Seelenworte

Vier Jahreszeiten zur Selbsterkenntnis

Hallo zusammen!

Heute wird’s ein wenig philosophisch.
Wenn man sich ein wenig mit Zen-Lehren beschäftigt, begegnet man unweigerlich früher oder später einer Textsammlung mit dem klangvollen Titel Die torlose Schranke; manchmal auch unübersetzt wahlweise Wumenguan oder Mumonkan, bisweilen freier als Das torlose Tor übertragen. 48 Kōan aus dem 13. Jahrhundert, die teils schwerer, teils leichter nachzuvollziehen sind.

Aber im 20. Kōan findet sich in Wumens Kommentar ein Gedicht, das es mir schon vor einigen Jahren beim ersten Lesen sehr angetan hatte:

Im Frühling hunderte Blumen; im Herbst der Erntemond;
Im Sommer eine frische Brise; im Winter schließt Schnee sich dir an.
Wenn dir sinnlose Dinge nicht in deinen Gedanken nachhängen, ist für dich jede Jahreszeit gut.

(Deutsch von mir; aus einer englischen Übersetzung von Reps/Zenzaki.)

Wie komme ich jetzt gerade darauf?
Nun, zum einen komme ich akut nicht umhin, sehr konkret über Jahreszeiten nachzudenken. Nach diesem unfassbar trockenen und phasenweise heißen Sommer ist ja nun endgültig der Herbst angekommen, und zumindest hier in preußisch Sibirien werden auch die Öfen schon kräftig gestocht. (Für nicht Nicht-Rheinländer: befeuert.)
Und wie ich vorgestern durch den Ort nach Hause ging und über mir Schloss Schleiden im Nebel mehr zu erahnen als zu sehen war, dachte ich mir, dass es wohl endlich mal Zeit ist, diesen Artikel zu schreiben.

Aber das ist die profane Seite – die Jahreszeiten für sich. Ich meine, es ist dennoch wahr – ich habe ja vor Jahren hier schon mal eine Artikelreihe über deren Schönheit und Faszination geschrieben, und dieser Reiz ist für mich noch immer da. Ich kenne so viele Leute, die irgendwie eine Hass-Jahreszeit haben, egal welche, und so ganz habe ich es noch nie nachvollziehen können. Jede Jahreszeit hat ihre Tücken, hat Umstände mit denen man umzugehen lernen muss, aber ob nun im Juli im prallen Sonnenschein oder im Winter kniehoch im Schnee, ich finde in all dem liegt unverkennbar Schönheit.

Doch das Gedicht benennt ja noch eine Facette – wenn dir sinnlose Dinge nicht in deinen Gedanken nachhängen – und das ist, gerade heute, etwas, was mir noch viel wichtiger erscheint.
Es gibt so viel, mit dem wir uns heute grundsätzlich beschäftigen können. Mit hoher Politik auf nationalem und internationalem Parkett, mit Wohl und Wehe unseres jeweiligen Social-Media-Umfelds, mit Bürgerrechtsbewegungen und Promi-Tratsch, mit Medienkonsum und Mediendiskurs. Nicht nur daheim, sondern überall, ob auf einer Sitzbank im Wald oder in der Schlange vom Supermarkt, irgendein Input ist nur einen Griff in die Jacke und wenige Daumenbewegungen entfernt. Es ist leicht, seinen Verstand 24/7 auf Achse zu halten, es gibt immer was, über das man sich freuen kann, gefühlt aber noch zahlreicher was, um sich aufzuregen oder zu sorgen.
Und wenn man ehrlich ist, betreffen einen davon vermutlich 80% nüchtern betrachtet gar nicht. Zumindest nicht in einer Art und Weise, an der man im jeweiligen Moment überhaupt etwas ändern kann.

Das ist kein Plädoyer gegen Engagement – versteht mich nicht falsch.
Es ist ein Plädoyer gegen permanentes Engagement.

