Haben Sie schon mal … über Punktdichte nachgedacht?

Hallo zusammen!

Eigentlich ist es ja eine coole Sache: Heute kann jeder alles (be-)drucken lassen, was er gerne hätte. Eine individuelle Tasse? Ein T-Shirt? Poster, Banner, Auto-Klebefolien? Das eigene Buch? Alles kein Ding, alles machbar. Das führt aber natürlich auch dazu, dass – wie bei so vielem – bald zu viele denken, sie seien voll die Experten, und so wiederum wird dann eine Menge Halbwissen kolportiert, was irgendwann zu viele Leute gehört haben, um noch umgestört widersprechen zu können. Das jedoch hilft dann auch keinem weiter, der vielleicht versucht, sein Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen und ohnehin viel zu viele offenere Fragen klären muss.
Und insofern möchte ich heute mal nicht über etwas immanent Buchspezifisches sprechen, sondern über etwas, was einem im Druck-Bereich allgemein immer wieder begegnet: Die dpi-Zahl. (Achtung, es wird ein wenig technisch.)

DPI – das kommt mal wieder aus dem Englischen und steht für dots per inch, also Punkte pro Zoll. Das Konzept ist erfrischend analog: Der Wert beziffert, wie viele Punkte ein Drucker, vorausgesetzt er druckt die Datei in ihrer genuinen Größe, pro Zoll hinterlässt. Streng genommen kann man noch zwischen DPI und PPI – pixels per inch – unterscheiden, aber für heute soll es uns mal nicht aufs Detail ankommen.
Wichtig zum Verständnis ist: Hat eine Datei eine Auflösung von 300 dpi und ist 300×300 Pixel groß, so wird sie im Ausdruck entsprechend 1×1″ groß werden. Somit wird auch klar, dass dieser Wert in den meisten Fällen letztlich vor allem eine Rolle spielt, wenn ein digitales, grafisches Objekt – das ja in einer Anzahl Pixel x Pixel vorliegt –, analog produziert wird. Wenn also – das hatte ich die Tage – ein Kunde darauf besteht, dass eine für den Onlinebereich gedachte Grafik eine Auflösung von sagen wir 640×480 Pixeln bei 96 dpi haben solle, dann ist Letzteres erst mal Humbug, denn die Größe im Screen-Design bzw. in der Bildschirmdarstellung wird bereits maßgeblich durch den Pixelwert bestimmt. Die (eigentlich nicht relevante, aber faktisch natürlich dargestellte) ppi-Zahl ist in Folge dann noch von der Größe des Monitors und der eingestellten Auflösung abhängig; also jenseits der Kontrollmöglichkeiten des Gestalters. Klar soweit?

Okay. So weit, so gut. Diese Zahl da oben, 300 dpi, hat mittlerweile sicher auch fast jeder schon mal gehört, etwa weil heimische Tintenstrahldrucker gerne mal 300 dpi haben oder schlicht, weil ziemlich viel, was man so kaufen kann, in 300 dpi gedruckt wurde. Aber damit – um den Bogen zum Halbwissen zu schlagen – sind wir an dem Punkt, an dem Unfug kolportiert wird.
Immer wieder heißt es und teils liest man, dass eine druckfähige Datei 300 dpi haben müsse. Aber darin sind so viele Annahmen verborgen und Unterstellungen gemacht, dass Fehlerquellen zuhauf entstehen.

