Seelenworte

Die Kraniche grüßen

Hallo zusammen!

Es ist Frühling. Nein, eigentlich ist mal so gar nicht Frühling und ich würde lügen, dass ich mich nicht oft genug wundern würde, wie wenig Leute auf dem Schirm haben, von wann bis wann (die astronomischen) Jahreszeiten so gehen. Aber die Sonne scheint, die Vögel singen, die Pflanzen gewinnen Farbe, die Hecken werden wieder dichter und generell ist es einfach schon wieder viel, viel heller in der Welt.
Und, ein untrügliches Zeichen, die Zugvögel sind wieder unterwegs.

Jedes Halbjahr, wenn es wieder soweit ist, ertönen irgendwann die Rufe der Kraniche am Himmel; das galt in Aachen genauso wie hier in der Eifel. Und immer, wenn ich sie höre, packt mich etwas, was mein Vater mir immer mit auf den Weg gegeben hat. Zumindest die ersten Male, wenn ich die Rufe der Vögel am Himmel höre, gehe auch ich für einen Moment vor die Türe, die Kraniche grüßen. Ich suche den Himmel ab nach der Reihe oder der Keilformation, und wenn ich sie gefunden habe, schaue ich ihnen einfach einen Moment zu.

Manchmal frage ich mich, warum ich es tue; nicht mit diesem Anklang existenzieller Krise, sondern einfach aus Neugierde. Letztlich ist es glaube ich schlicht die Chance, eine Einladung sozusagen, die Welt, in der wir leben, für einen Moment bewusst wahrzunehmen. (Wir hatten das Thema ja neulich erst hier.)
Sicherlich, ich kann mir mein iPhone schnappen und frage: „Siri, wie lang noch bis Frühling?“, und dann sagt Siri „Es sind noch drei Woche bis dahin.“
Aber ich kann mich auch für einen Moment auf den Balkon stellen, bei strahlendem Sonnenschein wie zuletzt, oder auch bei stürmischem Wetter mit dräuenden Wolken, kann den Vögeln beim Flug zuschauen und mir vor Augen führen, dass die Welt sich weiterdreht, es mal wieder soweit ist und eine neue Jahreszeit anbricht.

Ich muss sagen: Es fällt mir leicht, mich zwischen beiden Alternativen zu entscheiden.

Viele Grüße,
Thomas

Allerlei: Con-Termine, DORP 20, Social Media und Videos

Hallo zusammen!

Fangen wir mal direkt mit was Griffigem an: Die Cons-und-Messen-Rubrik hier im Blog ist aktualisiert und hat nun eine erste Übersicht, wo man mich wohl dieses Jahr voraussichtlich wird treffen können. Ohne Gewähr, aber jetzt, wo ich erste Termine von der Arbeit her habe, lohnte da mal ein Update.

Dann ein fast schon alter Hut für alle, die mir auch auf anderen Kanälen folgen, aber die DORP wird dieses Jahr runde 20 Jahre alt! Am 2.2. war der eigentliche Jubiläumstag, wozu ich hier ein paar Worte schrieb und hier ein paar Worte in die Kamera sprach, wozu es im Laufe des Jahres aber hoffentlich noch deutlich mehr zu feiern geben wird.

Und auch wenn ich mich eigentlich sehr aktiv bemühe, nicht jedes einzelne Mal was zum Social-Media-Verzicht zu schreiben, so ist es spannend, wie viel Input zu dem Thema gerade akut und aktiv um mich herum aufzulaufen scheint.
So warf mir der Scorp die Tage diesen Bericht über eine Studie rüber, der zwar jetzt auch keine neue Weisheit verteilt, aber zumindest allerhand meiner eigenen Thesen zu bestätigen scheint.
Beim von mir ja sehr geschätzten, aber auch recht speziellen Podcast Hello Internet vollzieht einer der beiden Podcaster, CGP Grey, gerade einen ähnlichen Versuch, wenn auch mit einem Fundamentalismus, den ich hier nicht hinlegen werde; dennoch, wen das Thema interessiert, der kann vermutlich ganz gut bei Folge 108: Project Cyclops einsteigen und gucken, wohin es ihn führt. Aber Achtung, HI ist ein sehr … unfokussiertes Hörvergnügen.
Außerdem ist da Autor John Green; der vollzieht gerade ein ähnliches Experiment und berichtet ihn diesem kurzen Video vom Resultat der ersten vier Wochen.
Spannend, wie das offenbar gerade um sich greift, wenn man so will.

Und wo wir schon gerade bei den Greens sind – dann packe ich doch einfach noch zwei Videos hier drunter, mit denen ich mal absolut nüchts zu tun habe, die aber denke ich auf ihre Weise sehenswert sind.
Indirekter ein Green-Produkt und vielmehr eines von Lindsey Ellis ist Death of the Author, das für mich eine durchaus wundervolle Erinnerung war, warum ich Literaturwissenschaft halt doch liebe:

Vom anderen Green-Bruder Hank hingegen, deutlich kürzer, weniger gehaltvoll, dafür aber auch kurzweilig und gerade für mich – der ich nach 15 Jahren Leben auf Aachens heißen Thermalquellen nun wieder den ersten richtigen Eifel-Winter mitnehme – sehr amüsant, ist das hier:

Und das soll’s für heute gewesen sein, die Mittagspause, in der ich das hier (von euch aus gesehen gestern) schreibe, ist eh quasi um.

Viele Grüße,
Thomas

Von der ohrenbetäubenden Stille einer geschlossenen Schneedecke (Urlaubsgedanken)

Hallo zusammen!

