Mal wieder ein LARP später

Hallo zusammen!

Am vorigen Wochenende haben wir mal wieder zu einem kleinen LARP-Tag aufgerufen, veranstaltet von unserem Verein Condra – für unseren Verein Condra. Wir machen – wer hier häufiger mitliest, weiß das ja bereits – solche Ein-Tages-Projekte immer mal wieder, aber tatsächlich ist dies unsere erste „interne“ Veranstaltung dieses Jahr gewesen.
Wir hatten, nachdem wir voriges Jahr mit dem „Spiel mit dem Vertrauen“ (ich schrieb darüber u.a. hier und hier) ziemlich rausgeklotzt hatten, zunächst einmal eine gewisse kreative Sammelphase und haben uns nun guter Dinge den Weg für folgende Projekte bereitet.

Interner Flyer für unsere kleine Veranstaltung

Interner Flyer für unsere kleine Veranstaltung

Ich schrieb ja auch schon mal darüber, dass LARP-Requisiten einen weitaus extremeren Standard erfüllen müssen als im Grunde überall sonst. Sie müssen – wie Filmrequisiten, sofern man nicht von CGI ausgeht – einem Blick aus nächster Nähe standhalten, anders etwa als beim Theater, wo selbst die erste Reihe ja normalerweise ein, zwei Meter Mindestabstand zur Bühne haben dürfte. Aber anders als beim Film müssen LARP-Requisiten auch noch haptisch überzeugen, sowohl was ihre Materialbeschaffenheit, als auch was ihr Gewicht anbelangt.
Das sind ziemlich hohe Anforderungen.

Und insofern steht mein heutiger Beitrag, bei dem ich ein wenig exemplarisch zeigen wollte, was wir so gebastelt haben für unsere Truppe, in einer direkten Ahnfolge zu den vorgenannten Beiträgen.

Gemälde

Das Aptraumgemälde, eines unserer zentralen Bilder

Das Aptraumgemälde, eines unserer zentralen Bilder (und angrenzend ein Wurf der anderen Bilder, die ich für das Con angefertigt hatte)

Vieles in der Geschichte beruhte auf dem Thema Gemälde. Es ging um einen Maler (auf der Veranstaltung dargestellt von mir), der – ein bisschen Dorian Gray – offenbar seine Seele in ein Bild gebannt hatte, aber es ging dann im weiteren Verlauf auch – ein bisschen Inception vielleicht – tiefer und tiefer in die Bedeutungsebenen dieser Bilder. Das hat allerlei Produktionsaufwand bedeutet, vor allem, weil mir selber wichtig war, dass es, wenn schon keine tollen, dann doch wenigstens richtige Gemälde sein sollten. Also echte Farbe auf echter Leinwand.
Nun ist mein künstlerisches Schaffen in der Hinsicht bestenfalls das eines Hinterhof-Bob-Ross, aber dennoch, ich denke, die Wirkung hat es nicht verfehlt.

Tatsächlich war es ein dreidimensionales Werk

Tatsächlich war es ein dreidimensionales Werk

Das „Alptraumbild“, die quasi letzte Ebene des Cons, seht ihr nebenstehend. Auf den ersten Blick ein Gesicht in viel düsteren Wirbeln, ist es tatsächlich eine Plastik, gebastelt gemeinsam mit Gérard und dann von mir mit Strukturpaste und Acrylfarben ausgestaltet, mit einem dreidimensionalen Gesicht, was aus der Leinwand ragt. Ich gebe zu, mein ganzer Stolz.

Gewissermaßen ein fiktionales Selbstportrait

Gewissermaßen ein fiktionales Selbstportrait

Die einzige Ausnahme zu der ganzen „Echte Farbe auf echter Leinwand“-Sache war das eigentliche Selbstprotrait des Malers, mit dem alles losging. Das wurde, einfach auch aus Gründen der vorhandenen Fähigkeiten, als Foto inszeniert und auf Leinwand gezogen. Was uns völlig bewusst war, aber zugleich eine diebische Freude bereitet hat, war das Wissen, dass das Gemälde am Ende der Veranstaltung zerstört werden würde. Ich hatte leider den Fotoapparat nicht am Mann, aber das lichterlohe Glühen, als wir das Gemälde (und die teuerste Requisite des ganzen Abends) in rote Flammen verwandelt haben, war es auf jeden Fall wert.
Auch das ein klarer Fall von LARP-Qualitäten: Trotz aller Abgeklärtheit, trotz allem Bewusstsein um die Inszeniertheit der Vorgänge – es gibt etwas im Rahmen all solcher Veranstaltungen, was uns Menschen auf einer so fundamentalen Ebene anspricht, die Hitze und der Geruch der Flammen etwa, dass man ganz von selbst all seinen Meta-Abstand aufgibt.

