Seelenworte

Allerlei: Datenschutz, Vampire, Tanzen und Dinge mit der DORP

Hallo zusammen!

So, der Mai ist noch jung, aber schauen wir doch mal, was sich wieder angesammelt hat in den letzten Tagen.

Zum einen geht derzeit ein Gespenst um im Internet, ein Gespenst mit dem Namen DSGVO. Das ist ein ernstzunehmendes Thema, die Datenschutzgrundverordnung, die allerdings mit einem gewissen Maß Hysterie und einer großen Menge Unsicherheit daherkommt. Es ist auch ein Thema, was offenbar aus jedem plötzlich einen Juristen macht (so wie zur WM ja auch alle Fußballtrainer sind) und aus jedem dritten einen bekennenden Apokalyptiker. Phasenweise hat man den Eindruck, dass wir auf ein regelrechtes Blogsterben hinsteuern, wenn die Verordnung am 25. Mai in Kraft tritt.
Ich bin schon seit einer Weile dabei, alle Seiten, für die ich direkt zuständig bin (diese hier, Saltatio, Dracon, Eifelarea) fit zu machen. Vielleicht habt ihr erste Änderungen hier auch schon bemerkt – es gibt ein Cookie-Banner, eine Datenschutzerklärung (die ich aber noch mal aktualisieren muss) und die Social-Media-Buttons sind verschwunden. Es wird noch weitere Anpassungen hier geben, schätze ich, aber generell sollte alles auf Kurs sein, wenn nun auch noch WordPress.com ein paar notwendige Erfordernisse endlich umsetzt.
Es ist aber dennoch ein guter Moment, um noch mal auf eine Sache hinzuweisen – ihr erreicht diese Webseite ja nicht nur unter thomasmichalski.wordpress.com, sondern auch unter thomas-michalski.de. Seid doch so gut und aktualisiert eure Links, sofern vorhanden, einfach mal auf diese ‚ordentliche‘ Top-Level-Domain, denn die gehört mir. Sollte jetzt WordPress entgegen meiner Erwartungen den Anforderungen der DSGVO nicht nachkommen und ich den ganzen Rhabarber hier umziehen müssen, dann findet ihr mich dort zumindest auf jeden Fall wieder.
Danke euch!

So, auf zu schönere Themen. Das Ulisses-Crowdfunding zu Vampire: die Maskerade und Vampire: Das dunkle Zeitalter läuft noch bis zum 9. Mai, 14 Uhr. Als ich das hier gerade schreibe liegen wir bei entspannten 400%, da kann man also nicht meckern. Aber ich denke da geht noch was. Wenn ihr also noch nicht habt, euch die V20 aber reizt, schaut mal rein – ich denke es lohnt sich.

Nur kurz drauf hingewiesen sei, dass in gut einem Monat in Aachen auch wieder der Frühlingsball des Saltatio – Historisches Tanzen Aachen e.V. steigt und zumindest Stand gerade die Anmeldung noch offen ist und demnach noch Plätze da sein dürften. Wer also noch will und noch nicht hat – go for it!

Dann kann man denke ich auch einfach noch mal auf den DORPCast hinweisen. Episode 116: Die Hobby-Krise ist frisch erschienen und befasst sich, wie der Titel andeutet, mit der Frage, was man eigentlich machen kann, wenn das Hobby irgendwann einfach nicht mehr den Spaß bringt, den es einst brachte. Denke, es ist eine unserer besseren Folge. (Und keine Sorge, Michael und ich haben weiterhin Spaß bei der Sache; im Detail dann aber mehr in der Folge.)

Wer dagegen im Detail gerne wüsste, wie das mit der Gesamt-DORP konkret in Mai und Juni weitergeht, der sei alldieweil auf Patreon verwiesen, wo ich jüngst einen längeren Text nebst Terminübersicht gepostet habe, was gerade so ansteht. Kann jeder lesen, muss man kein DORPatreon-Unterstützer sein – wir freuen uns aber natürlich, wenn ihr es seid.

Und last but not least: Kommendes Wochenende ist RPC und die DORP wird dort sein; konkret ich allerdings nur am RPC-Sonntag, da ich samstags familiär gebunden bin. Dennoch, wenn ihr am entsprechenden Sonntag dort seid, kommt vorbei und sagt hallo – und ich schaue, dass alles weitere (sprich: Goodies) auch schon samstags mit dem Tom anreisen kann.

Bis die Tage!

Viele Grüße,
Thomas

Humanismus ist nicht verhandelbar, und andere Konzertgedanken

Hallo zusammen!