Zunächst einmal, wir erinnern uns, ist der dpi-Wert eine Art Übertragungsschlüssel von virtuellen Pixeln zu physischen Maßen in Zoll oder Zentimeter. Angenommen jemand möchte ein Foto drucken im Format 4×6″. Hat der Auftrag eine Anforderung von 300 dpi, so müsste die Datei grundsätzlich ein Format von 1200×1800 Pixeln haben. Ist das der Fall, ist alles gut.
Angenommen aber, jetzt habe die Datei, die er drucken will, zwar die Abmaße von 4×6″, aber nur 72 dpi – seine Datei hat also nur 432×288 Pixel. Lädt er sie nun in das Druck-Interface, kommt vermutlich eine Fehlermeldung.
Das Problem: Viel zu oft kommt es vor, dass der Kunde seine Datei nun etwa in Photoshop lädt, dort die Auflösung bzw. die Punktdichte halt auf 300 dpi hochdrückt – eine sogenannte Punktdichte-Transformation –, es speichert und das Dokument abschickt. Das System meckert nicht mehr, die Datei hat ja 300 dpi – und dennoch sieht der Druck nachher aus wie schon mal gegessen. Denn es ist die eine Sache, solch ein Interface auszutricksen – es ist eine ganz andere, dann auch einen schönen Ausdruck zu haben. Die alte Bildbearbeiter-Weisheit greift also auch hier: Wo keine Daten sind, können keine Daten entstehen.
Insofern muss die Datei nicht 300 dpi haben, wie man hört; sie sollte in diesem Falle im richtigen Format und mit der richtigen Punktdichte angelegt werden – aber das ist eine Feinheit, die zu oft unter geht.
(Und nebenbei – wenn ihr einen Grafiker kennt, und sei er noch so gut, wenn ihr ihm eine 32×32 Pixel große Datei schickt mit der Frage, ob er die „mal schön machen“ könne, nein, dann kann er das nicht. Kein fiktiver Fall …)

Der ganz andere Irrtum ist aber, dass alles immer 300 dpi haben müsse, was gedruckt wird. Schon Plakate werden etwa oft mit 150 dpi gedruckt. Sicher, das ist weniger knackig als das Foto auf dem heimischen Kaminsims, aber das muss es auch gar nicht sein – in der Regel ist der Betrachtungsabstand bei einem Plakat ja viel höher. Das geht dann auch noch extremer – etwa bei Roll-Ups oder gar, ganz wild, bei diesen riesigen Plakaten, die z.B. an Modehäusern die Fassade herunterhängen. Diese in 300 dpi anzulegen wäre Wahnsinn. So hätte schon eine Grafik von 5×5 Metern Größe bei 300 dpi eine Kantenlänge von 59055 Pixeln und würde vermutlich an die 10 GB verschlingen, ohne dass auch nur ein Betrachter je nahe genug daran käme, um etwas davon zu haben.
Das krasseste mir bekannte Beispiel kommt von einem Kumpel, der in einer Druckerei arbeitet, in der Fernseh-Kulissen gedruckt wurden. Ihr wisst schon, so etwas wie die Skyline-Hintergründe hinter den Moderatoren von Late-Talk-Shows und dergleichen. Deren dpi-Zahl war einstellig.

Ein anderer im Druckwesen werkelnder Bekannter nannte all das zusammengefasst mal „die dpi-Lüge“, und ich denke, das trifft es. Weder muss alles immer 300 dpi haben, noch ist diese Zahl allein für sich genommen in irgendeiner Form ausschlaggebend.
Was aber kann man konstruktiv aus diesem Artikel mitnehmen?
Ich weiß, das war alles recht technisch und wahlweise total verwirrend (für Leser ohne Vorkenntnisse) oder völlig altbekannt und zudem teils entnervend vereinfacht (für Leser mit Erfahrung); ich denke aber, in der Mitte gibt es einen Bereich derer, für die es nützlich sein mag. Und für jene sei gesagt: Achtet auf Pixel und dpi. Führt euch vor Augen, was beide Werte bedeuten, was sie machen. Pixel sind ein absolutes Maß, aber der Maßstab ihrer Übertragung in sichtbare Objekte ist relativ. Ein Relation, die durch den dpi-Wert beziffert wird. Und wenn ihr beispielsweise das neue Cover für euren Roman, den Flyer für eure Lesung oder einfach nur den großen Fotodruck für die Hochzeit von Freunden anlegt, dann achtet darauf, dass beide Wertebereiche in der Quelldatei stimmen.
Dann klappt’s auch mit dem Drucken. Alles andere kann nur zu Enttäuschungen führen.

Und nachdem das alles so höchst technisch war, schaue ich mal, dass es das nächste Mal hier wieder etwas Schöngeistiges gibt!

