Das war 2017, Teil 1: Persönliches

Hallo zusammen!

Nun mache ich diese Jahresrückblicke hier im Blog ja schon seit einigen Jahren, aber ich glaube ich habe noch nie so lange vor dem blinkenden Cursor gesessen wie gerade. Wer den letzten DORPCast gehört hat, der kann sich vermutlich ja auch schon denken, warum.
Am 1. Januar 2017 ist, in den frühen Morgenstunden des jungen Jahres, meine Mutter verstorben. Es kam nicht aus heiterem Himmel, sie kämpfte seit Jahren gegen eine Krebserkrankung, aber wie ich eben auch schon im DORPCast und über das Jahr hinweg zu Freunden sagte – man hört zwar immer wieder, dass es „plötzlich sehr schnell“ gegangen sei, wenn jemand nach langer Krankheit stirbt, aber es ist dennoch in dem Moment schwer zu erfassen, wie schnell plötzlich alles geht.
Der Tod eines Menschen, der einem nahe steht, hinterlässt immer eine Lücke, die in dieser Form nicht wieder zu füllen sein wird. Und man mag im Nachhinein nach Worten, nach Begebenheiten, Anekdoten oder Taten suchen, um anderen zu vermitteln, was man verloren hat, was man vermisst, aber die Wahrheit ist wohl, dass Worte an diesem Punkt schnell an ihre Grenzen stoßen. Und das sage ich als jemand, der Bücher schreibt.
Etwas, was ich nebenher sicherlich zu einem guten Teil von ihr habe. Das Erzählen, das Fabulieren, das kommt denke ich mehr von meinem Vater, aber wirklich die Liebe zu Büchern, zu Literatur, zum Lesen, das kam von ihr. Im Grunde würdet ihr dies andernfalls vielleicht nicht einmal hier lesen.
Und dann sind es diese Momente, in denen man etwas sieht, was man erzählen möchte, oder etwas hat, was man fragen würde, und erst einen schmerzhaften Herzschlag später realisiert man, dass man dies nicht mehr kann. Die Zeit heilt Wunden, ja, aber sie hinterlässt Narben.

Es führt dann aber auch zwangsläufig zu der Frage, ob ein Jahr, das so beginnt, wohl etwas werden kann. Und die Antwort darauf ist komplex. Es war in Teilen durchaus ein sehr gutes Jahr. Beruflich, im Freundeskreis – gleich mehrere großartige Menschen in meinem Umfeld haben 2017 z.B. geheiratet –, generell zwischenmenschlich war das Jahr völlig in Ordnung. Politisch gesehen muss man sich hingegen sicherlich fragen, wenn 2016 ein brennender Müllcontainer war, was bitte war dann ’17? Das klingt zunächst mal nicht sehr persönlich, aber im Endeffekt ist es das schon gewesen. Nie zuvor habe ich in einem Jahr so viele meiner eigenen Werte und Glaubensvorsätze nicht nur hinterfragt, sondern offen angegriffen gesehen. Offenheit, Toleranz, Nächstenliebe, Demut … es war kein gutes Jahr dafür. Und somit war 2017 auch ein Jahr, in dem ich mich wieder deutlich politischer (und politisierter) fühlte als zuvor, angereichert mit dem bitteren Beigeschmack, dass die Deutsch-Punk-Musik meiner Jugend nach all der Zeit noch bzw. wieder textlich viel zu treffen wirkte.
Fallt auf alte Männer rein in kackbraunen Hemden,
die euch immer wieder sagen: „Das Problem sind die Fremden“,
und uns geht es gut weil es ihnen schlecht geht,
dem ersten einen Preis der von euch das versteht.

Danke, … but alive.

Beruflich war es wie gesagt für mich durchaus dufte, aber auch durchweg anstrengend – und schlussendlich gedämpft durch den viel zu frühen Tod meines Kollegen André Wiesler. Die Umstrukturierung bei Ulisses hat uns auch alle entsprechend in die Pflicht genommen, sodass ich auf der einen Seite wirklich sehr stolz bin auf all das, was ich dieses Jahr dort mit habe Wirklichkeit werden lassen, andererseits aber auch froh bin, gerade zwischen den Jahren etwas Ruhe gefunden zu haben.
Dennoch: Wenn ich bedenke, wie viel Wunscherfüllung alleine die letzten 12 Monate beruflich für mich dabei gewesen ist, wie gerne ich die Arbeit weiterhin mache und wie sehr ich meine Kollegen schätze, kann ich nur dankbar sein.