Ich traf neulich eine Bekannte nach langen Jahren wieder; eine Bekannte, die eine schwere Erkrankung ausgestanden hatte, deren Ausgang alles andere als sicher war. Das war bei mir ja nun nicht so, aber in vierzehn Monaten beide Eltern verloren zu haben, hat offenbar auf mich einen ähnlichen Effekt gehabt, den auch sie bemerkt hatte – man beurteilt noch mal neu, was man so mit seinem Leben anfängt. Und an die Endlichkeit all unseres sterblichen Wandelns erinnert zu werden ist etwas, was eine Menge Perspektiven verschieben kann.

Und dann ist man irgendwann bei „Ja, natürlich ist der Frühling schön, aber ich habe das dieses Jahr gar nicht wertschätzen können, weil ich mich mit [irgendwas] beschäftigt habe.“
Das ist etwas, was ich zumindest für mich nicht mehr haben wollte.

Für in Deutschland lebende Männer, die in den 80ern geboren wurden, liegt die prognostizierte durchschnittliche Lebenserwartung bei ca. 70 Jahren. Was bedeutet, dass ich gerade Halbzeit habe – und ich für meinen Teil möchte einfach keinen nahenden Winter, keinen kommenden Sommer am Ende nicht bewusst wahrgenommen haben, weil ich in meinen Gedanken in Nebensächlichkeiten verloren war. Insbesondere – aber nicht nur – in all denen, die das Internet zur Türe reinträgt.

Jetzt ist es natürlich leicht, verstohlen zu kichern und „höhöhö, Midlife-Crisis, wa?“ zu raunen. Aber die Stoßrichtung ist genau die Falsche. Ist ja nicht so, als hätte ich mich das nicht auch gefragt; aber all die klassischen Anzeichen, die daraus eine Krise machen – man liest von Stimmungsschwankungen, Grübeleien, innerer Unsicherheit, Unzufriedenheit mit dem bisher Erreichten – kann ich verneinen. Das ist nicht der Punkt, darüber zu diskutieren wäre bestenfalls eine Schubladenkategorie als Strohmann.
Wenn das letzte Jahr mir etwas gebracht hat, dann ist es ganz im Gegenteil eine innere Ruhe und eine starke Zufriedenheit mit dem, was ist. Auch gerade aus der Akzeptanz geboren für das, was ist, im Gegensatz zu dem, was sein könnte oder vielleicht sein wird. Und weil ich ja keinen solchen Text schreiben kann, ohne nicht Star Wars zu zitieren – Yoda sagt über Luke exakt das in Das Imperium schlägt zurück, wenn er kritisiert: „Mit seinen Gedanken niemals war er ganz bei dem was ihn umgab.“

Das ist für mich denke ich der wichtigere Nachklang des Gedichtes – zu versuchen, möglichst frei von sinnlosen Dingen, die mir in meinen Gedanken nachhängen, in den Tag blicken. Und den Tag auch wahrnehmen.
Nicht im Wald stehen und mich darüber ärgern, dass [irgendwer] auf Twitter Unrecht hat. Im Wald stehen und im Wald stehen.

Der Herbst wird kühl, der Winter steht bevor, es ist die dunkle Jahreszeit, in der man häufiger abends daheim ist, in der man Licht und Wärme sucht. Nutzt doch diese Momente mal, und schaut, ob die täglichen Hügel, auf denen ihr kämpft, welche sind, auf denen es sich wirklich zu sterben lohnt.
Wer weiß, vielleicht können diese Worte dem einen oder anderen ja einen Schubs in eine gute Richtung geben, ohne dass es wie bei mir Schicksalsschläge hageln muss.

Ich wünsche es euch.

Viele Grüße,
Thomas

Bissen für Bissen

Hallo zusammen!