Die böse Truhe

Auf der anderen Seite des ganzen Spektrums stand eine „böse Kiste“, in der etwas Verfluchtes ruhte, was die Spieler nicht zuletzt eine Weile durch den dunklen Wald tragen sollten. Wir wollten ein wenig Der-eine-Ring-mäßig den Einfluss der Kiste auch akustisch darstellen, weshalb ich ungefähr eine halbe Stunde beliebige Texte eingelesen und diese dann wild durch die Audiobearbeitung gejagt habe, was Gérard wiederum dann nahm und vermittels einer kleinen Box mit SD-Slot in der Kiste installierte. So hatten die Leute eine echte, konstante, sie nicht wirklich auffällig wiederholende, flüsternde Stimme.
Das ganze Biest von Audio-Datei werde ich hier nicht hochladen, aber ich hatte auch für die Spieler am Tag danach eine kleine Audioprobe bereitgestellt, die zumindest für einige Zeit auch noch an dieser Stelle zu hören sein wird. Wirkt so recht harmlos, aber ich denke, wenn man in einem nassen, kalten und tiefschwarzen Wald steht, sieht das ganz anders aus.
Von der finalen Kiste habe ich leider keine Fotos – vielleicht aber Gérard, da muss ich mal nachfragen. Sie war dann von innen beleuchtet und barg, unter einer Lage dünnen Papiers, eine Phiole mit einer zähen, dunklen Flüssigkeit – die enthaltene schwarze Seele des düsteren Malers, respektive verdünntes Rübenkraut auf der realweltlichen Seite der Dinge.
Eine schöne Installation, alles in allem.

Weitere verstörende Akustik und viele Texte

Texte von unterschiedlicher (allgemein kurzer) Länge und in insgesamt dreistelliger Zahl haben wir auch angefertigt, genauso wie eine weitere Tonspur. Diese diente uns als allgemeine, verstörende Untermalung von mystischen Vorgängen, eher dezent, aber wirkungsvoll. Dazu hat – ihr erkennt spätestens jetzt ein Kooperationsmuster hier – sich Gérard seine Säge vorgenommen und einige Sachen eingespielt, aus denen ich dann einen Loop von etwa einer Viertelstunde gebaut habe, den dann wiederum unsere OT-Spielleitung Anke vor Ort einzusetzen wusste. Auch hier: Ein Beispiel.
Weiß der Geier, was meine Nachbarn geglaubt haben, was ich an dem Tag gemacht habe.

Und noch ein paar Worte zum Sinn dieses Artikels

Es wäre leicht, in der Präsentation meiner Beiträge zum Con eine Art narzisstischen Anflug zu sehen, was ich eher ablehnen würde. Stolz hingegen sicherlich. Und natürlich ist es eine sehr willkürliche Eingrenzung, da andere Leute an anderer Front für das Gelingen des Tages nicht weniger geleistet haben.

Aber nein, es geht mir eigentlich eher darum, einfach anhand eines Beispiels einen der Aspekte zu betonen, die mich am LARP so reizen. Ich mag Artefakte. Nicht magische Artefakte im Sinne von Zauberschwertern und magischen Flöten, sondern vielmehr im rollenspielfernen Wortsinne als Benennung eines von Menschenhand geschaffenen Gegenstandes.
LARP ist toll dafür. Es erlaubt einem, Dinge umzusetzen, die man im normalen Alltag nicht braucht und auf die man unter anderen Umständen vielleicht nicht einmal käme. Es erlaubt einem, gemeinsam an etwas zu arbeiten, gemeinsam Energie und kreativen Schaffensdrang auf die Herstellung eines Objektes zu verwenden – und das durchaus teils mit dem Hintergedanken, dass es den Tag seiner Enthüllung möglicherweise nicht überleben wird und es dann vielleicht am Ende nur zehn oder zwanzig Leute waren, manchmal weniger, die ihn überhaupt gesehen haben.
Aber das kann so intensiv, so wirkungsvoll und auch so befriedigend sein, dass das gar nicht weiter schlimm ist.
Nicht nur, aber auch darum ist LARP ein wundervolles Hobby, gerade für Leute, die gerne kreativ arbeiten.

Viele Grüße,
Thomas

5 Gedanken zu “Mal wieder ein LARP später

    • Moin!

      Ich denke schon, dass es mindestens den Versuch wert gewesen wäre.
      Da ist dann natürlich nichts mehr mit Automatik, klar, aber ich denke zumindest ein Bild der Atmosphäre wäre das geworden, ja :)

      Viele Grüße,
      Thomas

      • Ich hab’s ja auch nur aus der Ferne gesehen, weil ich nicht zu nah ans Licht wollte, um Missverständnisse zu vermeiden.
        Aber gerade der Rauch sowie das Licht, das ihn angestrahlt hat, schattenhafte Silhouetten davor, das war ein ziemlich prachtvoller Anblick.
        Als dann irgendwann noch Kathi zu mir gelaufen kam und ich diese schwarze Kontur mit wehendem Haar vor dem lodernden Feuer eilen sah, da war sozusagen der maximale Punkt des „Mensch, jetzt ein Foto!“ erreicht :)

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