Aber was bleibt am Ende sonst? Ich habe einmal mehr an einer wundervollen Ballett-Aufführung mitwirken können, habe genau einmal LARPen können, dafür viel mit den Leuten hier gespielt, habe meine jährliche selbstauferlegte Lese-Quote endlich noch mal erfüllt und ich war zweimal mit sehr guten Freunden im Schwarzwald und habe beide Male sehr genossen. Überhaupt, wie ich auch glaube ich letztes Jahr schrieb: Ich bin so gesegnet mit dem Freundeskreis, den ich hier habe und bin dankbar für allen Rückhalt, den ich dort finde.
Ich war auf diversen Cons, privat und mit Ulisses, habe eine davon – die Dracon – mitveranstaltet, und habe dort wie auch online von Bekannten wie Fremden sehr viel Zuspruch für all unsere Kreativprojekte erhalten. Das macht mich sehr, sehr dankbar, denn ich habe auch weiterhin nicht vergessen, dass das alles 1999 mal mit einer obskuren Webseite begonnen, bei der ich mich wie verrückt gefreut habe, wenn der Besucher-Counter mal mehrere Zahlen auf einmal gestiegen ist. Lange ist es her.

Und dass es Leute gibt, die meinen Namen mittlerweile nutzen um auf die „Methode“ Bezug zu nehmen, den Dingen mit Wohlwollen zu begegnen und gemeinsame Lieben zu feiern, statt andere über ihre vermeintlichen Irrungen zu belehren, das ist im Grunde ein Erfolg, von dem ich noch lange zehren kann.

2017 war, alles in allem, ein schwieriges Jahr. Ein anstrengendes Jahr. Der Gedanke, dass wir diese völlig arbiträre Neujahrsgrenze vergangene Nacht überschritten und uns damit insofern nun selbst mal wieder eine carte blanche ausgestellt haben, ist wohltuend.
Ich will meinem „Das wird 2018“-Artikel hier nicht vorgreifen, aber dennoch: Schauen wir, dass das kommende Jahr besser wird, und vielleicht auch, dass die Welt im kommenden Jahr wieder eine etwas bessere wird.

Morgen dann hier ein Rückblick auf meine Buch- und Textveröffentlichungen im vergangenen Jahr.

Viele Grüße,
Thomas

Ein Neujahrsgruß

Seid hoffnungsvoll, in einer Zeit, in der so vieles so unsicher scheint.
Seid gütig, wann immer sich euch die Gelegenheit bietet.
Seid bescheiden, zeigt Demut, aber seid auch stolz auf das, was ihr tut.
Seid liebevoll zu den Menschen, die euer Herz erfüllen, und lasst sie wissen, was ihr fühlt.
Seid albern, seid naiv, seid verspielt, macht Unfug, lacht aus tiefstem Herzen.
Seid nicht zynisch. Sucht das Gute im Schlechten, nicht das Schlechte im Guten.
Seid voller Leidenschaft für die Dinge, die ihr liebt, und seid rücksichtsvoll gegenüber jenen, die eure Leidenschaft nicht teilen.
Habt keine Angst, voll und ganz ihr selbst zu sein – und sucht euch, wenn ihr zweifelt, wer das ist.
Wenn euch nach singen ist, dann singt, wenn euch nach tanzen ist, dann tanzt, und lasst euch von niemandem ausreden, wie wunderbar ihr seid.
Geht hinaus in die Welt, spürt und fühlt und riecht und seht, was euch umgibt. Atmet eine frische Brise, spürt Sonne auf eurer Haut, schmeckt etwas, was ihr noch nie zuvor gegessen habt und blickt tief in die Augen eines Menschen, der euch wichtig ist.
Mit anderen Worten: lebt.
Und habt ein frohes, neues Jahr.

Thomas

Allerlei: Wirklich querbeet und ohne roten Faden

Hallo zusammen!

Wie euch wohl schon aufgefallen ist, gibt es dieses Jahr keine Zwischenstände mehr von mir. Es gab ja sogar jetzt schon ungewöhnlich lange gar kein Blogpost hier von mir – sorry, das hätte alles anders kommen sollen, aber gerade wer den aktuellen DORPCast 110 vielleicht auch gehört hat, der weiß ja schon, dass es bei mir privat gerade eher trubelt. Nun, das wird auch wieder besser. Zum Monatsanfang im Januar gibt es ja dann wie jedes Jahr einen mehrtägigen Jahresrückblick und so „richtig richtige“ Zwischenstände gibt es dann erst wieder zum Februar.

Aber nun denn. Was hat sich hier alles an teils gar nicht mal mehr so aktuellen Themen angesammelt?