So nach und nach ist ja dieses Jahr alles wieder auf Schub gekommen, oder noch dabei, aber auf Kurs. Easy Props wird dieses Jahr noch wieder anlaufen, meine Foto-Backlist ist nahezu abgearbeitet, diverse DORP-Projekte von Allzeit bereit über Mystics of Mana bis tatsächlich zu 1W6 Fäuste für ein Halleluja kommen voran und hey, sogar Verdorbene Asche ist nicht nur bei meinen ersten Testleserinnen, sondern sogar in einem Fall schon wieder zurück.
Aber eine Sache ist dieses Jahr definitiv nach wie vor zur kurz gekommen – und das ist diese Seite hier.

Ich meine, klar, es gibt seit einer Weile wieder mittel regelmäßig Beiträge von mir, aber diese sind häufiger als nicht dann doch Verweise auf andere Projekte gewesen. Das ist gut, denn es heißt, dass es bei anderen Projekten was zu sagen gibt, aber es ist ja nicht der alleinige Grund, diese Seite hier zu pflegen. Wer das tägliche Dies-und-Das haben möchte, der ist bei mir bei Twitter vermutlich eh tagesaktueller dabei.

Nein, eine weitere Sache, für die ich diesen Blog immer gerne genutzt habe, sind Gedankengänge … Überlegungen zu Dingen, na ja, die mich halt in dem Moment beschäftigen, die aber eben mehr Worte brauchen als ein Tweet (oder Twitter-Thread) sie sinnvoll bieten kann.
Und auch wenn ich keine Taktung versprechen kann, so möchte ich doch zumindest beginnend mit diesem Beitrag heute genau dorthin wieder etwas zurück.

Worum es gehen soll? Nun, ehrlich gesagt sind wir schon mitten im Thema.
Mein Jahr war, das haben wir oft genug tangiert, geprägt von Umwälzungen und neuen Aufgaben. Erbschaft, ein eigenes Haus mit (quasi) eigenem Grundstück, damit verbundene Renovierungen, aber auch beispielsweise neue und wachsende Aufgaben bei Ulisses wie die redaktionelle Betreuung der jüngst erfolgreich gecrowdfundeten Handbücher des Drachen II.

Das ist eine „günstige Gelegenheit“, Prioritäten neu zu beleuchten und die eigene Herangehensweise an Aufgaben neu zu überdenken; und wenn ich „günstige Gelegenheit“ sage, dann meine ich, dass es zwingend nötig ist, um nicht verrückt zu werden.
In der weiten Welt der Binsenweisheiten, die einem Projektorganisations-Menschen und Managementseminar-Leiter gerne um die Ohren werfen, gibt es ein Bild, dass sich in einer Frage und einer Antwort manifestiert:
„Wie isst man einen Elefanten?“
„Bissen für Bissen.“

Es ist zum Augenrollen. Ich weiß. Aber es steckt halt doch ein Quantum Trost Wahrheit darin. Und für manchen, der hier mitliest, ist es vermutlich ein alter Hut, gar trivial; für manchen – das ist gefährlich – ist es vermutlich in der Theorie ein alter Hut und in der Praxis doch nie angekommen, und für manchen ist es neu.
Aber egal wie: Jede Strecke besteht aus vielen, einzelnen Schritten.
Und das ist ein Mantra, was es recht gut geschafft hat, mich von jedem Abgrund fernzuhalten.

Mehr noch, es ist im Grunde eine Mentalität, der ich schon immer folge. Wer hier lange genug mitliest oder wer mich lange genug kennt, der weiß das. Ja, natürlich sind Projekte wie Hilde oder der jüngst erschienene Actuarium letztlich lange in der Mache. Aber wenn ich oft genug sage oder schreibe, man möge nur dran glauben, dass sie dennoch eines Tages fertig werden, dann ist es genau das, was ich meine.
Es ist die Akzeptanz, dass nicht alles heute fertig werden muss. Wird. Oder kann.

Ich habe heute nicht die letzten Umzugskartons ausgeräumt. Ich habe nicht das Büro gestrichen. Ich habe nicht an Mystics of Mana geschrieben. Aber ich habe diesen Blogartikel geschrieben. Ich habe meine Kamera mal wieder auf Betriebsbereitschaft gepflegt. Ich habe einige Kartons ausgeräumt.
Und das ist okay.

