Seelenworte

Eine kreative Türe später

Hallo zusammen!

Der Gedanke, dass ich Seelenbilder echt draußen habe, der hat sich langsam gesetzt und ich gucke auch nur noch täglich nach, ob ich ein Buch verkauft habe, nicht mehr stündlich. Dennoch ein gutes Gefühl und ein guter Motivationsschub, bald die zweite Schreibhälfte von Einfach Filme machen zu beginnen und an … nein, lassen wir Projekt #3 mal weiterhin unbekannt. Aber da geht es sehr gut voran.

Ein interessanter Effekt ist allerdings eingetreten, den ich irgendwie teilen möchte. Markus, mein DORP-Artwork-Kollege, möchte ebenfalls ein Artbook bringen und wird das wohl auch mit mir zusammen angehen; das war aber schon so geplant. Nein, spannender als die tatsächliche Umsetzung des Plans ist es, dass in den letzten Wochen gleich ein ganzer Haufen Leute, die ich hier in Aachen kenne, zu mir kamen und mir steckten, was für Buchprojekte sie so mit sich herumtragen.
Diese kreative Türe, die ich da geöffnet zu haben scheine, ist schon faszinierend. Klar haben auch andere Leute die gleichen Wünsche oder Pläne wie ich, das ist verständlich. Aber das es so viele sind und sie irgendwie alle dem selben enger benennbaren Teil des Freundeskreises entspringen, hätte ich nicht gedacht.

Ich hab ja schon mit einer davon gewitzelt, dass irgendwann im Jahre 2308 arme Student der Germanistik dann mit der „neuen Aachener Klassik“ bombardiert werden. So wie wir heute eben den ganzen Klüngel um Goethe, Schiller, Kleist und Konsorten in einen Topf werfen und auf Weimar verorten, so ginge das dann ja auch.
Ich werde hier immer mal wieder schreibende oder zukünftig buchschaffende Bekannte aus Aachen vorstellen, denke ich. Das ist spannend und einfach von einer schönen, miteinander kreativen Atmosphäre geprägt.

Und wer weiß, vielleicht schaffen einige von uns ja mal größere Würfe und können dann einige andere mit ins Licht bringen, die es sicher auch verdient haben.

„Das wäre so schön!“ sagte die besagte Bekannte.
Recht hat sie.

Also dann, zurück ins Werkzimmer und ran ans Schreibpult mit mir…

Viele Grüße,
Thomas

Vom Fehlen einer intellektuellen Identität

Der Uni-Alltag hat ja wieder begonnen und damit auch, ohne Frage, die Konfrontation mit dem Status der Geisteswissenschaften in der Gesellschaft. Denn nicht nur in den letzten beiden Ausgaben des Spiegels war das nun, durch Buchmesse bedingt, ein Thema, sondern natürlich auch in der Bildung. Die Universitäten stellen noch immer Stück für Stück auf den Bachelor of Arts um und scheinen, jedenfalls hier in Aachen, das alles auch als Gelegenheit zu nutzen, ihre eigene Standortbestimmung zu erneuern.
Viele Leute zerbrechen sich dieser Tage den Kopf darüber, wo er eigentlich begonnen hat, der Abstieg der Geisteswissenschaften. An welchem Punkt hat die Philosophie verloren gegenüber den „harten Wissenschaften“, wo hat sie die Geisteswissenschaft als Gesamtbild die Kurve nicht bekommen?

Ein Dozent hat eben einen Themenkomplex angeschnitten, den man bei dieser Betrachtung definitiv auch mit bedenken muss, der allerdings in der allgemeinen Debatte oft eher kurz kommt. Es ist die Anspruchslosigkeit.
Ich habe ja nun auch meine Erfahrungen im Magister-Studium gehabt und der Sachverhalt ist durchaus spürbar: Die Leute schachern um Ergebnisse und die abstrakte Natur der Studien macht dies sogar möglich. Wer Herzchirurg wird, der muss am Ende den vollen Stoff gesehen haben, denn Wissenslücken hier kosten Menschenleben. Ob aber nun die Konfrontation mit einer philosophischen Strömung, mit einer literarischen Ausrichtung oder einer philologischen Betrachtung ins Detail oder entlang der Oberfläche vollzogen wurde, das kann im Endeffekt erst einmal nur der Prüfer beurteilen. Und der wiederum, so war es jedenfalls bisher, „ließ ja auch immer noch mit sich reden“.