Viele Grüße,
Thomas

Neue Vorabcover und einige Gedanken dazu

Hallo zusammen!
Ich hatte es gestern ja schon angekündigt und will da heute dann auch Wort halten – heute geht es um neue Cover meiner kommenden Bücher. Wobei „kommend“ in beiden Fällen relativ ist; aber wer hier ggf. auch schon länger mitliest, weiß vielleicht, dass ich gerne schon relativ früh im Projektverlauf ein erstes Cover anlege, einfach weil es mir selber hilft, das Unterfangen zu, na ja, visualisieren. Woran das genau liegt, kann ich auch nicht sagen, aber in jedem Fall hilft es.
Manchmal schaffen es die Cover ja sogar in den Druck, so wie es bei Verfluchte Eifel etwa war und wie ich es bei den Weltenscherben nach wie vor für wahrscheinlich halte, wohingegen andere Bücher diverse Iterationen durchlaufen, wie nachfolgend gezeigt Schleier aus Schnee beispielsweise.

Aber kommen wir zu den neuen Covern. Bei Einfach Filme machen wollte ich etwas haben, was im Stil an das alte Cover erinnert, aber dennoch neuer und moderner ist. Somit bleiben ein Blauton, diese Zweiteilung in ein angedeutetes unteres und ein einseitig angeschnittenes Bild oberhalb bestehen, die Motive aber haben sich geändert. Außerdem ist die Typographie denke ich um Welten schicker als alles, was die alte Ausgabe bot – was sich definitiv im Innenteil fortsetzen soll:

EFM 2015 Coverentwurf 1 Frontcover web

Das Cover hatte ich in Zwischenständen schon mal drin, aber wie gesagt, es verdiente Erwähnung.
Kommen wir zu Verdorbene Asche. Das begann ursprünglich im gleichen Schwarzweiß-Look, den auch Verfluchte Eifel besitzt – spielen doch beide im gleichen Setting, wenn man so will –, doch hat es seither bereits einige wilde Kurven genommen.
Rein von der Texturierung her mag sich da noch was tun, aber vom eigentlichen Motiv her steckt bereits alles drin, was ich unterbringen wollte; und alle Designelemente sind bewusst gesetzt. Insofern bin ich schon einmal sehr zufrieden – und hoffe, dass Leser das am Ende dann wertschätzen werden. Dass sie das Buch nach der Lektüre schließen, auf das Titelbild blicken und sich denken: Ach, der Schuft, der hat das alles da schon angedeutet. Nun, wir werden sehen.
Apropos sehen – so sieht es aus:

Verdorbene Asche Coverfassung 1

Ich hoffe, die Titelbilder gefallen euch – ihr werdet sie sicherlich noch einige Male hier im Blog wiedersehen.

Viele Grüße,
Thomas

Ein Update in Sachen Joy | Passion

Hallo zusammen!

Joy | Passion

Joy | Passion

Ich weiß, dies ist mal wieder eines dieser Bücher, die am Ende kaum jemanden betreffen werden, aber ich dachte, ein paar Worte dazu verlieren kann ich sicherlich. Wer hier regelmäßig und/oder seit langem mitliest, wird aber auch vieles schon gehört haben. Joy|Passion ist der jüngste streng limitiert erscheinende Bildband, der aus der Zusammenarbeit mit dem Ballett-Atelier in Stolberg und dessen Schülern entstanden ist. Also die gleiche Reihe, in der schon Singularity, Contrasts und Dreams gestanden haben.
Die derzeitige Fassung kommt mit 84 Seiten daher und gehört damit zu den umfangreicheren meiner Fotobände; das liegt aber auch daran, dass das Buch nicht ein, sondern zwei Fotoprojekte bündelt. Joy war ein nettes Shooting an einem kleinen Bachlauf, an dem wir viel mit Wald, Wasser, Licht und Schatten experimentiert haben. Passion beyond the Grave war dagegen ein Shooting mit Zombie-Thematik aus dem gleichen Jahr, das wir gemeinsam mit Gérard umgesetzt haben.
Apropos „Jahr“: Beide Reihen entstanden schon 2013. Ich wollte eine Umsetzung in Buchform schon viel früher angehen, aber es kam halt immer etwas dazwischen, sodass es eben bis jetzt gedauert hat. Aber ich denke, dafür hat es sich auch gelohnt. Was uns zu der Frage bringt, wie man seine Finger an das Buch bekommen wird.
Für die allermeisten Leute – vermutlich gar nicht. Die Fotos sind ja allesamt in meiner deviantArt-Galerie zu bestaunen, die Druckauflage wird aber am Ende wieder eine Stückzahl rund um die 10 Exemplare haben; für jene, die mitgewirkt haben und die den Projekten aus der einen oder anderen Richtung nahestehen.