Es gibt natürlich Einschränkungen aller Art zu machen. Manche Dinge sind nicht aufschiebbar; Termine bei der Arbeit oder amtliche Fristen. Keine Frage, das ist nicht verhandelbar – aber das kann man natürlich problemlos in das generelle Denkschema einordnen.
Und natürlich ist Gevatter Selbstbetrug stets in Rufweite und das ganze Gedankenmodell kann auch herangezogen werden, um sich die eigene Prokrastination schönzureden. ’türlich.
Aber ganz ehrlich, Ausflüchte braucht man ja in der Regel nicht lange zu suchen. Das muss man sowieso mit sich selbst ausmachen – meine ganz persönliche Messlatte ist es, am Ende des Tages für mich selbst zu wissen, dass ich etwas getan habe. Ein Kapitel geschrieben. An einem Video gearbeitet. Die Steuererklärung gemacht. Hauptsache, etwas hat sich bewegt.
Da bin ich nur mir selbst gegenüber verantwortlich, das kann, muss und soll niemand sonst überprüfen.
Und das ist okay.

Als das hier im Februar alles auf einmal kam, habe ich – und ich denke nach wie vor, dass das die richtige Entscheidung war – erst einmal wirklich alles auf Stopp gesetzt. Einige Sachen kamen schnell wieder, wie der DORPCast, andere warten sogar noch, wieder in Schwung zu kommen. Nach und nach habe ich Projekte reaktiviert, manche auch abgeschlossen, einige abgesagt. Geschaut, dass alles in Balance ist, dann vorsichtig etwas Neues mit aufgelegt, austariert, weitergeschaut. Manchmal war es zu früh, manchmal wäre es früher gegangen, aber stets mit Blick auf das Gleichgewicht.
Und immer der einen Maxime folgend: Hauptsache, etwas bewegt sich.

Das ist ein Fundament, über das wir hier glaube ich einfach gesprochen haben sollten, als Kontext für kommende Beiträge. Im Grunde ja sogar als Kontext für alle anderen Projekte, auf die ich hier halt wild zeige, aber besonders als Kontext für eben jene Gedankengänge, über die ich hier schreiben mag.
Da hat sich definitiv genug angesammelt, in dass wir dann in den kommenden Wochen und Monaten abtauchen können.

Grundsätzlich erst einmal ein „Hallo“ zu denen, die generell in letzter Zeit neu hier hinzugekommen sind und das Blog bisher primär als Infohub erlebt haben, ebenso wie ein „Moin!“ oder „Olá!“ an jene, die schon länger hier mitlesen und noch – oder wieder – dabei sind.
Schön dass ihr alle da seid.

Das hier war, ist und wird immer eine absurde Reise sein.
Nicht nur diese Seite, diese Texte, sondern dieses grundlegend seltsame Ding, dass sich Leben nennt.
Schauen wir doch einfach mal, wohin uns das in nächster Zeit so führen wird.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag,
Thomas

Die unverhoffte Schönheit sonnengebadeter Landschaften

Hallo zusammen!

Ich war mal wieder in Urlaub; allerdings zum ersten Mal seit Jahren nicht im Schwarzwald. Wer hier länger mitliest, der kennt meinen normalen Modus: Gemeinsam mit einigen Freunden geht es sonst in den Schwarzwald, um dort fernab von Handynetz und Internet für eine Woche in Isolation zu wandern, zu kochen, zu zocken und auszuspannen.
Diesmal aber, diesmal kam alles anders.