Wohin führt diese Betrachtung?
All das beeinflusst auch das Selbstbild der Geisteswissenschaftler, der Konsumenten ebenso wie beispielsweise, hier schließt sich der Kreis ein wenig, der Autoren. Dieser Minderwertigkeitskomplex gegenüber den harten Wissenschaften trägt den Trugschluss schon im Herzen, denn sein eigenes Wissen auf eine „weiche“ Ebene zu reduzieren ist eine Kleinmacherei, die gar nicht nötig wäre.
Dadurch, dass Geisteswissenschaften immer als etwas gelten, was man ja eh mit gesundem Menschenverstand erschließen kann, was man ja gar nicht „richtig studieren“ muss, dadurch setzt sich dieses Bild langsam auch in den Köpfen der Schaffenden selber fort. Man beginnt, sich selber klein zu denken, nicht mehr für das einzutreten, was man vertritt.
Und damit meine ich nicht die lange Genealogie der deutschen Dichter und Denker, denn ich bin nicht vermessen genug mich in diese Reihe zu stellen. Vor allem nicht in einem Nebensatz, gänzlich unreflektiert. Der Geisteswissenschaftler, genauso der Autor (und nein, das meine ich nicht pauschal synonym), steht für seinen eigenen Geist ein. Für die Leistung seiner eignen Gedanken.
Wer schreibt, ob Buch, ob Blog, wer Bilder schafft, wer Lieder komponiert, der sagt auch implizit: „Schaut her, ich finde, was ich sage ist von Relevanz“.

Und jedes Buch, das sich verkauft, jeder Hit, den das Blog registriert, der sagt: „Ja, damit hast du Recht.“
Das ist keine Arroganz, nicht pauschal. Es ist stolz, aber es ist auch erarbeiteter Stolz. Denn Denken ist auch Arbeit, schreiben und allgemein das kunstschaffende Handeln ebenso.
Solange Leute nicht bereit sind, das laut zu sagen, solange werden jene, die es anders sehen, lauter klingen. Und so lange dieser Standpunkt anhält, solange werden „Experten“ dort erklingen, wo früher einst der traditionelle Intellektuelle gestanden hat.

Und mit diesem Posting kann man jetzt was wahrhaft intellektuelles tun: darüber nachdenken. Zustimmen oder ablehnen, Hauptsache aber reflektieren.

Morgen oder übermorgen mache ich dann wieder die Arbeit und kann endlich von meinem Erstkontakt mit meinem eigenen Buch im Druck berichten. Das ist gestern per Post endlich angekommen und wird dann morgen Abend von mir aufgesammelt werden.

Bis dahin viele Grüße,
Thomas

Bin ich ein Dinosaurier?

Morgen zusammen…

Gestern las ich im Kultur-Teil des Spiegels einen Artikel über die potentielle Zeitenwende, die das eBook über den Buchmarkt bringen können soll. Darin stand zum Beispiel die für mich erschreckende Zahl, dass der Durchschnitt des Geldes, das Leute pro Jahr in Bücher stecken, mittlerweile bei 60 Euro angekommen ist. Das ist nicht viel…

Aber was mich vielmehr nachdenklich stimmte war eben genau diese Prophezeiung einer Zeitenwende. Sind traditionelle Bücher tatsächlich das Modell von gestern? Muss ich mich in zwanzig Jahren, wenn der Herbst kommt, mit einem komischen Plastikkasten auf die Couch kuscheln, während es draußen stürmt?

Sicher, im praktischen Anwendungsbereich haben digitale Bücher ihren Verwandten auf totem Baum einige Vorteile voraus; etwa die so gerne genannte Volltextsuche. Wobei selbst die ihren Makel hat, denn man muss da schon wirklich wissen, was man sucht. Wer lieber nur querlesen will, ist vermutlich mit der Papierversion noch immer schneller unterwegs.

Aber gerade wenn man sich von Bedienhandbüchern und Lexika/Nachschlagewerken entfernt, kommt ein weiterer Faktor ins Spiel, den vermutlich kein Reader jemals emulieren kann: Ein Buch „fühlt sich an“. Das Papier, die Typographie, der Geruch von Einband, Seiten und Leim, die Laminierung des Einbandes, eventuelle Strukturprägungen – all das kann ein Reader niemals bieten. Dicke Bücher mit dünnen Seiten, dünne Bücher mit dicken Seiten. Farbseiten. Einleger. Kreativ eingefaltete Buchrücken. Beschläge. Lesebändchen. Die Farbe der Materialien. Das Geräusch, dass das Buch macht, wenn man es aufschlägt.
All das macht Bücher zu einem reizvollen Objekt der Begierde.

Aber irgendwie beruhigt mich das auch. Wer nicht Bibliophil ist, also in die 60 Euro/Jahr-Kategorie fällt, dem ist das zwar vermutlich egal, für den rechnet sich ein Kindle für 300 Euro aber auch nun gar nicht. Wer hingegen nicht nur Texte, sondern wirklich Bücher als Ganzes konsumiert, der würde mit dem Reader zwar vielleicht günstiger fahren, aber dem entgehen dadurch all diese haptischen, optischen und olfaktorischen Eigenheiten der Bücher.
Nein, ich denke, ich bin kein Dinosaurier, höchstens einer, der es lieber „Old School“ mag.

In diesem Sinne kann ich übrigens voll Freude bekunden, dass – wenn alles glatt gehen sollte – eine Vorabfassung von Seelenworte zwecks Korrektur heute gegen Mittag an die Lektoren raus geht.
Übrigens als digitale Kopie…

Viele Grüße,
Thomas

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