Warum also überhaupt ein Buch?
Joy Favoriten web-3291Das wiederum ist eine vielleicht auch allgemein interessantere Frage, die hier aber ein anderes Mal in vollem Umfang beantwortet werden soll. In der Kurzform: Ich glaube, digitale Bilder sind für die allermeisten Leute auf gewisse Weise unsichtbar.
Das gilt nicht für jeden, schätze ich, manche fühlen sich mit digitalen Fotostreams und dergleichen gut versorgt, aber ich für meinen Teil finde, gedruckt wirken die Bilder nicht nur anders, sie sind auch präsenter. Sicherlich kann ich tausende und abertausende Fotos auf meinen Festplatten einlagern; heutzutage kann man sie mit Cloud-Diensten sogar halbwegs absichern. Aber sie physisch präsent, im Raum zu haben führt zumindest bei mir dazu, dass ich sie eher noch mal in die Hand nehme, auch ohne dass ein konkreter Anlass besteht. Und das möchte ich gerade mit meinen eigenen Fotos definitiv auch so handhaben.

Zombie-Ballerinas – ein Projekt mit dem Ballett-Atelier Stolberg

Es ist auch schöner, wenn man sie jemandem zeigen möchte, finde ich. Klar kann man ihnen das Tablet geben, das Handy oder sie an den Rechner setzen, aber ich finde, mit jemandem zusammen ein Buch durchzublättern ist ein anderer, ein analoger, ein schönerer Vorgang. Aber ich bin vermutlich auch nur (in medialen Maßstäben) alt.
Ob das insofern für die Tänzerinnen, die ja nun doch eine Generation jünger sind als ich, auch so gelten wird, mag ich nicht zu sagen. Doch ich mag den Gedanken, dass auch ihnen in einigen Jahren noch mal das Buch in die Hand fallen kann und sie so eine hübsche, schöne Erinnerung haben.
Und darum, darum gibt es ein Buch.
Und um das loszuwerden entstand eigentlich auch dieser Artikel; es bringt mir ja auch nichts, euch lange Zähne auf ein Buch zu machen, das nicht zu kriegen ist. (Wobei wie immer gilt, anschreiben bringt einen nicht um, vielleicht habt ihr ja gute Gründe, Interesse zu haben. Rechnet halt nur eher mit einem „nein“.)

Joy|Passion jedenfalls wartet gerade noch auf die Freigabe seitens Anke, dass alle Bilder, so wie sie gewählt sind, okay sind. Sowie die erfolgt, wird im engen Kreis das Interesse erfragt und dann gedruckt.
Das nächste größere Bildbandprojekt wird dann ja gegen Herbst das Portfolio – das wird dann auch was für alle, die wollen. Und apropos Bücher für alle – morgen gibt es hier noch mal einen Beitrag zu den Covern der EinfachFilmemachen-Neuauflage sowie von Verdorbene Asche. Erstere gab es hier in Zwischenständen sogar schon zu sehen, aber ich finde, beide haben für sich etwas Aufmerksamkeit verdient.

Viele Grüße,
Thomas

Warum Planung und Machen keine Gegensätze sind

Hallo zusammen!