Ich habe die Tage mal versucht zu überlegen, wann das letzte Konzert war, auf das ich gegangen bin – und ich denke, es ist realistisch zu sagen, dass es durchaus ein Jahrzehnt her gewesen sein mag. Ich habe zwar seither musikalische Bühnenverstanstaltungen besucht, aber das war dann immer eine Tanzgruppe – Les Ballets Trockadero des Monte Carlo in Köln, oder die Kibbutz Contemporary Dance Company in Aachen –, keine Bands oder Musiker.
Und im Kern dachte ich eigentlich auch gar nicht groß darüber nach, das zu ändern – und somit ist das hier definitiv ein Fall der Sorte „Mir war selber gar nicht klar, wie sehr ich das brauchte“. Die Rede ist von Kettcar.

Erlaubt mir einen Exkurs – auf die Gefahr hin, dass er für langjährige Leser Redundanz bietet. Aber als ich so in der zweiten Hälfte der 90er meine musikalische Punk-Phase durchlief, da war ich damit nicht alleine. Meine ganze Schulklasse, mein Freundeskreis, alle waren sie doch mehrheitlich weit links und jeder hatte so seine Favoriten. Mainstreamiger waren es die Ärzte, andere hingegen schworen auf WIZO oder die Wohlstandskinder. Jeder fand da etwas. Aber keine Band, ich denke auch über diese Phase meines Lebens hinaus, schlug so massiv im ersten Moment schon ein wie … but alive. Das muss irgendwo nach dem Erscheinen von Nicht zynisch werden 1995 und vor der Bis jetzt ging alles gut … 1997 gewesen sein. Es war im schummrigen Keller der Freundin eines Kumpels, dass jemand die CD auflegte und … so etwas hatte ich noch nie gehört. So etwas hatte ich für mich noch nicht entdeckt. Die Musik war gut, der Sänger sehr gut, aber es waren die Texte, die mich weggerissen haben. Das hier war nicht der Spaß-Punk, den ich so oft gefunden hatte, das waren auch nie linke Arbeiterkampflieder wie sie mir öfters unterkamen, oder „Schlachtrufe BRD“, das waren intellektuelle, kluge, gut geschriebene … Reflexionen.

Das Bindeglied zwischen … but alive und Kettcar ist konstant Sänger, Gitarrist und Frontmann Marcus Wiebusch. Und was über diese erste musikalische Epiphanie hinaus passierte, war, dass ich mich natürlich weiterentwickelt habe, Ansichten sich verschoben haben, Positionen sich verlagerten. Wie das ist, wenn man älter wird. Aber parallel dazu gab es schon bei … but alive eine starke Neuausrichtung zu ihrem letzten Studioalbum Hallo Endorphin und dann die Fortsetzung in der neuen Band Kettcar (und einem Solo-Album 2014), und immer, immer war und ist es so, dass ich das neue Werk höre und wieder denke, japp, das trifft es, das sind deine Gedanken, da kannst du zu stehen.

Weshalb ich selbst nicht auf die Idee gekommen wäre, die Band mal live zu sehen? Ja weiß der Geier. Dass eine gute Freundin mit dem Gedanken daherkam und fragte, ob wir nicht zusammen hingehen wollen, war dann wiederum pures Glück, denn wie ich schon sagte, mir war vorher gar nicht klar, wie gut das sein würde.

Ich habe in der Vergangenheit ja durchaus schon Konzerte besucht, so ist das nicht. Aber zu keinem davon hatte ich ansatzweise eine Bindung wie nun zu diesem hier – und das schlug sich nieder.
Ich schreibe ja viel in diesem Blog über Kunst, Künstler und das Schaffen, doch Musik ist etwas, was dabei immer etwas kurz kommt – was auch daran liegt, dass ich selber da wenig aufweisen kann. Tanz, ja, klar. Musizieren? Nein, leider nicht.
Aber Kunst als Ausdruck eines Schaffensdrangs, das ist etwas, was natürlich nicht den Texten, Videos und Audioprojekten dieser Welt vorbehalten ist, sondern was sich – in mancher Dimension vielleicht sogar mehr noch – auch in Musik und Konzerten entlädt. Ich höre gerne Musik, ich höre gerne bewusst Musik, aber natürlich ist es noch einmal etwas anderes, dabei zu sein, wenn diese Musik gemacht wird. Dass die Band entsprechend gut aufgelegt war und besonders angespornt, weil das in Köln wohl die größte Einzelshow ihrer bisherigen Karriere war, das ist ein besonderer Bonus.