Es begann mit dem Ballett-Atelier in Stolberg, mit dem mich ja schon seit Jahren Shootings, Videos und dokumentierte Ausführungen verbinden. Schon eine Weile geisterte dort die Idee herum, mal über eine Ferienzeit mit einigen Schülern nach Portugal, an die Algarve, zu fliegen und dort einen Trainings-Workshop abzuhalten. Und, so zeigte sich, sie waren interessiert, auch für „ihren Fotografen“ einen Platz zu finden. Klar zeigte ich Interesse, war dann etwas später positiv überrascht, als aus der Idee tatsächlich konkrete Pläne wurden und dann, noch mal Monate später war es soweit: Es ging nach Portugal.

Ich bin ja eigentlich gar kein Südeuropa-Tourist. Als Kind mit den Eltern nach Italien und Spanien, auf Abschlussfahrt in der Schule noch mal nach Rimini, aber dennoch war es nun über 15 Jahre her, dass ich dort war. Und so südlich und westlich, wie es nun der Fall war, hatte es mich tatsächlich noch nie verschlagen. (Die Reise war mein erster Flug, als wäre das nicht alles schon abgefahren genug, und das erste Mal, dass ich reisend die Zeitzone gewechselt habe.)

Aber Himmel ist das ein schöner Flecken Erde. Strände, Meer, Palmen, die weiß gekalkten Häuser mit den orangefarbenen Dächern, es könnte klischeehafter fast nicht sein – und es war auf jeden Fall eine faszinierende Erfahrung. Ich bin ja immer ein Beführworter davon, sich persönlich und mit eigenen Augen Dinge anzuschauen, wenn man selbst schaffend tätig ist, um frisches Wasser auf die kreativen Mühlen zu gießen – und die Algarve hat mir da viel, viel Material geliefert.

Ich bin aber ja nun keiner, der hier im traditionellen Sinne Urlaubs-Blogartikel schreibt, weshalb ich mich für heute auf drei Schlagworte beschränken möchte, die mir seit der Reise nachhallen: Sturheit, Aktivität und Gemeinschaft.

Die Sturheit ist eine, die dem Menschen an sich zueigen ist. Der Gedanke kam mir bereits, als unser Flugzeug in Eindhoven abhob und ich darüber nachsann, wie viel Willen, Ehrgeiz und ein wie großes Quäntchen Dummheit es braucht, um auf die Idee zu kommen, Menschen in eine Metallröhre zu setzen und so wahnwitzig zu beschleunigen, dass man fliegen kann. Aber Menschen wollten, haben es immer wieder versucht und dann, Jahrzehnte bis Jahrhunderte später, steigen wir relativ alltäglich dort ein und legen fast 2.000 Kilometer in kurzer Zeit hinter uns zurück. Irre.
Aber das war gewissermaßen nur der Ausgangspunkt meiner Gedanken, denn es lässt sich gleichsam auf die Tänzer dort übertragen. Jeden Tag von 10 bis 13 Uhr ging es in einen angemieteten Saal, wo ein forderndes Training auf sie wartete. Das war kein gechillter Urlaub am Strand, das war auch kein Alibi-Workout um die Reise zu rechtfertigen – das verlangte allen Beteiligten eine Menge ab. Eine Menge aber, die alle bereit waren zu geben. Auch hier wurde gerungen, gekämpft, jede erreichbare Grenze ausgelotet, um möglichst viel aus der Reise, dem Anlass, der Chance zu machen.
Das ist etwas, was ich bewundern kann – den Willen zu haben, nicht aufzugeben, ist eine großartige Eigenschaft.