Vor einer Weile schrieb ich hier darüber, dass man nicht nur davon träumen soll, Projekte zu verwirklichen, sondern dass es letztlich essenziell ist, sie dann auch zu verwirklichen. Der Artikel kam gut an und fand viel Zuspruch, was mich freut; er ist aber in meinen Augen nur eine Seite der Medaille. Denn wenn man ihn falsch versteht, dann klingt er vielleicht auch nach einem Traktat für gelebten Aktionismus, und wer mich kennt, der weiß, dass das auch nicht der Wahrheit entspricht.
Nein, im Gegenteil, ich plane gerne, ich denke Projekte sehr gerne gründlich durch, bevor ich den ersten Tastenschlag, den ersten Pinselstrich, den ersten Mausklick mache. Ist das ein Widerspruch?
Ich denke nicht. Warum, darum soll es heute gehen.

Es gibt eine Menge „Achsen“, die vermutlich eine Rolle spielen wenn man versucht, die Entstehung von Kunstwerken jedweden Mediums zu klassifizieren. Talent spielt sicher eine Rolle, Übung aber auch. Eine günstige Gelegenheit und eine Prise Glück sind wichtig, aber ebenso macht es einen großen Unterschied, ob man vorbereitet ist. Ich werde den Teufel tun und versuchen, daraus ein wirkliches Diagramm zu entwickeln, aber den Begriff „Achsen“ habe ich durchaus mit Absicht gewählt; wer von der einen Sache – etwa Talent – mehr hat, kann vermutlich an anderen Enden etwas einsparen.
Das ist dann wie bei den Leuten, die man sicherlich schon aus der Schule kennt: Während man selber in einem Fach, das einem weniger lag, geackert hat um auf eine versetzungsfähige Note zu kommen, kamen diese unvorbereitet und ohne zu pauken in die Klausur und gingen mit ihrer glatten Eins heim. Genauso gibt es halt Leute wie Stephen King, die sich nach eigenem Bekunden hinsetzen und beim Schreiben entwickeln, wohin die Reise überhaupt gehen wird und dennoch in der Lage sind, Texte zu schaffen, die unzählige Leser begeistern können.
Aber diese Leute sind vermutlich Ausnahmen.

Ich saß vor vielen Jahren mal in einem Workshop eines Verlages, den ich hier nicht beim Namen nennen mag. Aus dem Plenum kam die Nachfrage, warum es denn eigentlich immer so lange dauere, bis besagter Verlag mal in die Pötte käme. Was sie die ganze Zeit machen würden, bohrte der Fragende weiter.
„Wir denken nach“, war die trockene Antwort des Verantwortlichen. Das fand ich damals schon interessant – interessant genug, dass es über gut ein Jahrzehnt hinweg im Gedächtnis geblieben ist –, aber zugleich ist es eine Aussage, die denke ich Reflexion verdient hat.
Wie ich im vorangegangenen Artikel ja schon schrieb, ist es wichtig, dass man sich nicht in Wunschträumen verliert von dem, was man eines Tages schaffen wird, denn das ist ein Teufelskreis, durch den am Ende die Seiten weiterhin leer, die Videos ungefilmt und die Leinwand verwaist bleiben. Gibt es also „gutes“ und „schlechtes“ Nachdenken?
Ja, irgendwie schon.

Tom Hillenbrand hat im Mai bei sich im Blog einen ganz guten Artikel mit Schreibtipps veröffentlicht, in dem unter anderem unter Punkt 7 folgendes schreibt:

Manchmal lohnt es sich, über ein Problem lange nachzudenken. Häufig lohnt es sich überhaupt nicht. Das liegt daran, dass wir eine völlig falsche Vorstellung vom Denken entwickelt haben, die vor allem für den kreativen Prozess eher hinderlich als förderlich ist.