Es regt natürlich auch Gedanken an, die dem, was ich hier oft sonst so schreibe, weniger fremd sind. Vergängliche Kunst etwa; Gemälde, Romane, Filme – die bleiben, die sind abrufbar. Aber alles, was eine Aufführung ist – Bühnenstück, Tanz, Lesungen und Konzerte, das sind Erfahrungen, die an einem Ort zu einer Zeit passieren, und die in dieser Form auch nicht zu wiederholen sind. Und da mögen anno 2018 noch so viele Smartphones im Publikum leuchten, der Moment, der ist nur dort. Die Fotos und Videos mögen als Erinnerung fungieren, aber der allsinnliche Eindruck der Aufführung ist jenen vorbehalten, die dort waren. Und das macht es wertvoll. Was man sieht, mit welch kostbarem Menschen man es womöglich teilt, aber auch das gesamte Drumherum verweben sich zu einer Erinnerung, für die der oder die Künstler zwar Katalysator sind, die jedoch auch nicht vollumfänglich in deren Hand liegt. Das sind alles keine neuen Gedanken, das wusste im Kern z.B. Walter Benjamin schon lange vor mir, aber es ist auch hier noch mal etwas anderes, die Wahrheit hinter den Worten mal wieder zu erfahren.
So, und dann ist da noch der Satz, mit dem ich diesen Text überschrieben habe. „Humanismus ist nicht verhandelbar“. Er folgte, klar, an Kettcars Sommer ’89, als Wiebusch darauf verwies, was sie sich nach dem Release des Songs alles hätten anhören müssen. Es ist ein Satz, der bei mir nachhallte – und einmal mehr aufgriff, was ich eingangs sagte – Texte, Worte, in denen ich mich wiederfinden kann.
Und irgendwie, über eine lange Kette obskurer Inspirationen, steht dann am Ende auch die Erkenntnis, dass vermutlich ohne die hier genannte Musik und ihren Einfluss auf mich über all die Jahre, auch etwas wie Ihr Name ist Mensch nie passiert wäre.
Diese anhaltende Wirkung hätte vermutlich auch niemand erwartet, als eine Gruppe Jugendlicher damals diese Punk-CD mit dem wundervollen Eric-Drooker-Cover das erste Mal auflegte.

Ich bin nicht scheu zu sagen, dass jenes Konzert dort mein Leben bereichert hat; ganz wörtlich, in dem Sinne, dass dieser Abend es in einem kleinen Maße insgesamt besser gemacht hat, so wie es nur jener Abend konnte. Und man könnte daraus in gleich mehrere Exkurse über unsere Zeit der aufgezeichneten Erinnerungen, der omnipräsenten Videos und ubiquitären Kameras ausbrechen, aber das spare ich mir mal für ein anderes Mal auf.
Wenn ich aber Silvester in meinem Neujahrsgruß hier schrieb: „Geht hinaus in die Welt, spürt und fühlt und riecht und seht, was euch umgibt“, dann meinte ich genau so etwas.

Mit anderen Worten: lebt.Viele Grüße,
Thomas

Kein Schnee, dennoch Stille

Hallo zusammen!

Technisch gesehen endete mein Urlaub bereits mit dem vergangenen Montag, aber dieses Mal hat es alles etwas länger gedauert, um aufzuholen, was sich angesammelt hatte. Familiäre Verpflichtungen halten mich weiterhin auf Trab, aber es wird … es wird langsam …

Zuvor aber, also bevor der Trab wieder einsetzte, war ich einmal mehr geflohen, entflohen, hin in den Schwarzwald, fort von Alltag, Tagesplan, To-Do-Liste und Internet. Wer hier länger schon mitliest, ja, der kennt das.
Der Schwarzwald erwies sich dabei auch ein wenig eigen dieses Jahr und verweigerte uns den gewohnten Winterschnee, aber die schroffe, kalte Landschaft, die von einem Windbruch neben dem nächsten gezeichnet war, wusste dennoch wie immer zu verzaubern. Ich hätte die weiße Pracht zwar vorgezogen, aber auch so konnte die kühle Luft ihren Zauber problemlos entfalten.
Und wie jedes Mal, wenn wir dort sind, insbesondere aber in diesen Winter-Urlauben rund um den Jahreswechsel, habe ich die Chance genutzt über das Hier und Jetzt nachzudenken, über die Ist-Zustände, über Wünsche, Ziele und dergleichen. Das schloss im Grunde nahtlos an meine Jahresbeginn-Beiträge hier an, führte aber auch wie stets – schon alleine durch den zusätzlichen Abstand – zu weitläufigeren Überlegungen.