Zu einem der ernsteren Themen der letzten Wochen – dem Tode André Wieslers – hat mein Arbeitgeber nun noch einen Nachruf in Videoform veröffentlicht. Den will ich hier auch gerne noch teilen.

Dann gab es in der Zwischenzeit einmal großes Chaos bei Patreon, was allerdings schon wieder vorbei ist, wo ich endlich hier dazu komme, hier etwas zu schreiben. Zum eigentlichen Skandalon hatte ich auf der DORPatreon-Seite schon was geschrieben, aber konnte dann auch schon Tage später Entwarnung geben.

Auf der Saltatio-Webseite habe ich ein Kreuzworträtsel veröffentlicht, das vor allem dazu dient, die Namen unserer Tänze abzufragen / zu üben. Für Außenstehende dürfte es ziemlich schwer bis unmöglich zu knacken sein, aber es soll hier mal nicht unerwähnt bleiben.

Auf der DORP wird Heiligabend mit Missing Links ein Savage-Worlds-Download erscheinen, den Markus Heinen geschrieben hat und für dessen Layout ich mich verantwortlich zeichne. Eigentlich würde ich auch gerne Actuarium, unseren Condra-Kurzfilm, an Heiligabend herausbringen, aber da kann ich heute noch nicht versprechen, ob er bis dahin fertig sein wird.
Die große DORP- und DORPCast-Umfrage 2017 läuft übrigens auch noch, falls noch jemand will, der noch nicht hat.

Fertig bin ich dagegen mit meiner jährlichen Queste, 50 Bücher im Jahr zu lesen. Zugegebenermaßen haben die Star-Wars-Graphic-Novels geholfen, aber umgekehrt zähle ich Rollenspielbücher nicht mit, sodass es am Ende denke ich fair ist.
Die letzten Jahre habe ich die 50 immer ziemlich deutlich verpasst, sodass ich da durchaus schon jetzt wenigstens in diesem Blickwinkel betrachtet mit den vergangenen 12 Monaten ganz zufrieden bin.
Mal sehen, ob sich das 2018 wiederholen lassen wird.

Zumindest kehrt bei mir ganz langsam etwas Alltag ein. Das bedeutet unter anderem, dass ich diese Woche mal wieder eine vorweihnachtliche Gast-Tanzstunde im Ballett-Atelier in Stolberg gegeben habe – auch so ein Satz, über den ich vor zehn Jahren bestenfalls hätte lachen wollen –, aber zudem, dass ich im neuen Star Wars schon im Kino war. Hat im Kern hier mit nichts was zu tun, aber ist etwas, über das ich eigentlich gerne mehr schreiben würde, wenn ich gerade die nötige Zeit hätte. Da trifft es sich aber zumindest gut, dass die wunderbare Lena in ihrem Blog Xeledons Spiegel quasi alle Gedanken aufgreift, die ich auch aufgreifen wollte. Achtung, Spoiler.
Sogar gelarpt habe ich letztes Wochenende. Dass das aber zugleich auch mein einziges LARP dieses Jahr war, spricht leider Bände. Ein Akademiecon ist es gewesen, also quasi wie Uni für Leute, die so tun wollen, als wären sie Zauberlehrlinge (oder, in meinem Fall, -lehrer) – und es hat doch noch mal richtig, richtig gut getan.

Zuletzt habe ich dann noch zwei Mal „Aufreger am Buchmarkt“: Ein Artikel im Börsenblatt über die Normalität von eBooks in der Gesellschaft ist so #neuland, wie es nur der deutsche Buchmarkt kann und wäre mir mit mehr Zeit definitiv einen richtigen, eigenen Artikel wert gewesen. So kann ich aber zumindest darauf verweisen; gerade wie er am Ende noch mal ungebremst in manches Buzzword stolpert ist … schwach.
Und ein anderer Artikel im Börsenblatt thematisiert das SPIEGEL-Bestseller-Logo, für dessen Verwendung auf Covern der Verlag im kommenden Jahr nun Geld nehmen will und dafür (zu Recht) Gegenwind bekam. Hier gilt für mich: Wenn pure Gewinnmaximierung einen Keil in ein bisher eigentlich gut funktionierendes Gefüge von Feuilleton und Buchmarkt treibt, dann ist das einfach nur ärgerlich und auch das hätte einen eigenen Artikel verdient, sei hier aber vorerst wenigstens der Vollständigkeit halber angemerkt.

Ja, und das war sie, die wilde und konfuse Aufbereitung mehr oder weniger des kompletten Monats. Ich gelobe aber, dass solche wirklich wirr kombinierten Artikel hier eine absolute Ausnahme bleiben werden.

Viele Grüße,
Thomas