Worauf es hinausläuft, ist dieses völlig verkopfte (und verkorkste) Denkerideal, was wir uns im westlichen Kulturkreis zugeeignet haben. Dieser kluge Mann, versunken in seine Gedanken, ein Ellbogen auf das Knie gestützt, das schwer arbeitende Haupt versonnen auf die Hand darüber gelegt. Ein tolles Bild, das Jahrhunderte schon überdauert, aber leider überhaupt nicht zielführend ist.
Wer mit einem Problem konfrontiert ist, kann es möglicherweise dadurch lösen, dass er darüber nachdenkt. Okay. Aber was, wenn nicht?
Erkenntnis ist ein seltsames Biest. Sie kommt nicht, wenn man es ihr befehlen will. Sie findet sich, wenn man etwas anderes tut; wenn man in Gedanken eigentlich gar nicht mehr bei dem Problem verweilt. Es hat einen Grund, dass Agatha Christie als ihren bevorzugten Ort, um ihre Geschichten zu ersinnen, das Tellerwaschen genannt hat. Für manche Leute funktioniert Mediation, also gewissermaßen der bewusste Versuch, das Hintergrundrauschen des Alltags aus den Gedanken zu bekommen. Manche Leute erreichen diesen Zustand durch ablenkende Beschäftigung – einer der Gründe, warum ich gerne auch mal alleine wandere oder abends eine Runde spazieren gehe, liegt darin, dass diese Bewegung draußen genau diese Wirkung auf mich hat. Ich brauche schon meinen Kilometer, bis es soweit ist, aber wenn einmal das richtige Tempo, der richtige Rhythmus von Atmung und Bewegung gefunden ist, gibt auch der Kopf genug Ruhe, dass auch Antworten auf diese ungelösten Fragen eine Chance haben, nach vorne zu treten.
Geht man aber davon aus, ist man wieder gefährlich nahe am Abgrund der nur geträumten Werke, oder?

Was dann am Ende des Tages den Unterschied macht, das ist Fleiß. Das ist nichts, was ich für jemand anderes bewerten wollte; letztlich ist es sogar etwas, was man nur selbst für sich bewerten kann – nur man selbst weiß, ob man fleißig ist. Aber träumen ist leicht. Auf ungelöste Probleme verweisen letztlich auch. Dann aber anfangen, vielleicht auch, wenn in anderen Bereichen noch Fragen ungelöst sind, damit beginnt die Arbeit.
Manche Leute sind von sich aus Arbeitstiere. Das mag sich mit meinem so gerne bemühten Bild der getriebenen Geister überschneiden, aber nicht vollständig. Es gibt Leute, die öffnen morgens ihre Augen und sind voller Tatendrang, bereit, sich dem zu stellen, was der Tag ihnen bieten wird. (Insider-Hinweis: Ich bin keiner davon.)
Und so wundersam es scheint: Hier schließt sich der Kreis. Denn das, was bei mangelndem Tatendrang letztlich dazu dienen kann, dennoch etwas zu machen, das ist am Ende des Tages eine ordentliche Planung. Wie gesagt: Mir fliegt das auch nicht zu und während ich gerade hier sitze und das schreibe, könnte ich auch auf dem Balkon sitzen und lesen. Dann aber käme dieser Artikel vielleicht nie zustande.
Am Ende jeder Woche – also in der Regel sonntags vor dem Einschlafen – mache ich mir eine Übersicht dessen, was in der kommenden Woche getan werden muss. In allen Bereichen: Für die Arbeit, für den Haushalt, für die Hobbys, die Vereine und eben auch die eigenen Projekte. Und am Ende jedes Tages, in der Regel als letzte Tat vor’m Feierabend, überprüfe ich den Auszug dieser Liste für den vergangenen sowie den Folgetag und schaue, was aussteht und ob das, was geplant ist, noch realistisch erscheint. Wenn nicht, passe ich es entsprechend an. Das ist die Makro-Ebene, sozusagen.
Innerhalb von Projekten arbeite ich aber auch nicht anders: Texte untergliedere ich in Sinnabschnitte und halte zumindest vorläufig fest, was ich glaube, inhaltlich dort unterbringen zu müssen. Videos untergliedere ich in entsprechende Etappen, inhaltlich (etwa nach Projekten und Drehtagen) und pragmatisch (Filmen, Schneiden, Farbkorrektur etc.). Diese Übersichten, kombiniert mit den Zeitplänen, lassen mir einen recht sauberen Überblick zukommen, wann was getan werden muss. Und die Beschäftigung mit den Zeitplänen für den Folgetag sorgt eigentlich auch recht verlässlich dafür, dass das unbewusste Denkzentrum seine Arbeit an ungelösten Fragen verrichten kann, wenn ich im Anschluss an die Listensichtung etwa meinen Feierabendspaziergang mache.
Nichts davon ist in Stein gemeißelt; manchmal sind Probleme am Stichtag noch nicht gelöst, dann kann man sie ja noch immer verschieben. Aber ich gehe sie an – und ich tue das auch, angetrieben eben von den Plänen, die ich habe.