Manches sind ganz grundlegende, geradezu „lokale“ Gedanken. Wenn man durch einen Wald wandert, den jüngst erst ein Sturm versehrt hat, erlangt man noch mal eine ganz andere Sicht auf die Kraft (und Willkürlichkeit), die dort waltet. Manche gestürzten Bäume waren alt, manche jünger, einige krank, einige scheinbar gesund – doch der Sturm hat sie alle zu Boden gerungen. Entweder gebrochen, oder mitsamt ihres Wurzelballens gestürzt.
Und wir Menschen, selbst beim trivialen Wandern, stehen dann vor den Trümmern und realisieren, wie umständlich es sein kann, alleine über einen gestürzten Baum zu klettern, weil der Weg ein Umgehen nicht zulässt. Und wenn man dann über den vierten Baum steigt, nur um dahinter einen fünften liegen zu sehen – das kann schon aus einer vertrauten, kurzen Strecke eine Herausforderung machen.
Gerade in einer Zeit, in der alle vernetzt, vieles automatisiert und scheinbar alles für uns irgendwie geregelt ist, ist es doch interessant zu sehen, wie „so ein bisschen Natur“ wieder etwas ist, was man bewältigen muss.

Oder etwa der Tag, an dem dichter Nebel über uns hinweg rollte. Klar, das kenne ich auch aus der Eifel und gelegentlich aus Aachen, aber es mischte sich in dieses Bild und legte noch mal einen ganz eigenen, mystisch-dunklen Zauber über das Land. Mehr sogar noch, als wir dann beim Wandern irgendwann aus der Wolke traten und innerhalb von zehn, zwanzig Metern plötzlich im Sonnenschein standen; nur um abends, bei unserer Rückkehr, zurück in diesen Wall aus Dunst zu treten.
Faszinierend.

Auf der anderen Seite sind da aber auch diese Überlegungen, die weiter führen. Auch nichts, worüber wir hier nicht schon „gesprochen“ hätten, aber durchweg Dinge, die mir seit dem Urlaub mal wieder mehr im Kopf herumspuken. Eine wachsende, kritische Haltung gegenüber Social Media und dem Internet etwa. Jedenfalls in Teilen.
Wenn man dort durch den Wald wandert, die weitgehende Stille nur vom Knarzen der angeschlagenen Bäume durchbrochen, fragt man sich schon unweigerlich, warum man sich das eigentlich antut. Nicht das Bloggen, und nicht der Austausch mit Freunden, aber … die Negativität, mehr als alles andere. Ich habe ja schon oft darüber geschrieben und es wird auch sicher noch manches mal wiederkehren, aber so gut, so richtig, so wichtig ich es finde, dem gegenüber Stellung für eine positive Weltsicht einzunehmen, so sehr muss ich mir selber eingestehen, dass es gut tut, dem mal zu entgehen. Dinge schlecht finden ist das neue ‚Chic‘ im Internet, postulieren wir im aktuellen DORPCast, und es tut schon gut, einfach mal tagelang nicht damit konfrontiert zu werden, dass scheinbar alles, was einem am Herzen liegt, mindestens eine vokale Minderheit hat, die es niederschreit – und nicht selten einen selbst impliziert ebenso, halt dafür, dass man es mag.
Es hinterlässt ein großes, hallendes „Warum?“, das ich nicht beantworten kann, aber es stimmt mich traurig, dass ich überhaupt darüber nachdenke.

Aber das sind Dinge, über die ich dieses Jahr einfach weiter werde reflektieren müssen – und bei denen ich ausloten muss, wo diese mysteriöse Schwelle verläuft, mit dem kraftspendenden Spaß am Austausch auf der einen Seite, und dem kräftezehrenden Auseinandersetzen mit allwaltender Negativität auf der anderen Seite.

Was ich hingegen sicher sagen kann, ist, dass der Urlaub schön war und gutgetan hat. Er war erholsam, er war auch inspirierend, er hinterlässt Fernweh und schöne Fotos. Jetzt aber wird wieder richtig losgelegt, schließlich sollen ja ein paar Dinge dieses Jahr dann auch wirklich mal wieder fertig werden.

Die nächsten beiden Beiträge hier werden denke ich ein „Allerlei“-Artikel und ein liegengebliebes Blogstöckchen; in welcher Reihenfolge kann ich gerade aber noch nicht vorhersagen.

Viele Grüße,
Thomas

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