Es war mal wieder soweit, ich war in Urlaub, habe allem mit Außenwirkung für ein paar Wochen den Rücken gekehrt und bin stattdessen mal wieder mit Freunden in unserem Exil im Schwarzwald gewesen. Fernab aller relevanten Datennetze.

Anders als voriges Jahr hat der Schnee uns ja weißgott gesegnet – und nach Hause verfolgt, ist doch auch mein Vorgarten hier unter diversen Zentimetern Schnee verborgen –, was ja exakt das ist, wonach wir auch immer streben.
Einige von uns vor allem für das schöne Panorama draußen vor dem Fenster, während sie zocken; für eine Freundin von mir und mich wie immer auch als Umgebung, um darin wandern zu gehen. Wobei es Schnee in diesen Mengen mit dem Wandern gar nicht so einfach macht.

Wenn der Schnee erst mal bis über die Waden reicht, wenn die Hose dort, sowie Wind an sie kommt, im Anschluss steif gefriert, dann wird das mit dem Vorankommen zunehmen kniffliger. Ich denke, man kann guten Gewissens sagen, dass unser Aktionsradius bei dem Wetter souverän halbiert war. Aber es war dennoch so schön.

 

Ich persönlich mag ja durchaus Wetter, dass sich ein wenig „wehrt“; Schnee, Kälte, schneidender Wind, das Gefühl, wenn Bart und – das war dieses Jahr neu – Augenbrauen langsam gefrieren, ich mag das sehr. Und während ein rationaler Teil von mir ja durchaus weiß, dass das auch Risiken birgt, dass in jedem Winter arme und auch schlicht unvorsichtige Menschen den Kältetod finden, ganz rein emotional liebe ich diese Momente. Es sind diese Momente, Achtung Phrase, in denen man sich dann noch mal wirklich lebendig fühlen kann.
Wie immer kann ich auch nur raten, solche Eindrücke zu kultivieren, wirklich bewusst in euch aufzunehmen, wenn ihr in irgendeiner Form kreativ arbeitet. Das ist Inspiration, das ist Futter, das ihr später in eigene Werke kanalisieren könnt. Und das ist auch der Grund, warum wir zwar schon alle im Deutsch LK gelernt haben, dass es schlechter Stil sei, übermäßig über das Wetter zu schreiben, aber ich dennoch immer wieder die Witterung in meinen Texten phasenweise in den Fokus rücke. Mein letzter Roman hieß ja nicht umsonst Schleier aus Schnee.

Aber ich hab da noch eine Erkenntnis (für mich) mitgebracht. Stille. Diese Momente, wenn wir dort standen, mitten im Wald oder auf freier Fläche, rundum umringt von einer frischen, unversehrten Schneedecke, einzig in der Schneise aufgebrochen, in der wir bis dort gewandert waren, dann war es still. So vollkommen still, dass man den fallenden Schnee rieseln hören konnte.
Das sind Momente, in denen man sich selbst denken hören kann. Ohne das konstante Dröhnen einer Stadt, ohne die Einflüsterungen traditioneller und neuer Medien, einfach mal den eigenen Gedanken nachgehen. Das ist einer der Gründe, warum ich hier in meiner alten neuen Heimat, der Eifel, gerne wandern gehe, aber dort, im Schwarzwald, kommt halt noch die Distanz zum Alltag hinzu.
Und es ist jedes Mal wieder völlig erschlagend, ohrenbetäubend, wie „laut“ die Stille plötzlich scheint.

Wie jedes Jahr nutze ich gerade diesen ersten Urlaub rund um die Winterzeit ja auch immer ein wenig, um meine Prioritäten, Lebensentscheidungen und Pläne zu hinterfragen.
Mit sehr vielem bin ich sehr zufrieden – der Rückkehr in die Eifel, dem Hausbesitz, der Arbeit, den privaten Projekten. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass es zumindest einen Bereich gibt, in den ich diese Stille zumindest vorerst mitnehmen werde. Insofern, ich sagte es ja schon, werde ich mich vorerst auf sozialen Medien etwas rarer machen.

Nun also 2019. Ich bin ja schon etwas zurück und die ungewohnt lange Zeit zwischen dem Urlaubsende und diesem Text hier zeigt schon, dass ich gewissermaßen nahtlos vom Urlaub in neuerlichen Stress getaumelt bin. Es ist gerade unfassbar viel zu tun, aber ich merke auch, dass ich ausreichend Schwung mitgebracht habe. Da geht noch was.

Noch einmal gedanklich zurück zum Schwarzwald – manchmal kann man von unserer Bleibe aus die Alpen sehen. Es ist ganz bizarr: Wenn man sie sieht, sind sie atemberaubende, monumentale Giganten am Horizont, unfassbar weit entfernt und dennoch ganz zweifellos entweder schlafende Riesen oder das irdische Pendant eines Eberor. Aber manchmal nur Stunden später hat der Dunst sie wieder geschluckt, und es fällt schwer zu glauben, dass sie jemals dort waren.
Die gesamte Zeit, die wir diesmal dort waren, haben sie sich vor uns verborgen. Ein, zweimal waren sie möglicherweise Schemen vor den fernen Wolken, Schatten vor den Schwaden des nahenden Abends, aber wirklich gesehen hat man sie nie.
Dann aber, nach dem all das gesackt war, was ich hier beschrieb, am Tag unserer Abreise, nachdem wir alle Erholung, und ich alle verfügbare Stille in mich aufgenommen hatte, an jenem Morgen waren sie nicht einfach nur zu sehen – sie erschlugen uns geradezu in ihrer Pracht.

Nicht länger umwölkt, sondern völlig klar.
Ich denke, ich werde das einfach mal als Omen mitnehmen.

Viele Grüße,
Thomas

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