Als ich die Videoaufnahmen für Turbolento ins Atelier brachte, wurde mir das noch einmal klar. Das war eh ein hektischer Tag, mit viel Arbeit „auf der Arbeit“ und einem DORPCast, der im Anschluss an die Übergabe auch noch aufgenommen werden wollte. Einer der Verantwortlichen dort kommentierte daraufhin noch, dass es ja schon viel sei, was ich mittlerweile an allen Fronten machen würde – und ich verwies daraufhin halt auf etwas, was ich in anderen Gesprächen schon mal „mein Leben nach To-Do-Listen“ genannt habe.
Vor allem bietet einem dies wiederum auch etwas, was aus einer ganz anderen Richtung daherkommt, aber nicht minder notwendig ist: Man weiß, wann der Tag geschafft ist. Ich habe lange gebraucht, um das für mich zu erkennen, um die Notwendigkeit zu sehen, aber irgendwann ist das Zureden von Freunden doch durchgedrungen. Aber der Irrglaube, dass man mehr schafft, wenn man immer arbeitet, das wird ein Thema für einen anderen Beitrag. Ebenso wie jetzt schon auf der Liste steht, dass ich mein To-Do-Listen-System auch mal exemplarisch und nebst verwendeter Apps hier vorstellen will. Aber ein anderes Mal.
Worum es hier im nächsten Artikel gehen wird, weiß ich dagegen noch nicht 100%. Vielleicht um Protagonisten. Da hab ich auch schon lange was geplant; oder es schmeißt sich was Tagesaktuelles dazwischen? Joy|Passion könnte dieses Wochenende auch fertig werden, ebenso das Alpha-Cover zu Verdorbene Asche.
Na, wir werden es sehen.

Viele Grüße und ein tolles Wochenende,
Thomas

Feencon 2015 – oder: Den Tag hatte ich mir anders gedacht

Hallo zusammen!

Nur ein kurzer Hinweis für alle, denen ich gesagt hatte, wir sähen uns ja auf dem Feencon: Sorry!
Ich wäre gerne gekommen, aber mein Wagen ließ mich auf nicht einmal halber Strecke im Stich. Anstatt also fröhlich mit Leuten über DORP, DORPCast, Hilde und anderes zu plaudern, hab ich eine halbe Odyssee zwischen Autobahn und Vertragswerkstatt in der Eifel, und dann per Zug wieder nach Aachen hingelegt.
Mir ist die Ironie bewusst, dass mich drum letztlich genau jener Schienenersatzverkehr heim gebracht hat, den zu vermeiden ich durch das Auto versucht habe … aber gut, das hat nicht sollen sein. Aber wie schrieb ich gestern schon dazu auf Twitter?

Was am Ende bleibt ist das dringende Bedürfnis, eine Lynch-artige Kurzgeschichte über das Liegenbleiben auf einem glutofenartig heißen Streckenabschnitt ohne Schatten zu schreiben sowie ein tatsächlich recht komplexes und komplettes Treatment für ein Rollenspielszenario namens DIe 1W6 Freunde und der Lord im Regionalexpress.
Vor allem aber ist es schade, nicht in Bonn gewesen zu sein. Entschuldigt auch die Abwesenheit der gewohnten DORP-Lesezeichen; die waren bei mir und sind es jetzt halt noch immer.
Nun denn, es hat in der letzten Zeit so viel gut geklappt, ich vermute, irgendwo war da mal Karma fällig.

Hier hingegen kommt nächste Woche erst mal wieder was „Redaktionelles“. Vor einigen Wochen schrieb ich, wie wichtig es ist, nicht immer nur Pläne zu haben, sondern auch mal zu tun. Kommende Woche drehen ich’s dann mal um und erklären, warum Planung für mich dennoch essenziell ist (und ein wenig, wie mein Workflow ausschaut).

Viele Grüße,
Thomas