Das kann auch gar nicht so lange her sein … ach ja, hier ist ihr Artikel ja. Ah ja, 22.12.2017. Also quasi gestern.

Aber nun gut – so geht das Spiel:

Wie alle diese Tags ist auch dieser wirklich einfach zu verstehen:
Liste 3 Bücher-bezogene Erinnerungen, die dir besonders wichtig sind. Also Bücher lesen, Bücher schreiben, irgendwas mit Büchern.

Die erste Sucht
Die erste dieser Erinnerungen heute führt uns ins Jahr … lasst mich rechnen … 1994. Es war bei uns an der Schule so, dass im sechsten Schuljahr einer der Klassen die Ehre zufiel, ein Theaterstück aufführen zu dürfen. Und das waren wir. Aber nun, die Entdeckung meiner persönlichen Wohlgeneigtheit zum Theater lag noch locker zehn Jahre in der Zukunft; eine Liebe, die ich aber gerade entdeckt hatte, was das Lesen.
Ich thematisierte das hier ja schon mehrfach, aber nicht Karl May und tatsächlich auch nicht die gängigen Jugenddetektive, sondern Timothy Zahns Thrawn-Trilogie aus dem Star-Wars-Umfeld – oder Krieg der Sterne, wie wir ja damals noch sagten – war es.
Und so ist diese erste hier genannte Erinnerung sehr konkret greifbar die Zeit der Proben für das Stück, in dem ich nur einen kurzen Komparsenauftritt hatte, und wie ich dort, Probe für Probe hinter den Vorhängen am Klavier lehnte und Seite für Seite abgetaucht bin, nicht nur in den intergalaktischen Krieg mit den Erben des Imperiums, sondern auch in die Leidenschaft zum Buch an sich.

Zuflucht an ungewöhnlichen Orten
Bewegen wir uns mal (knapp) zehn Jahre vorwärts. Nach der Schule folgte der Zivildienst – und was unter anderem im Zivildienst folgte war grob ein Monat von wirklich, wirklich widerlichem Reizhusten. Diese Art von Husten, wo man nach jeder Attacke erst einmal erschöpft niedersinkt und dankbar ist, noch bzw. wieder zu atmen. War nicht cool, und doppelt nicht, weil mich so niemand in einem Krankenhaus arbeiten lassen wollte. Klar.
Was das aber natürlich bedeutete, war, grob zwei Mal pro Woche beim Hausarzt zu sitzen, irgendein ein neues, nicht wirksames Mittel zu probieren oder einen anderen Allergietest zu versuchen, am Ende aber vor allem mal wieder mit einem gelben Schein dort abzumarschieren.
Nun war ich kein Notfall. Ernst, schon irgendwie, aber nicht in akuter Bedrohung. Weshalb es sich irgendwann einspielte, dass halt gefühlt jeder andere im Wartezimmer Vorfahrt bekam. Und einen treuen Begleiter, den ich dort immer hatte, war William Gibsons Neuromancer. Ich kann nicht mal sagen, warum sich das so massiv eingebrannt hat, aber diese Momente, die ich dort saß, in der wundervollen (heute leider nicht mehr genutzten) alten Arztpraxis, die Wände in dunklem Holz gesäumt, und zugleich in die damals schon nach „Zukunft von gestern“ schmeckende, aber drum nicht weniger fesselnde dystopische Cyberpunk-Welt Gibsons eintauchen konnte, diese Momente haben mich irgendwie nie ganz losgelassen.

Im Spiegel der eigenen Biographie
Bleiben wir im Rhythmus und gehen erneut (grob) ein Jahrzehnt vorwärts. Das Studium ist nach langem Kampf erlegt, eine etwas seltsame Schwebe formt sich langsam zu dem Entschluss, wenigstens für eine Weile die bisherige Nebentätigkeit zur Selbstständigkeit auszubauen, und damit einher geht eine mir teure Entwicklung – die Wiederentdeckung der Freude am Lesen.
Sie war nie wirklich fort, aber die hohe Dichte der Zwangslektüren beider Studienfächer, Literatur wie Philosophie, hatte aus der alten Leidenschaft fortschreitend eine Pflicht gemacht. Nun, endlich, drehte das wieder und damit einher ging die Entdeckung eines Autors, dem ich seither gerne gefolgt bin – John Green. Ich beschloss, vorne anzufangen, also bei seinem Erstling Eine wie Alaska, einfach weil das nach einem guten Startpunkt klang und sich bei dem Buch wohl auch alle einig waren, dass es zwar das Debüt, aber auch eines seiner stärksten Bücher sei.
Und das Buch ließ sich schon sehr gut an, in einem schönen Stil geschrieben, tolle Figuren. Das Buch lässt aber auch von Anfang an nur wenig Zweifel daran, dass dies eine Geschichte ist, die auf Etwas zusteuert; und dass das ein Etwas ist, was vermutlich nicht gut ausgeht.
Aber ich las weiter, Tragödien waren mir jetzt ja nicht fremd … aber da ahnte ich auch noch nicht, dass es eine vage, aber letztlich doch pointierte Parallele zwischen dem Etwas gab und etwas, was in meiner eigenen Biographie schwimmt. Und was ich halt nicht hatte kommen sehen, nicht mal ein Dutzend Seiten vorher, war dass das Buch es insofern verstehen würde, mit einer feinen Nadel genau dort zu treffen, wo es emotional schmerzt.
Was gut war. Wirklich gut, denn es gab mir die Chance, mich emotional selbst noch mal damit zu befasse und, vor allem, ein wenig besser einen Schlussstrich darunter zu ziehen und in dieser Phase, in der eh gerade alles anders wurde, auch damit auf einer ganz neuen Ebene meinen Frieden zu schließen.
Was nun für jene, die das Buch nicht kennen, natürlich hinreichend kryptisch ist – aber nun ja, es wäre schlimm, das hier zu spoilern und es wäre falsch, stattdessen eine andere Erinnerung zu nennen. Ich war zwar gefühlt zwei Tage ein emotionales Wrack, aber … insgesamt hat es gut getan. Manchmal braucht man jemanden, der Dämme niederreißt, denke ich.

Es gab eine Reihe von Alternativen für diesen Artikel, etwa meine eine Begegnung mit Neil Gaiman, die Lesung auf der ich Judith und Christian Vogt kennengelernt habe oder auch generell Erinnerungen an großartige „Mentoren“ wie meinen Mittelstufe-Deutschlehrer, Herrn Riehl, der mit dem richtigen Nährstoff aus der aufkeimenden Flamme meiner Leselust ein gewaltiges Feuer zu entfachen verstand, oder meinen Uni-Dozenten Holger Gehle, der noch mal gewaltig zu dieser Feuersbrunst zulegen konnte (und der leider viel zu früh verstorben ist), aber letztlich waren dies zwar alles wertvolle Erinnerungen rund ums Lesen oder Schreiben, aber weniger rund um bestimmte Bücher. Das hat dann letztlich den Ausschlag gegeben.

Nominieren werde ich nun keinen, nachdem ich 16 Monate zum Schreiben dieses Artikels gebraucht habe. Aber wenn natürlich noch jemand möchte, sagt Bescheid, ich bin auf weitere Beiträge aus der Richtung durchaus gespannt!

Viele Grüße,
Thomas

PS: Wer Leselücken schließen will und per Affiliate Link noch was Gutes für diese Seit hier tun mag:
Timothy Zahn – Erben des Imperiums
William Gibson – Neuromancer
John Green – Eine wie Alaska

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