Ich habe dort nicht trainiert, aber die Aktivität nehme ich auch für mich in Anspruch. Denn nicht nur habe ich das morgendliche Training als Foto und Video dokumentiert, an jedem Tag haben wir dann zudem die Chancen geboten, Fotoshootings zu machen. Egal wohin das Tagesprogramm uns verschlug, ob an Strände, in Dörfer oder auf ein Schiff, wir haben an jedem Tag zahllose Fotos gemacht.
Das sind Bilder, die ich euch heute noch nicht zeigen kann, weil natürlich zuerst die Abgebildeten draufschauen und dann halt entsprechend bei Interesse Freigaben machen sollen, aber es war eine reiche Beute, das kann ich schon sagen.
Wir – das heißt meine häufige Foto-Mithelferin Anke und ich – teilten uns unsere Ferienwohnung mit einer der mitreisenden Mütter und ihrem Sohn, und ich glaube wir ernteten mehr als einmal Amüsement, wenn sie in die Küche kam und wir da gerade zu teils absurden Zeiten standen und schnell einige Cornflakes in uns hineinschoben, um dann wieder bereit zu sein für noch ein Shooting, aber ich liebe es, so zu arbeiten.
Nicht 24/7 natürlich, aber in entsprechenden Eventphasen liebe ich es so sehr, in einer solchen Aufgabe aufzugehen und eben – Achtung, Brückenschlag zum ersten Schlagwort – selbst auch an die Grenze für ein möglichst gutes Ergebnis zu gehen.

Was nicht heißt, dass es nicht anstrengend gewesen wäre. Im Gegenteil, es mag zwar alles Eustress gewesen sein, aber ich merkte dennoch am Ende der Woche auch, dass die Reserven langsam zur Neige gingen. Der Grund aber, warum das – neben kreativ erfüllender Arbeit – dennoch alles so gut von der Hand ging, war die Gemeinschaft.
Meine Rolle innerhalb der Schule ist ja immer etwas außen vor; kein Lehrer, kein Schüler, in der Regel nur zu Anlässen dort und dann halt auch noch auf der Reise als Single-Mann Mitte 30 prinzipiell ein Sonderfall. Aber ich habe mich durchgehend willkommen gefühlt, von „Aterlierpersonal“ sowieso, aber auch von den anderen Mitreisenden und allen voran den Tänzerinnen und Tänzern. Es war einfach schön.
Ich habe ja auch hier im Blog schon dann und wann davon geschrieben, dass unser Freundeskreis immer so ein wenig mit der Idee kokettiert, irgendwie gemeinsam in einem Generationenhaus, einer „Generationenstraße“ oder so alt zu werden. Mein Lied vom Freundeskreis als Familie des 21. Jahrhunderts; ihr wisst schon. Die Anlage nun, wo wir untergebracht waren, bestand aus diversen separierten Häusern, die nach außen hin abgegrenzt und nach innen hin um ein etwas verschachteltes Hof-Gelände mit Pool herum arrangiert waren – und es gab so Momente, in denen dieses obige Ideal ein wenig in dieser temporären Wochengemeinschaft durchschimmerte.
Wenn man morgens draußen frühstückte, und sich immer wieder die gleichen Frühaufsteher vor immer anderen Wohnungen zusammenfanden.
Oder wenn wir abends gerade in der Küche standen und andere Leute halt noch mal reinschneiten, für folgende Shootings, zum Quatschen … das war schon toll.
Ich bin ja im Herzen Eigenbrödler und brauche manchmal meine Ruhe, aber in dieser Woche in Portugal stimmte einfach alles.

Letztlich sind unsere Erfahrungen das, was uns als Menschen jeden Tag neu formt – und das, was da geformt wird, ist letztlich immer das Fundament, auf das wir aufbauen, wenn wir in irgendeiner Form Kunst schaffen. Und darauf aufbauend kann ich nur Dankbarkeit ausdrücken, dass ich diese Woche erleben konnte, die von ihren Erfahrungen in Qualität und Dichte glaube ich mehr geboten hat, als viele vergangene Monate.
Das war eine Erfahrung, von der ich noch Jahre zehren werde.

Ich werde auch noch mal darauf zurückkommen, hier an dieser Stelle, wenn ich entsprechend Fotos von den Shootings zeigen kann, also in den nächsten ein bis zwei Wochen. Dann werde ich auch noch mal mehr von den Foto-Sessions an sich erzählen, aber der Artikel hier ist lang genug geworden für heute, denke ich.

Aber Portugal? Ich bleibe dabei:
Was ein wunderschöner Flecken Erde!

Viele Grüße,
Thomas

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